„Wir packen selbst mit an“

Die Sparkassen helfen bei den Aufräumarbeiten nach der Flut – viele Institute sind ebenfalls betroffen

Das Ausmaß der Zerstörung der Hochwasserkatastrophe übersteigt die Vorstellungskraft derer, die nicht vor Ort sind. Die Bewältigung der Flutfolgen wird Jahre dauern. Die Sparkassen helfen – auch jenseits von Sonderkrediten und Spenden, wo immer sie können. Ebenso ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Frau mit Schubkarre im Hochwassergebiet

Das Wichtigste in Kürze:

  • Viele Sparkassen sowie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen die Bergungs- und Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe.
  • Auch Gebäude von Sparkassen sind ganz oder zum Teil zerstört.
  • Außerdem haben zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Institute ihr Zuhause verloren.
  • In Solidaritätsaktionen helfen sich die Kollegen untereinander, um die Betroffenen zu entlasten.

Chaos und Solidarität

Flüsse und Bäche – sonst nur wenige Meter breit – sind noch immer schmutzig-braune Ströme. Aber inzwischen hat sich das Wasser fast überall zurückgezogen. Was bleibt sind Schlamm und Geröll. Tag für Tag werden die enormen Verwüstungen deutlicher. Innenstädte und Böschungen sind übersät mit Schutt und Müll.

Hunderte von Menschen haben ihr Zuhause verloren. Straßen, Bahngleise, Brücken, Strom- und Wasserleitungen, Mobilfunk – in vielen Flutgebieten ist die Infrastruktur zerstört. Was noch schwerer wiegt: Mehr als 170 Tote sind zu beklagen. Nach wie vor gibt es zahlreiche Vermisste.

Aber nach der Zerstörung prägen nun immer mehr Szenen der Solidarität das Bild. Helferinnen und Helfer räumen auf, putzen und karren Schrott weg. Viele sind extra angereist, um in den betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und anderen Regionen Deutschlands die Geschädigten zu unterstützen. Dreck klebt an ihren Händen, Gesichtern und Kleidern. An Straßen stehen große Kanister mit Trinkwasser, um die Menschen notdürftig zu versorgen.

Weil es um mehr als Geld geht

Schon in den ersten Stunden der Flut waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen als Freiwillige vor Ort – freigestellt von ihren Arbeitgebern. Viele von ihnen sind seit Jahren ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr, dem Deutschen Roten Kreuz oder dem Technischen Hilfswerk engagiert.

Zuerst taten sie ihr Möglichstes, um Vermisste aufzuspüren. „Da bekommt man erstmal mit, dass der Schäferhund eines Mitarbeiters auch Rettungshund ist“, sagt Martin Schulte, Vorstandsmitglied der Sparkasse HagenHerdecke.

In den Tagen danach sind sie bei den Aufräumarbeiten im Einsatz. Sie helfen, wo sie können, die Straßen und Häuser von Trümmern, Schutt und Schlamm zu befreien – unter anderem in dem besonders stark betroffen Ahrweiler. Viele der freiwilligen Helfer kommen nicht einmal aus der Stadt.

Außenaufnahme einer von der Flut zerstörten Sparkassen-Filiale
Die Filiale Neuerburg der Kreissparkasse Bitburg-Prüm muss nach Hochwasserschäden für mehrere Monate schließen.

„Bleib du zu Hause“

Dabei haben auch einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen ihr Zuhause verloren. Oder es ist stark beschädigt. Für sie haben sich Kollegen etwas Besonderes einfallen lassen: „Bleib du zu Hause“ heißt die Aktion. Sie verschenken ihre Überstunden an diejenigen, die Zeit brauchen, um die Schäden der Flut zu beseitigen.

Unter dem Motto „Wir packen selbst mit an“ hat die Kreissparkasse Mayen schnell freiwillige Helferinnen und Helfer an die Stadt Mayen vermittelt. Doch als sich herausstellt, wieviel mehr Hilfe in Ahrweiler benötigt wird, springen sie auch dort ein – koordiniert von der Personalabteilung der Kreissparkasse.

Viele Sparkassen selbst schwer getroffen

Nun unterstützen Kolleginnen und Kollegen aus Mayen auch die Kreissparkasse Ahrweiler: Sie helfen bei den Aufräumarbeiten in der Hauptstelle mit und bringen die Infrastruktur wieder zum Laufen. Oder sie springen im Kundenservice-Center ein. Außerdem stellt das Mayener Institut Hardware und Firmenwagen zur Verfügung. Und die Kreissparkasse Kusel unterstützt in Ahrweiler mit einer mobilen Geschäftsstelle.

Die Kreissparkasse Ahrweiler ist nicht die einzige, die von der Hochwasserkatastrophe unmittelbar betroffen ist: Insgesamt waren in den ersten Tagen der Katastrophe über 50 Sparkassen betroffen – Geschäftsstellen zerstört oder in ihren technischen Funktionen erheblich eingeschränkt. Tiefgaragen standen unter Wasser, Geldautomaten waren unbrauchbar. Der Zugriff auf Kundenschließfächer ist auch nach über einer Woche an einigen Stellen nicht möglich.

