
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) erwartet nach drei Jahren Stillstand ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent vor allem dank staatlicher Sonderausgaben.
Internationale Konflikte und neue Zölle bedrohen die fragile Erholung, während Reformen im Inland stocken.
Chancen sieht die Sparkassen-Finanzgruppe im europäischen Binnenmarkt als Gegenmodell zu bröckelnden globalen Handelsbeziehungen.
Weltweiter Krisenmodus hält an – aber leichte Erholung in Reichweite
Die Welt bleibt im Krisenmodus: Der Krieg in der Ukraine geht weiter, im Nahen Osten eskaliert die Gewalt in neuen Wellen. Washington verabschiedet sich mit Donald Trumps erratischer Politik von der regelbasierten Wirtschaftsordnung. China kämpft mit einer schwachen Wirtschaft, Europa mit seiner alten Trägheit. Die Corona-Pandemie ist zwar vorbei, ein Teil ihrer Folgen sind aber geblieben: Nach der Inflation sind das nun vor allem Schuldenberge und Reformstau. Und während die USA und Asien in Technologie und Industrie auf Tempo schalten, droht Deutschland weiter an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
Aber: Nach zwei Jahren Stillstand und einem Mini-Wachstum im Jahr 2025 zeichnet sich 2026 für die deutsche Wirtschaft eine leichte Erholung ab. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband geht in seiner Ende Januar vorgestellten Konjunkturprognose von einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Höhe von einem Prozent aus. „Ein moderates Wirtschaftswachstum ist ein gutes Zeichen. Gleichzeitig bleibt der Aufschwung fragil. Ein erheblicher Anteil kommt aus staatlichen Sonderausgaben – und damit aus einer Sonderkonjunktur, die strukturelle Probleme nicht löst“, sagte DSGV-Präsident Ulrich Reuter.
Reformen und Binnenmarkt als Rettung
Erste Effekte des Finanzpakets für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie der Mehrausgaben für Verteidigung zeigten sich bereits: „Im laufenden Jahr könnten 0,4 Prozentpunkte des erwarteten BIP-Wachstums darauf zurückgehen, im kommenden Jahr könnte es ein halbes Prozent sein“, sagte Timo Plaga, Chefvolkswirt der Sparkasse Hannover, der mit neun weiteren Chefvolkswirtinnen und Chefvolkswirten die Berechnungen und Analysen für die Prognose erstellt hat.
Reuter stellte die Konjunkturprognose in einen internationalen Kontext: „Das Jahr 2026 wird zu einem entscheidenden Wendepunkt. Die Krisenherde in der Welt werden nicht weniger. 2026 wird zeigen, ob künftig das Recht des Stärkeren gilt, oder die internationale Zusammenarbeit eine Chance behält.“ Deutschland brauche neue Partnerschaften, das Mercosur-Abkommen wäre hierfür ein wichtiger Schritt und ließe eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern entstehen. Das drohende Scheitern wäre deshalb ein herber Schlag. „In diesen Zeiten braucht es Zeichen der europäischen Handlungsfähigkeit. Deshalb wäre es richtig, das Abkommen vorläufig anzuwenden“, so Reuter.
Neben den Unsicherheiten in der Welt gebe es hausgemachte Standortprobleme, so Reuter. Entscheidend seien deshalb jetzt Strukturreformen: Bürokratische Hemmnisse müssten abgebaut, Verwaltung digitalisiert und Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigt werden. Gleichzeitig müsse die Infrastruktur fit für die Zukunft gemacht werden. Marode Straßen und Brücken sowie veraltete Energie- und Kommunikationsnetze bremsten Unternehmen und könnten zum Sicherheitsrisiko werden.
Öffentliche und private Investitionen, um die Infrastruktur fitzumachen
Investitionen in eine moderne und resiliente Infrastruktur erforderten dabei die Kombination aus öffentlichen und privaten Kapitalquellen. Die Grundlagen für einen starken Wirtschaftsstandort seien vorhanden: Die Inflation ist zuletzt auf 1,8 Prozent gesunken, die deutsche Industrie meldete ein Auftragsplus von 5,6 Prozent, und auch bei Gründungen gibt es Rückenwind. 2025 war ein Rekordjahr mit 3.568 neuen Start-Ups – einem Plus von 29 Prozent gegenüber 2024.
Chancen sieht die Sparkassen-Finanzgruppe für die deutsche Wirtschaft außerdem im europäischen Binnenmarkt, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Zölle und Handelsbeschränkungen: „Der europäische Binnenmarkt gewinnt an Bedeutung, gerade wenn globale Partnerschaften zunehmend in Frage gestellt werden“, so Chefvolkswirt Plaga. Es sei eine ermutigende Entwicklung, dass die Exporte in andere Euro-Länder bis November vergangenen Jahres um 3,9 Prozent gegenüber dem Jahr 2024 gestiegen sind.
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Stand: 27.1.2026



