Länder-Chefs fordern schnelle Zulassung von Sputnik V

Corona-Impfstoffe: Die 7 wichtigsten Fragen und Antworten

Die Regierungschefs aus Bayern und Thüringen fordern, eine mögliche Bestellung des russischen Impfstoffs Sputnik V vorzubereiten. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA prüft aktuell das Vakzin. Könnte Sputnik V den entscheidenden Tempo-Schub beim Impfen geben? Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst. 

Jemand hält eine Spritze und ein Fäschchen mit Serum

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit dem russischen Impfstoff Sputnik V steht ein neuer Impfstoff auf dem Programm. Dieser ist jedoch in Deutschland bisher noch nicht zugelassen.
  •  Im Dezember startete die deutsche Impfkampagne mit den Impfstoffen von BioNTech, Moderna und AstraZeneca. Bisher wurden 3,6 Millionen Menschen vollständig geimpft.
  • Zu den Geimpften zählen überwiegend Ältere, die einer der (Hoch-)Risikogruppen angehören, oder Personen aus bestimmten, stark gefährdeten Berufszweigen.
  • Derzeit wird in Impfzentren vor Ort und durch mobile Impfteams, die Pflegeeinrichtungen aufsuchen, geimpft. Hausärztliche Impfungen sollen ab Anfang April möglich sein.
  • Impfungen mit AstraZeneca wurden aufgrund eines zeitlichen Zusammenhangs mit dem Auftreten von schwerwiegenden Thrombosen vorübergehend ausgesetzt. Allerdings ist der Impfstoff nun wieder in Verwendung – mit einer Empfehlung für ausschließlich über 60-Jährige.

1. Wann bekomme ich meine Impfung?

In Deutschland herrscht aufgrund der Impfstoffknappheit eine strenge Impfreihenfolge. Bisher gibt es drei Gruppen, die zuerst geimpft werden sollen.

  • Zu Gruppe I gehören Menschen, die 80 Jahre oder älter oder aufgrund ihres Berufes einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
  • In Gruppe II folgen alle 70- bis 79-Jährigen mit Vorerkrankungen. Außerdem Polizei- und Kitapersonal.
  • Die letzte Gruppe III beinhaltet alle über 60 Jahren mit chronischen Erkrankungen, einem Body-Mass-Index von mehr als 30 oder einer Tätigkeit im Lebensmittelhandel. Detaillierte Informationen finden Sie hier.

2. Wo kann ich mich impfen lassen?

Die Verteilung der Covid-19-Impfstoffe erfolgt über Impfzentren und mobile Impfteams, die Pflegeheime aufsuchen. Die Länder sind für die Organisation und Terminvergabe zuständig. Geplant ist jedoch, ab dem 5. April 2021 auch Impfungen bei der Hausärztin oder dem Hausarzt zu ermöglichen. Außerdem soll ein Plan für Impfungen bei Betriebsärztinnen und Betriebsärzten erstellt werden. Hier können Sie nachlesen, wie Ihr Bundesland die Impfstrategie handhabt. 

3. Warum dauert es so lange?

In Deutschland startete am 27. Dezember 2020 die nationale Impfkampagne. Bis zum 26. März wurden mehr als 12 Millionen Impfungen verabreicht. Mehr als 3,6 Millionen Menschen haben bereits die Zweitimpfung erhalten.

Dass noch nicht mehr Personen geimpft wurden, liegt unter anderem an der Impfstoffknappheit – aber auch an unterschiedlichen bürokratischen Hürden. Es gibt Berichte, dass Impfstoff – besonders von AstraZeneca – ungenutzt bleibe. Letztlich gilt, dass jedes Bundesland eigenständig bei der Impfung agiert, wodurch unterschiedliche Lieferengpässe und Terminvergaben entstehen. 

4. Wie sicher ist die Impfung?

Impfstoffe werden in Deutschland nur dann zugelassen, wenn sie alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden haben. Diese Qualitätsstandards gelten auch für die Zulassung der Coronavirus-Impfungen. Nach der Marktzulassung wird die Anwendung weiterhin überwacht, um auch sehr seltene Nebenwirkungen zu erfassen.

Wichtig: Durch Virusmutationen muss der Impfstoff möglicherweise immer wieder neu angepasst werden. Dies kann zeitlich ebenfalls zu Verzögerungen führen. 

In den vergangenen Wochen geriet AstraZeneca in Kritik, nachdem mehrere Fälle von schwerwiegenden Sinusvenenthrombosen in zeitlicher Nähe zur Impfung auftraten. Daher wurde der Impfstoff kurzzeitig ausgesetzt. Mittlerweile ist der Impfstoff mit entsprechender Produktinformationen wieder verfügbar.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bestätigt, dass ein Zusammenhang zwischen AstraZeneca und den aufgetretenen Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden kann. Jedoch bestehe nach derzeitigem Erkenntnisstand kein grundlegend erhöhtes Thromboserisiko – auch nicht für Frauen, die die Antibabypille nehmen. 

