
Diesel ist aktuell teurer als Benzin, der internationale Preis für fertigen Diesel und Gasöl ist besonders stark gestiegen.
Der Rohölpreis erklärt den Spritpreis nicht allein. Entscheidend sind auch Raffineriekapazitäten, Angebot und Nachfrage nach Diesel sowie Transportkosten.
Der Krieg im Nahen Osten und die Einschränkungen rund um die Straße von Hormus haben die Versorgung mit Rohöl und fertigen Ölprodukten belastet.
Hinzu kommen Ausfälle und Einschränkungen bei wichtigen Diesel-Lieferanten. Das macht Diesel auf dem Weltmarkt besonders knapp.
Warum ist Diesel teurer trotz geringerer Energiesteuer?
Diesel und Benzin sind nahe am Rekordniveau – eine Entwicklung, die viele Autofahrerinnen und Autofahrer sowie Unternehmen stark belastet. Aktuell (28.08.2026) liegt der bundesweite Preis für Diesel bei etwa 2,18 Euro pro Liter, während Super E10 rund 2,11 Euro kostet. Dieser deutliche Preisanstieg, insbesondere beim Diesel, ist eine Folge komplexer internationaler und struktureller Faktoren.
Eigentlich müsste Diesel an der Tankstelle günstiger sein als Benzin. Schließlich beträgt die Energiesteuer für einen Liter Diesel 47,04 Cent, bei Benzin sind es 65,45 Cent. Trotzdem kostet Diesel derzeit mehr. Der entscheidende Grund: Tankstellen kaufen nicht einfach Rohöl ein. Sie beziehen fertige Produkte wie Benzin oder Diesel, deren Preise sich auf den internationalen Märkten unterschiedlich entwickeln können. Und derzeit ist insbesondere Diesel knapp und teuer.
Hinzu kommt: Diesel ist weit mehr als ein Pkw-Kraftstoff. Er wird unter anderem im Güterverkehr, in der Landwirtschaft, auf Baustellen und in der Industrie benötigt. Kommt das Angebot unter Druck, trifft die Knappheit daher auf eine breite und vergleichsweise stabile Nachfrage.
Warum der Rohölpreis den Dieselpreis nicht vollständig erklärt
Der Ölpreis ist zwar ein wichtiger Bestandteil des Spritpreises. Er erklärt aber nicht, warum Diesel zeitweise deutlich stärker steigt als Benzin. Aus Rohöl müssen in Raffinerien zunächst verschiedene Produkte hergestellt werden. Wie knapp und teuer diese fertigen Kraftstoffe sind, hängt deshalb auch von den verfügbaren Raffineriekapazitäten ab.
Ein wichtiger Indikator dafür ist der sogenannte Diesel-Crack-Spread. Er beschreibt vereinfacht den Preisaufschlag von Diesel gegenüber Rohöl. Dieser Abstand ist zuletzt stark gestiegen – ein Zeichen dafür, dass Diesel im Verhältnis zum Rohöl besonders knapp geworden ist. Für Autofahrer bedeutet das: Selbst wenn der Rohölpreis fällt, muss Diesel nicht automatisch billiger werden. Wenn fertiger Dieselkraftstoff knapp bleibt, können die Preise an der Tankstelle hoch bleiben.
Öl ist knapp – Diesel ist knapper
Die aktuelle Lage auf dem Energiemarkt hat mehrere Ursachen: Der Krieg im Nahen Osten und die Einschränkungen des Schiffsverkehrs rund um die Straße von Hormus haben nicht nur den Rohölmarkt belastet. Betroffen sind auch Lieferungen fertiger Ölprodukte. Gleichzeitig wurden Raffineriekapazitäten durch Angriffe und Sicherheitsrisiken beeinträchtigt. Die Internationale Energieagentur sieht Raffinerien deshalb derzeit als eines der zentralen Nadelöhre am Ölmarkt.
Zusätzlich belasten Einschränkungen russischer Lieferungen den Weltmarkt. Auch wenn Deutschland keinen russischen Diesel mehr direkt importiert, wirkt sich die globale Verknappung auf die Preise in Europa aus: Käufer aus verschiedenen Regionen konkurrieren um die verfügbaren Mengen. Die Folge: Der Preis für Gasöl, ein Vorprodukt für Diesel und Heizöl, ist deutlich stärker gestiegen als der Rohölpreis. Genau deshalb kann Diesel an der Tankstelle trotz seines Steuervorteils teurer sein als Benzin.
Niedrigwasser auf dem Rhein verteuert den Transport
In Deutschland kommt ein weiterer Faktor hinzu: das Niedrigwasser auf dem Rhein. Die Wasserstraße ist für den Transport von Kraftstoffen von großer Bedeutung. Können Binnenschiffe wegen niedriger Pegel weniger laden oder müssen alternative Transportwege genutzt werden, steigen die Logistikkosten. Das kann insbesondere in Regionen entlang des Rheins die Preise an den Tankstellen zusätzlich erhöhen. Das Niedrigwasser allein erklärt den hohen Dieselpreis nicht. Es verschärft jedoch eine bereits angespannte Situation auf dem internationalen Markt.
