14.566 Euro für eine Flasche – und 17 andere Fakten zum deutschen Wein

Von der Königin unter den Rebsorten und dem unerwarteten Inhalt des weltgrößten Weinfasses: unsere Entdeckungstour

In einer Zeit, die von Viren, Rekordinflation und Krieg geprägt ist, sind gute Nachrichten umso erfreulicher. Wir haben eine für Sie: Die Weinlese hat begonnen und trotz der anhaltenden Hitze im Sommer könnte der aktuelle Jahrgang dem deutschen Weinbauverband zufolge „hervorragend werden“. Ohnehin gehört der deutsche Wein heute wieder zur internationalen Spitze. Doch wie kam er überhaupt nach Deutschland? Und was sollte ein guter Wein kosten?

Eine Mann steht vor einem Weinregal und schaut sich zwei Flaschen an

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die deutsche Weinkultur und der Weinbau in Deutschland haben eine jahrtausende alte Tradition.
  • Nach einem Einbruch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind deutsche Weißweine wieder Kult – und das weltweit.
  • Über diese und andere leicht bekömmliche Details rund um den deutschen Wein informieren wir Sie hier.

Gar nicht so kompliziert und immer leicht bekömmlich

Sie trinken gerne Wein? Aber Sie denken, dass Sie keine Ahnung davon haben, was einen guten Wein ausmacht? Dann gehören Sie zu der Mehrheit der Menschen in Deutschland, die sich zwar immer mal wieder ein Gläschen oder auch ein Fläschchen gönnen - aber darüber verunsichert sind. Egal ob Weinschule, Online-Seminar oder Degustationskurs – es gibt viele Möglichkeiten, mehr über die Qualitäten eines guten Weines zu lernen. Die einfachste und beste verraten wir Ihnen hier – gemeinsam mit 18 leicht bekömmlichen Fakten und Infos rund um den deutschen Wein.

1. Der erste Wein am Rhein – die Römer waren es

Mehr als 2.000 Jahre alt ist der Weinbau in Deutschland. Vor dieser Zeit wurde er schon importiert. Das beweist eine griechische Weinflasche aus Ton, die in einem keltischen Grab aus der Zeit um 400 vor Christus gefunden wurde. An den Ufern des Rheins, des Neckars und der Mosel befinden sich die ältesten Weinberge Deutschlands. Nachdem Julius Cäsar Gallien erobert hatte, gelangte der römische Weinbau vom Rhônetal bis an den Rhein.

2. Je älter, desto besser? Nicht zwangsläufig

Wein wird mit zunehmendem Alter besser. Dieses Vorurteil hält sich seit Generationen auf fast magische Weise. Dabei beweisen Studien, dass nur etwa zehn Prozent der Rotweine und maximal fünf Prozent der Weißweine nach fünf Jahren besser schmecken als im ersten Jahr nach der Flaschenfüllung. Und höchstens ein Prozent aller Weine entfalten sich über noch längere Zeit vorteilhaft.

3. Fast 1.700 Jahre: Der älteste Wein der Welt steht in einem deutschen Museum

Im Jahr 1867 wurde eine Flasche bei der Ausgrabung eines Römergrabes bei Speyer entdeckt, deren Inhalt ungefähr aus dem Jahr 325 nach Christus stammt. Chemischen Analysen zufolge soll es sich zumindest bei einem Teil der erhaltenen Flüssigkeit um Traubenwein handeln. Heute steht dieser älteste erhaltene Wein der Welt im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.



4. Knapp ein halbes Jahrtausend – und noch genießbar?

Es gibt noch einen edlen Tropfen, der durch sein Alter imponiert: Der älteste Wein, der – angeblich – noch getrunken werden kann. Er befindet sich im Würzburger Weingut Bürgerspital. Dieser Wein mit Namen Würzburger Stein soll aus dem Jahr 1540 stammen. Einige illustre Mitglieder der Weinwelt, unter ihnen der renommierte Weinkritiker Hugh Johnson, tranken die vorletzte Flasche dieses Jahrgangs im Jahr 1961. Die letzte Flasche ist bislang unangetastet – sie kann bei Führungen des Bürgerspitals besichtigt werden.

