Lockerungen für Geimpfte und Genesene

Dürfen sich vollständig gegen das Coronavirus Geimpfte und Genesene bald wieder ohne Auflagen treffen?

Die Debatte um Lockerungen für Geimpfte und Genesene ist in vollem Gange: Noch diese Woche könnten Bundestag und Bundesrat über das umstrittene Thema eine Entscheidung treffen. Derweil schreitet der Impfplan voran – ab Juni sollen die Betriebsärzte einsteigen. Wir halten Sie bei allen Änderungen auf dem Laufenden und beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen.

Jemand hält eine Spritze und ein Fäschchen mit Serum

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am Mittwoch soll es einen formalen Beschluss im Bundeskabinett über die Rechtefrage für Geimpfte geben. Die entsprechenden Änderungen sollen dann bis Donnerstag im Bundestag und am Freitag im Bundesrat beschlossen werden.
  • Ausgangsbeschränkungen würden dann für Geimpfte und Genesene nicht mehr gelten. Bei der Anzahl der erlaubten Kontaktpersonen dürfen Geimpfte zusätzlich dazu kommen. Die Testpflicht vor Besuchen von Geschäften oder Friseuren würde entfallen.
  •  Seit Impfstart im Dezember wurden mehr als 6,3 Millionen Menschen vollständig geimpft. 16 Millionen warten auf die zweite Dosis.
  • Seit dem 3. Mai können sich Personen, die der Gruppe 3 angehören, impfen lassen.
  • Hausärztliche Impfungen sind seit April möglich. Bis Anfang Juni sollen Betriebsärztinnen und -ärzte nachziehen. 

1. Wann bekomme ich meine Impfung?

In Deutschland herrschte bisher aufgrund der Impfstoffknappheit eine strenge Impfreihenfolge. Mittlerweile wird allerdings über Lockerungen diskutiert – diese drei Gruppen haben dennoch Priorität:

  • Gruppe 1: Dazu gehören Menschen, die 80 Jahre oder älter oder aufgrund ihres Berufes einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
  • Gruppe 2: Hier folgen alle 70- bis 79-Jährigen mit Vorerkrankungen. Außerdem Polizei- und Kitapersonal.
  • Gruppe 3: Diese Gruppe beinhaltet alle über 60-Jährigen mit chronischen Erkrankungen, einem Body-Mass-Index von mehr als 30, einer Tätigkeit im Lebensmittelhandel oder beruflichen Positionen in relevanten Unternehmen mit kritischer Infrastruktur – in letzteren Fällen können auch Jüngere bereits eine Impfung erhalten. Hier finden Sie detaillierte Informationen.

2. Wo kann ich mich impfen lassen?

Die Verteilung der Covid-19-Impfstoffe erfolgt in Impfzentren, über mobile Impfteams, die Pflegeheime aufsuchen, und in hausärztlichen Praxen. Die Länder sind für die Organisation und Terminvergabe in den Impfzentren zuständig. Lesen Sie hier nach, wie Ihr Bundesland die Impfstrategie handhabt

Einen Termin können Sie auf unterschiedlichen Wegen beantragen. Entweder Sie wählen die zentrale Hotline unter der 116 117, buchen den Termin online (hierzu gibt es verschiedene Webseiten abhängig Ihres Bundeslandes) oder erkundigen sich beim Hausarzt. 

3. Wird es Lockerungen für Geimpfte und Genesene geben?

Bald könnten Bundesrat und Bundestag eine Entscheidung treffen, inwiefern es Lockerungen für Geimpfte und Genesene geben soll. Die Debatte findet am Mittwoch statt, gegen Ende der Woche wird ein fester Entschluss erwartet. Im Falle einer Zustimmung würden Kontaktbegrenzungen und Ausgangsbeschränkungen für Geimpfte und Genesene nicht mehr gelten. Außerdem würde die Testpflicht vor dem Betreten von Geschäften entfallen.

Bisher haben mehr als 6,3 Millionen Menschen bereits eine vollständige Impfung erhalten und 16 Millionen warten auf die zweite Dosis. Insgesamt wurden in Deutschland knapp 27 Prozent der Bevölkerung geimpft. Für Geimpfte und Genesene, deren Erkrankung mindestens 28 Tage und maximal sechs Monate zurückliegt, gibt es in vielen Bundesländern bereits Lockerungen. Allerdings ist die Debatte, ob dies gerechtfertigt ist, noch nicht abgeschlossen.

Gesundheitsminister Jens Spahn hält es für wahrscheinlich, dass Union und SPD sich dazu noch in dieser Woche einigen. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sieht keine ethischen Widersprüche, die Lockerungen verhindern könnten. Unumstritten sind die Pläne dennoch nicht. Viele Ärzte wollen an der Testpflicht festhalten.