Das Bundeskartellamt empfiehlt dringend, Tank-Apps zu nutzen, um die preisgünstigste Zapfsäule in der Nähe zu finden. Dadurch fördern Sie als Verbraucher oder Verbraucherin den Wettbewerb und verhindern, dass Kosten ungehindert weitergegeben werden.
Zusätzlich sparen Sie bares Geld und stabilisieren die Nachfrage, indem Sie spritsparend fahren, Fahrgemeinschaften bilden oder den öffentlichen Nahverkehr öfter nutzen. Detaillierte Tipps dazu finden Sie in unserem Ratgeber Sprit sparen.
So entsteht der Spritpreis – Schritt für Schritt
Rohölpreis:
Der Preis für Rohöl wird weltweit an Rohstoffbörsen festgelegt. Dabei einigen sich Käufer und Verkäufer auf einen Preis für eine zukünftige Lieferung. Krisen wie der Iran-Krieg treiben ihn durch Unsicherheit über das Angebot in die Höhe.
Beschaffung:
Tankstellen beziehungsweise Mineralölunternehmen müssen Rohöl und vor allem fertige Kraftstoffe beschaffen. Gerade der Preis für Diesel kann sich deutlich anders entwickeln als der für Benzin.
Raffination und Logistik:
Aus Rohöl werden in Raffinerien Benzin, Diesel und andere Produkte hergestellt. Hinzu kommen Kosten für Lagerung und Transport. Niedrigwasser oder Störungen wichtiger Handelswege können diese Kosten erhöhen.
Energiesteuer:
Der Staat erhebt eine pauschale Energiesteuer von 47,04 Cent pro Liter Diesel bzw. 65,45 Cent pro Liter Benzin.
CO₂-Abgabe:
Auch der CO₂-Preis wird auf fossile Kraftstoffe aufgeschlagen. Da bei der Verbrennung eines Liters Diesel mit rund 2,65 Kilogramm etwas mehr CO₂ freigesetzt wird als bei einem Liter Benzin mit rund 2,36 Kilogramm, fällt die CO₂-Kostenkomponente bei Diesel entsprechend höher aus. 2026 liegt der CO₂-Preis in Deutschland zwischen 55 und 65 Euro je Tonne CO₂.
Mehrwertsteuer:
Auf den gesamten Nettopreis einschließlich der zuvor genannten Bestandteile kommen anschließend 19 Prozent Mehrwertsteuer. Deshalb kann der steuerliche Vorteil von Diesel vollständig aufgezehrt werden, wenn Beschaffung, Raffination und Transport deutlich teurer werden.
Sind die hohen Dieselpreise gerechtfertigt?
Ob Mineralölkonzerne gestiegene Kosten vollständig und angemessen weitergeben, lässt sich von außen nur schwer beurteilen. Der Rohölpreis allein reicht für diese Bewertung jedenfalls nicht aus. Gerade derzeit hat sich die Preisentwicklung von Diesel teilweise vom reinen Rohölpreis abgekoppelt. Während Rohöl nach zwischenzeitlichen Höchstständen wieder nachgegeben hat, blieben die Preise für fertigen Diesel hoch. Ein wesentlicher Grund dafür sind knappe Raffineriekapazitäten und gestörte Handelsströme.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Preisbewegung an der Tankstelle automatisch durch höhere Kosten gerechtfertigt ist. Die Preisentwicklung auf den verschiedenen Stufen – vom Rohöl über den Großhandel bis zur Zapfsäule – bleibt deshalb für Verbraucher und Wettbewerbsbehörden relevant.
Was Sie jetzt tun können
Die internationalen Ursachen für hohe Dieselpreise lassen sich individuell nicht beeinflussen. Bei der Wahl der Tankstelle bestehen jedoch weiterhin erhebliche Preisunterschiede. Ein Vergleich über Tank-Apps kann helfen, günstigere Anbieter in der Umgebung zu finden. Gerade bei hohen Preisen lohnt sich auch der Blick auf den Zeitpunkt des Tankens, da sich die Preise im Tagesverlauf deutlich verändern können.
Kurz gesagt: Dass Diesel derzeit mehr kostet als Benzin, ist kein Widerspruch zum niedrigeren Steuersatz. Entscheidend ist der Preis des fertigen Kraftstoffs auf dem Weltmarkt. Und dort ist die Lage derzeit besonders angespannt: Rohöl ist knapp – Diesel ist noch knapper. Solange Raffineriekapazitäten und wichtige Lieferwege unter Druck stehen, dürfte sich daran nicht schnell etwas ändern.
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