5. Lese oder Ernte? Egal. Hauptsache vom Rebstock in den Keller

Manche Menschen streiten darüber, ob es Weinlese, Weinernte oder gar Traubenernte heißt. Alle drei Begriffe sind korrekt. In Deutschland hat die Lese in diesem Jahr aufgrund der Sommerhitze in manchen Anbaugebieten schon im August begonnen. Die eigentliche Hauptzeit ist hierzulande aber im September und Oktober. Manche Rebsorten werden sogar erst ab November geerntet. Generell hängt der Beginn vom Entwicklungs- und Reifegrad der Weintrauben ab.

6. Heißer, trockener, mehr? Die Ernte 2022 ist rekordverdächtig

Hitze und Trockenheit machten vielen deutschen Weinbauregionen in diesem Jahr sehr zu schaffen. Dennoch soll die Ernte noch besser ausfallen als der Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2021: Die für 2022 geschätzte Erntemenge liegt einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) zufolge bei 8,88 Millionen Hektolitern Weinmost. Gegenüber 2021 wäre das ein Anstieg um 4,2 Prozent.

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7. Sterne, Punkte, Zahlen: Wo der beste Wein Deutschlands entsteht

In der Welt der Weine wird viel verkostet, degustiert und bewertet. Nicht nur in Deutschland. Gefällt ein Wein besonders gut, erhält er dementsprechend viele Sterne, Punkte oder hohe Zahlen – je nach Medium oder Institution. Diese Bewertungen sind für viele Weinenthusiasten wie eine Bibel. Denn natürlich interessieren sie sich dafür, was die besten Weine sind, was sie ausmacht – und wo sie entstehen. Glaubt man den Verkosterinnen und Verkostern des Weinführers Gault&Millau, ist das in Deutschland: der Rheingau. In den vergangenen 10 Jahren haben sie 20 Weine mit der Note 100 Punkte, der Höchstzahl, bewertet. Vier davon kommen aus dem Rheingau.

8. Egal ob Weingut, Schloss oder Kloster – die Zahl der Winzerbetriebe geht zurück

Die Zahl ist alarmierend – vor allem für die Branche selbst, aber auch für Weinfreundinnen und -freunde: Im vergangenen Jahr gab es noch rund 11.000 Weinbaubetriebe in Deutschland. Damit ging die Anzahl nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit 2010 um ein Fünftel zurück. Damals gab es noch mehr als 19.000 Betriebe (mit einer Rebfläche von mehr als 0,5 Hektar). 2020 waren es immerhin noch etwas mehr als 15.000.

9. Fast 145.000 Fußballfelder – voll mit weißen und roten Trauben

Die Fläche der mit Rebstöcken bepflanzten Weinberge, -felder und -gärten ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: 103.400 Hektar und damit umgerechnet knapp 144.818 Fußballfelder bestockte Rebfläche waren es laut dem Statistischen Bundesamt in Deutschland im Jahr 2021. Nur ein Jahrzehnt zuvor, im Jahr 2011, betrug die Gesamtgröße noch knapp 102.100 Hektar. Mehr als die Hälfte (63 Prozent) des deutschen Weins wurde in Rheinland-Pfalz angepflanzt. Dieses Bundesland wies 2021 mit rund 64.700 Hektar die größte Rebfläche auf. Insgesamt überwiegt in Deutschland beim Weinanbau der Weißwein gegenüber Rotwein. So produzierten deutsche Winzerinnen und Winzer 2021 rund doppelt so viel Weißmost wie Rotmost.

10. Traubenlese in Todesangst: Die steilsten Weinberge der Welt

Steillagen heißen Weinberge, die eine Hangneigung von mehr als 30 Prozent haben. Das entspricht nach Angaben des Deutschen Weininstituts rund 15 Prozent der deutschen Gesamtrebfläche. Die Weinberge mit den steilsten Hängen weltweit liegen in Deutschland: Der Bremmer Calmont hat eine Steigung von 60 bis 70 Grad. Er befindet sich in der Weinregion Mosel, zwischen den Orten Bremm und Ediger-Eller. Zum Vergleich: Bei der Radweltmeisterschaft Tour-de-France hat der steilste Kilometer sieben bis acht Grad. In vielen steilen Weinbergen an der Mosel können die Winzer nur per Hand ernten. Das ist teuer und kostet Zeit. Bis zu 1.400 Stunden Arbeitseinsatz erfordert ein Hektar Steillage. In maschinell bearbeiteten Flachlagen kommt man mit 300 Stunden aus. Und: Wenn Erntehelferinnen und -helfer in den Steillagen im Herbst die Trauben pflücken, vollbringen sie einen bergsteigerischen Balanceakt. Gerade wenn der Boden im Herbst nass und glatt ist, gerät die Lese oft zur Rutschpartie.

