„Buy now, pay later“: Wie Zahlungsaufschub zur Schuldenfalle wird

Das sollten Sie vor dem Kauf beachten

Aufgrund der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten bleibt bei vielen am Ende des Monats immer weniger Geld übrig. Zugegeben: Da ist es umso verführerischer, bestimmte Dinge einzukaufen, ohne gleich das Konto zu belasten. „Buy now, pay later“ (BNPL) – „heute kaufen, später bezahlen“ heißt diese Möglichkeit, die viele Händler ihrer Kundschaft anbieten. Wie genau das funktioniert, welche Gefahren dabei lauern können und wie Sie nicht in der Schuldenfalle landen.

Frau sitzt mit Smartphone auf dem Boden

Das Wichtigste in Kürze

  • „Buy now, pay later“-Angebote liegen im Trend, können aber schnell in die Schuldenfalle führen.
  • Mit bestimmten Maßnahmen können Sie sich vor der Überschuldung schützen.
  • Rutschen Sie dennoch in die Schuldenfalle, gibt es diverse Hilfsangebote und Beratungsstellen.

Interessante Angebote im Internet aufstöbern und mit wenigen Klicks bestellen – das ist einfach und bequem. Auch der November lockt aktuell mit diversen Schnäppchentagen. Das verführt zum Shoppen. Vor allem in Zeiten, in denen die Haushaltskasse schneller leer ist, können „Buy now, pay later“-Zahlungsmöglichkeiten gerade recht kommen.

BNPL-Nutzung im Jahr 2021 stark angestiegen

Rund 37 Prozent der Internetkäuferinnen und -käufer haben in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal eine Online-Bestellung per Rechnung, Ratenkauf oder längerem Zahlungsaufschub bezahlt, wie eine Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ergab. Dabei ist der Kauf auf Rechnung mit einer Zahlungsfrist von meist 14 Tagen mit 32 Prozent die beliebteste unter den genannten Zahlungsmethoden, wie eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom ergab.

Im Jahr 2021 ist die Anzahl der neu abgeschlossenen Kleinkredite bis 1.000 Euro im Vergleich zu 2020 stark gestiegen und lag bei fast 30 Prozent. Es handelt sich laut „Schufa Risiko- und Kreditkompass 2022“ hierbei vor allem um Formen des „Buy now, pay later“.

Schufa-Chefin Tanja Birkholz warnt vor einer deutlichen Zunahme von BNPL-Finanzierungen und vor den Gefahren, die damit verbunden sind: „BNPL ist in der Tat ein Trend. Da findet ein Strukturumbruch im Kreditgeschäft statt“, sagte Sie kürzlich dem „Handelsblatt“.

17 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger, die BNPL-Angebote nutzten, haben laut vzbv im Jahr 2021 sogar mehr als zehn Mal auf diesem Wege eingekauft.

Was bedeutet „Buy now, pay later“ eigentlich genau?

Wird BNPL in Onlineshops oder Geschäften als Zahlungsmöglichkeit angeboten, können Konsumentinnen und Konsumenten ihre getätigten Einkäufe zu einem späteren Zeitpunkt bezahlen. Das heißt sie müssen die Rechnung bei BNPL in der Regel erst nach vier Wochen oder – wenn gewünscht in Raten – weit später begleichen.
Meistens laufen die Angebote für BNPL nicht über die Shops selbst, sondern über Zahlungsdienstleister wie Klarna, PayPal oder Riverty, die die Transaktionen für die Händler abwickeln.

