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Personen gehen bei Sonnenaufgang über eine Brücke. Sie gehen zur Arbeit.

0,2 Prozent: Deutsche Wirtschaft wackelt 2025 aus der Talsohle

Platzt der Knoten nun endgültig?
Nach zwei Jahren Schrumpfung meldet sich die deutsche Konjunktur mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent zurück. Vom großen Aufschwung scheint sie aber vorerst noch weit entfernt. Staatliche Milliarden, mehr Konsum und ein schwacher Hoffnungsschimmer – reicht das zumindest mittelfristig, um die Flaute zu beenden?
Das Wichtigste in Kürze
  • Nach zwei Rezessionsjahren hat Deutschland 2025 ein Wachstum von 0,2 Prozent verzeichnet, getragen vor allem von Konsumausgaben und staatlicher Nachfrage.

  • Die Investitionen bleiben aber vorerst schwach, die Industrie stagniert. Ökonomen sehen den spürbaren Aufschwung frühestens ab 2027.

  • Die Milliardeninvestitionen des Bundes in Infrastruktur und Verteidigung sollen 2026 für Stabilisierung sorgen, langfristig sind sie aber nur mit strukturellen Reformen wirksam.

Drei Jahre Stagnation? Knapp daneben!

Deutschland ist am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum knapp vorbeigeschrammt – und hofft nun auf einen von staatlichen Milliardeninvestitionen getragenen Aufschwung. Für 2025 errechnete das Statistische Bundesamt (auf vorläufiger Basis) ein Wachstum von 0,2 Prozent. „Das Wachstum ist vor allem auf die gestiegenen Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates zurückzuführen“, erklärte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes Ruth Brand in Berlin das Ergebnis.

In den beiden Vorjahren war Europas größte Volkswirtschaft mit zwei Schrumpfungen in Folge (2023: minus 0,3 Prozent; 2024: minus 0,2 Prozent) in die Rezession gerutscht. Das hat es in Gesamtdeutschland nur einmal 2002/2003 nach dem Platzen der Dotcom-Blase gegeben – zuvor in der langen Wirtschaftsgeschichte Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg gar nicht.

Verhaltene Hoffnung auf einen Trendwechsel

Im neuen Jahr könnten Milliardenausgaben für Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie für Verteidigung für Auftrieb sorgen. Helfen dürfte der Konjunktur auch, dass es 2026 mehr Arbeitstage gibt, weil einige Feiertage auf ein Wochenende fallen. „Zu Jahresbeginn gibt es zumindest den Hoffnungsschimmer, dass wir die Talsohle endlich erreicht haben“, kommentierte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov die jüngsten Zahlen. „Es liegt allerdings noch ein weiter Weg vor uns, bis wir einen echten Aufschwung sehen werden.“

Kritischer betrachtet Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt des Wertpapierhauses der Sparkassen-Finanzgruppe DekaBank, die aktuelle Entwicklung: „Wirtschaftlich war 2025 ein weiteres verlorenes Jahr für Deutschland“, sagte er. Das kleine Wachstum hänge am privaten Konsum und den Staatsausgaben. „Die für das langfristige Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit wichtigen Investitionen sind dagegen weiter gesunken.“ Dabei seien die Herausforderungen mit den US-Zöllen, Konkurrenz aus China und technologischen Revolutionen historisch groß.

Weitere Reformen zwingend nötig für nachhaltiges Wachstum

Diese Änderungen des weltwirtschaftlichen Klimas kann die Politik laut Kater nicht beeinflussen. „Der Staat kann aber bessere Bedingungen für Flexibilität der bestehenden Unternehmen und Gründung sowie Entwicklung von neuen Unternehmen schaffen. Hier sind die bisherigen Maßnahmen in Deutschland zu kurz gegriffen“, betonte er.

Einen spürbaren Aufschwung erwarten er sowie viele andere Ökonomen frühestens ab 2027, wenn die gewaltigen Summen, die der Staat in die Hand nimmt, ihre volle Wirkung entfalten. Damit jedoch die Lockerung der Schuldenbremse und die so ermöglichten Ausgaben kein Strohfeuer erzeugen, seien Reformen zwingend.

Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe hatten bereits im Januar 2025 das 0,2-prozentige Wachstum für 2025 vorhergesagt. Sie erklärten ihre Annahme in ihrer „Gemeinsamen Prognose“ mit der Konsum- und Staatsausgaben-getriebenen Stabilisierung, bei gleichzeitig fehlenden Investitionsimpulsen und schwacher Industrie. Außerdem prognostizierten sie den Konsumaufschwung durch die steigenden staatlichen Ausgaben (wie Verteidigung und Infrastruktur), während private Investitionen und Exporte weiter schwächeln würden. Dieses Szenario hat sich bestätigt.

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Stand: 15. Januar 2026

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