Hoffnung auf Impfstoff gegen Corona-Virus treibt Biotech-Aktien in die Höhe

Die Welt wartet auf einen Impfstoff – wann kommt der Durchbruch?

Die Forschungen für einen Impfstoff gegen das Corona-Virus laufen unter Hochdruck und machen Fortschritte. Groß sind weltweit die Hoffnungen, dass ein Unternehmen bald einen Impfstoffkandidaten findet. Das spiegelt sich auch an der Börse wider. Aus bisher kaum bekannten Biotech-Firmen werden im Handumdrehen milliardenschwere Unternehmen. Der Dax kam erstmals seit dem Corona-Crash wieder über 13.000 Punkte.

Jemand befüllt eine Spritze

Zwei deutsche Unternehmen an der Spitze der Impfstoffentwicklung

Zahlreiche Biotech-Firmen und Pharmaunternehmen arbeiten weltweit mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffes, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Mehr als 150 denkbare Impfstoffe sind in der Entwicklung. Über 20 werden bereits am Menschen getestet.

An der Spitze der Forschungen stehen zwei deutsche Unternehmen – das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech und Curevac aus Tübingen. Beide Unternehmen führten bereits erste klinische Tests mit potenziellen Impfstoffen durch, die ermutigende Ergebnisse zeigten.

Biontech hat derzeit vier mögliche Impfstoffkandidaten gegen Covid-19. Zwei davon sind in den USA in einem beschleunigten Zulassungsverfahren. Die Behörden entbürokratisieren den gesamten Vorgang, um die Entwicklung zu unterstützen.

Biotech-Aktien schießen nach oben

Das Interesse an potenziellen Impfstoffen ist enorm, ebenso das an ihren Produzenten: Großbritannien, das in Europa am schwersten von der Corona-Krise betroffen ist, sicherte sich bereits ein Kontingent an Impfstoffen des Mainzer Biotech-Unternehmens Biontech für mehrere Millionen Menschen.

Am Konkurrenten Curevac beteiligten sich die Briten mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline plant, mit Curevac zusammen in den kommenden Jahren bis zu fünf verschiedene Impfstoffe zu entwickeln. Nicht nur gegen Covid-19, sondern auch gegen andere Infektionskrankheiten, die künftig verstärkt auftreten könnten.

Wegen des großen Interesses der Investoren sind aus teils unbekannten Biotech-Firmen plötzlich milliardenschwere Unternehmen geworden. Der Firmenwert von Curevac wird auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Und er wird vermutlich noch steigen, wenn Curevac im Spätsommer in den USA an die Börse geht.

Biontech ist bereits an der Börse und hat in den sechs Monaten der Corona-Krise seinen Börsenwert auf 20 Milliarden Euro verdreifacht.

Was ist dran an möglichen Impfstoffkandidaten

Positive Studienergebnisse am Menschen machen Hoffnung, dass es schon bald nicht nur einen, sondern sogar mehrere Impfstoffe gegen Covid-19 geben könnte. Die wichtigste Frage ist: Schützen diese hundertprozentig vor dem Corona-Virus, oder lindern sie lediglich die Symptome bei Erkrankung? Aussagen dazu können gegenwärtig noch nicht getroffen werden. Möglicherweise wird es erst viel später oder sogar nie einen passenden Impfstoff geben, der umfassend vor dem Corona-Virus schützt.

In der Entwicklung am weitesten fortgeschritten ist ein möglicher Impfstoff des Pharmaunternehmens AstraZeneca und der Universität Oxford. Erste Studienergebnisse sind laut Unternehmen vielversprechend.

Biontech will Ende Juli 2020 eine umfangreiche Studie mit mehr als 30.000 Probanden starten, nachdem einer ihrer Impfstoffkandidaten in einer kleineren Studie in den USA erfreuliche Ergebnisse erbrachte.

Welcher Impfstoffkandidat schließlich das Rennen macht, ist beim jetzigen Forschungsstand offen.

Sollte es einen Impfstoff geben, könnte er schnell in großen Mengen verbreitet werden, da die Biotech-Firmen an der Spitze der Forschung in der Regel mit großen Pharmafirmen zusammenarbeiten. Die Biotech-Unternehmen bringen das Forschungswissen mit, was den meisten Großkonzernen in der Pharmaindustrie derzeit fehlt.

(Stand: 21.07.2020)


Dr. Kater
Im Gespräch mit
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Die Impfstoff-Entwicklung schreitet in Rekordgeschwindigkeit voran. Gestern stieg der Dax erstmals über 13.000 Punkte. Ist das die erhoffte Trendwende für die Wirtschaft?

Nein, es braucht keine Trendwende an den Aktienmärkten, denn die haben dieses Szenario eines Impfstoffes im Jahr 2021 bereits seit Längerem fest eingeplant. Das ist ein Teil der sehr starken Erholung an den Märkten. Der andere Teil besteht aus der geldpolitischen Unterstützung der Notenbanken. Flächendeckende Impfkampagnen im kommenden Jahr sind Voraussetzung für eine Normalisierung der Wirtschaft und damit das Fundament, von dem aus sich die Aktienmärkte weiter entwickeln können.

Mit Biontech aus Mainz und Curevac aus Tübingen sind zwei deutsche Unternehmen ganz vorne mit dabei. Wird Deutschland jetzt der neue Spitzenreiter in Sachen Biotech?

Es gibt gegenwärtig fast 200 Forschungsprojekte für einen Impfstoff gegen Covid-19 aus allen möglichen Ländern, auch aus Schwellenländern. Am weitesten sind gegenwärtig Forschungsansätze aus Großbritannien, den USA und China, soweit man das überhaupt sagen kann. Welcher Impfstoff am Ende der beste ist, ist zurzeit nicht vorherzusagen. Und selbst die Möglichkeit, dass es durch keinen dieser Stoffe einen umfassenden Schutz vor der neuen Krankheit geben wird, ist nicht völlig auszuschließen.

Curevac geht im Spätsommer in den USA an die Börse. Können deutsche Privatanleger als Investoren einsteigen und Aktien kaufen?

Theoretisch ja. Praktisch ist das für Privatanleger ein großes Risiko und sehr aufwändig, sich hier zu engagieren, denn sie müssten sich laufend sehr gut über den Fortgang der Dinge informieren. Erfolg und Misserfolg liegen auf diesem Feld eng beieinander. Für den Privatanleger ist es sinnvoller, breit gestreut in den Trend der Gesundheitsvorsorge einzusteigen. Dieser Trend ist beispielsweise im Deka-MegaTrends-Fonds enthalten.


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