Mehr Geld, schnellere Impfungen, besserer Urlaub: 7 Dinge, auf die wir bei anderen neidisch sind – und was wir dagegen tun können

Rund 60 Prozent der unter 40-Jährigen sind neidisch – im Alter nimmt Neid ab

Hach Deutschland. Du und deine Neidkultur. Schon im 19. Jahrhundert wusste der Philosoph Arthur Schopenhauer: „In Deutschland ist die höchste Form der Anerkennung der Neid.“ Bis heute hat sich daran wenig geändert. Meine Reise, meine Impfung, mein Job: Warum wir in Corona-Zeiten besonders neidisch sind. 

Nahaufnahme einer Katze

Das Wichtigste in Kürze:

  • Reichtum wird beneidet – und missbilligt. Reiche sind die schlechteren Menschen – so denken zumindest viele Menschen in Deutschland. Laut einer Allensbach-Studie halten wir wohlhabende Menschen hierzulande für egoistisch, rücksichtslos und überheblich.
  • Neid ist zwar alters-, aber geschlechtsunabhängig.
  • Es geht nicht nur ums Geld: Vom Sommerurlaub auf Mallorca, den vermeintlich klügeren Kindern bis zum blühenden Blumenbeet – Neid kennt viele Facetten. 

Reichtum ist großartig – aber Reiche? Sie sind arrogant und rücksichtlos

Reichtum wird beneidet – und missbilligt. Menschen in Deutschland haben im internationalen Vergleich ein überaus negatives Bild von Reichen. Wir Deutsche sind deutlich missgünstiger als Franzosen, Briten und US-Amerikaner. Das geht aus einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach und dem Ipos MORI hervor. Das Wort „Schadenfreude“ gibt es nur im Deutschen – schließlich freuen wir uns in Deutschland am meisten, wenn eine Millionärin oder ein Millionär Geld verliert.

Der gute alte Zaster spielt im Allgemeinen gern eine Rolle im Neid-Roulette. So werden die Kollegin, die eine Gehaltserhöhung bekommt, der Bruder, der sich einen neuen Porsche gönnt, oder das Rentnerpaar nebenan, das sich einen Pool bauen lässt, schwerstens beneidet.

Funfact: Die meisten Menschen empfinden Neid. Rund 60 Prozent der unter 40-Jährigen geben an, neidisch auf den Nachbarn oder Freunde zu sein. Das ergibt eine Studie des Marktforschungsunternehmens OmniQuest.

Neid nimmt mit dem Alter jedoch ab. Nur jeder Fünfte über 50 Jahre empfindet noch Neid seinen Nächsten gegenüber. Im Kindesalter ist Neid in der Regel am stärksten ausgeprägt und nimmt mit den Jahren und zunehmender Weisheit und Genügsamkeit ab. Außerdem ist Neid an kein Geschlecht gebunden. 

1. Wenn die Influencerin jetzt schon geimpft wird und ich nicht

Sie sind gerade beliebter als in Vor-Corona-Zeiten ein Platz in der Warteschlange vor Berlins weltweit beliebtestem Techno-Club Berghain: Impfeinladungen, um sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Die sozialen Netzwerke sind voll mit Fotos von mit Pflastern verzierten Oberarmen oder Bildern von Impfpässen. Da stellt sich bei vielen insgeheim die Frage, „Wieso darf der und ich noch nicht?“. So etwas schürt ihn dann doch: den Neid.

Tatsächlich scheint es derzeit oftmals unverständlich, dass vermeintlich jung und gesund aussehende Menschen bereits geimpft sind, während andere mit Vorerkrankungen oder in höherem Alter noch immer warten. Doch überfallen uns solche Gedanken, sollten wir Folgendes bedenken: Wir kennen die Gründe nicht, warum diese augenscheinlich fitten, jungen Menschen vor uns dran waren. Auch viele junge Menschen haben chronische Erkrankungen. Nicht alle Krankheiten sind nach außen hin sichtbar, nicht jede Person erzählt davon.

