Kommt jetzt die Delta-Welle?

Was Sie über Maskenpflicht, Impfquote und Co. wissen müssen

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt stetig, die Bundesnotbremse lief Ende Juni aus und die Konjunktur zieht an. Deutschland kehrt allmählich zur Normalität zurück. Dazu werden 60.000 Fans beim EM-Finale in Londoner Wembley-Stadion sein. Doch Gesundheitsexperten mahnen zur Vorsicht und drängen auf konsequente und schnelle Impfungen, denn die Delta-Variante breitet sich weiter aus. Viele Menschen fragen sich: Wann wird die Corona-Pandemie beendet sein?

Ein Erwachsener erhält eine Spritze in den Oberarm

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Impfquote steigt und die Inzidenzen sinken deutschlandweit kontinuierlich. Das Erreichen der Herdenimmunität ist aber noch ungewiss.
  • Die Bundesnotbremse läuft aus – damit auch die Pflicht, Arbeit im Homeoffice anzubieten.
  • Das Ende der Maskenpflicht ist noch nicht absehbar.
  • Die Konjunktur zieht bundesweit spürbar an, mit ihr auch die Beschäftigtenzahlen.
  • Die Delta-Variante breitet sich weiter aus, doch die aktuellen Impfungen sollen vor ihr schützen.

„Wir bewegen uns immer noch auf dünnem Eis“

Die Corona-Pandemie entwickelt sich derzeit in zwei Richtungen: Die Impfquote ist in den letzten Wochen spürbar gestiegen. Inzidenzzahlen sind in den einstelligen Bereich gefallen und die Bundesnotbremse läuft aus – damit vielerorts die Pflicht, Arbeit im Homeoffice anzubieten.

Die Wirtschaft ist weitestgehend auf Erholungskurs und es besteht die Chance, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen. Vielerorts kehren die Menschen langsam zu einem halbwegs normalen Alltag zurück.

Zugleich zeigt sich in einigen Ländern, wie zerstörerisch das Virus noch immer ist. Ganz Portugal ist zum Virusvarianten-Gebiet erklärt worden. Die Delta-Mutante soll ansteckender sein als alle bisherigen Varianten. Daher hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Fragestunde des Bundestages am 23. Juni dazu aufgerufen, weiter vorsichtig zu sein. „Auch wenn die dritte Welle eindrucksvoll gebrochen ist – vorbei ist die Pandemie noch nicht“, sagte sie. „Wir bewegen uns immer noch auf dünnem Eis.“

1. Wann ist die Herdenimmunität erreicht?

Aktuell werden in Deutschland etwa 800.000 Menschen pro Tag geimpft. Fast 45,3 Millionen Personen, das sind mehr als 54 Prozent der Gesamtbevölkerung, haben zumindest die Erstimpfung erhalten. Von ihnen sind mehr als 30 Millionen vollständig geimpft. Das heißt: Fast ein Drittel des Gesamtbevölkerung haben Erst- und Zweitimpfung bekommen.

Ein Eintreten der erwünschten Herdenimmunität ist aber noch ungewiss. Der Begriff Herdenimmunität bedeutet, dass genügend Menschen gegen das Coronavirus vollständig geimpft und damit immun sind, sodass das Virus sich nicht weiter verbreiten kann.

Üblicherweise genügen dafür Impfquoten von rund 70 Prozent der Bevölkerung. Virologen sind aber skeptisch, dass die Herdenimmunität gegen das Coronavirus schnell erreicht werden kann. Durch immer neue Mutanten sei eine weitestgehende Immunisierung der Bevölkerung unwahrscheinlich.

2. Wie geht es nach dem Auslaufen der Bundesnotbremse weiter?

Dennoch hat sich die Ansteckungsrate sehr erfreulich entwickelt. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt stetig: Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) sank die 7-Tage-Inzidenz  in Deutschland zuletzt (1. Juli) auf 5,0. Damit hat sich der wichtige Wert innerhalb einer Woche mehr als halbiert.

