Junge Frau mit Locken steht lächeln am Eingang eines Cafes. Sie hat Unterlagen in der Hand und lehnt sich an die Glastür.

Gender Pay Gap: Darum sollten sich Frauen früh für ein gutes Gehalt stark machen

Lohnunterschiede ausgleichen
Frauen verdienen noch immer weniger als Männer. Diese Differenz, der sogenannte Gender Pay Gap, lag 2023 bei 18 Prozent. Das hat verschiedene Gründe, führt jedoch zum selben Ergebnis: Frauen haben häufig schon während ihres Berufslebens weniger Geld zur Verfügung. Das macht sich später auch in der Rente bemerkbar. Darum sollten Sie Gehaltsunterschiede frühzeitig ausgleichen.

Gender Pay Gap – so viel weniger verdienen Frauen

Wissen Sie, was Ihre Kollegen am Ende des Monats auf ihre Konten überwiesen bekommen? Sollte das nicht der Fall sein, bleibt Ihnen wahrscheinlich Ärger erspart. Denn es ist durchaus frustrierend, zu erfahren, dass das eigene Gehalt oft grundlos hinter dem der Männer zurückbleibt. Frauen verdienten laut Statistischem Bundesamt (Destatis) – ebenso wie im Jahr zuvor – im Jahr 2023 über alle Branchen hinweg 18 Prozent weniger je Stunde als Männer. In Westdeutschland und Berlin fallen die Unterschiede mit 19 Prozent deutlich höher aus als im Osten mit 7 Prozent. Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, diese Differenz bis 2030 bundesweit auf 10 Prozent zu reduzieren.

Betrachten wir die Gehälter von Frau und Mann mit derselben Erfahrung, Tätigkeit und Karrierestufe, ergibt sich ein Lohnunterschied von durchschnittlich 6 Prozent zugunsten des Mannes – der bereinigte Gender Pay Gap.

Auf den ersten Blick klingt das nicht allzu viel. Auf ein ganzes Berufsleben betrachtet entgeht betroffenen Frauen jedoch eine Menge Geld – fürs Hier und Jetzt und für die Zukunft. 

Ein Beispiel: Ein Mann verdient über 35 Jahre hinweg im Schnitt 3.500 Euro brutto im Monat, also 42.000 Euro im Jahr. Eine gleich qualifizierte Frau erhält für dieselbe Arbeit 6 Prozent weniger. Monatlich bekommt sie damit 210 Euro und jährlich 2.520 Euro weniger als ihr Kollege. Über 35 Jahre hinweg sind das 88.200 Euro. Und die fehlen sowohl akut als auch in der Rente. Denn wer weniger Geld verdient, zahlt auch weniger Geld in die Rentenkasse ein und hat weniger zur Verfügung, um privat für das Alter vorzusorgen. 

Transparente PNG Illustration einer Hand, die einen Strich in einen gelben runden Kreis zeichnet. Oberhalb ist ein Prozentzeichen.

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weniger verdienen Frauen durchschnittlich im Vergleich zu Männern.

Ist Frau selbst schuld?

Die 6 Prozent des bereinigten Gender Pay Gaps zeigen jedoch lediglich den Unterschied zwischen Frauen und Männern, die in ähnlichen Positionen arbeiten. Viele Erwerbsbiografien von Frauen sind nicht mit denen von Männern vergleichbar.

Das hat verschiedene Gründe: Frauen sind in der Regel eher diejenigen, die wegen der Kinder und auf Kosten der Karriere zu Hause bleiben und sich um den Haushalt kümmern. Nicht wenige kehren häufig nur noch in Teilzeit ins Berufsleben zurück. Während der Coronakrise hat sich diese Problematik nur noch mehr verstärkt.

Laut des Väterreports 2023  möchten zwei Drittel der Väter gleichberechtigte Berufschancen und finanzielle Unabhängigkeit für beide Elternteile. Doch bleibt das alte Rollenmodell meistens bestehen: Mehr als die Hälfte der Väter verharren in ebendiesem. Ein Drittel der Männer und ein Viertel der Mütter hält sogar mit Überzeugung an dem traditionellen Rollenmodell fest.

Außerdem sind Frauen häufiger in Minijobs tätig als Männer. Laut der Bundesagentur für Arbeit waren 2022 rund 3,27 Millionen Männer, jedoch 4,34 Millionen Frauen geringfügig beschäftigt.

Letztlich wählen Frauen häufig Berufe, die vergleichsweise schlechter bezahlt werden. Dazu gehören beispielsweise die Kranken- und Altenpflege sowie der soziale Bereich. Dort verdienen allerdings Frauen und Männer gleichermaßen wenig. 

Was also tun?

Einen anderen Job suchen, nach der Geburt des Kindes so schnell wie möglich wieder in Vollzeit arbeiten oder am besten im Lotto gewinnen. Wenn es so einfach wäre. Die Sozialwissenschaftlerin Emily Murphy und der Sozialwissenschaftler Daniel Oesch stellten in ihrer Panelanalyse „Feminization of Occupations and Wages“ fest, dass sich das Lohnniveau eines Berufes ändert, sobald dort vermehrt Frauen einsteigen.

Wird beispielsweise eine Männerdomäne immer weiblicher, sinkt dort das Gehaltsniveau. Und zwar nicht, weil die Männer weniger verdienen, sondern weil Frauen niedrigere Gehälter beziehen und sich das auf den Durchschnitt auswirkt. Frauen werden auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Das erkennt auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns sowie der Ausbau von Kinderbetreuung und die finanzielle Förderung von Eltern sollen unter anderem Frauen den Weg in eine fairere Arbeitswelt ebnen.

