
Hedgefonds sind aktiv gemanagte Fonds, die anders als etwa klassische Aktienfonds, vergleichsweise wenigen Beschränkungen unterliegen.
Ziel der Hedgefonds ist es, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Dafür wählen Fondsmanagerinnen und Fondsmanager zwischen verschiedenen Assetklassen und können hochriskante Strategien fahren. Hohe Verluste sind dadurch ebenfalls möglich.
In Deutschland sind die Investitionsmöglichkeiten in Hedgefonds für Privatanlegerinnen und -anleger gering, weil gesetzlich beschränkt. Investments sind mit Ausnahme von Dach-Hedgefonds nur für professionelle und semiprofessionelle Anlegerinnen und Anleger erlaubt.
Das sind Hedgefonds
Hedgefonds gehören zu den sogenannten alternativen Investmentfonds. Wie bei anderen aktiv gemanagten Fonds wählen dabei professionelle Fondsmanager oder Fondsmanagerinnen die Zusammenstellung aus. Anders als bei herkömmlichen Investmentfonds sind Hedgefonds jedoch weniger stark reglementiert. Das gilt, obwohl Hedgefonds in Deutschland durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kontrolliert werden. Es kann außerdem in Derivate investiert werden.
Typisch für Hedgefonds: Hier geht es nicht darum, das Risiko beim Anlegen breit zu streuen und dabei eine bestimmte Benchmark, zum Beispiel einen bestimmten Index, zu übertreffen. Stattdessen versuchen die Fondsmanagerinnen und Fondsmanager, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Damit das gelingen kann, müssen sie ein hohes Risiko in Kauf nehmen.
Die Strategien dafür sind unterschiedlich. Durch die Nutzung von Derivaten sind Renditen nicht unbedingt an steigende Aktienkurse gebunden. Hedgefonds können unter Umständen auch mit fallenden Kursen eine Rendite erzielen. Das gilt, wenn auf diese spekuliert wurde. Der Reiz liegt darin, unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung Rendite zu erzielen, geht allerdings mit hohen Verlustrisiken einher. Hebeln mit Fremdkapital und Leerverkäufe sind erlaubt. Unten erfahren Sie mehr darüber, was sich dahinter verbirgt.
In Deutschland dürfen grundsätzlich nur bestimmte Anlegerinnen und Anleger in Hedgefonds investieren. Dabei hängt es davon ab, um welche Art von Hedgefonds es geht:
- Privatanlegerinnen und Privatanleger dürfen nur mittelbar in Hedgefonds anlegen, nämlich in sogenannte Dach-Hedgefonds. Das sind Produkte, die vor allem in Anteile oder Aktien von Hedgefonds investieren. Sie sind selten und wegen des hohen Risikos für die meisten Privatanlegenden ungeeignet.
- Semiprofessionelle und professionelle Anlegende dürfen auch in andere Hedgefonds investieren, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Sie müssen dafür genug Erfahrung, Kapital und Wissen haben, um die Risiken einzuschätzen. Zu dieser Investorengruppe gehören neben kundigen vermögenden Privatpersonen zum Beispiel Kreditinstitute und Versicherungen.
Typische Strategien und Anlageformen mit Hedgefonds
- So funktioniert Hebeln mit Fremdkapital
Hebelprodukte ermöglichen es vereinfacht gesagt, von einer Rendite vielfach zu profitieren. Dafür ist auch der vielfache Verlust möglich. Beispiel: Hebeln Sie etwa mit einem Faktor von 10, können Sie möglicherweise die zehnfache Rendite machen – oder zehnfach verlieren. Je nach Produkt ist unter Umständen aber auch ein Verlust über den Totalverlust des eingesetzten Kapitals hinaus möglich.
Nutzt der Fondsmanager oder die Fondsmanagerin eines Hedgefonds den Hebeleffekt mit Fremdkapital, bedeutet das, dass sie kreditfinanziertes Geld einsetzen. Auch dadurch kann ein Hebeleffekt entstehen. Vereinfacht erklärt: Das Fondsmanagement geht beispielsweise davon aus, dass mit einem bestimmten Investment eine Rendite von 7 Prozent erzielt werden kann. Statt nur das vorhandene Kapital entsprechend einzusetzen, um darauf möglicherweise 7 Prozent zu erzielen, nimmt es zusätzlich einen Kredit auf. So kann es noch mehr Geld einsetzen. Der Kredit kostet beispielsweise 5 Prozent Zinsen. Geht die Rechnung des Fondsmanagements auf, lohnt sich das. Denn bei einer Rendite von 7 Prozent bleibt noch Gewinn übrig, nachdem die Zinsen in Höhe von 5 Prozent bezahlt sind. Auf das vorhandene Kapital wirkt sich das zusätzlich eingesetzte Fremdkapital also im besten Fall wie ein Hebel aus: Der Gewinn kann vervielfacht werden.
