Das steckt für Sie im Corona-Konjunkturpaket

Es muss ein Wumms durchs Land gehen: Wie Sie und Ihr Unternehmen profitieren

Am 3. Juni 2020 verkündeten Regierung und die Spitzen der Koalition ein Konjunkturprogramm, das in der bundesdeutschen Geschichte seinesgleichen sucht: 130 Milliarden Euro will die große Koalition demnach über ein umfangreiches „Konjunktur- und Zukunftspaket“ investieren. Prominente Beispiele für Investitionen:  Senkung der Mehrwertsteuer, Zuschüsse für Familien. Doch wie hilft das Konjunkturpaket der deutschen Wirtschaft und dem Mittelstand?

Eine junge Frau im Büro

Um den Folgen der Corona-Pandemie zu begegnen, bedürfe es mutiger Antworten, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Man müsse Arbeitsplätze sichern und die Wirtschaft wieder zum Laufen bringen. Diese Ziele will sie mit dem jetzt aufgelegten Konjunkturprogramm erreichen, das die deutsche Wirtschaft mit einer Reihe Maßnahmen unterstützt.

Welche Chancen und Möglichkeiten bieten sich für Unternehmen nun durch die Programme der Bundesregierung? Erfahren Sie hier alles zu den Maßnahmen, die sowohl direkt auf die Wirtschaft gemünzt sind als auch zu jenen, die sich indirekt positiv auf Ihren Betrieb auswirken können.

1. Absenkung der Mehrwertsteuer

Vom 1. Juli 2020 an soll der Mehrwertsteuersatz von den üblichen 19 Prozent auf 16 Prozent gesenkt werden. Auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz wird ab dann gesenkt, von sieben auf fünf Prozent. Diese Maßnahme ist bis zum Ende des Jahres vorgesehen und soll in dieser Zeit den Konsum anregen.

Für Unternehmer, Dienstleister und Gastronomen bietet dies gleich eine doppelte Chance: Zum einen sollen die mit der Senkung des Mehrwertsteuersatzes einhergehenden (hoffentlich) sinkenden Preise für ihre Kundschaft ein Anreiz sein, um die Kauf- und Investitionsfreude wieder anzukurbeln. Das sorgt auf Unternehmensseite für steigende Einkünfte. Zum anderen profitieren Unternehmen selbst bei Beschaffungen und Besorgungen von Einsparpotentialen, da auch Ihre Einkäufe im Preis günstiger werden.

Der Vorteil dieser Maßnahme liegt auf der Hand: Da die Mehrwertsteuer von jedem auf jedes Produkt, jeden Einkauf und jede Dienstleistung entrichtet werden muss, entlastet sie auch jeden. Egal ob Großindustrie, mittelständisches Unternehmen oder Solo-Selbstständige: Von Juli bis Dezember ermöglicht ihnen die Steuersenkung eine Chance für Preisgestaltung und Marge.

2. Befristete Wiedereinführung der degressiven Abschreibungen

Bereits im Vorfeld des Koalitionstreffens hatten Wirtschaftsvertreter auf eine Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten mittels degressiver Abschreibung gepocht. Diese Verbesserung hat es in das Paket geschafft und bietet Unternehmern erhebliche Sparpotentiale auf Steuerseite.

Die degressive Absetzung für Abnutzung (AfA) wird für die Jahre 2020 und 2021 mit 25 Prozent pro Jahr wieder eingeführt. Sie betrifft sogenannte bewegliche Wirtschaftsgüter wie beispielsweise Maschinen, Fuhrpark, Betriebs- und Geschäftsausstattung und viele weitere Investitionsgüter, die nicht mit Grund und Boden fest verankert sind.

Viele Unternehmen setzten bis zur Abschaffung 2008 bereits auf die degressive Abschreibung. Dabei werden die Abschreibungsbeträge Jahr für Jahr geringer. Dies hat vor allem in den ersten Nutzungsjahren Vorteile und kann gegenüber der linearen Abschreibung Steuern sparen.

