Corona-Impfstoff: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Massenimpfungen haben begonnen

Nach dem Mainzer Unternehmen Biontech, gemeinsam mit seinem US-Partner Pfizer, haben auch Moderna und Astra-Zeneca Erfolge im Rennen um die Corona-Impfstoffe angemeldet. Daher konnten nun die Impfungen in Deutschland und anderen Ländern starten. Aber einige Fragen sind noch offen. Die Antworten im Überblick.

Jemand hält eine Spritze und ein Fäschchen mit Serum

Das Wichtigste in Kürze:

  • In Deutschland ist am 27. Dezember 2020 die nationale Impfkampagne gestartet.
  • Zuerst werden (Hoch-)Risikogruppen und das Pflegepersonal geimpft.
  • Bundesregierung rechnet mit Impfstoffen für die gesamte Bevölkerung im Sommer.
  • Die positiven Nachrichten über den Einsatz der Impfstoffe untermauern die Hoffnung auf eine dynamische wirtschaftliche Erholung.

Wann bekomme ich meine Impfung?

Zuerst werden in Deutschland die (Hoch-)Risikogruppen und das Pflegepersonal geimpft. Aber nach Angaben der Bundesregierung kann sich voraussichtlich im Sommer 2021 jeder impfen lassen.

Wo kann ich mich impfen lassen?

Die Verteilung der Covid-19-Impfstoffe erfolgt bislang über die Impfzentren der Bundesländer. Die Länder sind auch für die Organisation und Terminvergabe zuständig. Hier finden Sie die Infoseite Ihres Bundeslandes zur Corona-Schutzimpfung.

Darüber hinaus gibt es mobile Impfteams, die unter anderem die stationären Pflegeeinrichtungen aufsuchen. Bei der Impfung in Einrichtungen wie Krankenhäusern oder stationären Pflegeeinrichtungen ist auch der Einsatz von Betriebsärzten eine Option.

Wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, sollen dann - wie bei allen anderen Impfstoffen - die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte impfen.

Warum dauert es so lange?

In Deutschland ist am 27. Dezember 2020 die nationale Impfkampagne gestartet. Bis Anfang Januar 2021 wurden 1,3 Millionen Impfdosen von Biontech an die Bundesländer geliefert, bis zum 1. Februar sollen weitere 2,68 Millionen folgen.

Kritiker bemängeln, dass Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern schlechter dastehe. Dagegen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mehrmals betont, dass es ausreichend Impfstoff gebe. Mit der Entscheidung, zuerst in Pflegeheimen zu impfen, sei klar gewesen, dass es langsamer losgeht. Denn die Einsetzung der mobilen Teams sei aufwändiger als die Verabreichung in den Impfzentren. Er sei aber zuversichtlich, dass noch im Januar alle Bewohner von Pflegeheimen ein Impfangebot bekämen.

Der von vielen Menschen als schleppend empfundene Beginn kann auch mit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission zusammenhängen, die Corona-Impfung zweimal zu verabreichen. Daher halten die Bundesländer die Hälfte des Impfstoffes zurück. Laut Spahn arbeitet die Bundesregierung daran, die Produktion durch ein neues Werk von Biontech-Pfizer hochzufahren. Schon Anfang Februar könne dieser zweite Produktionsstandort zur Verfügung stehen, berichtete die Süddeutsche Zeitung.

Wie sicher ist die Impfung?

Impfstoffe werden in Deutschland nur dann zugelassen, wenn sie alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden haben. Diese Qualitätsstandards gelten auch für die Zulassung der Coronavirus-Impfungen.

Auch nach der Marktzulassung wird die Anwendung weiter überwacht, um auch sehr seltene Nebenwirkungen zu erfassen.

Die Entwicklung der Impfstoffe gegen das Coronavirus gelang deutlich schneller als bei anderen Präparaten – doch ohne die Standards für die Zulassung abzusenken. Die Beschleunigung erklärt sich damit, dass viel Geld dafür investiert wird, um die nötigen Studien ohne Zeitverzögerung im großen Stil durchführen zu können. Zudem überprüfen die Zulassungsbehörden die Impfstoffentwicklung so schnell es geht. Durch diese Priorisierung können die forschenden Firmen und Labore Zeit sparen und schneller von einer Prüfphase in die nächste gehen.

Welche Auswirkungen haben die Impfungen auf die wirtschaftliche Erholung?

