Mobile Luftfilter sollen Präsenzunterricht sichern

Bund will mit den Anlagen Schulen und Kindergärten vor einem weiteren Lockdown schützen

In einigen Bundesländern hat das neue Schuljahr begonnen. Die Bundesregierung hat vor wenigen Wochen ein Finanzpaket für die Anschaffung mobiler Luftfilter geschnürt. Damit soll der Präsenzunterricht gesichert werden – auch wenn die Infektionszahlen wieder steigen. Aber reicht das?

Schülerinnen und Schüler sitzen mit Nasen-Mund-Schutz im Klassenzimmer

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bundesregierung stellt 200 Millionen Euro zur Verfügung, um die Beschaffung von mobilen Raumluftreinigern zu unterstützen.
  • Mit dieser Maßnahme will der Bund die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen schützen – und einen erneuten Lockdown verhindern.
  • Bereits seit Herbst 2020 fördert die Bundesregierung die Aufrüstung von stationären Luftfiltern in Hochschulen, Kitas und Schulen.
  • Forschende bestätigen die Vorteile der Filter, betonen aber, dass sie nicht das konsequente Lüften ersetzen.

Unterricht nach den Ferien

Die Bundesregierung will das Infektionsrisiko in Schulen und Kitas reduzieren. Daher stelle der Bund 200 Millionen Euro zur Verfügung, um die Beschaffung von mobilen Raumluftreinigern zu unterstützen. Das teilte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Mitte Juli bei einer Pressekonferenz mit. Mit dieser Maßnahme will die Regierung die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen schützen – und einen erneuten Lockdown verhindern.

Bereits seit Herbst 2020 fördert der Bund die Aufrüstung von stationären Luftfilteranlagen in öffentlichen Einrichtungen wie Hochschulen, Kitas und Schulen. Auch beim Neueinbau trägt er inzwischen bis zu 80 Prozent der Kosten. Bis zum Beginn des neuen Schuljahrs wird es aber nicht möglich sein, flächendeckend stationäre Lüftungsanlagen einzubauen. Daher sollen die mobilen Luftfilter zum Einsatz kommen, erklärte Altmaier.

Filter oder Fenster – Forschende uneins

Forschende der Universität Stuttgart haben die Wirkung der mobilen Anlagen an zehn Schulen gemessen. Das Ergebnis: Die Geräte seien sehr wirksam – aber auch laut. Außerdem stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass sie weder Feuchtigkeit noch Kohlendioxid abführen. Das könne im Winter problematisch werden. Ihr Fazit: Mobile Luftfilter können in erster Linie eine Ergänzung sein. Sie ersetzen aber auf keinen Fall das Lüften.

Das bestätigte das Umweltbundesamt: Fest installierte Lüftungsanlagen, sogenannte RLT-Anlagen, seien die nachhaltigste und beste Maßnahme. Sie helfen, die Virusübertragung über die Raumluft zu vermindern. Seien solche Anlagen nicht installiert, bleibe die regelmäßige Lüftung vorerst die wichtigste Maßnahme. Aktuellen Studien zufolge reduziere korrektes Lüften die Konzentration der infektiösen Aerosolpartikel über die Dauer einer Schulstunde um bis zu 90 Prozent.

Ein Münchener Forscher erklärte wiederum, die mobilen Lüfter reichten aus, um die Viruslast weitestgehend zu reduzieren. Daher bieten sie sich seines Erachtens vor allem in den Räumen an, in denen nicht genügend gelüftet werden könne.

Die 5 wichtigsten Fragen und Antworten zu den mobilen Luftreinigern

Ein Gerät, das für Klassenzimmer geeignet ist, kostet nach Auskunft des Umweltbundesamtes in der Anschaffung zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Es muss sich aber regelmäßig jemand um die Geräte kümmern und die Filter wechseln.

Seit Herbst 2020 haben bereits zahlreiche Schulen damit begonnen, stationäre Luftfilter in Klassenzimmern einzubauen oder mobile Geräte anzuschaffen. Dennoch stellen sie vorerst noch eine große Minderheit dar. Nach Angaben des Deutschen Lehrerverbands benötigen bundesweit noch rund 650.000 Klassenzimmer Luftfilter.

Experten zufolge sind mobile Luftfilteranlagen besonders in Klassenräumen nützlich, in denen nicht ausreichend gelüftet werden kann, um ansteckende Aerosole aus der Raumluft zu entfernen. In Fachkreisen ist mittlerweile unstrittig, dass sogenannte HEPA-Filter der Klasse H13 und H14 effektiv Aerosole und damit auch Viren aus der Luft filtern. Dass sie auch in Klassenräumen effektiv sind, zeigen neueste Studien.

Forschende vom Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung in Stuttgart haben den Einsatz der Luftreiniger in leeren Klassenräumen durchgeführt. Dort saßen beheizte Dummies statt Schülerinnen und Schülern. Basisszenario war eine Doppelstunde von 90 Minuten bei geschlossenen Fenstern: Dabei wurde eine Infektionswahrscheinlichkeit von etwa 38 Prozent ohne Maske ermittelt.

Durch die mobilen Luftfilter sank das ermittelte Ansteckungsrisiko ohne Maske auf etwa zehn Prozent bei schwächerem Gebläse und auf etwa sechs Prozent bei hohem Luftstrom. Da keine der Anlagen die Viruslast auf null senkt, sei es zwingend notwendig, nach 90 Minuten ausgiebig zu lüften, teilte das Institut mit.

Der Deutsche Lehrerverband befürchtet, dass die Schulen nicht ausreichend auf den Start nach den Sommerferien vorbereitet sind. In einem Interview mit dem ZDF sagte der Präsident Heinz-Peter Meidinger Anfang Juli, dass ein erneuter Lockdown nicht ausgeschlossen sei. Daher seien Filter in den Schulen unbedingt notwendig, um nach den Sommerferien Präsenzunterricht zu ermöglichen.

(Stand: 02.08.2021)


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