Aktien für alle?

Warum die Deutschen sich für Aktien interessieren und sie trotzdem meiden

Das Interesse der Deutschen an Aktien ist so hoch wie nie. Warum legen dann trotzdem nur so wenige Menschen an? Ist es Zeit, dass der Staat seinen Bürgern Aktien schenkt? Wäre der norwegische Staatsfonds ein gutes Vorbild? Dr. Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank, beantwortet die wichtigsten Fragen.

3 Fragen zu Geld
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka
3 Fragen zu Geld

Die Deutschen denken um. Inzwischen sind ihnen Aktien wichtiger als Immobilien. Unter den interessantesten Anlagemöglichkeiten landen Wertpapiere aktuell mit 42 Prozent auf Platz eins. Warum legen dann trotzdem nur so wenige Menschen in Aktien an?

Dr. Ulrich Kater:  Weil sie keine Langzeiterfahrungen mit Aktien haben. Und weil ihnen von vielen Seiten eingeredet wird, dass Aktien nichts für den normalen privaten Haushalt seien. Letzteres ist jedoch falsch.

Gerade normale oder sogar kleine Sparbeträge sind auf den Zinseszinseffekt angewiesen. Nur so können sie in realistischen Zeiträumen, etwa bis zur Rente, ausreichend anwachsen.

Den Zins auf dem Sparbuch gibt es allerdings nicht mehr. Aktien füllen diese langfristige Wachstumsperspektive jedoch ebenso gut aus, wenn nicht sogar besser. Aktien sind für die langfristigen Teile des Ersparten die beste Aufbewahrungsform.

3 Fragen zu Geld

Der deutsche Staat gehört zu den größten Gewinnern der Niedrigzinsphase. Er kann praktisch zum Nulltarif Schulden machen. Ist es an der Zeit, dass der Staat seinen Bürgern etwas zurückgibt und ihnen zum Beispiel Aktien schenkt?

Tatsächlich hat der Staat als größter Schuldner die größten Einsparungen durch die niedrigen Zinsen. In Deutschland belaufen sie sich auf gut 35 Milliarden Euro im Jahr. Das engspricht etwa einem Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Der Staat, das sind wir alle. Zurzeit macht der Staat damit, was seine Bürger auch tun: Er spart. Wir zahlen gegenwärtig Staatsschulden zurück. Das ist zwar gut für die nächste Generation. Es sollte aber auch in der Gegenwart etwas entlasten.

Ich würde dies jedoch nicht über eine Sparförderung machen, sondern eher durch eine Einkommensteuer-Senkung, insbesondere in den unteren und mittleren Einkommensklassen.

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Norwegen macht es ja mit einem sehr erfolgreichen Staatsfonds vor, in den die Bürger investieren können. Wäre das Modell auch für Deutschland denkbar?

Der Staatsfonds dient eher zur Verwaltung des staatlichen Vermögens. Das Vermögen der Bürger sollte im Wettbewerb um die besten Ergebnisse angelegt werden. Hier kann der Staat aber fördern – die bestehenden Förderungen sind da ein Anfang, müssen jedoch überarbeitet werden.

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