Der Jahresrückblick 2021

Das sind unsere 10 Tops und Flops

Das Jahr 2021 war ähnlich turbulent wie 2020 und stand erneut im Zeichen der Corona-Pandemie. Aber was bedeutete das Jahr für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für ihren Geldbeutel? Was ist positiv hervorzuheben, was eher nicht? Unsere Tops und Flops in der Übersicht.

Ein Mann und eine Frau mit Mund- und Nasenschutz grüßen sich mit dem Ellenbogen

Top 1: Mehr Geld im Portemonnaie – Wegfall des Solidaritätszuschlags (Soli)

Rund 90 Prozent der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler werden seit Januar 2021 durch den Wegfall des seit 1991 bestehenden Solidaritätszuschlags , kurz „Soli“, finanziell entlastet. Am meisten profitieren von der Abschaffung die Einkommensgruppen zwischen 5000 und 8000 Euro Monatsgehalt. Nur Besserverdienende und einige Unternehmen müssen den Beitrag weiter entrichten.

Wie viel Solidaritätszuschlag Angestellte bislang gezahlt haben, steht auf den alten Gehalts- oder Steuerunterlagen. So ist nachzuvollziehen, wie groß die persönliche Ersparnis nach dem Wegfall ist.

Top 2: Pro Umweltschutz: Verbot von Einwegplastik

Ein weiterer Schritt in Richtung Schutz von Meer und Umwelt begann im Juli 2021. Seit dem 3. des Sommermonats dürfen Einwegpackungen aus Kunststoff EU-weit nicht mehr produziert werden. Dazu zählen Einwegbesteck und -geschirr aus Plastik, aber auch Trinkhalme, Wattestäbchen und Luftballonstäbe. Das Produktionsverbot gilt darüber hinaus für die als „Styropor“ bekannten Fast-Food-Verpackungen und To-go-Getränkebecher.

Verboten ist inzwischen auch Einweggeschirr aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Kunststoffen. Sogar Pappteller oder Pappbecher, die nur mit Kunststoff überzogen sind oder nur über einen geringen Kunststoffanteil verfügen, dürfen nicht mehr verwendet werden.

Top 3: Mit den Impfstoffen kam ein bisschen Hoffnung

Die Corona-Pandemie hielt auch 2021 die Welt in Atem. Im Rekordtempo wurden Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt. Der erste in der EU zugelassene Impfstoff kam von den Unternehmen Biontech und Pfizer. Drei weitere Vakzine sollten folgen. Im Januar 2021 begann – wenn auch mit Startschwierigkeiten – die Impfkampagne gegen das Coronavirus  in Deutschland. Vorerst gab es Priorisierungen, die im Juni aufgehoben wurde. Seitdem kann sich fast jeder und jede gegen Corona impfen lassen.

Mittlerweile können viele Bürgerinnen und Bürger bereits eine dritte Impfdosis als Auffrischung erhalten – den sogenannten Booster.

Mit den Impfstoffen kam durch eine nachweislich gute Wirksamkeit gegen Covid-19 die Möglichkeit, sich im Vergleich zu Ungeimpften vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen und das Risiko zu minimieren, andere Menschen zu infizieren. Weitere Impfstoffe sind bereits in der Zulassung oder Entwicklung.

Impfungen in Zahlen

Am 21. Dezember 2021 sind mindestens 58,7 Millionen Menschen (70,5  Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland) vollständig geimpft . Mindestens 28,1 Millionen Personen (33,8 Prozent) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten. Den täglichen Impffortschritt können Sie Impfdashbord nachverfolgen.

Top 4: Starkes Zeichen der Solidarität – Fluthilfe in Deutschland

Massive Regenfälle mit anschließenden Überschwemmungen und schweren Unwettern haben in diesem Sommer die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie Teile Bayerns und Sachsens mit verheerenden Folgen schwer getroffen.

Umso bemerkenswerter war in dieser schweren Zeit die große Hilfe und Solidarität Tausender Menschen, die sich aufmachten, um den Flutopfern zu helfen und beizustehen. Unzählige Helferinnen und Helfer unterstützten zudem mit Sachspenden oder durch finanzielle Spenden in Millionenhöhe.

Die Fluthilfe-Spendenaktionen der Sparkassen erzielten beispielsweise mehr als 15 Millionen Euro. Diese konnten schnell und unbürokratisch an Betroffene weitergeleitet werden.