Unser Tipp: Ein wenig Impfneid schadet nicht. Zumindest solange, wie er die Impfungen vorantreibt und höchstens mal in schlechter Laune resultiert. Das Licht am Ende des Tunnels kommt näher. Halten wir durch: Mehr Impfstoff ist in Sicht.

2. Wenn meine Freunde mehr Geld auf der hohen Kante haben als ich

In der Corona-Pandemie sparen die Deutschen so viel Geld wie nie: Das Geldvermögen erreichte Ende 2020 nach Daten der Bundesbank die gewaltige Summe von fast 7 Billionen Euro. Der Betrag setzt sich aus Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie aus Ansprüchen gegenüber Versicherungen und aus Anteilen von Investmentfonds zusammen.

Da kommt die Frage auf: Wo haben die Menschen das ganze Geld her? Im Schnitt legten die Deutschen von 100 Euro ihres verfügbaren Einkommens mehr als 16 Euro zurück. Die Sparquote deutscher Haushalte lag bei etwa 16,2 Prozent – das ist Rekord.

Sparen muss man sich leisten können, das ist frustrierend, aber wahr. Nicht jeder hat die Möglichkeit, monatlich viel Geld beiseite zu legen. Wer da Neid verspürt, ist nicht allein. Aus einer Studie des Marktforschungsunternehmens OmniQuest aus dem Jahr 2015 geht hervor, dass 40 Prozent der Befragten Neid auf das Einkommen ihrer Mitmenschen verspüren. 20,6 Prozent beneiden den Nachbarn um den schicken Flitzer und 30,7 Prozent schmachten dessen Traumhaus an.

Unser Tipp: Aus diesem Neidzyklus herauszukommen, ist nicht einfach – und so schwierig es klingt: Der erste und einzige Weg zur Besserung ist, den eigenen Besitz mehr wertzuschätzen und dankbar zu sein.

Neid ist nämlich nicht nur eine schlechte Charaktereigenschaft, sondern schadet auch der Gesundheit. Wesentlich besser ist es, den Neid in positive Energie und Motivation umzuwandeln; das schafft Raum, um an sich zu arbeiten und ähnlich erfolgreich zu werden. 

3. Wenn der Kollege die Pandemie für Sport nutzt und ich vor Netflix rumhänge

Covid-19 hat die Welt aus den Angeln gehoben und in dem ein oder anderen einen wahrlichen Selbstoptimierungswahn hervorgerufen. Die einen begannen, etwas zu tun, was sie bislang immer verschoben hatten, z.B. eine Fremdsprache zu lernen; die anderen fanden ihr inneres Chi mit Yoga-Sessions.

Bei so viel Motivation, die auch noch rund um die Uhr auf Social Media verbreitet wird, lässt Neid nicht lange auf sich warten. Wieso haben gefühlt alle Menschen die Pandemie sinnvoll genutzt, nur ich saß auf der Couch und hab mir auf Netflix eine Serie nach der anderen reingezogen?

Unser Tipp: Lassen Sie die Online-Welt Online-Welt sein! Fast immer besteht sie nämlich aus mehr Schein als Sein.

Außerdem: Wenn Sie schon in der Schule keine Fremdsprachen mochten, dann müssen Sie sich auch jetzt nicht dazu zwingen. Statt in Frust zu versinken, sollten Sie sich die Frage stellen, ob eine andere Beschäftigung als Netflix zu schauen Sie glücklicher gemacht hätte. Vielleicht war sorgloses Serien schauen nämlich genau das, was Sie brauchten. 

4. Wenn die Nachbarin nach Mallorca fliegt und ich in den Park gehe

Fremde Länder erforschen, Roadtrips planen oder einfach am geliebten und alljährlich besuchten Badestrand auf Mallorca die Seele baumeln lassen – Urlaub ist binnen weniger Monate zum Luxusgut geworden. Was wir als selbstverständlich betrachtet haben, wurde durch Corona zur Rarität.

Umso härter trifft es viele, die ihre Freunde und Bekannte trotz Reisewarnungen durch die Welt jetten sehen. Haben die alle kein Gewissen? Statt sich über das Glück des anderen zu freuen, wird Missgunst geschürt.