Entscheiden Sie sich beim Shoppen für eine BNPL-Option, gibt es je nach Anbieter verschiedene Modelle:

  • Rechnungsmodell: Bei dieser Option wird der gesamte Betrag für die erhaltene Ware in der Regel nach 14 oder 30 Tagen von Ihrem Konto abgebucht – ähnlich dem altbekannten Kauf auf Rechnung. Der Unterschied ist hierbei, dass bei BNPL-Angeboten fast immer ein Drittanbieter dazwischengeschaltet ist, der sich um die Abwicklung kümmert. In den meisten Fällen können Sie, wenn Sie wollen, schon früher bezahlen.
  • Ratenzahlungsmodell: Bei dieser Option erfolgt die Rückzahlung der monatlichen Raten meist über einen Zeitraum von bis zu 48 Monaten. Bei BNPL können Sie den Rechnungsbetrag schon bei geringen Beträgen in Raten aufteilen, ganz ohne Kreditantrag. Diese Ratenzahlung kostet allerdings oft Geld in Form von Zinsen und/oder Gebühren, die je nach Anbieter unterschiedlich hoch sein können.

Meist gekaufte Produkte per Rechnung, Ratenkredit oder längerem Zahlungsaufschub

Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen bevorzugt Kleidung (34 Prozent), Elektrogeräte (25 Prozent) oder Möbel (8 Prozent) per Rechnungskauf, Ratenkredit oder per BNPL, das ergab eine Umfrage des vzbv.

Das sollten Sie bei BNPL-Angeboten beachten

Bevor Sie sich für eine BNPL-Bezahlmethode entscheiden, sollten Sie unbedingt die Konditionen prüfen – zum Beispiel, welche Kosten Ihnen durch den Zahlungsaufschub entstehen. Sind diese unverhältnismäßig hoch, sollten Sie eventuell über eine alternative Zahlungsmethode oder einen Aufschub des Kaufs nachdenken.

Wichtig ist auch, dass Sie vorher wissen, ob Ihr Konto zum Stichtag ausreichend gedeckt sein wird. Denn begleichen Sie die Rechnung nicht innerhalb der eingeräumten Frist, kann es unter Umständen teuer werden.

Nutzen Sie die Option „Kaufen auf Pump“ häufiger und womöglich noch bei verschiedenen Onlineshops gleichzeitig, dürfen Sie nicht den Überblick über Ihre Ausgaben und Zahlungsfristen verlieren. Ansonsten können sich schnell Schulden anhäufen. Die Verbraucherzentrale rät zudem dazu, sich Erinnerungen für die Frist der Raten einzustellen – zum Beispiel im Kalender des Smartphones. Bei manchen Zahlungsanbietern gibt es für diesen Zweck innerhalb einer App die Möglichkeit, sich an die Fristen vorab erinnern zu lassen.

Das passiert, wenn Sie bei einer BNPL-Option nicht pünktlich zahlen

Die Konsequenzen bei einem Zahlungsverzug variieren je nach BNPL-Anbieter. In der Regel müssen Sie aber mit hohen Mahn- und Inkassokosten rechnen und können schnell in die Schuldenfalle geraten.

Geht Ihr Geld nicht rechtzeitig auf dem Händlerkonto ein, passiert Folgendes:

  1. Sie bekommen eine erste Mahnung. Meistens ist diese „gratis“ und enthält eine weitere Zahlungsfrist. Bleibt die Zahlung auch nach dieser Frist aus, bekommen Sie eine zweite Mahnung inklusive Mahngebühren.
  2. Passiert auch nach der zweiten Mahnung nichts, erwartet Sie die dritte und in der Regel letzte Mahnung.
  3. Wenn Sie nach der dritten Mahnung Ihre Rechnung immer noch nicht bezahlt haben, wird der Händler Ihre Schulden an ein Inkassounternehmen übertragen. Dies führt bei Ihnen zu zusätzlichen, weit höheren Kosten.
    Tipp: Bei Unklarheiten können Sie die Forderung eines Inkassounternehmens beispielsweise kostenlos online per Inkasso-Check bei der Verbraucherzentrale Hamburg auf ihre rechtmäßige Höhe prüfen lassen.

Übrigens: Die Kosten für Mahnungen können unterschiedlich hoch sein. Als Mahngebühren dürfen aber nur Kosten verlangt werden, die tatsächlich durch die Mahnung anfallen – wie Portokosten oder Mittel für das Briefpapier. Allgemeine Verwaltungskosten gehören nicht dazu. Kommen Ihnen die Gebühren unverhältnismäßig hoch vor, können Sie diese abwehren.

