Volkswirte erwarten 2021 starkes Wirtschaftswachstum

Bruttoinlandsprodukt soll um 3,5 Prozent steigen

Die Corona-Pandemie verursachte 2020 den heftigsten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Um ganze 5,0 Prozent brach das Bruttoinlandsprodukt ein. Staatliche Hilfen, anspringende Auslandsmärkte und Hoffnung auf eine wirksame Impfkampagne stimmen positiv: Die deutsche Wirtschaft wird sich erholen. Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe prognostizieren für 2021 eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 3,5 Prozent. Wie geht es für Deutschlands Wirtschaft weiter? Ein Überblick. 

LKWs fahren auf der Autobahn

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Auswirkungen des zweiten Lockdowns für die Wirtschaft sind geringer als die der ersten Eindämmungsmaßnahmen.
  • Das deutsche Bruttoinlandsprodukt soll 2021 um 3,5 Prozent steigen.
  • Die deutsche Wirtschaft könnte zum Jahreswechsel 2021/ 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.
  • Virusmutationen bereiten Sorge. Ein erneuter hoher Anstieg der Infektionszahlen oder Unterbrechungen von Lieferketten würden die schnelle Erholung behindern.
  • Was bleibt, ist eine massive Staatsverschuldung. 
„Die wirtschaftliche Erholung steht und fällt mit dem Tempo und dem Anschlagen der Impfkampagnen!“
Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV)

Die Corona-Pandemie brachte vielen Menschen großes persönliches Leid – und sie ließ die Wirtschaft weltweit in die Krise rutschen. Um 5,0 Prozent brach das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Corona-Jahr 2020 ein, in anderen Ländern sieht es noch weitaus schlimmer aus. Die Krise betrifft das öffentliche, soziale und wirtschaftliche Leben in der ganzen Welt. Die Menschen sehen sich in vielen Lebensbereichen gleichzeitig eingeschränkt und gefordert. Corona-Impfungen und aktuelle Zahlen aus der Wirtschaft lassen aber auf Erholung hoffen. 

Die Zeichen stehen auf Erholung

Die Wirtschaft funktioniert nicht ohne gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deswegen sind die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie notwendige Voraussetzung für eine baldige wirtschaftliche Erholung. Der aktuelle Lockdown verhindert das Wiederanspringen der Wirtschaft nicht, er verzögert es nur, bis die Maßnahmen gelockert werden können. 

DSGV-Präsident Helmut Schleweis sieht die Einschränkungen entsprechend als nur vorübergehende Einschränkung an: „Wenn durch die jetzigen Lockdown-Maßnahmen die Pandemie für die Gesundheitsbehörden wieder beherrschbar wird, werden die Investitionen und der Konsum schnell wieder anspringen. Die wirtschaftliche Erholung ist durch die aktuellen Maßnahmen nur unterbrochen und nach hinten verschoben.“ 

Die Pandemie wird auch 2021 ein bestimmender Faktor bleiben, aber Zeichen stehen auf Erholung. Dafür gibt es mehrere Gründe. 

Warum die Wirtschaft 2021 wieder Fahrt aufnimmt

  • Die Unternehmen haben sich auf die neuen Bedingungen eingestellt. Im Gegensatz zum ersten Lockdown kann die Industrie weiter produzieren und liefern. Die Lieferketten bleiben voraussichtlich intakt, denn besonders die europäischen Staaten möchten erneute Grenzschließungen verhindern.
  • Die Nachfrage aus dem Ausland stützt die deutsche Wirtschaft.
  • Der private Konsum wird die Wirtschaft ankurbeln. Bürgerinnen und Bürger konnten 2020 erheblich weniger konsumieren als üblich, das führt zu hohen Ersparnissen: „Noch sind Sparpläne der Verbraucher so ausgeprägt wie zuletzt direkt nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001,“ sagt Christian Lips, Chefvolkswirt der NordLB. Die Volkswirte rechnen mit einer Entladung der aufgestauten Konsumwünsche, sobald Corona beherrschbar wird.
  • Branchen wie Hotellerie oder Gastgewerbe verzeichnen fatale Rückschläge. Die wiedererstarkende Industrie und der robuste Einzelhandel kompensieren die Ausfälle aber in der Gesamtwirtschaft.
  • Die staatlichen Hilfen kommen an. Vielfach wurde nachgebessert, erweitert und neu aufgelegt, sodass die besonders benachteiligten Branchen Unterstützung erhalten.
  • Die Kreditwirtschaft steht Unternehmen zur Seite: Allein die Sparkassen haben 2020 an Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige neue Kredite in Höhe von 106,4 Milliarden Euro zugesagt. Das sind 14,1 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • Durch intakte Produktionsketten, staatliche Hilfen und intensive Vorbereitungen der Unternehmen und der Regierung fallen die Auswirkungen des zweiten Lockdowns wesentlich geringer für die Wirtschaft aus als während des ersten Lockdowns. 

Wie geht es nach 2021 weiter?

Die Impfkampagnen und eine solide Basis in vielen Unternehmen dürften die Konjunktur in den beiden Jahren 2021 und 2022 beflügeln. Allerdings werden die wirtschaftlichen Folgen und Einschnitte der Pandemie in das Alltagsleben noch lange zu spüren sein. Denn auch wenn die Wirtschaft zum Jahresende 2021 das Vorkrisenniveau erreicht, fehlen zwei Jahre Wirtschaftswachstum. Auch 2022 wird die Wirtschaft mit einem prognostizierten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,1 Prozent diesen Rückstand erst schrittweise aufholen. Viele Branchen werden sich gar nicht oder nur sehr langsam erholen. Bleiben wird eine massive Staatsverschuldung, die in Deutschland voraussichtlich erst 2030 wieder den Vorkrisenstand erreichen wird. 
 
Nach einer Pandemie, die Wirtschaft und Menschen unerwartet und unvergleichlich hart getroffen hat, bleibt die Aussicht auf anhaltendes Wirtschaftswachstum und baldige Impfungen aber ein starkes und positives Zeichen. 
 
(Stand: 26.01.2021)

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