Gibt es auch 2022 die Weihnachtsrally?

Das Aktienpaket unterm Christbaum kann Freude schenken – muss es aber nicht


In den letzten 125 Jahren hat sich gezeigt, dass die Aktienmärkte um die Weihnachtszeit gern zulegen. Die Stimmung kurz vor Jahresende hebt sich und die Kauflaune steigt: Da liegt es nahe, die alljährliche Weihnachtsrally auf den Handelsplätzen im Auge zu behalten. Aber ist nach diesem turbulenten Jahr 2022 ein versöhnliches Weihnachtsgeschenk zum Jahresende überhaupt möglich?

RoteBullenfigur unter einem Weihnachtsbaum

Endlich wieder eine Weihnachtsrally

Eine Prognose kann eine wegweisende Voraussage, vorschnelles Raten oder aber auch ein dressierter Zufall sein. Sie ist alles – nur keine Gewissheit. Und doch: Nachdem zum Jahreswechsel 2020/2021 und 2021/2022 die Weihnachtsrally zumindest an der Deutschen Börse coronabedingt ausfiel, wird diesmal 2022/2023 wieder ein Anstieg der Aktienkurse prognostiziert.

Was ist eine Weihnachtsrally?

Die Weihnachtsmann-Rally ist seit vielen Jahrzehnten ein Börsenphänomen: Sie lässt die Aktienmärkte gewöhnlicherweise kurz, aber stark ansteigen. Die saisonale Phase erstreckt sich in der Regel vom 14. Dezember bis 3. Januar.

Die Santa Claus Rally ist die kurze Hochsaison – sozusagen das Herzstück – innerhalb der Weihnachtsrally. Der Sprint hält nur sieben Tage lang an: fünf Handelstage in der letzten Dezemberwoche (diesmal also vom 27.–31. Dezember 2022) und zwei Handelstage in der ersten Januarwoche (also am 2. und 3. Januar 2023).

Tipp: Drei heiße Wochen, sieben heiße Tage – die Weihnachtsrally ist nicht nur Glückssache, sondern möglicherweise auch nur von kurzem Glück: Anfang des neuen Jahres werden Weihnachts-Anlagen gern wieder verkauft.

Welche Chancen hat eine Weihnachtsrally zum Jahresende?

Contra: Es war ein kräftezehrendes Jahr. Die Zinsen wurden angehoben, weniger Handelsempfehlungen wurden ausgesprochen, der Marktpreiseindex hat noch zu kämpfen, es gab viele Richtungswechsel, kurzzeitige Aufwärtstrends, immer wieder auch Abwärtstrend, mehr Verkaufsdruck, gescheiterte Erholungsversuche, hohe Inflation sowie eine etwas gedämpfte Konsumlust. Und der DAX legte immer wieder Verschnaufpausen ein, denn die Luft auf dem höheren Niveau wurde dünner.

Pro: Doch zum Jahresende ist die deutsche Wirtschaft stärker gewachsen als angenommen, die Inflationsrate fällt, die Einkaufsstimmung hat sich noch etwas gehoben und am 15. Dezember 2022 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erhöht – weniger stark, als bei den Entscheidungen davor – was zumindest für Sparer eine gute Nachricht ist.

Ja, es könnte einem schwindlig werden, wollte man jedem Indiz folgen. Dennoch: auch 2022 gibt es die Hoffnung auf eine erfolgreiche Weihnachtsrally. Denn die Bullen haben noch nicht aufgegeben.

Die Weihnachtsrally: Mythos oder Wahrheit?

Tatsächlich wirkt die Weihnachtsrally etwa in den USA wie eine Kursrakete im Dezember. Doch betrachten wir die erfolgreichsten Monate in den vergangenen Jahren anderswo, so war in Deutschland (Dax) und Japan (Nikkei) der März der Monat mit den durchschnittlich höchsten Kursgewinnen. Auf Europa (Euro Stoxx 50) geschaut machte sogar der Oktober den stärksten Börsenmonat aus.

Dennoch ist die Weihnachtsrally mehr als ein Gerücht. Denn seit 125 Jahren, das zeigen statistische Aufzeichnungen, bewahrheitete sich die Weihnachtsrally für Anleger oft als Weihnachtsgeschenk: Der Dow Jones stieg durchschnittlich in der Zeit vom 14. Dezember bis 3. Januar um 1,5 Prozent an, der DAX glänzt in 7 von 10 Jahren mit einer Weihnachtsrally und verzeichnete dabei ein Plus von im Schnitt 2,5 Prozent.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Fondsmanager für ihre Fonds zum Jahresende gerne eine positive Jahresperformance präsentieren, weshalb manche kurz vor Jahresende durch kurssteigernde Zusatzkäufe gern die Bilanz nach „oben pflegen“. Zudem ist die Anlegerstimmung in der Weihnachtszeit kurzzeitig optimistisch und so mancher möchte noch seine Jahresendboni investieren. Und es werden noch letzte Steuerverluste abgeschlossen, weil Anleger ihre Portfolios zum Jahresende anpassen. Außerdem – das nur am Rande – rechnet weltweit keiner damit, dass eine Regierung um diese Zeit schlechte Nachrichten verkündet, was bekanntlich negative Auswirkungen auf den Finanzmarkt hätte.

Den Aktienmarkt immer das ganze Jahr über im Blick behalten

Es ist nun einmal nicht das ganze Jahr über Weihnachtsrally. Viele Anleger unterschätzen die Schwankungen am Aktienmarkt. Oft gilt es, Durststrecken durchzuhalten und dennoch jederzeit sein Portfolio im Blick zu behalten. Und zwar das ganze Jahr über.

An welchen Tagen haben die Börsen geschlossen?

Weltweit haben die Börsen meist an lokalen und gesetzlichen Feiertagen sowie am Wochenende geschlossen. Die Börsenfeiertage sind an den jeweiligen Handelsplätzen unterschiedlich. Geschlossen sind beispielsweise:

  • zu Ostern und an Weihnachten die Börse Frankfurt in Deutschland,
  • am Memorial Day (30. Mai) und am Unabhängigkeitstag (4. Juli) in den USA die New York Stock Exchange (NYSE) und die elektronische Börse National Association of Securities Dealers Automated Quotatons (NASDAQ),
  • am zusätzlichen Neujahrstag (3.1.) und am Tag der Ehrung der Alten (19.9.) die Tokyo Stock Exchange in Japan,
  • am Nationalfeiertag (5.4.) und an Buddhas Geburtstag die Stock Exchange of Hong Kong (SEHK).

Eine langfristige Performance empfiehlt sich

Wenn die Börse einen Schritt zurückgeht, kann sie sich dennoch bald wieder zwei Schritte nach vorn bewegen. Deswegen empfiehlt es sich, langfristig zu investieren, gerade für Einsteiger und Aktienanfänger. Da kann die Weihnachtsrally, Hohoho, ein guter Auftakt sein. Aber lassen Sie den Schlussakkord, ruhig etwas später ausklingen. Sonst trauern Sie schnell „Last Christmas“ hinterher.

(Stand: 19.12.2022)


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