Bringt die Corona-Krise die Energiewende in Gefahr?

Wie die Menschen in Pandemiezeiten über erneuerbare Energien denken

Wirtschaftliche Engpässe und Investitionen in grüne Technologien – passt das zusammen? Die Auswirkungen von Corona könnten auch Konsequenzen für die Energiewende haben. Wie geht es jetzt weiter mit Deutschlands Klimazielen? Und modernisieren die Menschen trotzdem?

Ein Mann steht auf einem Feld mit Windrädern

90 Prozent der Menschen in Deutschland ist die Energiewende wichtig. Konkrete Handlungen folgen daraus jedoch noch zu selten. Das ergab eine aktuelle Umfrage der staatlichen Förderbank KfW, die 4.000 Haushalte zu Beginn des Jahres vor dem Einsetzen der Corona-Krise befragt hat.

Seither  ist jedoch eine Menge passiert: Viele Haushalte sind von Kurzarbeit oder sogar Jobverlust betroffen. Daraus ergeben sich mögliche Folgen für Einnahmen und geplante Investitionsentscheidungen.

Das Energiewendebarometer 2020

Daher warnen die KfW-Experten im KfW-Energiewendebarometer 2020, dass aufgrund der Corona-Pandemie die Bereitschaft der Menschen sinken könnte, in Photovoltaik, Wärmepumpen, Elektroautos und Co. zu investieren. Und damit die Energiewende insgesamt in Gefahr gerät.

Nach Meinung der Experten würden in unsicheren Zeiten langfristige Investitionen kritischer geprüft oder erst gar nicht umgesetzt. Gleiches gelte für kostspieligere Alternativen wie ein Elektroauto.

Wie gefährdet ist also die Energiewende und was sind die zentralen Erkenntnisse der KfW-Studie? Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Die Energiewende bleibt wichtig

Rund 90 Prozent der befragten Haushalte halten die Energiewende für wichtig oder sehr wichtig. Damit bleibt die Zustimmung zur Energiewende, die sich in allen Regionen Deutschlands und quer durch unterschiedliche Einkommens- und Bildungsgruppen zeigt, im Vergleich mit 2018 (92 Prozent) nahezu unverändert. 

Mehrheit sieht sich selbst vom Klimawandel betroffen

Fast zwei Drittel der Haushalte (64 Prozent) fühlen sich gegenwärtig oder zukünftig durch die direkten Klimafolgen wie Hitze, Dürre oder Starkregen beeinträchtigt.

Nach Meinung von KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib sei diese breite Betroffenheit ein wichtiger Beleg für die „Dringlichkeit der Umsetzung der Energiewende.“

Nur ein Viertel besitzt bereits Energiewendetechnologie

Daraus folgt allerdings nicht zwangsläufig, dass die Haushalte in Energiewendetechnologien investieren. Aktuell besitzen nur 23 Prozent der Haushalte eine von sieben ausgewählten Energiewendetechnologien – also Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpe, Batteriespeicher, Kraft-Wärme-Kopplung, Holzpelletheizung oder ein Elektroauto. 2019 waren es 21 Prozent. 

Kosten sind größte Hürden

Zu hohe Kosten sind aus Sicht der Privathaushalte das größte Hindernis für Investitionen in mehr Energieeffizienz. Weitere Hürden sind ein hoher Sanierungsaufwand und lange Amortisationszeiten.

Um diese Hindernisse zu überwinden spricht sich Köhler-Geib für regulatorische Rahmenbedingungen aus, die klimafreundliche Investitionen stärken und klimaschädliche Investitionen weniger attraktiv werden lassen. Zudem sei ein steigender CO2-Preis ein weiterer sinnvoller Schritt – bei gleichzeitiger Entlastung klimafreundlicher Technologien und Verhaltensweisen.

KfW-Förderung

Es gibt bereits eine breite Palette an Förderungen. Ob Bauen oder Kaufen, energetische Sanierung oder barrierefreier Umbau: Der Staat unterstützt vielfältige Vorhaben rund um Ihr Zuhause. 

Ist die Energiewende in Gefahr? Nein, aber…

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Bereits vor der Corona-Pandemie gab es nicht nur positive Vorzeichen für eine erfolgreiche Energiewende.

Zwar hielt die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland die Energiewende für wichtig. In konkrete Handlungen übersetzte sich diese Haltung jedoch nur bei rund einem Viertel der Befragten. Die Folgen der Corona-Pandemie dürften dieses Zögern noch verstärken – und zu einem weiteren Aufschub geplanter Investitionen führen.

Um dies zu verhindern, bräuchte es konkrete Anreize zur Förderung der Privathaushalte. Denn ihre Investitionstätigkeit in klimafreundliche Strom- und Wärmeerzeugung könnte der Energiewende neuen Schwung verleihen. Und das Potenzial ist groß: Laut KfW-Studie sind die Privathaushalte für rund 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich und mehr als 60 Prozent im Verkehr verantwortlich. Die Energiewende kann ohne sie nicht gelingen. 

Die Einsparungen bei den Treibhausgasemissionen müssen auch jetzt in Krisenzeiten deutlich steigen, um die Klimaziele bis 2030 doch noch zu erreichen. Absichtserklärungen und hohe Zustimmungswerte zur Energiewende werden nicht reichen.

Die Corona-Pandemie bedeutet für die Energiewende zwar keine unmittelbare Gefahr. Ohne zusätzliche Impulse könnte sie allerdings zu (weiteren) gravierenden Verzögerungen führen. Doch dafür bleibt keine Zeit.

KfW-Energiewendebarometer

Das KfW-Energiewendebarometer ist eine seit 2018 jährlich erscheinende Studie, für die etwa 4.000 Privathaushalte in Deutschland befragt wurden. Befragt wurde jeweils eine volljährige Person des Haushalts, die Entscheidungen zur Energieversorgung und zum Energieverbrauch für den Haushalt trifft.


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