Warum die „Buy now, pay later“-Zahlweise schnell in die Schuldenfalle führen kann

Per „Buy now, pay later“-Möglichkeit einzukaufen, ist vor allem deswegen so trügerisch, weil es sich erst einmal nicht wie Geldausgeben anfühlt. Es besteht die Gefahr, mehr Bestellungen durchzuführen, als Sie sich aktuell leisten können. Denn egal, wie viele Produkte Sie so erwerben, Ihr Konto bleibt (vorerst) unbelastet. Aber aufgeschoben, ist nicht aufgehoben. Bestellte Ware, die Sie erhalten, müssen Sie irgendwann bezahlen. Machen Sie sich bewusst, dass Sie mit jedem Kauf per BNPL Schulden aufnehmen.

Zudem kann die Lage über ausstehende Zahlungen oder Raten schnell unübersichtlich werden. Verpassen Sie womöglich Stichtage, drohen Mahngebühren und/oder Inkassoforderungen – und die Gefahr, schnell in die Schuldenfalle abzurutschen.

„40 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer haben schon einmal eine Rechnung nicht bezahlt oder eine Mahnung bekommen. 18 Prozent von denen wiederum haben es nicht vergessen, sondern hatten schlichtweg nicht das Geld dafür“, so Schufa-Chefin Birkholz im Podcast „Handelsblatt-Today“.

Nutzen Sie die Funktion von BNPL-Angeboten am besten nur in Ausnahmefällen. Sonst zahlen Sie am Ende womöglich für Ihre Artikel ordentlich drauf.

Politik plant strengere Regeln für BNPL-Angebote

Zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor schneller Überschuldung – auch durch kleinere Darlehen beim Onlineshopping – strebt die EU künftig strengere Regeln für den Kauf auf Raten über BNPL-Angebote und Minikredite an.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Krediten ist für BNPL bisher keine Bonitätsprüfung im Rahmen der Verbraucherkreditrichtlinie vorgeschrieben. Für Kredite unter 200 Euro oder solche, die innerhalb von weniger als drei Monaten zurückgezahlt werden, gilt diese derzeit nicht. Das soll sich durch eine Überarbeitung der Richtlinie ändern. Unter anderem soll eine Bonitätsprüfung auch für Minikredite mit einem Volumen unter 200 Euro und BNPL-Kredite nötig werden. Einige Anbieter von BNPL bestehen aktuell schon darauf. Zudem sollen Verbraucherinnen und Verbraucher in Zukunft über die Gefahren der Überschuldung bei BNPL besser informiert und aufgeklärt werden.

Übrigens: Bei 74 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten, die im Jahr 2021 per BNPL ihre Online-Einkäufe bezahlt haben, kosteten die Bestellungen bis zu 200 Euro, wie die vzbv-Umfrage von ergab.

Beratung und Hilfe bei Überschuldung

Nur zehn Prozent der Überschuldeten gehen durchschnittlich zu einer sozialen Schuldnerberatungsstelle – viel zu wenige. Im Jahr 2021 waren es knapp 575.000 Personen, die diese Angebote in Anspruch genommen haben, teilt das Statistische Bundesamt mit.

Haben sich auch bei Ihnen Schulden angehäuft, die Sie nicht mehr stemmen können, sollten Sie sich so früh wie möglich an eine Schuldnerberatung in Ihrer Nähe wenden. In Deutschland gibt es über 1.400 zugelassene Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen.

Übrigens: Bei den meisten gemeinnützig arbeitenden Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen, wie zum Beispiel von der Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie oder vom Deutschen Roten Kreuz, bekommen Sie die Hilfe kostenfrei. Alternativ können Sie sich auch an die Verbraucherzentralen wenden. Dort finden Sie auch eine Checkliste, wie Sie bei Schuldnerberatungen unseriöse Angebote erkennen.