Dabei gibt es jedoch ein großes Aber: Denn möglicherweise tritt eine andere Entwicklung ein als erwartet. Statt 7 Prozent kommt es vielleicht „nur“ zu einer Rendite von 3 Prozent. Nun ist der Kredit mit seinen 5 Prozent Zinsen teurer. Um ihn samt Zinsen zurückzuzahlen, kommt es zum Verlust. Während eine Rendite von 3 Prozent bei einem herkömmlichen Fonds noch solide sein kann, wirkt sich diese hier möglicherweise durch den negativen Hebeleffekt über das Fremdkapital stark negativ aus. Das kann relativ leicht passieren. Verspekuliert sich das Fondsmanagement, sind auch Totalverluste möglich.
- So funktionieren Leerverkäufe
Bei Leerverkäufen spekulieren Fondsmanagerinnen und Fondsmanager darauf, dass ein bestimmter Kurs fällt, zum Beispiel ein Aktienkurs. Um aus dem fallenden Kurs eine Rendite zu erzielen, leihen sie sich die jeweilige Aktie für eine bestimmte Gebühr. Dann verkaufen sie die geliehene Aktie. Fällt der Kurs der Aktie wie erwartet, kaufen sie sie zum dann günstigeren Kurspreis und geben sie an den Eigentümer oder die Eigentümerin zurück. Die Rendite ergibt sich also aus der Differenz von eingenommenem Verkaufspreis und günstigerem Kaufpreis abzüglich der Gebühr.
Wie riskant das ist, leuchtet ein: Vielleicht fällt der Aktienkurs tatsächlich, aber nicht so stark, dass die Gebühr reingeholt wird. Oder aber im schlimmsten Fall steigt der Aktienkurs statt zu fallen. Die Aktie muss dennoch zurückgegeben werden, muss also nun teurer eingekauft werden. Nicht nur die Gebühr ist verloren, sondern es fallen Kosten darüber hinaus für die nun teurere Aktie an.
Vielleicht denken Sie, dass Leerverkäufe dadurch gerade in schwachen Marktphasen geeignete Instrumente sein könnten, weil es möglich ist, von fallenden Kursen zu profitieren. Tatsächlich hat aber die Praxis in der Finanzkrise 2008 gezeigt, dass selbst das keine Garantie ist. Verspekuliert sich das Fondsmanagement, kann der Fonds gezwungen sein, zu schließen oder Zahlungen auszusetzen. Für Investorinnen und Investoren sind hohe Verluste möglich.
- Dach-Hedgefonds – die Meta-Hedgefonds
Für Privatanlegerinnen und -anleger sind in Deutschland Dach-Hedgefonds die einzig zugelassene Form, um Geld zumindest mittelbar in Hedgefonds anzulegen. Dach-Hedgefonds sind Fonds, die vor allem in Anteile oder Aktien von Hedgefonds investieren. Dabei muss das Fondsmanagement so breit streuen, dass nie mehr als 20 Prozent des Gesamtkapitals in einem Fonds angelegt wird. Durch diese Streuung soll das Risiko verteilt werden. Gesetzlich geregelt ist dies im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) § 225.
Außerdem gelten für Dach-Hedgefonds weitere Einschränkungen. Beispielsweise gilt das beim Einsatz von Hebeln durch Fremdkapital. Es ist ausschließlich eine kurzfristige Kreditaufnahme in Höhe von maximal 10 Prozent des Fondswerts erlaubt. Leerverkäufe sind ebenfalls nicht erlaubt. Trotz der Einschränkungen bleibt das Risiko bei der Investition in Dach-Hedgefonds höher als beim Investieren in klassische aktiv oder passiv gemanagte Fonds.
Diese Voraussetzungen müssen Anlegende zur Investition in Dach-Hedgefonds mitbringen
Zulassung des Fonds durch die BaFin
Der Dach-Hedgefonds muss von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigt und zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sein. Ohne diese Zulassung darf der Fonds nicht an Privatanlegende verkauft werden
Mindestanlagebetrag
In der Regel verlangen solche Fonds eine hohe Mindesteinlage. Damit soll sichergestellt werden, dass Investierende sich des Risikos bewusst sind und es sich leisten können.
Aufklärung über Risiken
Der Anbieter muss die Anlegenden ausführlich über die besonderen Risiken informieren. Das geschieht über ein Verkaufsprospekt und ein Basisinformationsblatt.
