Kommt jetzt der Wirtschaftsabschwung?

Dr. Ulrich Kater, Deka-Chefvolkswirt, über die Gefahr einer Rezession

In Deutschland explodiert die Zahl der Neuinfektionen, viele Bundesländer haben bereits 2G-Regeln eingeführt – und die Politik diskutiert über neue Kontaktbeschränkungen. Dazu die hohen Energiepreise und Lieferengpässe. Kann sich die Wirtschaft so überhaupt erholen? Oder kommt jetzt sogar eine Rezession? Antworten darauf kommen von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Leeres Café mit hochgestellten Stühlen
Dr. Kater Portrait
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Herr Dr. Kater, gefühlt schraubt die Bundesregierung ihre Wachstumserwartungen immer weiter zurück. Ist Deutschland überhaupt noch auf einem Wachstumspfad? Oder müssen wir mit einem Abschwung rechnen?

Ein Abschwung bleibt uns erspart, aber der Konjunkturmotor stottert gerade merklich. Die Liefer- und Transportengpässe wirken sich nach wie vor negativ auf die Wirtschaft aus – ebenso sowie die hohen Rohstoff- und Energiepreise. Dies ist ein Reflex auf die hohe Nachfrage bei dem durch die Pandemie teilweise begrenzten Angebot von Waren. Und nun gesellt sich noch die heftige vierte Corona-Welle auf der Nordhalbkugel hinzu. Die zeigt sich insbesondere auch in Deutschland mit neuerlichen Lockdown-Maßnahmen, also zeitlich befristeten Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität im Winterhalbjahr.

Welche Rolle spielt diese vierte Welle genau? Kann die Wirtschaft nicht trotz hoher Inzidenzen wachsen?

Für die zu erwartende konjunkturelle Schwäche Ende des Jahres ist die vierte Corona-Welle tatsächlich sehr bedeutsam. Kontaktbeschränkungen münzen sich vor allem in der Gastronomie und ähnlichen Dienstleistungsgewerben in Stornierungen und Umsatzeinbußen um. Diese werden weniger nachgeholt werden können als die Käufe von Waren. Auch wenn unter dem Weihnachtsbaum vermutlich noch mehr Gutscheine liegen werden als bereits in den Vorjahren, bleibt hier die Konsumnachfrage erhalten. Diese zeitliche Verschiebung gewährleistet die Fortsetzung des Aufschwungs. Zudem bleiben die Produktionsstätten offen und viele Menschen arbeiten weiterhin, wenn auch wieder verstärkt im Homeoffice. Also liegt nicht die ganze Volkswirtschaft danieder – trotz hoher Inzidenzen.

Was können Anlegerinnen und Anleger tun, um im Falle eines Abschwungs gut vorbereitet zu sein?

Dass der Konjunkturmotor kurzzeitig stottert, ändert wenig an der grundsätzlichen Perspektive des konjunkturellen Aufschwungs. Zwar ist die Unsicherheit aktuell wieder etwas erhöht – doch sowohl die Finanzmärkte als auch die Notenbanken zeigen sich hinreichend zuversichtlich. Deshalb gilt, trotz der momentan schwierigeren Nachrichtenlage: Für den Jahresverlauf 2022 ist mit wieder festeren Konjunkturdaten bei nachlassenden Pandemie-Belastungen zu rechnen. Dies hilft den Unternehmensgewinnen und mithin den Aktienmärkten. Insofern ist für Anlegerinnen und Anleger sorgenvolle Hektik derzeit wenig hilfreich.

(Stand 24.11.2021)


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