Unser Tipp: Ändern Sie Ihren Blickwinkel. Wer weiß, wie dringend Ihre Freunde den Urlaub benötigt haben, wenn sie selbst zu Pandemiezeiten in Risikoländer reisen. Manchmal hilft nichts außer einfach raus zu kommen.

Außerdem: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Auch Sie werden bald wieder – wenn Sie das wollen – unter Palmen die Sonne genießen können, schließlich schreiten die Impfungen mittlerweile schneller voran. Und seien wir mal ehrlich, ist es nicht auch entspannend, sich nicht am Urlaubsziel über andere Touristen aufregen zu müssen, sondern stattdessen zu Hause die Ruhe des Gartens genießen zu können? 

5. Wenn andere mutiger sind als ich selbst

Der Nachbar wechselt mit Anfang 50 noch den Berufszweig, die Schwester investiert gewinnbringend in ein zuvor unsicheres Projekt und die Mutter im Seniorenalter erfüllt sich ihren Jugendtraum und fällt mit einem Fallschirm vom Himmel. Wirklich mutig, denken Sie sich – und beneiden gleichzeitig die Entschlossenheit Ihrer Mitmenschen, waghalsige Pläne umzusetzen.

Unser Tipp: Nichts und niemand – außer Sie selbst – hindert Sie daran, Dinge an Ihrem Leben zu ändern. Mut tut gut und kostet Nerven. Jedoch sind es diese in vielen Fällen wert, wenn Sie sich danach besser fühlen.

Außerdem müssen Sie nicht gleich nach den Sternen greifen. Schon kleine Überwindungen helfen Ihnen, dem großen Ganzen – mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – näher zu kommen. 

6. Wenn ich Dinge aufschiebe und andere schneller sind als ich

Während die beste Freundin Anfang vergangenen Jahres noch so richtig feiern war, hatten Sie keine Lust auf Ausgehen. Eine spannende Dienstreise haben Sie abgelehnt und blieben lieber im Büro. Und dann kam Corona. Kein Feiern mehr und Wegfahren ist auch nicht drin. Stattdessen Wein auf der Couch und Urlaub auf Balkonien.

Möglicherweise beneiden Sie nun diejenigen, die ihre Zeit vor der Pandemie noch genutzt und großartige Erlebnisse gesammelt haben. Aufschieberitis, auch Prokrastination genannt, ist zwar als ernsthaftes Krankheitsbild anerkannt, allerdings in den meisten Fällen nicht so dramatisch.

Unser Tipp: An der Vergangenheit lässt sich nicht mehr rütteln, doch die Zukunft können Sie bestimmen. Corona hat der Gesellschaft gezeigt, wie schnell alltägliche Dinge plötzlich zum raren Gut werden können. Das nächste Mal überlegen Sie es sich sicher zweimal, bevor Sie eine Gelegenheit sausen lassen – und Sie werden sehen: Spontane Entscheidungen sind manchmal die besten.  

7. Wenn andere schöner wohnen als ich selbst

Sommer auf Balkonien – der Kampf gegen Corona geht zwar mit den Impfungen eindeutig voran, allerdings verbringen viele trotzdem ihren Urlaub in den eigenen vier Wänden. Aber was ist das? Nur Schatten auf dem Balkon! Plötzlich wird der zuvor wenig beachtete Nordbalkon zum Ärgernis. Ganz besonders dann, wenn der Nachbar den Liegestuhl ausbreitet und sich mit einem guten Buch in seinen Garten legt.

Unser Tipp: Im Moment des Neides müssen Sie sich fragen, ob der Neid wirklich berechtigt ist, oder ob es sich nicht doch um eine Nichtigkeit handelt.

Vielleicht ist Ihre Wohnung größer und schöner und der Nordbalkon stellt nur einen winzigen Abstrich daran dar. Vielleicht ist der Nachbar im Hochsommer genervt, weil es im Garten unerträglich heiß wird und er ständig die Position des Sonnenschirms verändern muss, um nicht zu verglühen. Wie heißt es: Alles hat seine Sonnen- und Schattenseiten und bald schon scheint auch für Sie wieder die Sonne. 

(Stand 03.06.2021)


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