5. Welche Auswirkungen haben die Impfungen auf die wirtschaftliche Erholung?

Belege einer hohen Wirksamkeit der Impfstoffe untermauern die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Mit den Impfungen steht – neben den Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln – ein wirksames und nachhaltiges Instrument zur Überwindung der Pandemie zur Verfügung. 

Flächendeckende Impfkampagnen sind Voraussetzung für eine Normalisierung der Wirtschaft und damit das Fundament, von dem aus sich die Aktienmärkte weiter entwickeln können.
Dr. Ulrich Kater (Chefvolkswirt der Deka)

Jeder Tag zählt, an dem mehr Menschen geimpft werden können und damit wieder die Grundlage für mehr wirtschaftliche Eigenverantwortung geschaffen wird. Staatliche Unterstützungen haben in der Krise ihre Berechtigung, sollten aber nicht zum Normalfall werden.

6. Was hat es mit dem russischen Impfstoff Sputnik V auf sich?

Mit dem russischen Impfstoff Sputnik V tritt ein neuer Impfstoff auf den Markt. Seit Anfang März überprüft die EMA das Vakzin. Anfang April sollen Experten nach Russland entsandt werden, um die Ergebnisse klinischer Studien und die Produktionsbedingungen vor Ort anzuschauen. Laut russischen Forschern liegt die Wirksamkeit bei 91,6 Prozent.

Die Ministerpräsidenten Markus Söder und Bodo Ramelow aus Bayern und Thüringen dringen auf eine schnelle Zulassung des russischen Impfstoffes. Söder fordert von der EU eine zügige Bereitstellung einer ausreichenden Menge an Impfdosen. Ramelow bezeichnet Vorbehalte gegen Russland als „albern“. Der R-Pharm-Manager Alexander Bykow äußerte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur die Absicht, einen Teil der Produktion von Sputnik V nach Deutschland zu verlegen – genauer: in sein Werk im bayerischen Illertissen. Dafür benötigt er aber die Zulassung durch die EMA.

Ein großer Tempo-Schub oder sogar Durchbruch im Impfprozess kann von Sputnik V dennoch nicht erwartet werden: Die Produktion in Bayern wäre erst ab Juni denkbar, ein zuverlässiger Einsatz in hohen Dosen noch später. Die Massenimpfungen sollen bis dahin längst im Gange sein – so beispielsweise durch die steigenden Produktionszahlen von BioNTech. Die Herstellung von Sputnik V in Deutschland würde Russland aber die Möglichkeit bieten, die Versorgung anderer Länder mit dem Impfstoff zu erhöhen. 

7. Welche Impfstoffe stehen aktuell zur Verfügung?

1. BioNTech und Pfizer

BioNTech und Pfizer gaben als erstes Unternehmen bereits am 9. November 2020 den entscheidenden Durchbruch bekannt: Demnach senkte ihr Impfstoff in Studien das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, um 95 Prozent. Zudem habe das Präparat nahezu keine Nebenwirkungen. „Es zeigt, dass Covid-19 kontrolliert werden kann“, betonte BioNTech-Chef Ugur Sahin. „Letztlich ist es wirklich ein Sieg der Wissenschaft.“

2. Moderna

Der Konzern aus den USA zieht mit BioNTech-Pfizer gleich: Moderna präsentierte einen Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Die EU-Kommission hat das Präparat nach der Zustimmung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA in einem beschleunigten Verfahren am 6. Januar 2021 EU-weit zugelassen.

3. Astra-Zeneca

Im Gegensatz zu Moderna und BioNTech-Pifzer ist die Wirksamkeit des Präparats von AstraZeneca mit 76 Prozent vergleichsweise gering. Der Einsatz wurde Ende Januar 2021 genehmigt und geriet Mitte März aufgrund eines möglichen Zusammenhangs mit dem Auftreten von Sinusvenenthrombosen ins Stocken. Dies wird von der EMA derzeit noch überprüft, der Impfstoff in Deutschland aber wieder genutzt. Ungewöhnliche oder gefährliche Nebenwirkungen können bei jedem Impfstoff entstehen, jedoch werden die Risiken bei einer AstraZeneca-Impfung im Vergleich zu einer Infektion mit Covid-19 als gering angesehen. Laut der Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim sind aktuell 18 Fälle von Sinusvenenthrombosen auf 20 Millionen Impfungen bekannt.  Ab dem 31. März wird das Vakzin bei über 60-Jährigen verimpft. Jüngere haben die Option – mit Absprache eines Arztes – ebenfalls den Impfstoff zu erhalten.

4. Johnson & Johnson

Ab Mitte April soll mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson nun ein viertes Mittel in Deutschland verimpft werden – allerdings erst in einer geringen Menge von etwa 275.000 Dosen. Im Gegensatz zu den anderen Vakzinen soll bei Johnson & Johnson bereits eine Impfung ausreichen, um mit einer Wirksamkeit von 66 Prozent vor dem Coronavirus zu schützen. 

(Stand: 29.03.2021)


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