Corona und die Folgen für die Clubszene

DJ und Produzentin Anja Schneider im Sparkasse-Podcast „Reden ist Geld“

Die Clubs sind zu, die Festivals abgesagt. Für viele in der Musikbranche fällt damit das Einkommen weg. Die Wahl-Berlinerin Anja Schneider legt seit 20 Jahren Techno und Tech-House auf, hat ein eigenes Label und ist Radio-Moderatorin. Sie kennt die Szene. Im Podcast spricht sie über die Folgen der Corona-Krise vor allem für kleinere Unternehmen – und erzählt, wie sie selbst mit der aktuellen Situation umgeht.

Unser Podcast „Reden ist Geld“

Über Geld spricht man nicht? Pah! Im Podcast "Reden ist Geld" trifft sich Nina Sonnenberg mit bekannten Personen, um mit ihnen über das Thema zu sprechen, über das selten jemand öffentlich reden will. Hier hört ihr ganz persönliche Geschichten. Können wir nicht alle von mehr Offenheit beim Thema Geld profitieren?

Wie Anja Schneider die Corona-Krise betrifft

DJ Anja Schneider legte gerade in Jordanien auf, als sie den ersten Coronavirus-Fall erlebte. Danach war abends Ausgehen für die meisten vom Tisch. Mittlerweile wurden wegen der Corona-Pandemie alle ihre Gigs abgesagt. Damit fiel auf einen Schlag ein großer Teil ihres Einkommens weg.

Die Künstlerin und ihr Sohn Rio waren auf die Einnahmen angewiesen. Als Produzentin hatte sie noch ihr Label Sous Music. Doch auch dieses traf die Krise. Wie sollte es jetzt weitergehen?

Anja Schneider weiß, dass sie im Vergleich zu vielen anderen Künstlern aus der Branche noch Glück hatte. Die Moderatorin hatte zumindest ein weiteres finanzielles Standbein beim Berliner Radio-Sender Radio Eins. Hier moderiert sie einmal pro Woche die Sendung „Club Room“. Zumindest diese Sicherheit ist ihr geblieben.

Wenn ich mir die Nachrichtensituation anschaue, kann ich mir im Moment nicht vorstellen, dass ich dieses Jahr noch irgendwo in einem Club stehen werde.
Anja Schneider

Corona-Hilfen für die nächsten Monate

Obwohl die Krise so überraschend kam, reagierte Anja Schneider schnell. Sie schraubte zunächst ihre laufenden Kosten herunter. Sie sprach mit ihrem Steuerberater und konnte ihre Steuervorauszahlungen aussetzen. Ihrem Unternehmen wurde die Gewerbesteuer heruntergesetzt.

Sie fragte außerdem früh einen Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an. Doch für den KfW-Kredit war ihr Label Sous Music noch nicht lange genug am Markt. Zum Glück gab es rasch neue Möglichkeiten: Sie konnte Soforthilfe beantragen. Und tatsächlich landete der staatliche Zuschuss in Rekordzeit auf ihrem Konto.  

Dann gab's aber ja diese sehr unkomplizierte Lösung der Soforthilfe, die wirklich fantastisch funktioniert hat. Und die habe ich sofort beantragt und auch sofort bekommen.
Anja Schneider

Wie geht es jetzt weiter?

Doch was kommt, wenn die Soforthilfe in ein paar Monaten aufgebraucht ist? Darüber macht sich auch die Künstlerin Gedanken. Die Clubs sind weiterhin zu. Aufgrund der räumlichen Situation dort geht sie davon aus, dass es noch eine Weile dauern wird, bis diese wieder öffnen können.

An schlechten Tagen quälen sie wie viele Musiker und andere Künstler jetzt existenzielle Ängste. Nicht nur für sich selbst. Sie macht sich auch oft um andere Sorgen.

An guten Tagen freut sie sich hingegen manchmal, dass sie momentan nicht nachts arbeiten und nicht reisen muss. Dann atmet sie endlich mal wieder tief durch und stellt fest, dass es der Erde wahrscheinlich guttut, dass alles mal für eine Weile langsamer läuft.

Sie erledigt Dinge, die sie schon immer einmal machen wollte. In ihrer freien Zeit startet sie ihren eigenen Podcast. Sie versucht, kreativ das beste aus der schwierigen Situation zu machen. Sie lässt sich nicht unterkriegen.

Kreative Energien werden eben immer in so ganz krassen Momenten freigesetzt.
Anja Schneider

Ausblick: Folgen für die Clubbranche

Zumindest um die großen Festivals macht sich die Künstlerin aufgrund großer Sponsoring-Deals weniger Sorgen. Viele andere Veranstalter der Musikbranche stehen allerdings durch die Corona-Krise vor existentiellen Problemen. Hohe Mieten, die Gehälter für die Angestellten und weitere laufende Kosten sitzen ihnen im Nacken. Solange sie nicht öffnen dürfen, haben sie keine Einnahmen. Einige nutzen Crowdfunding, um liquide zu bleiben. Für Berlin gibt es zum Beispiel die Seite UNITED WE STREAM.

Vor allem die kleinen Unternehmen trifft es im ganzen Land. Sie haben weniger finanzielle Rücklagen und Möglichkeiten. Es wäre eine Katastrophe, wenn die kleinen Clubs schließen müssten – auch für das soziale Leben in der Stadt, findet Anja Schneider. „Wir müssen die unterstützen“, sagt sie.

Schaffen es die kleinen Unternehmen durch die schwierige Zeit, werden sie nach der Krise außerdem keine hohen Gagen zahlen können. So wird der finanzielle Ausfall voraussichtlich auch an die Selbstständigen und Freiberufler in der Branche weitergegeben werden. Nicht nur DJs werden darunter leiden.

Der Musikbranche stehen Veränderungen bevor. Wie es weitergeht, hängt von den aktuellen Entwicklungen in den kommenden Wochen und Monaten ab. Hoffentlich können die Clubs nach der Corona-Krise bald wieder aufmachen, ohne dass es gesundheitliche Risiken birgt. Dann werden Anja Schneiders Tracks wieder für gute Stimmung sorgen können.

Tipp: Weitere Informationen rund um finanzielle Auswirkungen und Hilfen während der Corona-Krise finden Sie auf unserer Seite Coronavirus: Was Sparkassen-Kunden jetzt wissen müssen. Über aktuelle Entwicklungen informiert Sie unser Corona-Newsblog.

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