11. Es kann nur eine geben: die Königin unter den Rebsorten

In den vergangenen Jahren haben viele internationale Reben ihren Weg auf deutsche Weinberge gefunden: unter ihnen Chardonnay, Sauvignon Blanc und Cabernet Sauvignon. Mit Erfolg. Sie werden verstärkt angebaut – und getrunken. Mittlerweile finden sich hierzulande fast 140 Rebsorten – weltweit gibt es rund 16.000. Aber eine ist noch immer unangefochten die Spitzenreiterin in Deutschland – die Königin unter den Rebsorten: der mal herbere, mal fruchtigere aber immer elegante, frische Riesling. Die Erntemenge der beliebtesten deutschen Rebsorte betrug 2021 rund 2,04 Millionen Hektoliter. Mit großem Abstand folgte Müller-Thurgau, deren Rebe eher einfache Weißweine hervorbringt mit 1,04 Millionen Hektolitern. Unter den roten Sorten ist in Deutschland mit 829.700 Hektolitern der fruchtig würzige Spätburgunder am beliebtesten. International heißt er Pinot Noir.

12. Eine weitere royale Hoheit: die deutsche Weinkönigin

Vor nicht einmal 100 Jahren wurde die deutsche Weinkönigin zum ersten Mal gekrönt. Ihre erlauchte Hoheit ist eine nationale und internationale Botschafterin und Repräsentantin des deutschen Weins. Sie tritt unter anderem bei zahlreichen Veranstaltungen wie der größten Weinmesse der Welt ProWein in Düsseldorf, auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue in Berlin oder auf den Weinfesten in den Landesvertretungen einiger Bundesländer in Brüssel auf. Das Deutsche Weininstitut veranstaltet die jährliche Wahl in der Regel in der Pfalz in Neustadt an der Weinstraße. Dabei beweisen sich die 13 Gebietsweinköniginnen der einzelnen Weinbauregionen in einem Wettkampf vor einer Fachjury. Die Krönung der deutschen Weinkönigin wird dann im Oktober vom SWR ausgestrahlt.

13. Bad Dürkheimer Wurstmarkt – das größte Weinfest der Welt?

Bei diesem Namen würde niemand so schnell vermuten, dass es sich um ein Weinfest handelt. Aber: Der Dürkheimer Wurstmarkt gilt als das größte Weinfest der Welt. Er existiert seit dem 15. Jahrhundert. Der Markt findet jährlich am zweiten und dritten Septemberwochenende in Bad Dürkheim in der Pfalz statt und zieht mehr als eine Million nationale und internationale Besucherinnen und Besucher an. Seinen Namen verdankt er übrigens dem regen Handel mit Wurstwaren in seiner Anfangszeit.

14. Ebenfalls in Bad Dürkheim: das größte Weinfass der Welt

Eine weitere riesige Attraktion in dem kleinen Örtchen in Rheinland-Pfalz ist das „Dürkheimer Riesenfaß“. Im größten Fass der Welt – mit 1,7 Millionen Litern Fassungsvermögen – befindet sich jedoch kein Wein, sondern eine Gaststätte. Der Küfermeister und Winzer Fritz Keller hat das originelle Denkmal des deutschen Weines 1934 bauen lassen.

15. Voll stabil – der Weindurst der Deutschen

Die Menschen in Deutschland trinken seit rund zwei Jahrzehnten laut dem Deutschen Weininstitut jährlich die gleiche Menge Wein: pro Kopf zwischen 20 und 21 Liter. Am liebsten gönnen sie sich Tropfen aus heimischem Anbau – sie machen 45 Prozent des Marktes aus. Gefolgt von Weinen aus den anderen klassischen europäischen Weinbauländern: Italien (15 Prozent), Frankreich (12 Prozent) und Spanien (11 Prozent).