Top 5: Keinen Ärger mehr mit automatisch verlängerten Verträgen

Wer einen Mobilfunk-, Internet- oder Festnetzvertrag hat, kennt das Dilemma vermutlich: Sie erhalten die Nachricht, dass Ihr Vertrag sich automatisch um mindestens ein, wenn nicht sogar zwei Jahre verlängert. Sie haben die Kündigungsfrist verpasst. Dabei wollten Sie diesen – inzwischen vermutlich überteuerten oder nicht mehr so attraktiven Vertrag – doch schon lange los sein.

Sie können aufatmen, denn seit 1. Dezember ist die Novelle des Telekommunikationsgesetzes  in Kraft getreten und mit ihr kamen neben mehr Transparenz auch verbraucherfreundlichere Regelungen und gestärkte Rechte bei dieser Art von Verträgen.

Zu den wichtigsten Neuerungen gehören der Wegfall automatischer Vertragsverlängerungen, verbesserte Kündigungsbedingungen sowie monatliche Kündigungsfristen. Auch neue Rechte für die Verbraucherinnen und Verbraucher bei schlechten Leistungen des jeweiligen Anbieters sowie Entschädigungsmöglichkeiten sind dazugekommen.

Das Sahnehäubchen der Novelle: Das Gesetz gilt nicht nur für neue, sondern auch für bereits bestehende Verträge.


Flop 1: Corona, Corona und noch mehr Corona

Auch das Jahr 2021 stand voll im Zeichen der Corona-Pandemie. Bis Mai 2021 befand sich Deutschland im zweiten Lockdown. Im Sommer gab es zwischenzeitlich eine deutliche Entspannungsphase und zahlreiche Öffnungsschritte. Viele Menschen freuten sich bereits auf ein Leben mit wieder mehr Normalität – spätestens im Jahr 2022. Dann schlug Corona im Herbst umso heftiger zu: Seit Pandemiebeginn erreichten die Infektionszahlen neue Höchststände.

Inzwischen befinden wir uns hierzulande in der vierten Welle. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen. Das dritte Pandemiejahr in Folge naht. Die fünfte Welle wird längst prognostiziert. In Europa breitet sich die neue Coronavirus-Variante „Omikron“ rasant aus. Einige Länder befinden sich bereits im Lockdown. In Deutschland wie in vielen anderen Staaten ist die Impfquote nicht hoch genug, um die Ausbreitung des Coronavirus besser eindämmen zu können.

Die Pandemie hatte dieses Jahr – wie auch schon 2020 – nicht nur negativen Einfluss auf unsere Gesundheit, sondern traf ebenso die Wirtschaft hart. Deutschland rutschte zwischenzeitlich in eine Rezession, die Inflation stieg massiv an und viele Unternehmen sind wirtschaftlich angeschlagen.

Flop 2: Temporäre Senkung der Mehrwertsteuer gefloppt

Zum Jahresende 2020 ist die auf ein halbes Jahr reduzierte Mehrwertsteuer  ausgelaufen. Seit Januar 2021 gilt wieder ein Mehrwertsteuersatz von 19, anstatt 16 Prozent. Für Waren des täglichen Bedarfs bedeutet das sieben anstatt fünf Prozent. Die Bundesregierung hatte während der Coronakrise die Mehrwertsteuer gesenkt, in der Hoffnung, die Bürgerinnen und Bürger zu größeren Anschaffungen zu bewegen und somit die Konjunktur anzukurbeln.

Doch die Rechnung ging nicht so recht auf, die Mehrwertsteuersenkung kurbelte den Konsum nur wenig an, wie eine Analyse des Ifo-Instituts zeigte. Die Forscherinnen und Forscher kamen zu dem Schluss, dass der relative Anstieg des Binnenkonsums, der direkt auf die Mehrwertsteuersenkung zurückzuführen ist, bei gerade einmal 0,6 Prozent lag.

Flop 3: Immer höhere Preissteigerungen – Inflationsrate in Deutschland

Die Verbraucherpreise im Jahr 2021 stiegen und stiegen. Im November 2021 belief sich die Inflationsrate in Deutschland auf 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nachdem sie bereits seit Juli kontinuierlich angestiegen war, erreichte sie damit erneut einen Höchststand im Jahresverlauf.

Die starke Teuerung ist vor allem auf zwei Effekte zurückzuführen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bekannt gab:

Zum einen spielt das niedrige Preisniveau im Vergleichsjahr 2020 eine Rolle. Ausschlaggebend waren hier die Corona-Pandemie und die zwischenzeitliche Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr. Zum anderen schlagen sich die Folgen der Coronakrise in Form von Rohstoffknappheit und Lieferengpässen in den Preisen nieder.

Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern sind die höhere Preise vor allem bei Gas und Heizöl, Benzin und einigen Lebensmitteln – insbesondere Speisefette und Speiseöle sowie Molkereiprodukte und Eier – zu spüren.
Wirtschaftsforscherinnen und -forscher gehen laut Destatis aber davon aus, dass die hohen Raten nur temporär seien und im kommenden Jahr wieder abflachen werden.

Flop 4: Unzureichende Umwelt- und Klimaschutzziele der Bundesregierung

Ende April 2021 beschloss das Bundesverfassungsgericht nach Klagen verschiedener Umweltorganisationen, dass das Klimaschutzgesetz nachgebessert werden muss. Die Umwelt- und Klimaschutzziele der Bundesregierung sind in den Augen der Karlsruher Richterinnen und Richter unzureichend beziehungswiese nicht ausreichend konkret, heißt es im Jahresrückblick „2021 in Zahlen“ des Online-Portals Statista.

Das Gesetz aus dem Jahr 2019 sei laut Gericht in Teilen nicht mit den Grundrechten vereinbar. Es sieht vor, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken. Allerdings fehlen konkrete Handlungsempfehlungen für die Jahre nach 2030. Somit sei der Schutz zukünftiger Generationen nicht gewährleistet.

Das Ziel des Gesetzes sollte es sein, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen sowie Klimaschutzmaßnahmen über das Jahr 2030 hinaus zu planen.

Flop 5: Versorgungskrisen: 2021 war ein Jahr des Mangels

In fast allen Bereichen spüren Verbraucherinnen und Verbraucher beim Gang ins Geschäft oder beim Onlineshopping die derzeitige Versorgungskrise: lange Lieferzeiten oder nicht verfügbare Waren gehören momentan zum Alltag.

Immer wieder gab es 2021 im deutschen Einzelhandel Versorgungskrisen. Die globalen Lieferketten sind infolge der Coronakrise nachhaltig gestört. Schuld sind unter anderem Fabrikschließungen in Asien und stockender Frachtverkehr in der Schifffahrt. Das wiederum führt zu Mangel an Vorprodukten wie Halbleiter und Mikrochips für elektronische Geräte und schließlich zu Lieferverzögerungen von Endprodukten im Einzelhandel, heißt es im Jahresrückblick „2021 in Zahlen“. Auch Rohstoffknappheit – insbesondere von Holz – sowie Fachkräftemangel trage zu diesen Umständen bei.

Die Konsequenz ist, dass viele Hersteller sowie Händlerinnen und Händler sich gezwungen sehen, Preiserhöhungen  vorzunehmen oder bereits umgesetzt haben.

Rund 82 Prozent der befragten Einzelhändlerinnen und -händler klagten im Dezember über Lieferengpässe. Besonders schwierig sieht es bei elektronischen Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik aus. Bei Baumärkten ist die Situation ähnlich. Im Spielzeugwareneinzelhandel hat sich die Lage inzwischen zwar ein wenig entspannt. 77 Prozent der Händler berichten aber weiterhin von ausbleibenden Lieferungen, so eine Pressemitteilung des Ifo-Instituts vom 22. Dezember 2021.

Folgende Bereiche sind, Stand Dezember, von den Lieferproblemen besonders betroffen:

  • Elektronische Haushaltsgeräte (zu 97,6 %)
  • Unterhaltungselektronikhändler (zu 97 %)
  • Baumarkthandel (zu 96 %)
  • Fahrradfachhandel (zu 95,7 %)
  • Möbelhandel (zu 91,9 %)
  • Kfz-Handel (zu 90,4 %)
  • Computer und Zubehör, Software (zu 87,3 %)
  • Einzelhandel (zu 81,6 %)
  • Spielwareneinzelhandel (zu 76,9 %)
  • Nahrungs- und Genussmittel (zu 64,4 %)
  • Bekleidungseinzelhandel (zu 62,6 %)

Ein Ereignis Ende März 2021 führte ebenfalls zur zwischenzeitlichen Versorgungskrise. Ein auf Grund gelaufenes Containerschiff blockierte den Suezkanal. Auf beiden Seiten des Schiffes stauten sich 6 Tage lang rund 150 Schiffe. Zu den Konsequenzen gehörten unter anderem verzögerte Warenlieferungen und Einbußen für den Welthandel in Milliardenhöhe.

(Stand: 22.12.2021)


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