Für Unternehmen bedeutet die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung, dass Investitionen in den Jahren 2020 und 2021 deutlich effizienter abgeschrieben werden können, da der Abschreibungsbetrag zu Anfang besonders hoch ist. Wenn beispielsweise in diesem Jahr 100.000 Euro für Neuanschaffungen ausgegeben wurden, so betragen die Abschreibungsbeträge für 2020 satte 25.000 Euro (Restbuchwert am Jahresende: 75.000 Euro) und für 2021 noch immer 18.750 Euro (Restbuchwert am Jahresende: 56.250 Euro).

3. Verrechnung von durch Corona bedingten Verlusten

Ein weiterer Aspekt, der Unternehmer auf der Fiskalseite entlasten soll, stellt die Verrechenbarkeit coronabedingter Unternehmensverluste dar. Unternehmen, die in Zeiten der Pandemie Verluste erleiden, erhalten Geld vom Finanzamt zurück.

Sie können die bereits für 2020 geleisteten Vorauszahlungen auf Antrag zurückerstattet bekommen – dies geschieht auf Grundlage von Prüfungen, die die pauschal ermittelten Verluste für das aktuelle Jahr beinhalten.

Auch die Erstattung von Beiträgen, die für das Jahr 2019 gezahlten wurden, soll möglich sein. Diese Maßnahme entlastet die Breite der Wirtschaft und sollte von jedem Unternehmer geprüft werden.

4. Überbrückungshilfen

Für kleine und mittlere Unternehmen wurden bereits in den vergangenen Wochen und Monaten eine Reihe nationaler und regionaler Maßnahmen aufgesetzt. Bei der Bereitstellung der bundesweiten KfW-Fördermittel spielten die Sparkassen eine zentrale Rolle als Scharnier zwischen der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der regionalen Wirtschaft.

Nun stellt die Bundesregierung noch einmal weitere 25 Milliarden Euro bereit, um KMU mit Überbrückungshilfen zu unterstützen. Diese Hilfen gelten für alle Branchen, sollen aber vor allem der Hotellerie, dem Gastgewerbe oder auch Reisebüros und Messebetrieben zugutekommen.

Antragsberechtigt sind Unternehmen, deren Umsätze durch die Corona-Krise in den Monaten April und Mai 2020 um mindestens 60 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr zurückgegangen sind. Darüber hinaus müssen die Umsatzrückgänge in Juni, Juli und August 2020 ebenfalls mindestens 50 Prozent betragen.

Da aber vor allem die Gastronomie ein schnelllebiges Geschäft ist, hat die Bundesregierung auch an Unternehmer gedacht, die nach April 2019 gegründet wurden: Für diese sind die Monate November und Dezember des Jahres 2019 als Vergleichszeitraum heranzuziehen.

Es sollen bis zu 50 Prozent, bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70 Prozent sogar bis zu 80 Prozent der fixen Betriebskosten erstattet werden. Der Maximalbetrag beträgt 150.000 Euro. Die Höhe der individuellen Erstattung hängt neben den Einnahmeausfällen maßgeblich von der Anzahl der Beschäftigten ab.

5. Azubi-Prämie

Investitionen in Auszubildende und Nachwuchskräfte sind Investitionen in die eigene Zukunft. Und so verzichtet kein Unternehmer gerne auf gut qualifizierte junge Leute. Gleichwohl liegt bei vielen sicher der Gedanke nahe, in Zeiten knapper Kassen und unsicherer Perspektiven an einem der größten Kostenpunkte zu sparen.

Um genau dies, um eine Verlorene Generation oder auch den sogenannten Corona-Jahrgang zu verhindern, sollen Unternehmen eine Prämie von 2.000 Euro erhalten, wenn sie die Zahl ihrer Auszubildenden trotz der Virus-Krise nicht reduzieren.

6. Weitere Bestandteile

Viele weitere Programmpunkte haben für die Gesamtgesellschaft Bedeutung und somit auch für die Wirtschaft. Gleichwohl sind sie keine Maßnahmen, die direkt auf KMU oder die Industrie abzielen:

