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Rakete auf einer Startplattform bei Nacht, im Vordergrund das Orion-/SLS-Raketensegment mit NASA- und US-Flaggen, im Hintergrund ein großer Vollmond am dunklen Himmel.

Raumfahrt wird zum Wirtschaftsmotor: Chancen für Unternehmen und Anleger

Geld verdienen im All
Den Weltraum beherrschten lange eine Hand voll Staaten. Doch das ändert sich rasant: Private Unternehmen drängen ins All. Die Umsätze steigen – und Deutschland will dabei sein. Was früher Science-Fiction war, ist jetzt eine handfeste Geschäftschance.
Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Raumfahrt könnte in Deutschland zu einem Wachstumstreiber werden.

  • Die Branche wächst dank zahlreicher Start-ups, lockt aber auch etablierte Konzerne wie Rheinmetall.

  • Anlegerinnen und Anleger können auf verschiedenen Wegen teilhaben.

Ein Markt hebt ab

Die Weltraumwirtschaft könnte jährlich um 9 Prozent wachsen und damit stärker als die Weltwirtschaft insgesamt. Das prognostizierte das Beratungsunternehmen McKinsey 2024. Deren Studienautoren rechnen damit, dass sich die Branchenumsätze bis zum Jahr 2035 auf 1,8 Billionen US-Dollar verdreifachen könnte. Die Raumfahrt wäre damit so groß wie die Halbleiterbranche.

Das All prägt schon jetzt unser Leben mit. Services wie Kommunikation, Ortung, Navigation, Zeitgebung und Erdbeobachtung sind ohne weltraumgestützte Technologie nicht denkbar. Vom Wetterbericht über GPS bis zur Videokonferenz – vieles funktioniert nur dank Satelliten im Orbit.

Was treibt das Wachstum?

Entscheidend für den Aufschwung: Die Startkosten sind in den vergangenen 30 Jahren um 90 Prozent zurückgegangen. In den 1990er Jahren kostete es noch ungefähr 10.000 US-Dollar ein Kilogramm Fracht in den erdnahen Orbit mit dem Space Shuttle zu transportieren. Mit den neuesten Raketen wie der Falcon Heavy von SpaceX sind die Kosten auf etwa 1.500 bis 2.000 US-Dollar gefallen. Die Folge: Die Anzahl der operativen Satelliten hat sich von etwa 3.400 im Jahr 2020 auf 11.500 bis Ende 2024 mehr als verdreifacht.

Noch hängt vieles an staatlichen Aufträgen. Der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) zufolge, wurden 2024 etwa 122 Milliarden Euro öffentlicher Gelder in die Raumfahrt investiert. Ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Private Investitionen sind noch bedeutend kleiner, wachsen aber rasch. Sie betrugen 2024 weltweit etwa 7 Milliarden Euro, ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Europa nahmen die privaten Investitionen von 2023 bis 2024 sogar um 56 Prozent zu.

Neue Akteure wie SpaceX, Blue Origin und die United Launch Alliance sowie die Fortschritte bei älteren Raketenunternehmen wie Arianespace zeigen: Kommerzielle Raumfahrt ist ein wachsendes Geschäftsfeld.

Deutsche Unternehmen eilen zu den Sternen

Deutschland muss sich nicht verstecken. Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie hat laut dem Bundesverband BDLI 2024 einen Umsatz von mehr als 52 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das ist ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei entfallen rund 3 Milliarden Euro auf die Raumfahrt.

Unternehmen wie Airbus Defence and Space und OHB gehören weltweit zu den führenden Anbietern von Satellitensystemen. Sie bauen Wetter-, Navigations- und Erdbeobachtungssatelliten, die in internationalen Projekten zum Einsatz kommen, etwa beim europäischen GPS-System Galileo.

Besonders spannend ist die junge „New Space“-Szene. In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als hundert New-Space-Unternehmen. Start-ups wie Isar Aerospace, Rocket Factory Augsburg und HyImpulse arbeiten an kostengünstigen Trägerraketen, um Satelliten ins All zu bringen. Damit soll eine europäische Alternative zu den dominanten US-amerikanischen Anbietern entstehen.

Die Geschäftsfelder sind vielfältig: Berlin Space Technologies baut Kleinsatelliten, LiveEO analysiert Satellitenbilder für die Infrastrukturüberwachung, Yuri organisiert Forschungsprojekte in Schwerelosigkeit. Von Hardware über Datenanalyse bis zu spezialisierten Dienstleistungen schaffen sie so immer mehr Möglichkeiten, um im und mit dem All Geld zu verdienen.

Auch große Konzerne versuchen daran teilzuhaben. So verkündete Rheinmetall Anfang 2026, an einem Satellitennetzwerk zu arbeiten.

Wo liegen die Chancen?

Für die deutsche Wirtschaft ergeben sich verschiedene Ansatzpunkte:

  • Satellitenbau und -betrieb

    Deutschland ist hier bereits stark aufgestellt. Gefragt sind zunehmend kleinere, günstigere Satelliten, die in großen Netzwerken arbeiten.

  • Trägerraketen

    Europas Abhängigkeit von US-amerikanischen Startanbietern ist ein Problem. Deutsche Unternehmen wollen mit eigenen Raketen unabhängiger werden.

  • Erdbeobachtung und Datenanalyse

    Satellitendaten werden für Landwirtschaft, Klimaforschung, Stadtplanung und Infrastrukturüberwachung immer wichtiger. Hier entstehen neue Geschäftsmodelle.

