3 Gründe, warum Einkaufen bald teurer wird

Diese Konsequenzen hat die schlechte Laune der Unternehmen für Verbraucherinnen und Verbraucher

Bei deutschen Unternehmen herrscht laut Ifo-Index schlechte Stimmung. Die aktuelle Lage in der Industrie ist zwar generell gut – der Optimismus der deutschen Wirtschaft beim Blick in die Zukunft ist aber schon den zweiten Monat in Folge gedämpft. Viele Firmen machen sich Sorgen – und wollen deshalb bald die Preise erhöhen.

Frau beim Einkaufen im Supermarkt

Das Wichtigste in Kürze:

  • Laut Ifo-Umfrage hat sich das Geschäftsklima den zweiten Monat in Folge verschlechtert: Aktuell liegt der Geschäftsklimaindex bei 99,4 Zählern – also 1,3 Punkte tiefer als noch im Vormonat.
  • Gründe für die schlechte Stimmung sind die Angst vor einer vierten Corona-Welle, Material- und Lieferengpässe sowie ein Einbruch der Exporte nach China.
  • Die Konsequenz sind geplante Preiserhöhungen in Industrie und Einzelhandel. 

Wer sich Sorgen macht, bekommt schnell schlechte Laune – viele Menschen kennen das. Der aktuelle Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt, dass dies auch auf die Wirtschaft zutrifft. Denn schon den zweiten Monat in Folge lässt der Optimismus deutscher Firmen nach. Maß der Geschäftsklimaindex im Juni 2021 noch 101,8 Zähler, waren es im Juli 2021 nur noch 100,7 Zähler. Der August repräsentiert mit 99,4 Zählern den niedrigsten Stand seit diesem Frühjahr. Zum Vergleich: Den Tiefpunkt erreichte der Index seit Beginn der Coronakrise im April 2020 – in dem Monat maß der Index nur 75,7 Zähler.

Grafik des ifo-Geschäftsklimaindex

Die Gründe für die aktuelle Stimmung der deutschen Unternehmen sind schnell ermittelt – und vielfältig: 

Grund 1: Die Corona-Zahlen steigen wieder

Laut Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater ist es vor allem die Dienstleistungsbranche, die den Geschäftsklimaindex negativ beeinflusst: „Der Dienstleistungsbereich wird in den kommenden Monaten wieder stärker unter Corona leiden, das drückt die Stimmung erheblich.“ Zwar hatte sich die Lage im Gastgewerbe und Tourismus über den Sommer hinweg ein wenig entspannt – trotzdem rechnet die Branche aufgrund der vierten Corona-Welle weiterhin mit massiven Einbußen.

In der verarbeitenden Industrie sind es vor allem die in Folge der Corona-Pandemie verursachten Lieferengpässe, die den Unternehmen zu schaffen machen und das Geschäftsklima verschlechtern. „In der Industrie muss nach wie vor aufgeholt werden. Hier trüben in erster Linie die zahlreichen Beschränkungen in der Produktion die Stimmung“, so Dr. Kater.

Eine bestehende Sorge der Industrie: Schließen zum Beispiel Fabriken von ausländischen Zulieferern oder erkrankt die Mannschaft an Bord eines Lieferfrachters, bleiben auch hierzulande Fließbänder stehen. Auch besteht weiterhin die Gefahr, dass im Zuge der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus internationale Grenzen und zentrale Lieferwege dichtgemacht werden. Frachtschiffe können womöglich vor Ort noch ankern, das Personal darf aber weder das Schiff verlassen noch Ware abladen. 

Grund 2: Die Materialkosten explodieren

In vielen Ländern kamen Produktion und Lieferung wichtiger Vorprodukte aufgrund der angeordneten Lockdowns zum Stillstand – wenn auch zum Teil nur für kurze Zeit. Die Nachwehen sind in der Industrie allerdings noch immer spürbar, vor allem finanziell: In den vergangenen Monaten sind die Kosten für lieferbare Waren geradezu explodiert. Rund 70 Prozent der Industriebetriebe geben laut Ifo-Umfrage an, unter Engpässen bei Vorprodukten zu leiden. Besonders die Einkaufspreise von Metallen und Kunststoffen, aber auch die Preise von Halbleitern (die zum Beispiel in der Elektrotechnik benötigt werden) sind stark gestiegen.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Die Auftragsbücher vieler Unternehmen sind voll. „Auch wenn sich Produktion und Lieferung zunächst verzögern, schafft dies auf der anderen Seite noch weit bis ins nächste Jahr hinein hohe Auftragsbestände. Die Unternehmen können davon profitieren, der Hochpunkt der Konjunkturrallye dürfte im dritten Quartal erreicht werden“, teilt Dr. Kater seine Einschätzung.

