Ist Europa noch zu retten?

Was die Europawahl für uns bedeutet

Jeden Monat neu: Drei Fragen zu Geld, drei Antworten. Diesmal: Am 26. Mai ist in Deutschland Europawahl. Wie stark wird Europa in Zukunft sein? Wie sinnvoll ist Europa noch? Womit muss Europa im Jahr 2019 rechnen? Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, klärt auf.

3 Fragen zu Geld
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) befindet sich die Weltwirtschaft in einer delikaten Phase – das gelte besonders für Europa. Das Wachstum hat sich hier kräftig verlangsamt. Wie stark wird Europa in Zukunft sein?

Dr. Ulrich Kater: Der IWF ist häufiger alarmistisch unterwegs – am Ende kommt es dann regelmäßig nicht so schlimm. So auch diesmal: Während die letzten Prognostiker noch auf den Rezessionszug aufspringen, fährt der schon längst in die Gegenrichtung. Die Frühindikatoren haben gedreht, die Industrie kommt wieder in Fahrt.

Etwas anders sieht das langfristige Bild aus: Europa muss sich etwas einfallen lassen, wenn auch in fünf Jahren die Wirtschaft noch weltweit führend sein soll. Hier macht die Europäische Kommission ihre Arbeit ganz gut. Bremser sind eher die nationalen Regierungen.

Die Zahl der Europa-Gegner wächst. Nationalisten und Europa-Skeptiker machen Stimmung gegen die Europäische Union. Die Briten wollen raus, im Osten überwiegen die Kritiker, und in Italien haben die Rechtspopulisten Konjunktur. Wie sinnvoll ist Europa noch?

Am sichtbarsten wird Europa nach außen. Mit Korea oder mit China und demnächst auch mit Großbritannien kann die US-Handelspolitik umspringen, wie sie will. Mit der Europäischen Union nicht.

In einer Weltwirtschaft, in der Handelsregeln, Regulierungen und Standards immer wichtiger werden, setzt sich derjenige durch, der die größte Verhandlungsmacht hat. Und das ist derjenige mit der größten Wirtschaftskraft und den größten Märkten.

Allein ist jedes europäische Land im internationalen Maßstab ziemlich bedeutungslos – wie die Briten gerade leidvoll erfahren. Das gleiche gilt für Sicherheit und Verteidigung. Und nur mit einer gemeinsamen Währung können die europäischen Länder auf den Weltfinanzmärkten Einfluss ausüben. Da wäre selbst eine D-Mark chancenlos.

Dr. Kater im Gespräch

Der Brexit wurde auf den 31.10.2019 verschoben. Die Verschuldung Italiens bleibt uns erhalten. Womit muss Europa in der zweiten Jahreshälfte 2019 rechnen?

Die neuen Themen sind die alten. Was soll sich im Vereinigten Königreich durch die Fristverlängerung ändern? Die Probleme bleiben die gleichen. Und dass Italien jederzeit in eine Finanzkrise schlittern kann, ist mittlerweile an den Märkten Allgemeinwissen. Bei günstigem Konjunkturwetter in diesem Jahr kann das allerdings auch erst in einem Jahr oder sogar noch später passieren.

Wesentlich scheint mir die Erkenntnis, dass im Gegensatz zu den nationalistischen Einflüsterungen die Schwierigkeiten eines Landes um keinen Deut besser werden durch den Exit aus dem Europäischen Club. Im Gegenteil: Es wird für jede Regierung unbequemer – weil dann kein Sündenbock mehr vorhanden ist, auf den sie die Probleme schieben kann.

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