16. Überaus komplex: Die Seele des Weins

Brombeere, Veilchen und Zitrone, nasses Leder, Pferdeschweiß oder auch mal Katzenpipi. Sein Aroma ist die Seele des Weins. Dabei entstehen die Weinaromen aus sehr viel mehr Elementen als den verwendeten Trauben. Dass Weine so verschieden schmecken und riechen, liegt unter anderem an Klima und Boden ebenso wie der Pflege im Weinberg, der Verarbeitung im Keller und der Reife in den Fässern, Beton- oder Stahltanks. So entstehen – und da ist sich die Wissenschaft noch sehr uneins – zwischen 500 bis 800 verschiedene Aromen. Wären ihre Messgeräte feiner, fänden die Önologinnen und Önologen, also die Weinwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, wahrscheinlich noch deutlich mehr. Darin sind sie sich einig.

17. Gut und günstig – oft kein Widerspruch

Viele Menschen fragen sich, was eigentlich ein guter Wein kostet. Diese Frage ist per se nicht einfach zu beantworten. Denn wir alle müssen für uns selbst entscheiden, was einen Wein gut macht. Aber: Für vier bis fünf Euro bekommt man in den Weingütern schon „ordentliche Zechweine“, wie Weinhändlerinnen und -händler sagen. Zechweine sind per Definition rustikale, einfache Weine, handwerklich gut gemacht, die aber innerhalb eines Jahres getrunken werden sollten. Anders sieht es bei Weinen in Supermärkten oder den Weinhandlungen selbst aus: Bei ihnen sollte man wissen, dass eine Flasche unter sieben Euro nicht ethisch produzierbar ist. Das heißt, es können nicht alle Beteiligten anständig bezahlt worden sein. In der Bandbreite 10 bis 30 Euro erhalten Kundinnen und Kunden sehr anständige Weine: In ihnen stecken vom Anbinden und Zuschneiden über die Lese und Gärung bis zum Ausbau im Holzfass viele Arbeitsschritte, die gerade für Familienweingüter in Steillagen oft nur per Hand machbar sind. Und in der Preisklasse 30 bis 70 Euro spricht man von sehr guten, darüber von Spitzenweinen.

18. Ein einzigartiger Weißer – der teuerste deutsche Wein

Deutsche Weißweine gehören wieder zum absoluten Kult in der Weinwelt. Sie erzielen zwar noch nicht die fantastischen Preise wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals kostet ein deutscher Riesling weitaus mehr als eine Flasche roter Bordeaux. Aber: Bei einer Versteigerung im Jahr 2015 erzielte Egon Müller für seine 2003er Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese sagenhafte 12.000 Euro netto je 0,75-Liter-Flasche – der höchste je erzielte Preis für einen erstmals verkauften Weißwein. Mit Kommission und Mehrwertsteuer mussten die Käufer sogar 14.566 Euro pro Flasche zahlen. Das Besondere: Der Wein war kein Fund aus der sorgsam gehüteten Schatzkammer eines Sammlers, sondern er kam direkt vom Weingut. Zum Vergleich: Bei einer Auktion in Hongkong wurde 2010 eine Flasche 1869er Lafite-Rothschild für unglaubliche 230.000 US-Dollar (umgerechnet knapp 236.000 Euro) verkauft. Fun Fact: Den 2015er-Jahrgang dieses Weines gibt es schon für circa zehn Euro pro Flasche.

Der Gaumen lügt nicht

Wir hoffen unsere Entdeckungstour durch das Weinland Deutschland hat Ihnen gefallen. Außerdem sind wir Ihnen noch die Antwort auf die Frage schuldig, was einen guten Wein ausmacht. Dabei können Sie sich diese Antwort ganz einfach selbst geben: Wenn Ihnen ein Wein so gut schmeckt, dass Sie sich direkt ein zweites Gläschen gönnen möchten, dann ist dieser Wein gut. Alles andere ist nebensächlich.

(Stand: 22.09.2022)


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