Was tun, wenn ein zweiter Lockdown droht

Trifft uns Corona so hart wie im Frühjahr?

Die Infektionszahlen steigen weltweit. Die Länder verschärfen regional die Corona-Maßnahmen, der Bundestag berät über weitere Unterstützung für Bürger und Unternehmen. Wie verhält sich die Lage im Vergleich zum Frühjahr? Was würde ein zweiter Lockdown für die Wirtschaft bedeuten? Ein Überblick. 

Ein Cafèbesitzer trägt eine Mund-Nasen-Bedeckung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Infektionszahlen steigen momentan exponentiell.
  • Dem ersten Lockdown konnte der deutsche Mittelstand größtenteils standhalten.
  • Nach aktuellen Schätzungen werden die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen aus Sommer, Herbst und Winter weniger große Folgen für Wirtschaft und öffentliches Leben haben als im Frühjahr.
  • Für einige Branchen jedoch hätte ein zweiter Lockdown fatale Auswirkungen. 
  • Nach LBBW-Chefökonom Uwe Burkert muss ein zweiter nationaler Lockdown unbedingt verhindert werden. 
Ein zweiter Lockdown träfe besonders die Branchen, die für unser soziales Miteinander so wichtig sind.
Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Die Infektionszahlen steigen weltweit. Auch in Deutschland hat sich die Lage in den vergangenen Wochen deutlich verschlechtert. Am 22. Oktober verzeichnete das Robert-Koch-Institut erstmals seit Beginn der Pandemie mehr als 10.000 Neuinfektionen binnen eines Tages.

Am ersten Juli befand sich nur der Landkreis Gütersloh im roten Bereich von über 50 übermittelten Corona-Fällen auf 100.000 Einwohner. Inzwischen melden bereits 15 Landkreise mehr als 100 Corona-Fälle, Stand 20. Oktober. Die Bundesländer reagieren mit regionalen Maßnahmen. In dem am schlimmsten betroffenen Landkreis Berchtesgadener Land dürfen Bürgerinnen und Bürger ihre Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Schulen, Kitas, Restaurants müssen schließen. 

Deutschlandkarte: Die Coronafälle steigen seit Juli rasant

Bisher weniger schwere Verläufe als im Frühjahr

In einigen Ländern Europas wurden in den vergangenen Wochen die Höchststände an Neuinfektionen aus dem Frühjahr überschritten. Die Anzahl der Todesfälle verbleibt allerdings seit Juni auf einem niedrigen Niveau. Die vermutete Dunkelziffer an Corona-Infektionen lag im Frühjahr deutlich höher. Nach Datenlage gibt es bisher trotzdem deutlich weniger schwere Verläufe. 

Grafik: Die Todesfälle bleiben trotz zunehmender Infektionszahlen gering

Gleichzeitig ist Deutschland sehr viel besser vorbereitet, als es noch im Frühjahr der Fall war. Noch sind die Kapazitäten der Intensivstationen in Deutschland nicht ausgeschöpft. Im Extremfall dürften jetzt nicht notwendige OPs verschoben werden, um stark betroffene Corona-Patienten zu pflegen.

Die Politik hat bereits einige Corona-Programme verlängert, die Unternehmen und Soloselbstständigen helfen durch die Krise zu kommen. So gilt die Überbrückungshilfe für kleine und mittelständische Unternehmen jetzt bis Ende 2020. 

Was würde ein zweiter Lockdown für die Branchen bedeuten?

Trotz der Wucht der Einschränkungen kam der Mittelstand im Durchschnitt gut durch die Krise. Er erwirtschaftet eine Umsatzrendite von 3,5 Prozent. Das war das Ergebnis der Untersuchung „Zukunft Mittelstand“ vom 15. September, die die Lage der kleinen und mittleren Unternehmen der vergangenen Monate spiegelt. „Die Krise traf den Mittelstand zwar unerwartet, aber nicht unvorbereitet“, sagt Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

Doch die Branchen stehen unterschiedlich da. Den durchschnittlichen Umsatzeinbußen von 5,7 Prozent stehen wachsende Zahlen bei Bau-, Gesundheits- und Sozialwesen gegenüber. Für Gastgewerbe und Kunstszene bedeutet Corona damals wie heute einen fatalen Rückschlag. „Ein zweiter Lockdown würde zuallererst den Einzelhandel, Gastronomie, Hotels und natürlich die Reisebranche treffen, ebenso Kulturschaffende und personenbezogene Dienstleister wie zum Beispiel Friseure“, sagt Uwe Burkert. „Er träfe besonders die Branchen, die für unser soziales Miteinander so wichtig sind.“

Ob diese Branchen einen zweiten Lockdown überstehen würden, „hängt vom berühmten Silberstreif am Horizont ab“, so Burkert. „Wenn dieser für die Gewerbetreibenden und Händler sichtbar ist, können weitere staatliche Unterstützungsleistungen zur Überbrückung helfen. Wenn aber keine Hoffnung in Sicht kommt, dann werden wir schon bald eine Aufgebe- und Pleitewelle sehen.“  

Politik versucht die Wirtschaft zu schonen

Der Politik ist bewusst, dass viele Unternehmen und Branchen einen zweiten Lockdown nur schwer verkraften würden. Einige mussten in den vergangenen Monaten bereits Insolvenz anmelden. Für die Politik bleibt es deswegen Zielvorgabe, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Die Möglichkeit von Schnelltests oder sogenannten Heimtests und flexiblere Quarantäneregeln könnten außerdem Entlastung bringen. 

Grafik: Auswirkungen der Corona-Maßnahmen sind im Herbst geringer

Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Konjunktur gehen Hand in Hand. Burkert empfiehlt Unternehmen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deswegen jetzt absolute Vorsicht und Disziplin, damit die Produktion möglichst weitergeht.

Burkert: „Ein Fullstop unterbricht Lieferketten und bremst alles aus. Das konnten wir im zweiten Quartal sehen. Das muss unbedingt verhindert werden. Aber daran können wir alle mithelfen.“ 

(Stand: 22.10.2020)


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