Ein Mann mittleren Alters schaut ernsthaft, konzentriert, sein Kinn auf seine Hände gestützt, auf die Aktienkurven mehrerer Bildschirme auf dem Schreibtisch vor ihm.

So funktionieren Hedgefonds

Hochspekulative Anlageklassen
Bei Hedgefonds denken wohl die meisten direkt: „Das ist doch das gefährliche Zeug!“ Doch was sind Hedgefonds eigentlich genau? Wir erklären, wie sie funktionieren und warum diese alternativen Investmentfonds mit einem so hohen Risiko verbunden sind.

Für Privatanleger und -anlegerinnen sind Hedgefonds aufgrund des hohen Risikos in der Regel nicht geeignet. In Deutschland sind die gesetzlichen Hürden für diese daher bewusst hoch angesetzt. Warum das so ist und was Hedgefonds sind, erfahren Sie hier.


Das Wichtigste in Kürze:

Das sind Hedgefonds

Hedgefonds sind sogenannte alternative Investmentfonds. Wie bei anderen aktiv gemanagten Fonds wählen dabei professionelle Fondsmanager oder Fondsmanagerinnen die Zusammenstellung aus. Anders als bei herkömmlichen Investmentfonds sind Hedgefonds jedoch trotz einer für deutsche Hedgefonds bestehenden Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wesentlich weniger stark reglementiert. Es kann außerdem auch in Derivate investiert werden.

Typischerweise geht es bei Hedgefonds nicht darum, das Risiko beim Anlegen breit zu streuen und dabei möglichst eine bestimmte Benchmark, zum Beispiel einen bestimmten Index, zu übertreffen. Stattdessen versuchen die Fondsmanagerinnen und Fondsmanager, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Damit das gelingen kann, müssen sie ein hohes Risiko in Kauf nehmen. Die Strategien dafür sind unterschiedlich. Durch die Nutzung von Derivaten sind Renditen nicht unbedingt an steigende Aktienkurse gebunden: Hedgefonds können unter Umständen auch mit fallenden Kursen eine Rendite erzielen, wenn auf diese spekuliert wurde. Der Reiz, dadurch in gewisser Weise nicht an den Markt gekoppelt zu sein, geht allerdings mit hohen Verlustrisiken einher. Hebeln mit Fremdkapital und Leerverkäufe sind erlaubt. Wir erklären im Folgenden, was sich dahinter verbirgt.

So funktioniert Hebeln durch Fremdkapital

Hebelprodukte ermöglichen es vereinfacht gesagt, von einer Rendite vielfach zu profitieren – beim Risiko, dass man auch den vielfachen Verlust machen kann: Hebeln Sie beispielsweise mit einem Faktor von 10, können Sie möglicherweise die zehnfache Rendite machen – oder zehnfach verlieren. Je nach Produkt ist unter Umständen aber auch ein Verlust über den Totalverlust des eingesetzten Kapitals hinaus möglich.

Nutzt der Fondsmanager oder die Fondsmanagerin eines Hedgefonds den Hebeleffekt mit Fremdkapital, bedeutet das, dass sie kreditfinanziertes Geld einsetzen. Auch dadurch kann ein Hebeleffekt entstehen. Vereinfacht erklärt: Das Fondsmanagement geht beispielsweise davon aus, dass mit einem bestimmten Investment eine Rendite von 7 Prozent erzielt werden kann. Statt nur das vorhandene Kapital entsprechend einzusetzen, um darauf möglicherweise 7 Prozent zu erzielen, nimmt es zusätzlich einen Kredit auf. So kann es noch mehr Geld einsetzen. Der Kredit kostet beispielsweise 5 Prozent Zinsen. Geht die Rechnung des Fondsmanagements auf, lohnt sich das. Denn bei einer Rendite von 7 Prozent bleibt noch Gewinn übrig, nachdem die Zinsen in Höhe von 5 Prozent bezahlt sind. Auf das vorhandene Kapital wirkt sich das zusätzlich eingesetzte Fremdkapital also im besten Fall wie ein Hebel aus: Der Gewinn kann vervielfacht werden.

Dabei gibt es jedoch ein großes Aber: Denn möglicherweise tritt eine andere Entwicklung ein als erwartet. Statt 7 Prozent kommt es vielleicht „nur“ zu einer Rendite von 3 Prozent. Nun ist der Kredit mit seinen 5 Prozent Zinsen teurer. Um ihn samt Zinsen zurückzuzahlen, kommt es zum Verlust. Während eine Rendite von 3 Prozent bei einem herkömmlichen Fonds noch solide sein kann, wirkt sich diese hier möglicherweise durch den negativen Hebeleffekt über das Fremdkapital stark negativ aus. Das kann relativ leicht passieren. Verspekuliert sich das Fondsmanagement, sind Totalverluste keine Seltenheit.

