Was die fallenden Kurse an der Börse jetzt für Sie bedeuten

Kommt der große Aktien-Crash?

Jeden Monat neu: Drei Fragen zu Geld, drei Antworten. Diesmal: Was ist an der Börse los? Wie tief rauscht der Dax? Soll ich überhaupt noch in Aktien anlegen oder muss ich jetzt um mein Geld fürchten? Erfahren Sie mehr über die Grundlagen des Marktes und die Chancen für Investoren. Dr. Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank, klärt auf.

3 Fragen zu Geld
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Die Börse meldet in den vergangenen Monaten wiederholt starke Verluste. Der deutsche Leitindex sackte zuletzt auf den tiefsten Stand seit Dezember 2016. Herr Dr. Kater: Was ist da los?

Dr. Ulrich Kater: Wir haben sehr gute Zeiten bei Aktien und Renten hinter uns. Der Markt muss auch mal durchschnaufen. Wer sich mit Aktienmärkten auskennt, weiß, dass solche Phasen dazugehören und man mit dem eigenen Portfolio am besten einfach hindurchfährt, bis der nächste Aufwind kommt.

Zurzeit kommt einiges an Unsicherheit zusammen, etwa wie kräftig der Aufschwung noch ist oder wie weit die US-Notenbank die Zinsen erhöhen will. In Europa haben wir mit der italienischen Finanzpolitik einen besonderen Risikofaktor.

Alles zusammen ist das zurzeit eine sehr unbekömmliche Kost für die Finanzmärkte. Allerdings reden wir nicht von einem Absturz, sondern von einer Verlangsamung des immer noch guten Konjunkturverlaufs. Diese Verlangsamung ist nun in den Kursen angekommen. Auf die Zinsen hat dies alles kaum Einflüsse, außer dass sie niedrig bleiben.

Erste Analysten sagen, dass der Dax sogar bis auf 10.000 Punkte fallen könnte. Wie tief rauscht der Dax?

Wir rechnen jetzt erst einmal mit einem freundlicheren Jahresende, wenngleich sich die Chancen auf eine richtige Rallye nach dem Kursgeschehen in den vergangenen Tagen eher vermindert haben. Auch im kommenden Jahr gibt es eine Reihe von Problemzonen für die Aktienmärkte.

Es müssen weitere Zinserhöhungen aus Amerika verdaut werden, der Zollkonflikt wird weitergehen. Eventuell kommen schlechte Nachrichten aus Italien. Das alles kann neuerlich zu einem Rückschlag an den Märkten führen. Auch in die Bandbreite von 10.000 bis 11.000 Punkte. Dann muss uns aber auch wirklich der Himmel auf den Kopf fallen, sonst sind das definitive Kaufkurse.

Dr. Kater im Gespräch

Soll ich überhaupt noch in Aktien anlegen oder muss ich jetzt um mein Geld fürchten?

Aktien sind nichts für kurzfristige Spekulationen. Um mein Geld muss ich mich am Aktienmarkt nur fürchten, wenn ich in einzelne wenige Unternehmen angelegt bin, die eventuell tatsächlich vom Markt verschwinden können.

In der Breite erholt sich der Aktienmarkt stets wieder und erobert regelmäßig neues Kursterrain. Das liegt daran, dass im Trend die Wirtschaft wächst, dass die Unternehmen wachsen und mit ihnen die Gewinne. Im schlimmsten Fall braucht dies etwas Zeit. Die sollte der Aktienanleger jedoch mitbringen.

In der Geldanlage vieler privater Haushalte spielen Aktien selbst nach Jahren der Nullzinsen generell eine zu geringe Rolle. Daher ist ein Aufbau von Aktienpositionen auch in diesen Zeiten sinnvoll. Dass die Aktien gegenwärtig am Markt etwas günstiger zu haben sind, ist dabei ein erfreulicher Mitnahmeeffekt.

Da der europäische Aktienmarkt mittlerweile nicht mehr teuer bewertet ist, sollten Anleger die Möglichkeit ergreifen, günstig an Vermögensgegenstände heranzukommen, also auch an europäische Qualitätsaktien.

Der Aufbau von Aktienpositionen sollte generell über den Zeitraum von mindestens einem Jahr gestreckt werden. Das bedeutet: In diesem Zeitraum regelmäßig anzulegen. Der kurzfristige Ausblick auf das Jahresende ist kein Maßstab für den Erwerb von Aktien.

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