Grund 3: China kauft weniger Waren in Deutschland

Nicht allen Verbraucherinnen und Verbrauchern ist bewusst, dass China aktuell einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands ist. Denn die Volksrepublik ist nach den USA die weltweit größte Abnehmerin deutscher Waren. Damit ist China für einen Großteil des deutschen Exportgeschäfts verantwortlich und für die deutsche Wirtschaft von großer Bedeutung.

Lange lief das Geschäft mit China gut – im Juli allerdings brach der Export zum ersten Mal seit knapp einem Jahr ein. Laut Statistischem Bundesamts sanken die Ausfuhren nach China um fast vier Prozent im Vergleich zum Vormonat. Dabei ist wichtig zu wissen: Das Exportvolumen beträgt mehrere Milliarden Euro im Monat. Der Einbruch stellt also ein massives finanzielles Problem für viele deutsche Unternehmen dar und beeinflusst die konjunkturelle Entwicklung. 

Welche Waren importiert China aus Deutschland?

Zu den wichtigsten Waren, die China aus Deutschland importiert, gehören Autos und Lkws (sowie deren Teile), Maschinen und chemische Erzeugnisse. China ist außerdem der weltweit größte Abnehmer von deutschem Rohholz – rund die Hälfte des deutschen Holzexports ging im vergangenen Jahr an die Volksrepublik.  

Das sind die Konsequenzen für Verbraucherinnen und Verbraucher

Ist das Angebot an Material knapp und die Nachfrage hoch, steigen die Einkaufspreise. Diese Preiserhöhungen werden an Kundinnen und Kunden weitergegeben. Das bedeutet: Für Verbraucherinnen und Verbraucher wird es teurer – in nahezu allen Bereichen. Denn laut Ifo plant jedes zweite Industrieunternehmen und jeder zweite Einzelhändler, in naher Zukunft die Preise zu erhöhen. Dazu kommt die hohe Inflationsrate. Auch sie lässt die Preise steigen.

Unternehmen beginnen zu hamstern – und treiben Preise zusätzlich in die Höhe

Ein Teil der gestiegenen Einkaufspreise ist „hausgemacht“. Aufgrund der Material- und Lieferengpässe, mit denen Firmen seit Beginn der Coronakrise zu kämpfen haben, beginnen einige Unternehmen zu „hamstern“. Das bedeutet, dass sie bestimmte Waren in großen Mengen bestellen oder aufkaufen, um ihre Lagerbestände aufzufüllen. Die Hoffnung der Unternehmen: Sollte es erneut zu Lockdowns oder Lieferverzögerungen kommen, können sie trotzdem weiter produzieren – und ihre Produkte pünktlich liefern. Der große Nachteil: Die erhöhte Nachfrage nach Vorprodukten und fehlenden Teilen führt dazu, dass die Einkaufspreise bei Zulieferern zusätzlich steigen. 

Deka-Finanz-Podcast: Mehr über die Hamsterkäufe von Unternehmen

Wie reagiert die Börse auf die schlechte Stimmung?

Auch die Börse hatte es in den vergangenen Wochen nicht leicht. Dort drücken vor allem die steigenden Inflationsraten und die rückläufigen Konjunkturindikatoren, aber auch Nachrichten aus Afghanistan und die steigenden Corona-Inzidenzwerte, auf die Stimmung. Allerdings ist die Konjunkturdynamik laut den Expertinnen und Experten der Deka Bank für das dritte Quartal aufwärtsgerichtet und die Gewinnsituation in den Unternehmen gut. Deshalb halten sich die Aktienmärkte weiterhin wacker und verbleiben in der Nähe ihrer Höchststände. 

Häufige Fragen

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist ein Index, der auf einer Umfrage des Münchener Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo basiert. Der Geschäftsklimaindex ist eine Art Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft und gilt als wichtigster Frühindikator der wirtschaftlichen Entwicklung der kommenden Monate. 

Der Ifo-Index basiert auf Umfragen, die das Wirtschaftsinstitut bei deutschen Firmen durchführt. Befragt werden rund 9.000 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel zu ihren Geschäftserwartungen. Auch Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor werden befragt. 

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist ein Index der monatlichen Geschäftslage und Geschäftserwartung und erscheint zum Ende jedes Kalendermonats.  

(Stand 09.09.2021)


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