„Grundeinkommen – durch Corona das Thema der Stunde“

Der Unternehmer, Bestseller-Autor und Aktivist Michael Bohmeyer im Sparkasse-Podcast „Reden ist Geld“

Michael Bohmeyer spricht im Podcast-Interview über seinen Kampf für das bedingungslose Grundeinkommen, warum er keine Altersvorsorge hat und wofür er Geld ausgibt. 

Unser Podcast „Reden ist Geld“

Über Geld spricht man nicht? Pah! Im Podcast "Reden ist Geld" trifft sich Nina Sonnenberg mit bekannten Personen, um mit ihnen über das Thema zu sprechen, über das selten jemand öffentlich reden will. Hier hört ihr ganz persönliche Geschichten. Können wir nicht alle von mehr Offenheit beim Thema Geld profitieren?

Zur Person

Michael Bohmeyer ist 35 Jahre alt, Vater einer Tochter, gründete mehrere Unternehmen und war im Alter von 30 Jahren mit einem Start-up finanziell so erfolgreich, dass er als Geschäftsführer ausstieg und nur noch Miteigentümer blieb. Er bekam weiterhin rund 1.000 Euro monatlich als Kapitalrendite. Nicht mehr arbeiten zu müssen und trotzdem Einkommen zu haben, veränderte sein Leben. Er gründete 2014 den Verein Mein Grundeinkommen e. V., um auch anderen Menschen dieses bedingungslose Grundeinkommen zu ermöglichen.

Ich wurde glücklicher durch das Geld, habe gesünder gelebt, bessere Beziehungen geführt – das Leben wurde intensiver.
Michael Bohmeyer

Michael Bohmeyer verschenkt Grundeinkommen mit seinem Verein

Der Verein Mein Grundeinkommen e. V. stellt die Frage, was Menschen mit 1.000 Euro tun würden, die ihnen ein Jahr lang monatlich geschenkt werden. Sie können sich dafür bewerben. Wer das Geld gewinnt, entscheidet das Los. Die Gewinner können anschließend darüber berichten, was sie mit dem Geld getan haben, müssen es aber nicht – bedingungslos eben. Über dieses spannende Soziallabor hat er ein Buch geschrieben.

Mein Grundeinkommen e. V. sammelt per Crowdfunding Geld, um es anderen Menschen zur Verfügung zu stellen. „Man hat keinen Vorteil, wenn man für unseren Verein Geld spendet. Entweder sind unsere Spender alle verrückt, oder der Mensch ist gar nicht so rational mit Geld, wie wir immer glauben, sagt er“ Fest steht für ihn: Seine Aktivisten denken sozial, glauben an gesellschaftlichen Zusammenhalt und an die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens.

Corona-Krise – Grundeinkommen wird jetzt realpolitisch

Die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen ist durch Corona wieder in den Fokus gerückt. Bohmeyer: „Das Grundeinkommen ist jetzt Realpolitik und hat seinen utopischen Charakter verloren.“ Denn viele Menschen haben durch die aktuelle Situation weniger oder gar kein Einkommen und wissen nicht, wie sie in den nächsten Monaten über die Runden kommen sollen.

Michael hält ein vorübergehendes Corona-Grundeinkommen aus Staatsreserven für eine gute Idee. „Der Staat hilft den Menschen gerade relativ unbürokratisch: Wir haben bedingungsloses Hartz IV, in Bayern eine Art Grundeinkommen für Künstler: Dinge, die vor wenigen Wochen noch undenkbar gewesen wären, werden jetzt einfach mal ausprobiert.“

In diesen Fällen handelt es sich aber um eine Nothilfe, die nichts mit dem Begriff des bedingungslosen Grundeinkommens zu tun hat, wie er es sich vorstellt und wofür er kämpft – als Mindesteinkommen, nicht als Extra-Geld.

Darüber, ob Menschen durch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens tatsächlich glücklicher leben, ist sich Michael Bohmeyer selbst nicht sicher. „Entweder ist das der Effekt des Grundeinkommens – oder es geht nur mir so“, sagt er ehrlich.

Tipp

Informationen rund um finanzielle Auswirkungen und Hilfen während der Corona-Krise finden Sie auf unserer Seite Coronavirus: Was Sparkassen-Kunden jetzt wissen müssen. Über aktuelle Entwicklungen informiert Sie unser Corona-Newsblog.

Ich arbeite heute so viel wie nie – und so glücklich wie nie.
Michael Bohmeyer

Grundeinkommen macht aktiver

Michael Bohmeyer könnte seit seinem 30. Lebensjahr im Ruhestand sein – er ist aber seitdem beschäftigt wie nie zuvor. Er vertritt die Idee, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen Menschen nicht tatenloser, sondern geschäftiger macht. So war es zumindest bei ihm. „Aus dem Müssen wird ein Wollen. Und Wollen ist eine viel größere Antriebskraft.“

Ihn hat das Geld klüger und weiser gemacht, er hatte mehr Freiheiten, um kreativ zu sein. „Ich trenne Arbeit und Privat nicht. Meine Arbeit fühlt sich an wie Lego-spielen“, sagt er. „Das habe ich früher viele Stunden gemacht und mache es jetzt mit anderen Mitteln weiter.“

Ich habe immer nach dem Lustprinzip gearbeitet.
Michael Bohmeyer

Erstes Geld, frühe Investitionen, höchste Ausgaben

Sein erstes Geld hat Michael Bohmeyer bereits als Kind verdient – im Ein-Mann-Unternehmen seines Vaters. „Ich stand an der Drehmaschine und habe richtig industrielle Arbeit gemacht.“

Seine erste Kapitalanlage waren Teile für sein ferngesteuertes Auto. Mit 16 hat er dann in Software investiert, mit der man Internetseiten bauen konnte – der Start in das Internetunternehmertum.

Das meiste Geld gibt er heute nicht für teure Hobbys aus, sondern für ganz andere Dinge: „Ich gehe dreimal am Tag essen. Das ist der größte Posten an Ausgaben, die ich habe.“ 

Altersvorsorge ist kein Thema – oder doch?

Privat vorsorgen für seine Rente tut Michael Bohmeyer bisher nicht. „Es gibt ja dann ein bedingungsloses Grundeinkommen“, sagt er über seine eigene Rentenzeit. Zumindest kämpft er dafür, dass es Realität wird. Obwohl er, wie er sagt, über das Thema Altersvorsorge nicht so sorgenvoll nachdenkt wie andere, lässt es ihn nicht kalt: „Im Ernst, das sollte ich mal machen. Das ist wichtig. Ich habe erst vor einer Woche zum ersten Mal darüber nachgedacht.“

Wie uns das bedingungslose Grundeinkommen verändert, warum die Einführung unsere Gesellschaft besser macht und welchen Arbeitsbegriff er hat, darüber spricht Michael Bohmeyer im Interview mit Nina Sonnenberg.

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