Verhindern Delta-Variante und Impfmüdigkeit weitere Lockerungen?

Hier erfahren Sie die 10 wichtigsten Details zur aktuellen Situation

Die Corona-Inzidenz in Deutschland befindet sich weiterhin im einstelligen Bereich – steigt aber wieder leicht an. Bei den neuen Infektionen nimmt der Anteil immer stärker zu, der auf die ansteckendere Delta-Variante zurückzuführen ist. In anderen Ländern werden einzelne Lockerungsschritte bereits wieder zurückgenommen. Verhindern die neue Mutante und die Impfmüdigkeit der Menschen eine Rückkehr zur Normalität in Deutschland?

Jemand hält eine Spritze und ein Fäschchen mit Serum

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit Impfstart im Dezember haben knapp 49 Millionen Menschen in Deutschland eine Erstimpfung erhalten. Rund 35,5 Millionen wurden vollständig geimpft.
  • Doch zum ersten Mal seit zwei Monaten steigt die Inzidenzrate wieder an: Mitte Juli betrug der Wert 6,5 – eine Woche zuvor 4,9.
  • Als Gründe für die Zunahme gelten die ansteckendere Delta-Variante und eine nachlassende Impfbereitschaft in der Bevölkerung.
  • Politiker und Politikerinnen überlegen, die Impfbereitschaft zu stärken – einige durch Anreize, andere durch Geldbußen.
  • Die Bundesregierung löst sich etwas von der Sieben-Tage-Inzidenz als Maßstab für möglicherweise wieder drohende Corona-Einschränkungen.

Wir beantworten die 10 wichtigsten Fragen zur neuen Entwicklung:

1. Wie hoch ist die Impfquote in Deutschland?

In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) inzwischen mehr als 42 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Insgesamt haben bisher 48,4 Millionen Menschen (58,2 Prozent) mindestens eine Impfdosis erhalten, rund 35 Millionen sind vollständig geimpft.

2. Wo kann ich mich impfen lassen?

Die Verteilung der Covid-19-Impfstoffe erfolgt mittlerweile nicht mehr nur in Impfzentren oder über mobile Impfteams. Mittlerweile können auch Haus- und Beriebsärztinnen und -ärzte das Vakzin verabreichen.

Einen Termin können Sie auf unterschiedlichen Wegen beantragen: Entweder Sie wählen die zentrale Hotline unter der 116 117, buchen den Termin online (hierzu gibt es verschiedene Webseiten für die einzelnen Bundesländer) oder erkundigen sich bei Ihrem Haus- oder Betriebsarzt. Lesen Sie hier nach, wie Ihr Bundesland die Impfstrategie handhabt.

3. Gibt es Lockerungen für Geimpfte und Genesene?

Seit Sonntag, den 9. Mai, dürfen sich Menschen mit vollständigem Impfschutz und/oder nach überstandener Covid-19-Infektion über mehr Freiheiten freuen. Die entsprechende Verordnung beschlossen Bundestag und Bundesrat Anfang Mai.

In vielen Bundesländern gehören zu den konkreten Lockerungen das Entfallen einer Testpflicht beim Besuch von Einzelhandel, Friseur oder Zoo. Außerdem ist eine Quarantäne nach Rückkehr aus einem Hochinzidenzgebiet nicht mehr nötig – ausgenommen sind Regionen mit Virusvarianten.

Wer als Kontaktperson einer infizierten Person gilt, muss ebenso nicht mehr in Isolation. Wie genau Ihr Bundesland das regelt, können Sie hier nachlesen

4. Warum drängt die Politik auf eine höhere Impfbereitschaft?

In den vergangenen drei Wochen ist die Zahl der Impfungen pro Tag in Deutschland deutlich zurückgegangen. Anfang Juli wurden nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) pro Tag rund 700.000 Impfdosen verabreicht. In der Vorwoche waren es mehr als 900.000. In den drei Wochen davor jeweils mehr als eine Million Dosen.

Zugleich steigt der Anteil der Delta-Variante spürbar: Laut einem RKI-Bericht macht sie mittlerweile 74 Prozent der Fälle in Deutschland aus.

Diese Faktoren führen viele Expertinnen und Experten als Grund dafür an, dass die Ansteckungsrate wieder steigt. Wenn auch auf einem niedrigen Niveau. Einige Politikerinnen und Politiker fordern ein Bußgeld für Menschen, die ihre Impftermine nicht wahrnehmen. Andere befürworten „kreative Anreize“: Dazu gehört eine Impflotterie ähnlich wie in den USA. Außerdem gibt es bereits Städte, die bei Diskomusik und alkoholfreien Cocktails impfen.

5. Warum löst sich die Bundesregierung von der Sieben-Tage-Inzidenz?

Bislang hängt von der Sieben-Tage-Inzidenz ab, ob Corona-Maßnahmen gelockert oder verschärft werden. Nach Ansicht von Fachleuten kann die Inzidenz allein nicht mehr der einzige Indikator sein. Stark ins Gewicht fallen müssten auch die Impfquote, die Auslastung der Krankenhäuser, Krankheitsverläufe und die Sterblichkeitsquote.

6. Wie sicher ist die Impfung?

Impfstoffe werden in Deutschland nur dann zugelassen, wenn sie alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden haben. Diese Qualitätsstandards gelten auch für die Zulassung der Coronavirus-Impfungen. Nach der Marktzulassung wird die Anwendung weiterhin überwacht, um auch sehr seltene Nebenwirkungen zu erfassen.

