Jetzt oder nie: Braucht die Wirtschaft ein grünes Konjunkturprogramm?

Wie Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgehen kann

Um der Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder auf die Beine zu helfen, plant die Regierung Investitions- und Konjunkturprogramme. Kanzlerin Merkel will, dass diese auch den Klimaschutz voranbringen. Ist Corona die grüne Chance, auf die alle gewartet haben? Fällt uns am Ende wieder nur eine Abwrackprämie ein? Was muss jetzt passieren, damit Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgeht? Antworten von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

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Grünes Konjunkturprogramm
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Herr Kater, der Umbau zu einer nachhaltigeren Wirtschaft wird schon lange angemahnt. Vor wenigen Monaten forderte Fridays for Future einen grünen Neustart. Ist Corona die Chance, auf die alle gewartet haben?

Dr. Ulrich Kater: Eine Krise ist eine besondere Gelegenheit, Altes fallen zu lassen und Neues anzugehen. Dabei werden immer Trends beschleunigt, die vorher bereits da waren. Es werden keine neuen Trends erfunden. Die Mittel, die der deutsche Staat zur Ankurbelung der Wirtschaft nach der Corona-Krise bereitstellt, sind insofern eine Möglichkeit, die Wende zu mehr Nachhaltigkeit zu beschleunigen.

Wer allerdings jetzt meint, damit sei es getan, liegt schief. Die Klimaanstrengungen werden auch dann noch notwendig sein, wenn die Corona-Krise langsam vergessen ist.

Der Verteilungskampf ist bereits im vollen Gange. Die Autolobby bringt sich schon in Stellung. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble warnt, dass uns mehr einfallen muss als die Abwrackprämie. Wer wird sich durchsetzen?

Rein konjunkturell gesehen braucht es eine breite Förderung, um die Aktivität in der gesamten Wirtschaft wieder in Gang zu bekommen.

Denn: Normale Rezessionen finden hauptsächlich in der Industrie statt. Das war bei der Corona-Rezession anders: Hier waren alle Wirtschaftszweige von Anfang an dabei. Die sonst so stabilen Dienstleistungen waren diesmal sogar an allererster Stelle betroffen. Daher darf auch eine Aufbauhilfe nicht nur in der Automobilindustrie ansetzen.

Die Corona-Krise wird teuer – und bringt den Staat an seine Grenzen. Was muss jetzt passieren, damit Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgeht?

Deutschland wird im Vergleich zu anderen Ländern wieder schneller aus der Rezession heraus sein. Aber es könnte sein, dass wir deutsche Produkte in der Nach-Corona-Welt nicht mehr so zahlreich verkaufen können. Die Produktionsketten werden kürzer und der Welthandel durch noch mehr Protektionismus dauerhaft geschrumpft.

Die größte Herausforderung ist daher für Unternehmen, sich auf die Nachfragestruktur in der Welt nach Corona einzustellen. Allerdings hat die deutsche Industrie in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, dass sie eine enorme Anpassungsfähigkeit besitzt.


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