  • So soll beispielsweise die Umlage der Erneuerbaren Energien (EEG-Umlage) 2021 über Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt abgesenkt werden. Das entlastet Unternehmen in unterschiedlichem Maße – je nachdem wie viel Energie sie verbrauchen.
  • Die verstärkte Förderung der Forschung und Entwicklung im Bereich Quantencomputing und Künstliche Intelligenz kommt nicht der Breite des deutschen Mittelstandes zugute, ist aber ein wichtiger Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Gleiches gilt ebenfalls für die Forschung im Bereich der Wasserstoffenergie und die der Elektromobilität. Da ein großer Teil der deutschen Wertschöpfung direkt und indirekt von der Automobilindustrie abhängt, setzt die Bundesregierung hier deutliche Impulse in Richtung Zukunft und Mobilität von Morgen.
  • Zuletzt kann die verstärkte Übernahme der Kosten von Kommunen einen positiven Impuls für die regionale Wirtschaft bedeuten. Kommunen und Städte gehören zu den größten Auftraggebern von Handwerkern und Dienstleistern vor Ort. Wenn die Kommunen nun neuen finanziellen Spielraum erhalten und keine schmerzhaften Einsparungen vornehmen müssen, kann sich das durchaus positiv auf die Auftragsbücher von Unternehmen vor Ort auswirken.

Joachim Schallmayer,  Leiter Kapitalmärkte und Strategie Deka
Interview mit
Joachim Schallmayer
Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka
Das Paket fällt groß aus, sogar größer als zuvor gedacht.

Herr Schallmayer, wird durch das Corona-Hilfspaket nun schnell ein wirtschaftlicher Aufschwung gelingen?

Das Paket kombiniert sowohl schnell wirkende kurzfristige als auch zukunftsgerichtete langfristige Maßnahmen. Die durch Corona so plötzlich gerissene Lücke in der Wirtschaftsleistung kann damit ein Stück weit abgemildert werden.

Zu einer deutlichen Beschleunigung des konjunkturellen Aufholprozesses wird es dadurch aber nicht kommen. Dieser bleibt von Unwägbarkeiten geprägt und wird in den kommenden Monaten nur mühsam vonstattengehen.

Die vor der Krise erreichte Wirtschaftsleistung wird trotz dieser Unterstützungsmaßnahmen frühestens ab Herbst kommenden Jahres wieder erreicht werden.

Reichen die Maßnahmen Ihrer Meinung nach aus?

Das Maßnahmenpaket wird für schnelle Unterstützung sorgen und helfen, die durch die Restriktionsmaßnahmen verursachten Schäden abzumildern. Für eine nachhaltige Erholung der Wirtschaftsleistung ist es aber von entscheidender Bedeutung, dass sich die Arbeitsmärkte stabilisieren, die Nachfrage zurückkommt und auch die Unternehmen wieder zu höheren Investitionen bereit sind.

Dieser Prozess benötigt Zeit. Das jetzt verabschiedete Paket beinhaltet dafür aber wichtige erste Impulse.

Wie sehen Sie das Corona-Hilfspaket im Vergleich zu den Paketen im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise?

Das Paket fällt groß aus, sogar größer als zuvor gedacht. Es fällt allerdings auch nicht aus dem Rahmen. Die nachfragewirksamen Fiskalpakete im Nachgang der Finanzmarktkrise waren, gemessen an der Wirtschaftsleistung, vom Ausmaß her durchaus größer dimensioniert.

Global zeichnet sich eine zunehmende Bereitschaft ab, anhand von Fiskalpaketen der durch die Corona-Krise ausgelösten Rezession entgegenzuwirken. Mit dem beschlossenen Paket beschränkt sich Deutschland nicht nur auf Absichtserklärungen, sondern zeigt eine schnelle und konkrete Handlungsbereitschaft, was angesichts der Krise zu begrüßen ist.


Das Corona-Konjunkturpaket unterstützt Familien, Arbeitnehmer, Kommunen und nicht zuletzt die deutsche Wirtschaft. Die Summe der Einzelmaßnahmen ist jedoch hoch und nicht immer ist es leicht, sich bei all den Initiativen, Fördertöpfen und sonstigen Möglichkeiten zu orientieren. Ihre Sparkasse vor Ort steht Ihnen auch und vor allem in dieser schwierigen Zeit als erster Ansprechpartner zur Verfügung. 

(Stand: 05.06.2020)


Mit mehr Abstand als gewohnt. Aber genauso nah. Erreichen Sie jetzt Ihre Sparkasse vor Ort.

Bitte wählen Sie Ihre Sparkasse aus:

Ist das nicht Ihre Sparkasse?