Angst vor einem neuen Lockdown

Zweite Welle rollt mit Wucht – was kommt auf die Wirtschaft zu?

Die Corona-Neuinfektionen bleiben auf einem Rekordhoch. Nach dem Lockdown im Berchtesgadener Land wachsen die Befürchtungen, dass anderswo ähnliche Maßnahmen verhängt werden müssen. Werden bald weitere lokale Lockdowns folgen? Wird Europa abgehängt? Was bedeutet das für die deutsche Wirtschaft? Antworten von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

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Angst vor einem neuen Lockdown
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka
Angst vor einem neuen Lockdown

Bisher waren Deutschland, Österreich und Dänemark bei den Corona-Fallzahlen eine Insel der Glückseligen. Jetzt ist das exponentielle Wachstum zurück. Müssen wir mit lokalen Lockdowns rechnen?

Das wird wohl nicht zu vermeiden sein. Lokale Maßnahmen waren von Beginn an Teil der gesundheitspolitischen Corona-Strategie. Insbesondere im weiteren Verlauf der Pandemie. Die Fallzahlen der zweiten Welle steigen früher und schneller als erwartet, auch innerhalb der Risikogruppen, wie zum Beispiel älteren Menschen.

Die landesweite Stilllegung der Wirtschaft soll jedoch möglichst verhindert werden. Aber wie die Beispiele Irland und Tschechien zeigen: Ab einer gewissen Anspannung des Gesundheitssystems ist auch mit landesweiten Maßnahmen zu rechnen.

In Deutschland sind wir davon noch ein ganzes Stück entfernt. Aber auch hier nehmen mit den kälteren Tagen die Fallzahlen weiter zu. Die Erkenntnisse sind allerdings eindeutig: Der flächendeckende Lockdown sollte das letzte Mittel der Wahl sein. Er sollte nur dann angeordnet werden, wenn eine akute Überforderung des Gesundheitssystems droht.

Angst vor einem neuen Lockdown

Chinas Wirtschaft erholt sich und wächst um fast fünf Prozent. Viele europäische Staaten hingegen bewegen sich in Richtung Lockdown. Wird Europa abgehängt?

China mit seiner staatshörigen Gesellschaftsstruktur ist für solche Zwangsmaßnahmen, die hierzulande heftig diskutiert werden, tatsächlich besser aufgestellt. China holt ökonomisch in der gegenwärtigen Lage etwas auf – allerdings vorbehaltlich der Informationslücken, die über das Land immer bestehen bleiben.
Die Corona-Gesamtbilanz der Regionen Nordamerika, Europa und China hängt allerdings von den kommenden Jahren ab. Sollte sich die Gesundheitskrise in den USA und in Europa zurückbilden, erwarten wir auch hierzulande ein kräftiges Wachstum.

Angst vor einem neuen Lockdown

Die Gastronomie kam trotz leichter Erholung im August nicht auf Vorkrisenniveau. Tourismus, Luftfahrt, oder auch Solo-Selbstständige sind noch vom ersten Lockdown hart getroffen. Was bedeutet ein weiterer Lockdown für die deutsche Wirtschaft?

Ein Lockdown würde nicht genau so ausfallen wie im Frühjahr. Irland zum Beispiel hat bei seinem neuen Lockdown Schulen und Kindergärten ausgenommen. Von Mai bis August erholte sich die deutsche Wirtschaft stärker als erwartet. Ein wirtschaftlicher Einbruch wäre deshalb weniger heftig als durch den ersten Lockdown. Insgesamt würde die Wirtschaft aber in jedem Fall Rückschritte machen.

Die Übergangshilfen würden weiter intensiviert werden - für die am schlimmsten betroffenen Branchen, insbesondere die Dienstleistungen ist dann entscheidend, wie die Fortschritte bei der Pandemieeindämmung im kommenden Jahr ausfallen.

Sollten Impfungen und Therapien nicht oder nur schlecht funktionieren, müssen viele Branchen dauerhaft umdenken. Das werden wir im Verlauf der ersten Jahreshälfte 2021 sehen.

(Stand: 23.10.2020) 


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