Rendite und gutes Gewissen – geht das?

Was #FridaysforFuture für die Finanzmärkte bedeutet

Jeden Monat neu: Drei Fragen zu Geld, drei Antworten. Diesmal: Tausende Jugendliche demonstrieren jeden Freitag unter dem Hashtag #FridaysforFuture für Klima- und Umweltschutz. Ist Öko auch an den Finanzmärkten Trend? Wie nachhaltig sind Geldanlagen wirklich? Performen nachhaltige Anlagen besser? Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka Investment, klärt auf.

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3 Fragen zu Geld an
Ingo Speich
Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka Investment

Die Klimaschutzbewegung #FridaysforFuture um die schwedische Schülerin Greta Thunberg hebt das Thema Umweltschutz auf die Agenda der Politik. Spüren Sie auch einen „Greta“-Effekt?

Ingo Speich: Ja, wir sehen im Markt zurzeit eine Sensibilisierung der Kunden im Hinblick auf Nachhaltigkeitsthemen. Dazu trägt auch die Debatte um den Klimawandel bei. Nachhaltigkeit ist in diesem Zusammenhang das Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie und sozialen Aspekten. Grün ist häufig nachhaltig, aber nachhaltig ist nicht nur grün. Es geht weit darüber hinaus.

Nachhaltigkeit ist heute aus dem Leben nicht mehr wegzudenken. Das gilt für die Konsumgüterbranche, wenn Sie im Supermarkt einkaufen. Für den Transport wie Bahn, Schiene, Auto, Elektroantrieb. Und das gilt auch für Finanzprodukte. Wir alle müssen uns dem Thema stellen.

Wie weiß ich als Anleger, ob ein Finanzprodukt wirklich nachhaltig ist, oder ob es vielleicht nur ein nachhaltiges Etikett hat?

Aktuell gibt es noch keinen einheitlichen Standard. Die Anbieter legen die Auswahlkriterien selbst fest. Diese müssen transparent und die Prozesse für den Kunden klar sein. Eine eindeutige Linie ist hier wichtig. Es muss sicher sein, dass das hohe Qualitätsniveau einer nachhaltigen Anlage gesichert ist. Das geht zum Beispiel durch Ausschlusskriterien: Problematische Branchen oder Tätigkeitsfelder wie Rüstung, Waffen oder Atomenergie sind ausgeschlossen.

Anlageprodukte einfach nur als nachhaltig zu labeln, bringt niemanden weiter. Es muss eine klare Verantwortung geben. Es ist wichtig, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass die Finanzwirtschaft kein Selbstzweck sein darf, sondern ein dienender Teil der Gesamtwirtschaft ist.

Nachhaltigkeit heißt für uns deshalb, Verantwortung zu übernehmen. Die Deka macht sich nicht allein mit speziellen Investmentfonds für mehr Nachhaltigkeit stark – sie nutzt auch ihren Einfluss als Fondsgesellschaft, um Unternehmen zu einem verantwortungsvolleren Wirtschaften zu bewegen.

Analysten behaupten, dass nachhaltige Fonds besser performen als herkömmliche. Stimmt das?

Wir glauben, dass nur Unternehmen auf eine erfolgreiche Zukunft blicken, die sich den aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel oder digitale Transformation stellen. In diese Unternehmen wollen wir investieren. So sichern wir Chancen und können an ihrem langfristigen Erfolg teilhaben.

Unternehmen müssen jetzt etwas tun, wenn sie sich auf Veränderungen durch das Klima, in der Gesetzgebung oder im Rahmen der Regulierung vorbereiten wollen. Dazu wollen wir mit unserem Handeln beitragen.

Mit diesem langfristigen Blick können Risiken vermieden werden, indem etwa nicht mehr in Unternehmen investiert wird, die einen besonders hohen CO2-Fußabdruck haben.

Das bedeutet: Mit einer vergleichbaren Rendite wird bei einem niedrigeren Risiko ein attraktiveres Anlageumfeld geschaffen.

Wenn ich als Anleger mein Geld stärker in nachhaltiges Wirtschaften leite, dann ist das sowohl gut für die Rendite als auch für die Förderung der Nachhaltigkeit. Durch mein Verhalten stärke ich die nachhaltigen Unternehmen. Als Anleger habe ich damit eine gewisse Lenkungsfunktion.

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