  • Zulieferindustrie

    Von Spezialmaterialien über elektronische Komponenten bis zu Softwarelösungen: Auch die Expertise vieler Mittelständler ist hier gefragt.

Doch es gibt Herausforderungen: Die europäischen Investitionen hinken denen der USA und Chinas hinterher. Während die NASA ein Budget von umgerechnet etwa 21 Milliarden Euro im Jahr 2025 hatte, standen der europäischen Raumfahrtorganisation ESA weniger als 8 Milliarden Euro zur Verfügung.

Anlegen in die Unendlichkeit?

Auch Privatanlegerinnen und -anleger können am Raumfahrt-Boom teilhaben. Der einfachste Weg führt über börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die in mehrere Raumfahrtunternehmen gleichzeitig investieren.

Der bekannteste ist der VanEck Space Innovators ETF. Er investiert in 25 Unternehmen der Branche – von Raketenbauern über Satellitenbetreiber bis zu Kommunikationsanbietern. Anleger erhalten so eine breite Streuung, ohne selbst Einzelaktien auswählen zu müssen. Der ETF erzielte 2025 ein Plus von 71 Prozent. 2023 lag das Plus bei knapp 8 Prozent, 2024 bei 51 Prozent.

Alternativ gibt es breitere Luft- und Raumfahrt-ETFs wie den iShares Aerospace & Defence ETF, der neben Raumfahrt auch klassische Luftfahrt und Rüstung umfasst. Das reduziert das Risiko, bietet aber auch weniger reines Raumfahrt-Engagement. Der ETF startete im Februar 2024 und schaffte bis zum Jahresende ein Plus von 20 Prozent. 2025 stieg er um weitere 36 Prozent.

Für mutigere Anleger gibt es Einzelaktien. Unternehmen wie Rocket Lab (Kleinsatelliten-Starts), Iridium Communications (Satellitenkommunikation), Eutelsat (Satellitenkommunikation) oder AST SpaceMobile (Weltraum-Internet) sind börsennotiert. Allerdings: Viele dieser Firmen sind nicht profitabel, die Kurse schwanken stark. Kursausschläge von 50 Prozent in wenigen Monaten sind keine Seltenheit.

Deutsche Raumfahrtaktien sind rar. OHB ist börsennotiert und ließ zuletzt durch die Aussicht auf eine Kooperation mit Rheinmetall aufhorchen. Airbus bietet als Großkonzern nur anteilig Zugang zur Raumfahrt. Die meisten deutschen New-Space-Unternehmen sind noch in privater Hand.

Risiken nicht vergessen

So faszinierend die Raumfahrt ist, Anlegerinnen und Anleger sollten sich der Risiken bewusst sein:

  1. Hohe Volatilität

    Raumfahrtaktien und -ETFs schwanken deutlich stärker als der Gesamtmarkt.

  2. Lange Entwicklungszyklen

    Neue Technologien brauchen Jahre bis zur Marktreife. Viele Unternehmen schreiben rote Zahlen.

  3. Politische Abhängigkeit

    Staatliche Aufträge sind wichtig, aber unsicher. Budgetkürzungen treffen die Branche hart. So sinkt der Etat der NASA 2026 auf 19 Milliarden US-Dollar von zuvor 25 Milliarden US-Dollar.

  4. Technologierisiko

    Raketenstarts können scheitern, Satelliten ausfallen. Ein Fehlschlag kann eine Firma zurückwerfen.

  5. Umweltrisiken

    Im All herrschen extreme Bedingungen. Ein besonders starker Sonnensturm beispielsweise könnte die Raumfahrt hart treffen.

  6. Konzentration

    Der Markt wird von wenigen großen Playern dominiert. Kleinere Anbieter kämpfen ums Überleben.

  7. Zu große Erwartungen

    Die Raumfahrt erlebt einen Boom. Entsprechend spiegeln die Preise der Aktien sehr positive Prognosen wider. Sollten die Umsätze und Gewinne weniger stark fließen als zunächst erwartet, wären fallende Kurse eine logische Konsequenz.

Viel Schubkraft

Die Raumfahrtindustrie steht an einem Wendepunkt. Die Technologien werden besser, die Kosten sinken, neue Anwendungen entstehen. Für Deutschland gilt: Das Know-how ist da, die Unternehmen sind innovativ. Doch ob deutsche Firmen im globalen Wettbewerb bestehen, hängt auch von politischen Rahmenbedingungen ab – von Förderprogrammen über Regulierung bis zu Investitionen in Forschung.

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Der Sektor bietet erhebliche Chancen, aber auch entsprechende Risiken. Wer langfristig denkt, Schwankungen verkraftet und an die Zukunft der kommerziellen Raumfahrt glaubt, kann vom Wachstum profitieren. Eine sorgfältige Auswahl und breite Streuung – etwa über ETFs – sind dabei entscheidend. Raumfahrt-Investments sollten Sie höchstens als Beimischung sehen, nicht als Kernanlage. Ein Anteil von 5 bis 10 Prozent im Portfolio kann sinnvoll sein, wenn Sie an das langfristige Potenzial glauben und Schwankungen aushalten können.

Der Weltraum ist näher gerückt. Was gestern noch Fiktion war, wird heute Wirtschaftsrealität. Die Frage ist nicht mehr, ob die Raumfahrt kommerziell wird, sondern wer davon profitiert.

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Stand: 09. Februar 2026

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