Die positiven Nachrichten über den Einsatz der Impfstoffe untermauern die Hoffnung auf eine dynamische wirtschaftliche Erholung. Zwar ist über den Winter hinweg mit erneuten Infektionswellen zu rechnen. Aber mit Beginn der wärmeren Jahreszeit und mit einer zunehmenden Anzahl geimpfter Personen dürften die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich nachlassen.

Denn mit den Impfungen steht – neben den Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln – ein weiteres wirksames und nachhaltiges Instrument zur Überwindung der Pandemie zur Verfügung. Die zunehmenden Impfungen tragen dazu bei, die aktuellen Restriktionen schrittweise wieder aufheben zu können. Das ermöglicht einen wirtschaftlichen Aufholprozess noch in diesem Frühjahr. Bereits das dritte Quartal 2020 hatte mit seinem starken Anstieg des Konsums von 10,8 Prozent gegenüber den drei Monaten zuvor (Q2: -11,1 Prozent) gezeigt, wie stark der Aufholprozess ausfällt, wenn Beschränkungen aufgehoben werden.

Flächendeckende Impfkampagnen sind Voraussetzung für eine Normalisierung der Wirtschaft und damit das Fundament, von dem aus sich die Aktienmärkte weiter entwickeln können.
Dr. Ulrich Kater (Chefvolkswirt der Deka)

Jeder Tag zählt, an dem mehr Menschen geimpft werden können und damit wieder die Grundlage für mehr wirtschaftliche Eigenverantwortung geschaffen wird. Staatliche Unterstützungen haben in der Krise ihre Berechtigung, sollten aber nicht zum Normalfall werden.

Welche Hersteller bieten einen Impfstoff an?

Fünf verschiedene Verträge mit Pharmaunternehmen hat die Europäische Kommission bereits genehmigt. Das breite Portfolio an verschiedenen Impfstoffen soll sicherstellen, dass Europa gut auf die Impfungen vorbereitet ist. Diese Unternehmen beliefern die EU:

  • Astra Zeneca
  • Biontech-Pfizer
  • Janssen Pharmaceutica NV
  • Moderna
  • Sanofi-GSK

Drei führen das Rennen an:

1. Biontech und Pfizer

Biontech und Pfizer produzieren bereits einen Impfstoff. Als erstes Unternehmen gaben sie bereits am 9. November 2020 den entscheidenden Durchbruch bekannt: Demnach senkte ihr Impfstoff das Risiko für Studienteilnehmer, an Covid-19 zu erkranken, um mehr als 90 Prozent. Zudem habe das Präparat nahezu keine Nebenwirkungen. „Es zeigt, dass Covid-19 kontrolliert werden kann“, betonte Biontech-Chef Ugur Sahin. „Letztlich ist es wirklich ein Sieg der Wissenschaft.“

2. Moderna

Der Konzern aus den USA zieht mit Biontech-Pfizer gleich. Moderna präsentierte einen Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Die EU-Kommission hat das Präparat nach der Zustimmung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA in einem beschleunigten Verfahren am 6. Januar 2021 EU-weit zugelassen.

3. Astra Zeneca

Im Gegensatz zu den Wirkmitteln von Moderna und Biontech-Pfizer wirkt das Präparat von Astra Zeneca mit einer nachgewiesenen Wirksamkeit von rund 70 Prozent vergleichsweise gering. Allerdings setzt der britisch-schwedische Impfstoffhersteller noch auf Verbesserungen, denn Teilergebnisse legen nahe, dass bei speziellen Dosierungen der Wirkstoff zu 90 Prozent anschlägt.

Ein möglicher Vorteil des Impfstoffs wäre die Logistik: Im Gegensatz zu den Präparaten von Moderna und Biontech-Pfizer kann das Vakzin bis zu sechs Monate und lediglich bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden. Die Zulassung in der EU hat Astra Zeneca am 12. Januar 2021 beantragt, möglicherweise gibt die EMA schon Ende des Monats grünes Licht. 

(Stand: 13.1.2021)


Podcast der Deka zum Impfstoff

Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater spricht im Finanz-Podcast „Mikro trifft Makro“ darüber, welche Implikationen sich durch die Ankündigung eines Corona-Impfstoffs ergeben, was die Bereitstellung der Mittel zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen für den Staatshaushalt und die Staatsverschuldung bedeuten.

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