Warum wir uns mit Geld schwertun

Beantwortet der Entscheidungsforscher Prof. Dr. von Nitzsch

Warum wir uns mit Geld schwertun

Professor Rüdiger von Nitzsch leitet das Forschungsgebiet Entscheidungsforschung und Finanzdienstleistungen an der RWTH Aachen und ist Vorstandsvorsitzender des Forschungsinstituts für Asset Management der Hochschule. Außerdem gründete er die aixigo AG, die nationale und international tätige Banken bei der Entwicklung von Beratungs- und Betreuungskonzepten im Privatkundengeschäft inhaltlich begleitet.

Die meisten Entscheidungen werden intuitiv getroffen. Dies liegt daran, dass der Mensch nur sehr beschränkte kognitive Ressourcen hat, mit denen er „geizig“ umgehen muss. Rationale Entscheidungen, in denen Vor- und Nachteile systematisch analysiert werden, sind in der Regel viel zu anstrengend und zeitraubend.

Weil es sich um ein sehr abstraktes und schwieriges Feld handelt, das vielen zugleich auch noch wenig Spaß bereitet. Außerdem weiß man, dass die Entscheidungsfreude schnell nachlässt, wenn es zu viele Handlungsmöglichkeiten gibt und man kein Gefühl der Kontrolle hat.

Studien zeigen, dass Frauen tendenziell weniger Risiken eingehen als Männer. Zugleich sind sie weniger aktiv im Kauf und Verkauf von Wertpapieren, was sich letztlich in der erreichten Performance positiv auswirkt. Nicht wenige Anleger denken nämlich, sie wären schlauer als der Markt und handeln deshalb zu viel.

Insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland Unternehmen verstärkt von ihren Banken über Kredit finanziert - wie soll da eine Aktienkultur entstehen? Daneben nimmt die Sozialgesetzgebung in Deutschland auch vielen Bürger Risiken ab, so dass der aktive Umgang mit Risiken auch nicht vermittelt wird.

In der Dot.com-Euphorie zum Ende des letzten Jahrtausends war auch in Deutschland nicht viel von einer Zurückhaltung zu spüren. Erst nachdem die Blase platzte und sich viele die Finger verbrannt hatten, wollte keiner mehr investieren. Dieses naive zyklische Agieren ist ein deutliches Zeichen einer in finanziellen Belangen viel zu schlecht informierten Anlegerschar.

Die Zurückhaltung lässt genau dann nach, wenn man sich besser auskennt und die Risiken und Chancen einer Wertpapieranlage besser beurteilen kann. Hierbei wird man lernen, dass die größten Chancen einer Wertpapieranlage in einem langfristigen Engagement liegen. Denn je länger man sein Geld anlegen kann, desto weniger riskant sind traditionelle und gut diversifizierte Aktienanlagen. Wer bei einem langen Anlagehorizont kaum in Aktien investiert, muss sich nicht wundern, wenn er am Ende kaum etwas herausbekommt.

Ich kann Anlageformen empfehlen, die im Rahmen eines Sparplans in einfach aufgebaute, global investierende Aktienfonds investieren. Durch einen Sparplan umgeht man das Risiko, viel Geld zu einem falschen Zeitpunkt angelegt zu haben. Denn Kursschwankungen, auch heftige, wird es immer wieder geben.