Überflutete Filiale in Ahrweiler
Unbenutzbares Foyer der Filiale Neuerburg. Das Hochwasser überflutete den Keller und Teile des Erdgeschosses.

Aufgrund von Stromausfällen und Wassereinbrüchen ist der Geschäftsbetrieb in einzelnen Filialen eingestellt. Dabei sind auch die Sparkassen Aachen, Euskirchen und die Kreissparkasse Köln in besonders hohem Maß betroffen. Sie mussten zahlreiche Standorte schließen. Aufgrund der Schwere der Schäden ist anzunehmen, dass einzelne von ihnen auf längere Zeit nicht nutzbar sind.

Doch wo die Bargeldversorgung unterbrochen ist, fahren nun mobile Filialen der betroffenen Sparkassen – oft Geldbusse genannt – zu den Menschen. Die Kreissparkasse Köln versorgt mit ihnen nicht nur die eigenen Kundinnen und Kunden mit kreditwirtschaftlichen Dienstleistungen und Bargeld, sondern auch die von Wettbewerbern: „Sie können hier mit ihrer Girocard kostenlos Bargeld ziehen“, erklärt Sprecher Michael Schwarz.

Bus als mobile Sparkassen-Zentrale im Hochwassergebiet
Eine mobile Filiale der Kreissparkasse Köln stellt die Bargeldversorgung sicher.

Soforthilfe der Sparkassen

Für die Soforthilfe der Sparkassen wurde über das gemeinsame Spendenportal wirwunder.de und den Spendenpartner betterplace.org eine Möglichkeit zu Spenden eingerichtet, die ab sofort nutzbar ist:

www.wirwunder.de/fluthilfe

Die dort eingehenden Mittel werden Betroffenen direkt ausgezahlt. Die Kosten der Zahlungsabwicklung tragen die Sparkassen. Für die ordnungsgemäße Verwendung stehen die zuständigen regionalen Sparkassenverbände als Körperschaften öffentlichen Rechts sowie die Sparkassen in den betroffenen Gebieten ein.

Freies Mittagessen für Anwohner und Helfer – auch per Bollerwagen

In Heimerzheim und den umliegenden Dörfern im Rhein-Sieg-Kreis sind die Schäden des Hochwassers noch immer verheerend. Eine Flutwelle überraschte die Menschen nachts um drei Uhr: Die Swist, die sich normalerweise zwei Meter breit durch den Ort schlängelt, weitete sich in wenigen Stunden auf 200 Meter aus. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mussten in Windeseile ganze Straßenzüge evakuieren.

Auch mehr als eine Woche später gibt es Vermisste und die Schäden sind noch gravierend. Die Stromversorgung ist weiterhin unterbrochen. Viele Betroffene können sich nicht einmal eine warme Mahlzeit zubereiten. Um sie zu unterstützen, verteilt die Kreissparkasse Köln gemeinsam mit ihrer Catering-Tochter Solum kostenfreie Mittagessen an Anwohner und Helfer.

„Täglich werden 300 warme Mahlzeiten an einer zentralen Anlaufstelle im Ort ausgegeben und zusätzlich mit dem Bollerwagen in den Siedlungen verteilt“, beschreibt Schwarz die Situation. „Da auch andere Regionen in unserem Geschäftsgebiet stark von den Hochwasserfolgen betroffen sind, wollen wir dieses Angebot auf weitere Orte ausweiten.“

Sachspenden und Unterkünfte in Essen

Das Hochwasser hat auch die Stadt Essen stark in Mitleidenschaft gezogen: Wohnhäuser, Schulen und andere öffentliche Gebäude sind mit Wasser vollgelaufen. Sportplätze, Schwimmbäder, Brücken, Straßen und Fahrzeuge sind zerstört. Die Schäden gehen in die Millionen.

In den ersten Tagen haben zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer der Sparkasse Essen bei den Aufräumarbeiten geholfen. Nun hat das Institut zwei von ihnen freigestellt, damit sie sich ganz dieser Aufgabe widmen können.

Zudem können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Zuhause von den Fluten verwüstet wurde, sparkasseneigene Wohnungen nutzen. Überhaupt sei die Solidarität innerhalb der Sparkasse Essen sehr groß, sagt Pressesprecherin Nadine Steinkamp. Das äußere sich unter anderem in großzügigen Sachspenden vieler Kolleginnen und Kollegen für diejenigen, die in der Flut fast alles verloren haben.

Für viele Menschen in den betroffenen Regionen in Deutschland wird es in den nächsten Monaten unmöglich sein, in ihren Wohnungen oder Häusern zu leben. Die Sparkassen planen weitere Aktionen und Initiativen, um sie in dieser Zeit zu unterstützen.

(Stand 27.07.2021)


Sie möchten den Opfern der Flutkatastrophe vor Ort helfen? Wir sind dankbar für jede Unterstützung!