
Die Industrieaufträge sind zum Jahresende 2025 unerwartet stark gestiegen, vor allem durch Großaufträge von Staat und Rüstungssektor.
Neben Maschinenbau, Metallerzeugnissen und Elektronik profitiert die Autoindustrie von dieser Entwicklung. Dabei wirkt die Nachfrage aus dem Euroraum als wichtige Stütze.
Gleichzeitig warnen Experten, dass trotz erster Erholungssignale strukturelle Probleme wie Energiepreise, Bürokratie und geopolitische Risiken nur durch tiefgreifende Reformen zu lösen sind.
Boom zum Jahresende. Wer hätte das gedacht?
Die deutsche Industrie – lange Zeit die schwer kranke Patientin der heimischen Wirtschaft – zeigt plötzlich Lebenszeichen. Ein Auftragsboom im Dezember 2025 lässt die Ökonomen aufmerksam werden: Plus 7,8 Prozent gegenüber dem Vormonat und sogar 13 Prozent mehr als im Vorjahres-Dezember. Damit meldet das Statistische Bundesamt Zahlen, die den Pessimismus der vergangenen Jahre langsam relativieren. Analysten hatten zuvor noch mit einem Minus gerechnet. Stattdessen scheint ein beeindruckender Schub einzusetzen, der Hoffnung auf eine Trendwende macht.
„Ein Auftragsboom zum Jahresende. Wer hätte das gedacht?“, kommentiert Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus. Wir haben erstmals seit längerer Zeit Grund für Zuversicht.“ Chefvolkswirt Sebastian Dullien von der Hans-Böckler-Stiftung spricht von einem „fulminanten Auftragsschub“.
Das Bestellvolumen erreichte ein Niveau wie zuletzt Anfang 2022. Besonders der Maschinenbau jubelt über Großaufträge, Metallerzeugnisse und Elektronik boomen. Selbst die schwer kriselnde Autoindustrie holt Luft, zumindest in Teilen.
Großaufträge als Rettungsanker
Hinter dem Plus stecken Milliarden vom Bund: Rüstungsgroßaufträge pushen die Bestellbücher. Ohne sie läge das Wachstum lediglich bei mageren 0,9 Prozent. Das Inland wirft 11 Prozent mehr Aufträge ab, aus dem Ausland kommen 5,6 Prozent dazu. Die deutsche Industrie werde in den kommenden Monaten noch weiter wachsen, prognostizieren weitere Ökonomen – auch wenn geopolitische Risiken und US-Zölle den Export bremsen.
Die Krise sitzt tief: Vier Jahre Produktionsrückgang, Jobabbau in der Autobranche, China-Konkurrenz und Energiepreis-Schocks. Für 2026 rechnet die Bundesregierung mit einem Prozent Wachstum, 2027 soll es dann richtig losgehen.
Autoindustrie: Europa als Stütze
Besonders die Autobranche atmet auf: Der Index für Exporterwartungen des Münchener ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts sprang zuletzt von minus 8 auf plus 8,7 Punkte, getrieben von Export-Hoffnungen in andere Länder der Europäischen Union (EU). Die Nachfrage aus dem Euroraum wirke für die Autoindustrie als „stützende Kraft“, erklärt das ifo-Institut die Zahlen.
Auf den Auslandsmärkten innerhalb der EU bewerten die Unternehmen der deutschen Autoindustrie auch ihre Wettbewerbsposition deutlich besser als bei der letzten Erhebung dieses Werts im Oktober: Im Saldo ging es um 13,9 Punkte auf jetzt plus 15,4 nach oben. Außerhalb Europas sank der Wert allerdings stark: um ebenfalls 13,9 Punkte auf minus 31,3. Insbesondere gegenüber China habe die deutsche Autoindustrie dort an Wettbewerbsfähigkeit verloren, zunehmend aber auch gegenüber den USA.
„Made in Europe“ soll Branche stärken
Die Vorstandschefs von VW und Stellantis, Oliver Blume und Antonio Filosa, fordern eine „Made in Europe“-Strategie, um die Branche zu stützen. Dazu gehören unter anderem finanzielle Anreize und Erleichterungen für in Europa gefertigte E-Autos sowie verbindliche Kriterien: Produktion, Batterien, Antriebe in der EU. „Fairer Wettbewerb statt Billigimporte“, schreiben sie im „Handelsblatt“. Das Ziel: Mehr Jobs, Innovationen, Milliardeninvestitionen statt Strafzahlungen von Importeuren.
Jeder Hersteller, der in Europa verkaufe, solle unter vergleichbaren Bedingungen produzieren müssen. Zudem sollten staatliche Fördergelder gezielt europäische Wertschöpfung unterstützen. Darüber hinaus dringen Blume und Filosa auf eine Lockerung der EU-Klimaregeln zugunsten heimischer Produktion.
Man erlebe den Beginn einer neuen Ära geopolitischen Wettbewerbs, schreiben die beiden Manager. Handel, Technologie und Industrie würden zunehmend genutzt, um nationale Machtinteressen durchzusetzen. Europa müsse dringend entscheiden, „ob es nur ein Markt für andere werden oder auch zukünftig Produzent und Industriemacht bleiben will“. Die Branche erwirtschafte rund 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der EU und biete etwa 13 Millionen Menschen Arbeit. Das macht rund 7 Prozent aller Arbeitsplätze in der EU mit rund 185 Millionen aus. Entsprechend groß sei die Bedeutung des Sektors für Wohlstand und Stabilität in der Europäischen Union.
Zuversicht mit Mahnung
„Die konjunkturelle Erholung kommt an“, kommentiert Volkswirt Dullien die aktuelle Entwicklung. Doch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sowie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnen: Strukturprobleme wie hohe Energiepreise und Bürokratie bleiben. Daher seien grundlegende Reformen dringend notwendig.
Nach Jahren der Talfahrt scheint für die Industrie nun etwas Licht am Ende des Tunnels. Vor allem Rüstung und Maschinenbau ziehen an, die erwarteten Autoexporte in andere europäische Länder können diese Dynamik noch stärken. Ob es reicht für einen echten Aufschwung? Wichtig ist, Reformen anzuschieben – und die Auftragszahlen im Blick zu behalten.
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Stand: 06.02.2026