Wichtig: Durch Virusmutationen muss der Impfstoff möglicherweise immer wieder neu angepasst werden. Dies kann zeitlich ebenfalls zu Verzögerungen führen.

In den Frühjahrsmonaten geriet AstraZeneca in Kritik, nachdem mehrere Fälle von schwerwiegenden Sinusvenenthrombosen in zeitlicher Nähe zur Impfung auftraten. Daher wurde der Impfstoff kurzzeitig ausgesetzt. Mittlerweile ist der Impfstoff mit entsprechender Produktinformationen wieder verfügbar.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bestätigt, dass ein Zusammenhang zwischen AstraZeneca und den aufgetretenen Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden kann. Jedoch bestehe nach derzeitigem Erkenntnisstand kein grundlegend erhöhtes Thromboserisiko – auch nicht für Frauen, die die Antibabypille nehmen.

7. Können Personen, die vollständig geimpft sind, das Virus weiterhin übertragen?

Laut RKI belegen aktuelle Studien, dass die in Deutschland zur Anwendung kommenden COVID-19-Impfstoffe SARS-CoV-2-Infektionen in einem erheblichen Maß verhindern. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, sei bereits niedrig – aber nicht Null.

Daher ist das Risiko einer Virusübertragung zwar stark vermindert. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass einige Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung PCR-positiv werden. Dabei können sie auch infektiöse Viren ausscheiden.

Deswegen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO): Halten Sie auch nach der Impfung die Schutzmaßnahmen (Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten, Lüften) ein.

8. Benötigen wir bald eine dritte Impfung?

Mittlerweile treten auch Infektionen bei Menschen auf, die bereits zwei Impfungen erhalten haben. Sie werden hauptsächlich den Mutanten wie der Delta-Variante zugeschrieben. Daher lassen sich mittlerweile viele Menschen in anderen Ländern wie etwa den USA oder Israel ein drittes Mal impfen.

Die Hersteller der Vakzine empfehlen die dritte Impfung als Immun-Verstärker (Booster). Das Robert Koch-Institut (RKI) teilte aber mit: Derzeit gibt es noch keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage zur Beantwortung der Frage, wann die Corona-Impfung aufgefrischt werden sollte.

Zum Schutz vor der Delta-Variante arbeitet Biontech/Pfizer derzeit an einem neuen Vakzin. Das soll speziell vor dieser Mutante schützen.

9. Welche Auswirkungen haben die Impfungen auf die wirtschaftliche Erholung?

Belege einer hohen Wirksamkeit der Impfstoffe untermauern die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Die Impfungen sind – neben den Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln – das wirksamste und nachhaltigste Instrument zur Überwindung der Pandemie.

Flächendeckende Impfkampagnen sind Voraussetzung für eine Normalisierung der Wirtschaft und damit das Fundament, von dem aus sich die Aktienmärkte weiter entwickeln können.
Dr. Ulrich Kater (Chefvolkswirt der Deka)

Jeder Tag zählt, an dem mehr Menschen geimpft werden können und damit wieder die Grundlage für mehr wirtschaftliche Eigenverantwortung geschaffen wird. Staatliche Unterstützungen haben in der Krise ihre Berechtigung, sollten aber nicht zum Normalfall werden.

10. Welche Impfstoffe stehen aktuell zur Verfügung?

1. BioNTech und Pfizer

BioNTech und Pfizer gaben als erstes Unternehmen bereits am 9. November 2020 den entscheidenden Durchbruch bekannt: Demnach senkte ihr Impfstoff in Studien das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, um 95 Prozent. Zudem habe das Präparat nahezu keine Nebenwirkungen. „Es zeigt, dass Covid-19 kontrolliert werden kann“, betonte BioNTech-Chef Ugur Sahin. „Letztlich ist es wirklich ein Sieg der Wissenschaft.“

2. Moderna

Der Konzern aus den USA zieht mit BioNTech-Pfizer gleich: Moderna präsentierte einen Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Die EU-Kommission hat das Präparat nach der Zustimmung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA in einem beschleunigten Verfahren am 6. Januar 2021 EU-weit zugelassen.

3. Astra-Zeneca

Im Gegensatz zu Moderna und BioNTech-Pifzer ist die Wirksamkeit des Präparats von AstraZeneca mit 76 Prozent vergleichsweise gering. Der Einsatz wurde Ende Januar 2021 genehmigt und geriet Mitte März aufgrund eines möglichen Zusammenhangs mit dem Auftreten von Sinusvenenthrombosen ins Stocken. Dies wurde von der EMA überprüft und der Impfstoff wird in Deutschland wieder genutzt.

Ungewöhnliche oder gefährliche Nebenwirkungen können bei jedem Impfstoff entstehen. Jedoch werden die Risiken bei einer AstraZeneca-Impfung im Vergleich zu einer Infektion mit Covid-19 als gering angesehen.

4. Johnson & Johnson

Seit Mitte April wird mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson nun ein viertes Mittel in Deutschland verimpft. Im Gegensatz zu den anderen Vakzinen soll bei Johnson & Johnson bereits eine Impfung ausreichen, um mit einer Wirksamkeit von 66 Prozent vor dem Coronavirus zu schützen.

(Stand: 14.07.2021)


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