Risikobereitschaft und Anlageerfahrung
Anlegerinnen und Anleger sollten bereit sein, hohe Schwankungen und mögliche hohe Verluste zu akzeptieren. Außerdem: nie das Gesamtvermögen in Hedgefonds investieren!
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Häufige Fragen zu Hedgefonds
Das Grundprinzip funktioniert wie bei herkömmlichen aktiv gemanagten Fonds: Das Fondsmanagement stellt den Fonds zusammen und versucht damit, ein bestimmtes Anlageziel zu erreichen. Anders als bei herkömmlichen Fonds geht es hier in der Regel aber nicht darum, Risiken zu streuen, sondern um maximale Rendite. Dafür werden hohe Verlustrisiken in Kauf genommen. Das macht Hedgefonds gefährlich. Totalverluste sind möglich.
Hedgefonds können unter Umständen eine hohe Rendite erzielen. Der Nachteil: Auch die Verlustrisiken sind enorm hoch. Für nicht professionelle Privatanlegerinnen und -anleger sind Hedgefonds in Deutschland deshalb mit Ausnahme von Dach-Hedgefonds nicht zugänglich. Auch mit Dach-Hedgefonds ist das Anlagerisiko wesentlich höher als bei klassischen aktiv oder passiv gemanagten Fonds.
Für Privatanlegerinnen und -anleger sind Hedgefonds in der Regel nicht geeignet. Mit Ausnahme von Dach-Hedgefonds können nur professionelle und semiprofessionelle Investorinnen und Investoren in Hedgefonds anlegen. Hohe Mindesteinlagevolumen erschweren den Zugang zusätzlich. Oft liegen diese beispielsweise ab 500.000 Euro bei professionellen Hedgefonds.
Für Privatanlegerinnen und Privatanleger sind nur Dach-Hedgefonds zugänglich. Eine meist hohe Mindestanlage erschwert zusätzlich den Zugang.
Das ist ein Fonds, der nicht direkt in Aktien, Anleihen oder Rohstoffe investiert, sondern unter anderem in mehrere verschiedene Hedgefonds. So entsteht eine etwas breitere Streuung: Wenn ein einzelner Hedgefonds schlecht läuft, können andere die Verluste ausgleichen. Das senkt das Risiko etwas – obwohl Dach-Hedgefonds insgesamt immer noch sehr riskant sind.
Hedgefonds gelten als spekulativ, weil sie sehr risikoreich investieren dürfen. Sie nutzen häufig Hebelwirkungen, um mögliche Gewinne zu vervielfachen – was aber auch Verluste vergrößert. Außerdem setzen viele Hedgefonds auf kurzfristige Marktbewegungen oder komplexe Derivate, die stark schwanken können.
Da ihre Strategien oft wenig transparent sind, können Anlegende das Risiko oft schwer einschätzen. Insgesamt zielen Hedgefonds darauf ab, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, gehen dafür aber auch hohe Spekulationsrisiken ein.
Hedgefonds nutzen ganz unterschiedliche Strategien, um Gewinne zu erzielen – oft auch in schwierigen Marktphasen. Typisch ist beispielsweise das Hebeln mit Fremdkapital, also der Einsatz von kreditfinanziertem Geld. Außerdem spekuliert das Fondsmanagement oft mit Leerverkäufen darauf, dass ein bestimmter Kurs fällt. Wie diese Strategien funktionieren, erklären wir Ihnen im Artikel.
Hedgefonds sind oft deutlich teurer als klassische Investmentfonds:
- Üblich sind jährliche Verwaltungsgebühren von 1 bis 2 Prozent des Anlagebetrags. Diese werden jährlich ausgewiesen, aber oft anteilig monatlich oder quartalsweise abgerechnet.
- Hinzu kommt eine Erfolgsbeteiligung von häufig etwa 20 Prozent der erzielten Gewinne pro Jahr.
Hedgefonds unterscheiden sich von klassischen Investmentfonds oder ETFs vor allem durch ihre Risikobereitschaft. Sie dürfen nahezu alle Anlageformen nutzen, auch Derivate, Hebeln mit Fremdkapital oder Leerverkäufe. Dach-Hedgefonds sind hier stärker eingeschränkt. Hedgefonds verfolgen oft sehr aktive, spekulative Strategien, um unabhängig von der Marktlage Gewinne zu erzielen.
Klassische Investmentfonds und ETFs dagegen investieren meist breit gestreut, etwa in Aktien oder Anleihen. Sie unterliegen strengen gesetzlichen Vorgaben, die das Risiko begrenzen. Außerdem sind sie transparenter und kostengünstiger, während Hedgefonds oft hohe Gebühren und eine geringere Transparenz aufweisen.



