
Die USA und Israel haben am Wochenende mit großflächigen Luftangriffen auf Ziele im Iran begonnen. Hierbei wurden auch der geistliche Führer des Irans Ali Khamenei und andere Führungsleute getötet. Der Schwerpunkt der ersten Angriffe lag auf der militärischen Infrastruktur des Landes.
Das Mullah-Regime in Teheran hat umgehend zurückgeschlagen und Ziele in Israel sowie anderen Ländern des Nahen Ostens beschossen. Sogar ein britischer Luftwaffenstützpunkt auf Zypern wurde von einer mutmaßlich iranischen Drohne getroffen. Da die Insel ein EU-Staat ist, ist damit erstmals auch ein europäisches Land direkt mit militärischen Angriffen in den Iran Konflikt eingebunden.
Außerdem können aktuell keine Schiffe mehr die Meerenge „Straße von Hormus“ durchqueren, durch die rund 20 Prozent des globalen Ölhandels transportiert werden. Nur noch wenige Öltanker konnten sie seit Beginn der Kämpfe befahren. Die iranischen Revolutionsgarden drohen, jedes Schiff „in Brand zu setzen“, das trotzdem passieren will. Daher gerät der weltweite Öl- und Flüssiggas-Handel nun massiv unter Druck.
Aber: Welche Folgen hätte ein längerer Konflikt beziehungsweise eine weitere Eskalation für deutsche Haushalte, Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger? Wirtschafts- und Finanzexperte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe, gibt erste Antworten.

3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Herr Dr. Kater, was bedeutet die Unsicherheit im Nahen Osten für die deutsche Wirtschaft insgesamt – insbesondere für energieintensive Unternehmen und den Arbeitsmarkt? Müssen wir mit einer neuen Konjunkturdelle rechnen?
Der Angriff auf den Iran ist angesichts der Dimension des Militäreinsatzes und der generell fragilen Lage im Nahen Osten natürlich mit Risiken verbunden. Aus ökonomischer Sicht lauten diese Risiken, dass die Ölförderanlagen in der Region durch den Iran systematisch zerstört werden sowie dass der Transportweg durch die Straße von Hormus absehbar für lange Zeit geschlossen bleibt.
Beide Risiken haben sich in den ersten Tagen seit den ersten Luftangriffen nicht materialisiert, wobei der Seeweg gegenwärtig deutlich beeinträchtigt ist. Makroökonomische Folgen stellen sich jedoch erst nach einigen Wochen solcher Beeinträchtigungen ein. Wenn die Deutung richtig ist, dass der Iran und seine Helfer in der Region zu umfassenden Aktionen nicht in der Lage sind, dann bleiben die Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte und die Finanzmärkte weiter moderat
Wie schnell schlagen sich ein anhaltender Iran-Konflikt und mögliche Ölpreissprünge im Alltag deutscher Haushalte nieder – vor allem bei Heizung, Sprit und Lebenshaltungskosten?
Auswirkungen in den direkt mit dem Nachen Ost verbundenen Wirtschaftsbereichen stellen sich sofort ein, wie man bereits jetzt in den Bereichen Energie und Tourismus sehen kann. Dies muss man jedoch unterscheiden von gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen. Hier sind die Energiepreise über den Verlauf von ein bis zwei Monaten entscheidend.
Wie sollten Privatanlegerinnen und Privatanleger mit Blick auf Aktien, Anleihen und Rohstoffe auf diese Krise reagieren und was wäre aus Ihrer Sicht ein Fehler?
Wir gehen vorerst von einem zeitlich und räumlich begrenzten Militärkonflikt aus, der weltwirtschaftlich kaum Auswirkungen mit sich bringt. Gegenwärtig gibt es wenig Anzeichen dafür, dass sich das Risikoszenario materialisieren würde. Eine Anpassung von Anlagestrategien ist daher weder strategisch-längerfristig noch taktisch-kurzfristig angeraten.
Allerdings ist die Risikoeinschätzung des Angriffs auf den Iran angesichts der Dimension des Militäreinsatzes und der generell fragilen Lage im Nahen Osten fortlaufend zu überprüfen. Eine intensive Beobachtung der Lage ist notwendig.
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Stand: 3.03.2026