So funktionieren Leerverkäufe

Bei Leerverkäufen spekulieren Fondsmanagerinnen und Fondsmanager darauf, dass ein bestimmter Kurs, zum Beispiel ein Aktienkurs, fällt. Um aus dem fallenden Kurs eine Rendite zu erzielen, leihen sie sich die jeweilige Aktie für eine bestimmte Gebühr. Dann verkaufen sie die geliehene Aktie. Fällt der Kurs der Aktie wie erwartet, kaufen sie sie zum dann günstigeren Kurspreis und geben sie an den Eigentümer oder die Eigentümerin zurück. Die Rendite ergibt sich also aus der Differenz von eingenommenem Verkaufspreis und günstigerem Kaufpreis abzüglich der Gebühr.

Wie riskant das ist, leuchtet ein: Vielleicht fällt der Aktienkurs tatsächlich, aber nicht so stark, dass die Gebühr reingeholt wird. Oder aber im schlimmsten Fall steigt der Aktienkurs statt zu fallen. Die Aktie muss dennoch zurückgegeben werden, muss also nun teurer eingekauft werden. Nicht nur die Gebühr ist verloren, sondern es fallen Kosten darüber hinaus für die nun teurere Aktie an.

Vielleicht denken Sie, dass Leerverkäufe dadurch gerade in schwachen Marktphasen geeignete Instrumente sein könnten, weil es möglich ist, von fallenden Kursen zu profitieren? Tatsächlich hat aber die Praxis in der Finanzkrise 2008 gezeigt, dass selbst das keine Garantie ist. Verspekuliert sich das Fondsmanagement, muss der Fonds schließen. Für Investorinnen und Investoren sind hohe Verluste möglich.

Dach-Hedgefonds – die Meta-Hedgefonds

Für Privatanlegerinnen und -anleger sind in Deutschland Dach-Hedgefonds die einzig zugelassene Form, um Geld anzulegen. Dach-Hedgefonds sind sozusagen die Hedgefonds der Hedgefonds: Denn sie sind Fonds, die vor allem in Anteile oder Aktien von Hedgefonds investieren. Dabei muss das Fondsmanagement so breit streuen, dass nie mehr als 20 Prozent des Gesamtkapitals in einem Fonds angelegt wird. Durch diese Streuung soll das Risiko verteilt werden.

Außerdem gelten für Dach-Hedgefonds weitere Einschränkungen, unter anderem beim Einsatz von Hebeln durch Fremdkapital: Es ist ausschließlich eine kurzfristige Kreditaufnahme in Höhe von maximal 10 Prozent des Fondswerts erlaubt. Leerverkäufe sind beispielsweise ebenfalls nicht erlaubt. Trotz der Einschränkungen bleibt das Risiko bei der Investition in Dach-Hedgefonds höher als beim Investieren in klassische aktiv oder passiv gemanagte Fonds.

Häufige Fragen zu Hedgefonds

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Was versteht man unter Hedgefonds?

Hedgefonds sind alternative Investmentfonds mit hohem Risiko. Ziel des Hedgefonds-Managers oder der -Managerin ist es typischerweise, einen absoluten Return zu erzielen. Das bedeutet: Anstatt – wie bei anderen aktiv gemanagten Investmentfonds häufig üblich – besser abschneiden zu wollen als eine bestimmte Benchmark und dabei breit zu streuen, steht hier die höchstmögliche Rendite an erster Stelle. Risikostreuung hat hier in der Regel keine große Bedeutung. Maßnahmen wie Leerverkäufe und Hebeln mit Fremdkapital sind möglich.

Das Grundprinzip funktioniert wie bei herkömmlichen aktiv gemanagten Fonds: Das Fondsmanagement stellt den Fonds zusammen und versucht damit, ein bestimmtes Anlageziel zu erreichen. Anders als bei herkömmlichen Fonds geht es hier in der Regel aber nicht darum, Risiken zu streuen, sondern um maximale Rendite – dafür werden hohe Verlustrisiken in Kauf genommen. Das macht Hedgefonds gefährlich. Totalverluste sind möglich.

Derzeit ist Field Street Capital Management der weltweit größte Hedgefonds (Stand: Juni 2023) – gefolgt von Citadel Investment Group und Bridgewater Associates. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in den USA.

Ja, auch in Deutschland gibt es Hedgefonds. Deutsche Hedgefonds werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kontrolliert.

Für Privatanlegerinnen und -anleger sind Hedgefonds in der Regel nicht geeignet. Mit Ausnahme von Dach-Hedgefonds können nur professionelle und semiprofessionelle Investorinnen und Investoren in Hedgefonds anlegen. Hohe Mindesteinlagevolumen – oft ab 500.000 Euro – erschweren den Zugang zusätzlich. 

Hedgefonds können unter Umständen eine hohe Rendite erzielen. Der Nachteil: Auch die Verlustrisiken sind enorm hoch. Für nicht professionelle Privatanlegerinnen und -anleger sind Hedgefonds in Deutschland deshalb mit Ausnahme von Dach-Hedgefonds nicht zugänglich. Auch mit Dach-Hedgefonds ist das Anlagerisiko wesentlich höher als bei klassischen aktiv oder passiv gemanagten Fonds.

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