Wichtige Informationen zur Beratung und zu den nötigen Unterlagen finden überschuldete Verbraucherinnen und Verbraucher auch auf den Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V.


Die wichtigsten Fragen und Antworten

In Deutschland ist jeder zehnte Erwachsene überschuldet – also fast sieben Millionen Menschen, teilt die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e.V. mit.

Der mit Abstand größte Auslöser für Überschuldung blieb über alle Altersklassen hinweg auch im Jahr 2021 der Verlust des Arbeitsplatzes, teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit.

Für knapp die Hälfte aller überschuldeten Personen (48,9 Prozent), die im vergangenen Jahr eine Schuldnerberatung aufsuchten, wurden Internet und Smartphone beziehungsweise Rückstande bei Telekommunikationsunternehmen zur Schuldenfalle.

Auf Nachfrage der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände gaben 32 Prozent der Beratungsstellen an, dass es im ersten Quartal des Jahres 2022 eine erhöhte Nachfrage nach Beratung zu Miet- und Energieschulden gab. Angesichts steigender Energiepreise setzt sich dieser Trend wahrscheinlich fort. Einen erhöhten Informations- und Aufklärungsbedarf in den Beratungsstellen gab es auch von (Solo)-Selbstständigen (36 Prozent), von Personen in Kurzarbeit (29 Prozent) und von Erwerbstätigen (32 Prozent).

Die häufigste Ursache für private Schulden in Deutschland war im Jahr 2021 die Arbeitslosigkeit (19,4 Prozent), gefolgt von akuten Lebensbedingungen wie Krankheit oder Unfällen (17,8 Prozent). An dritter Stelle stand eine unwirtschaftliche Haushaltsführung (14 Prozent) (Quellen: Creditreform; Statistisches Bundesamt).

Finanzielle Probleme sind für viele Menschen sehr belastend. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene wissen, wo es bei Schulden oder Privatinsolvenz Hilfe gibt. Lassen Sie sich zum Beispiel durch eine Schuldnerberatung helfen, Ihre Schulden abzubauen. Die meisten gemeinnützig arbeitenden Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen arbeiten kostenfrei.

Auch Ihre Sparkasse hilft Ihnen bei finanziellen Problemen. Sprechen Sie jederzeit Ihre Beraterin oder Ihren Berater an.

Wichtige Tipps, wie Sie Ihre Schulden begleichen und neuen vorbeugen, finden Sie auch in unserem Beitrag.

„Buy now, pay later“ (BNPL) ist eine Zahlungsmöglichkeit, die bevorzugt in Onlineshops angeboten wird. „Heute kaufen, später bezahlen“ – der Name sagt es bereits. Mit BNPL kaufen Sie heute ein und zahlen Ihre erhaltenen Produkte erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Am Ende eines Bestellvorgangs entscheiden Sie, wie Sie Ihre gewählten Produkte bezahlen möchten. Entscheiden Sie sich für BNPL, haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Die beiden bekanntesten sind:

  • Das Rechnungsmodell: Ähnlich wie beim altbekannten Kauf auf Rechnung wird der Betrag für die erhaltene Ware in der Regel nach 14 oder 30 Tagen von Ihrem Konto abgebucht. Bei BNPL-Angeboten ist fast immer ein Drittanbieter dazwischengeschaltet, der sich um die Abwicklung kümmert.
  • Das Ratenzahlungsmodell: Wählen Sie das Ratenmodell, schließen Sie einen Darlehensvertrag mit einem Zahlungsdienstleister ab. Die Rückzahlung der monatlichen Raten erfolgt meist über einen Zeitraum von bis zu 48 Monaten. Bei BNPL können Sie den Rechnungsbetrag auch schon bei geringen Beträgen in Raten aufteilen – ganz ohne Kreditantrag. Beachten Sie, dass Ratenzahlung in der Regel Geld kostet. Zinsen und/oder Gebühren können je nach Anbieter unterschiedlich hoch sein.

(Stand: 10.11.2022)


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