In vielen Bundesländern gibt es bereits konkrete Lockerungen, darunter beispielsweise das Entfallen einer Testpflicht beim Besuch von Einzelhandel, Friseur oder Zoo. Außerdem ist eine Quarantäne nach Rückkehr aus einem Hochinzidenzgebiet nicht mehr nötig – ausgenommen sind Regionen mit Virusvarianten. Wer als Kontaktperson einer infizierten Person gilt, muss ebenso nicht mehr in Isolation. Wie genau Ihr Bundesland das regelt, können Sie hier nachlesen

4. Wie sicher ist die Impfung?

Impfstoffe werden in Deutschland nur dann zugelassen, wenn sie alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden haben. Diese Qualitätsstandards gelten auch für die Zulassung der Coronavirus-Impfungen. Nach der Marktzulassung wird die Anwendung weiterhin überwacht, um auch sehr seltene Nebenwirkungen zu erfassen.

Wichtig: Durch Virusmutationen muss der Impfstoff möglicherweise immer wieder neu angepasst werden. Dies kann zeitlich ebenfalls zu Verzögerungen führen.

In den Frühjahrsmonaten geriet AstraZeneca in Kritik, nachdem mehrere Fälle von schwerwiegenden Sinusvenenthrombosen in zeitlicher Nähe zur Impfung auftraten. Daher wurde der Impfstoff kurzzeitig ausgesetzt. Mittlerweile ist der Impfstoff mit entsprechender Produktinformationen wieder verfügbar.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bestätigt, dass ein Zusammenhang zwischen AstraZeneca und den aufgetretenen Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden kann. Jedoch bestehe nach derzeitigem Erkenntnisstand kein grundlegend erhöhtes Thromboserisiko – auch nicht für Frauen, die die Antibabypille nehmen. 

5. Welche Auswirkungen haben die Impfungen auf die wirtschaftliche Erholung?

Belege einer hohen Wirksamkeit der Impfstoffe untermauern die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Mit den Impfungen steht – neben den Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln – ein wirksames und nachhaltiges Instrument zur Überwindung der Pandemie zur Verfügung. 

Flächendeckende Impfkampagnen sind Voraussetzung für eine Normalisierung der Wirtschaft und damit das Fundament, von dem aus sich die Aktienmärkte weiter entwickeln können.
Dr. Ulrich Kater (Chefvolkswirt der Deka)

Jeder Tag zählt, an dem mehr Menschen geimpft werden können und damit wieder die Grundlage für mehr wirtschaftliche Eigenverantwortung geschaffen wird. Staatliche Unterstützungen haben in der Krise ihre Berechtigung, sollten aber nicht zum Normalfall werden.

6. Wann kommen Betriebsärztinnen und -ärzte zum Einsatz?

Spätestens ab 7. Juni soll es möglich sein, sich beim Betriebsarzt impfen zu lassen. Vorgesehen sind laut Bundesgesundheitsministerium mindestens 500.000 Impfdosen pro Woche. 

7. Welche Impfstoffe stehen aktuell zur Verfügung?

1. BioNTech und Pfizer

BioNTech und Pfizer gaben als erstes Unternehmen bereits am 9. November 2020 den entscheidenden Durchbruch bekannt: Demnach senkte ihr Impfstoff in Studien das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, um 95 Prozent. Zudem habe das Präparat nahezu keine Nebenwirkungen. „Es zeigt, dass Covid-19 kontrolliert werden kann“, betonte BioNTech-Chef Ugur Sahin. „Letztlich ist es wirklich ein Sieg der Wissenschaft.“

2. Moderna

Der Konzern aus den USA zieht mit BioNTech-Pfizer gleich: Moderna präsentierte einen Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Die EU-Kommission hat das Präparat nach der Zustimmung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA in einem beschleunigten Verfahren am 6. Januar 2021 EU-weit zugelassen.

3. Astra-Zeneca

Im Gegensatz zu Moderna und BioNTech-Pifzer ist die Wirksamkeit des Präparats von AstraZeneca mit 76 Prozent vergleichsweise gering. Der Einsatz wurde Ende Januar 2021 genehmigt und geriet Mitte März aufgrund eines möglichen Zusammenhangs mit dem Auftreten von Sinusvenenthrombosen ins Stocken. Dies wird von der EMA derzeit weiter überprüft, der Impfstoff in Deutschland aber wieder genutzt. Ungewöhnliche oder gefährliche Nebenwirkungen können bei jedem Impfstoff entstehen, jedoch werden die Risiken bei einer AstraZeneca-Impfung im Vergleich zu einer Infektion mit Covid-19 als gering angesehen. Laut der Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim sind aktuell 18 Fälle von Sinusvenenthrombosen auf 20 Millionen Impfungen bekannt.  Seit dem 31. März wird das Vakzin bei über 60-Jährigen verimpft. Jüngere haben die Option – mit Absprache eines Arztes – ebenfalls den Impfstoff zu erhalten.

4. Johnson & Johnson

Ab Mitte April soll mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson nun ein viertes Mittel in Deutschland verimpft werden – allerdings erst in einer geringen Menge von etwa 275.000 Dosen. Im Gegensatz zu den anderen Vakzinen soll bei Johnson & Johnson bereits eine Impfung ausreichen, um mit einer Wirksamkeit von 66 Prozent vor dem Coronavirus zu schützen. 

(Stand: 05.05.2021)


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