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Ein Sicherheitsmitarbeiter in Uniform und Cap steht hinter einem Stapel glänzender Goldbarren und macht sich handschriftliche Notizen auf einem Klemmbrett.

Deutschlands Goldschatz: Das steckt hinter der bizarren Barrenbilanz

Milliarden in Edelmetall
Mehr als 3.350 Tonnen Goldreserven machen Deutschland zur Nummer zwei der Welt. Ein großer Teil dieses Schatzes liegt aber nicht in deutschen, sondern in US-Tresoren tief unter New York. Wie er dorthin kam, in welchen anderen Ländern deutsches Gold noch liegt – und warum sich das vorerst nicht ändert, erfahren Sie hier. 
Das Wichtigste in Kürze
  • Deutschland verfügt mit 3.352 Tonnen Gold über den zweitgrößten staatlichen Goldschatz der Welt.

  • Davon lagert neben Frankfurt und London rund ein Drittel in New York.

  • Das Gold nach Deutschland zu holen, ist laut Bundesbank nicht angebracht: Die Lagerung im Ausland hat viele Vorteile, und der Transport würde Unsummen kosten.

Vom Weltkrieg zum Wirtschaftswunder und zum Goldrausch

Die Geschichte beginnt in der Nachkriegszeit: 1951, als die junge Bundesrepublik ihre ersten Währungsreserven aufbaute, war Gold der Inbegriff von Stabilität. Die D-Mark war schwach. Der Kalte Krieg hatte gerade begonnen und schürte große Unsicherheit. So begann Westdeutschland Gold zu horten: Bis Ende der 1960er Jahre wuchs der Bestand auf 3.966 Tonnen. Ein Rekord, der erst nach der Euro-Einführung übertroffen wurde.

Heute belaufen sich die Reserven der Bundesbank zwar auf 3.352 Tonnen. Aber sie haben einen neuen Rekordwert erreicht: mehr als 400 Milliarden Euro. Mit der Gesamtmenge belegt Deutschland weltweit Platz 2 nach den USA (circa 8.130 Tonnen) und vor Italien (rund 2.450 Tonnen).

New York, Frankfurt, London – aber warum?

Die Lagerorte sind strategisch klug verteilt: Frankfurt für den Löwenanteil mit heute 50,5 Prozent oder 1.710 Tonnen. 37 Prozent liegen in New York in den Tiefen der Federal Reserve Bank (Fed) of New York. Die Fed-Tresore sind unterirdische Festungen, seit Jahrzehnten kein Einbruch. Weitere 12 Prozent lagern in London und 0,3 Prozent in Paris.

Warum New York? In den 1960ern war der Goldstandard die Grundlage des internationalen Währungssystems, und New York das Zentrum des Dollar-Gold-Handels. Die Bundesbank konnte das Gold in der Fed blitzschnell in US-Dollar tauschen, falls sie intervenieren musste, um die D-Mark zu stützen. London bot ähnliche Flexibilität durch die Bank of England. Frankfurt diente als sicherer Heimathafen, fern von geopolitischen Risiken.

Die erste Rückholaktion…

Die Lagerfrage wurde 2013 erstmals zum Politikum. Die rechtspopulistische Partei AfD (und einzelne Mitglieder von CDU und CSU) kritisierte die Verwahrung im Ausland. „Holt das Gold heim!“, forderte sie – und war teilweise erfolgreich: Zwischen 2013 und 2020 transportierte die Bundesbank 674 Tonnen zurück: 300 aus New York, 374 aus Paris. Kosten: 7 Millionen Euro für Logistik, Versicherung, Prüfung. Jeder einzelne der rund 53.900 Barren wurde gewogen, geröntgt und versiegelt.

Der damalige Bundesbank-Präsident Jens Weidmann argumentierte: „Sicherheit und Handelbarkeit stehen im Vordergrund.“ Sollte und soll heißen: In New York sitzen die größten Notenbanken, Geschäftsbanken und Edelmetallhändler, über die weltweit am meisten Gold gehandelt wird. In fundamentalen Krisen wie etwa bei drastischen Währungsturbulenzen oder Bankenpleiten zählt heute ebenso wie in den 1960er Jahren jede Stunde. Das Gold könne dort im Ernstfall schneller und einfacher zu Geld gemacht werden als das Gold in Frankfurt, argumentiert die Bundesbank.

0Euro

würde der Transport aller deutscher Goldreserven nach Frankfurt kosten.

… und warum Deutschland vorerst kein weiteres Gold zurückholt

Ursprünglich hatte die Lagerung in den USA auch einen historischen Grund: In den 1950er Jahren gab es nach den zahlreichen Plünderungen der letzten Kriegsjahre durch das NS-Regime kaum Vertrauen in die Sicherheit deutscher Tresore. Heute gibt es – neben der Liquidität – noch andere Gründe: Die Fed lagert kostenlos und macht jährlich Inventur, es herrscht also große Transparenz. Auch der aktuelle Bundesbank-Chef Joachim Nagel betont: „Die Kapazitäten in Frankfurt reichen zwar für all unser Gold. Aber Liquidität siegt.“

Die Verwahrung im Ausland diene außerdem als Vertrauenssignal: Der deutsche Goldschatz ist international verteilt, nicht isoliert. Und: Ein vollständiger Rücktransport würde 100 Millionen Euro kosten für Logistik und Sicherheit, die Handelbarkeit schmälern und geopolitisch provozieren. Die Barren seien physisch vorhanden, versichert und würden jährlich geprüft, betont die Bundesbank. Am Ende ist deutsches Gold damit vor allem eines: gut verteilt, gut kontrolliert – und für alle Eventualitäten gut gerüstet.

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Stand: 12.02.2026