Aufgrund der in den vergangenen Wochen günstigen Entwicklung hat die Bundesregierung beschlossen, die bis Ende Juni 2021 befristete sogenannte Bundesnotbremse nicht zu verlängern. Zur Bekämpfung der Pandemie hatte der Gesetzgeber Ende Januar neben Abstands- und Maskenregeln unter anderem die Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit zum Arbeiten zuhause (Homeoffice) anzubieten.

Derzeit berät das Bundesarbeitsministerium über neue Regeln am Arbeitsplatz. Einer Sprecherin zufolge will das Ministerium die Corona-Arbeitsschutzverordnung mit Flächen-, Abstands- und Maskenvorgaben für den Arbeitsplatz anpassen und verlängern.

3. Kommt jetzt das Ende der Maskenpflicht?

Mehrere Politikerinnen und Politiker haben sich für eine Lockerung der Maskenpflicht ausgesprochen – vor allem im Außenbereich. Wo Abstände eingehalten werden können, könne auf Masken verzichtet werden, argumentieren sie.

Anders sei die Lage in Innenräumen: Hier sei eine Pflicht zum Tragen der Mund-Nase-Bedeckung nach wie vor sinnvoll. Erst wenn die Menschen ausreichend immunisiert seien, könne auf Masken in Innenräumen verzichtet werden. Ein Ende der Maskenpflicht nach den Sommerferien in den Schulen ist noch nicht zu erwarten.



4. Wie schnell geht es mit der Wirtschaft bergauf?

Mit zunehmendem Wegfall der Corona-Beschränkungen wird die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts in diesem Jahr um 3,3 Prozent wachsen. Im kommenden Jahr erwartet das Institut sogar 4,3 Prozent.

Die gute Wirtschaftsentwicklung dürfte dem Marktforschungsinstitut IHS Markit zufolge den Arbeitsmarkt ankurbeln: Die Daten des Instituts deuten den fünften Monat in Folge auf einen Stellenaufbau hin – nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Eurozone.

Ein Grund dafür: Viele verarbeitende Betriebe haben übervolle Auftragsbücher. In der Industrie ist das besonders stark zu spüren: Sie verzeichnet das höchste jemals gemessene Plus, seit die Marktforscher des Instituts 2002 mit der Erhebung dieses Indikators begonnen haben.

Die staatliche KfW-Förderbank ist noch optimistischer: Die erstarkende Weltkonjunktur komme der deutschen Industrie bereits zugute, teilte die KfW mit. Auf fast alle Konsummöglichkeiten vor Ort hätten die Menschen im Corona-Jahr 2020 ganz oder weitgehend verzichtet. Wird ein guter Teil davon nachgeholt, könne das zu einem „Turbozünder für die Konjunktur“ werden.

Die Wachstumspakete der EU und der USA sorgen der KfW zufolge für zusätzlichen Schub. Die EU-Kommission gab Deutschland am 23. Juni grünes Licht zur Nutzung von knapp 26 Milliarden Euro aus dem 750 Milliarden Euro schweren EU-Wiederaufbaufonds.

5. Bringt die Delta-Variante alles in Gefahr?

Das Ende der Pandemie ist weiterhin nicht in Sicht: Die sogenannte Delta-Variante breitet sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen in immer mehr Ländern aus – auch in Deutschland. In Großbritannien, Spanien oder Portugal ist sie in Europa am stärksten verbreitet.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) steigt der Nachweis der Mutante seit ein paar Wochen kontinuierlich und die Variante wird als besorgniserregend eingestuft. Der WHO zufolge gibt es Hinweise, dass die Delta-Variante besonders gefährlich ist, da sie ansteckender und stärker gegen Antikörper gewappnet ist.

Laut WHO werden neben dieser Mutation in Zukunft weitere besorgniserregende Virusvarianten auftreten. Vor allem die Corona-Impfungen seien jedoch ein wichtiger Schlüssel zu ihrer Eindämmung. Nach aktuellen Erkenntnissen ist der Schutz nach zwei Impfstoffdosen sehr hoch und hilft, das Virus in Schach zu halten.

(Stand 30.06.2021)


Mit mehr Abstand als gewohnt. Aber genauso nah. Erreichen Sie jetzt Ihre Sparkasse vor Ort.