Zusätzlich setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Aktionstagen wie dem Weltfrauentag oder dem Equal Pay Day dafür ein, Geschlechterklischees und Diskriminierung zu bekämpfen. Doch auch Sie selbst können etwas bewegen. Schließlich geht es nicht nur um die Gegenwart, sondern auch um Ihre Altersvorsorge und die Höhe Ihrer zukünftigen Rente. 

Warum das Gehalt folgenschwer für die Rente ist

Wer weniger verdient, zahlt weniger in die gesetzliche Rentenkasse ein und hat folglich weniger Geld im Alter. Besonders Frauen sind von Altersarmut bedroht.

Dafür gibt es seit einigen Jahren sogar einen neuen Begriff: Den Gender Pension Gap – die Geschlechter-Rentenlücke. Destatis stellte im Jahr 2022 fest, dass sie in Deutschland knapp 30 Prozent betrug. Frauen in Deutschland bekamen im Schnitt rund die Hälfte weniger Rente als Männer. 

Zur Einordnung: Wer 60 Prozent oder weniger des mittleren Nettohaushaltseinkommens verdient, gilt als arm. Bei einem Einpersonenhaushalt sind das laut Destatis 1.250 Euro (Stand: 2022).

Mittleres Nettohaushaltseinkommen (Medianeinkommen)

Das mittlere Nettohaushaltseinkommen, auch Medianeinkommen genannt, kennzeichnet die Einkommenshöhe, von der aus die Anzahl der Haushalte mit niedrigeren Einkommen gleich groß ist wie die der Haushalte mit höheren Einkommen. Das heißt, das Medianeinkommen teilt die Einkommensbezieherinnen und -bezieher in zwei genau gleich große Hälften – die untere Hälfte hat höchstens, die obere mindestens das Medianeinkommen.

Die Deutsche Rentenversicherung gibt regelmäßig die Höhe der Durchschnittsrente bekannt. Im Jahr 2022 bekam der Durchschnittsrentner 1.621 Euro brutto in den alten Bundesländern und 1.589 Euro brutto in den neuen Bundesländern. Bei Frauen sah es deutlich schlechter aus – besonders in den alten Bundesländern. Dort erhält die Durchschnittsrentnerin 800 Euro brutto. In den neuen Bundesländern kommt sie auf 1.145 Euro brutto. Das lässt sich historisch begründen: Während früher im Osten die Berufstätigkeit von Frauen gewollt war, wurde im Westen eher das Modell der Hausfrauenehe gelebt.

Frühzeitig für gutes Gehalt kämpfen

Um Rentenfalle und Altersarmut zu umgehen, sollten Sie schon bei Ihrem ersten Job auf ein faires Einstiegsgehalt achten. Informieren Sie sich über Gehälter in Ihrer Branche, fragen Sie Freunde und Bekannte und bewerten Sie realistisch Ihre eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten.

Viele Frauen verkaufen sich unter Wert und geben sich mit niedrigeren Gehältern zufrieden. Das ist ein gesellschaftliches und strukturelles Problem. Nur wenn Sie Ihre eigenen Fähigkeiten kennen und auf deren Wert pochen, legen Sie einen soliden Grundstein für Ihr weiteres Gehaltswachstum.

Nachdem der erste Schritt geschafft ist, heißt es, am Ball bleiben: Verhandeln Sie regelmäßig neu – am besten einmal im Jahr. Das klingt viel, ist es aber nicht. Denn mit jedem Jahr Berufserfahrung steigt Ihr Wert für das Unternehmen – und das sollte sich auch auf Ihrem Konto widerspiegeln.

So erhalten Sie, was Ihnen zusteht

Tipps für die Gehaltsverhandlung

1.       Marktwert kennen

Wissen Sie, was Männer und Frauen in Ihrem Bereich auf Ihrer derzeitigen oder gewünschten Position verdienen? Zahlreiche Vergleichsportale und Plattformen zur Arbeitgeberbewertung machen eine Einordnung, auch standortspezifisch, möglich.

2.       Zeit für Vorbereitung einplanen

Eine gute Vorbereitung ist vor einer Gehaltsverhandlung das Wichtigste. Erstellen Sie eine Liste Ihrer Erfolge. Überlegen Sie sich zukünftige Ziele oder kreative Projekte, die Sie umsetzen wollen. Machen Sie sich konkrete Gedanken über Ihr Wunschgehalt – auch darüber, was Ihr unteres Limit ist. Die Gegenseite wird in der Regel versuchen, nach unten zu verhandeln.

3.       Leistung betonen

Heben Sie in der Gehaltsverhandlung Ihre Leistung und Ihren Wert für das Unternehmen hervor. Absehen sollten Sie von einer Gehaltsforderung aufgrund persönlicher Gründe und Umstände.

4.       Selbstbewusst auftreten

Frauen neigen dazu, sich in Gehaltsverhandlungen weniger selbstbewusst zu geben als Männer. Vermeiden Sie offensichtlich unsicheres Verhalten wie zu zögerliches Sprechen oder übermäßige entschuldigende Erklärungen. Machen Sie sich nicht kleiner als Sie sind. Sie wissen, was Sie können und geleistet haben. Kommunizieren Sie daher klar, bestimmt und begründet Ihre Gehaltsvorstellungen.

5.        Flexibel und kreativ bleiben

Sollte Ihr Arbeitgeber nicht in der Lage sein, Ihr Gehalt (sofort) zu erhöhen, gibt es alternative Vergütungsformen wie zusätzliche Urlaubstage, flexible Arbeitszeiten, Fortbildungsmöglichkeiten und mehr. Lesen Sie hier, was für Sie in dem Fall infrage kommen würde, und fordern Sie diese Dinge dann selbstbewusst ein.

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