Geht es 2022 endlich wieder aufwärts?

Über die Chancen und Risiken im neuen Jahr – Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka

Das zweite Corona-Jahr geht zu Ende – doch einige der alten Sorgen bleiben. Die Pandemie ist immer noch nicht überwunden, die Energie- und Lebensmittelkosten schnellen in die Höhe – und in der Folge auch die Inflationsrate. Bringt das Jahr 2022 Besserung für die deutsche Wirtschaft? Geht es bald endlich wieder aufwärts? Antworten darauf kommen von Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater.

Frau klettert Berg hoch
Dr. Kater Portrait
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Herr Dr. Kater, bald beginnt das neue Jahr. Trotzdem bleiben viele der alten Sorgen – welche Rolle wird die Pandemie im Jahr 2022 spielen?

Die jüngsten Marktreaktionen zeigen die Risiken, die nach fast zwei Jahren Corona-Pandemie immer noch aus der reinen Gesundheitskrise heraus für Wirtschaft und Finanzmärkte drohen. Es setzen jetzt mehr und mehr langfristige Gewöhnungseffekte ein: Dass nach wie vor unter Corona-Bedingungen produziert werden muss, überrascht niemanden mehr so richtig. Daher sind die wirtschaftlichen Beeinträchtigungen der fortdauernden Einschränkungen von Welle zu Welle immer schwächer geworden. Die Welt beginnt sich daran zu gewöhnen, im Winterhalbjahr stets mit Corona-Beschränkungen umgehen zu müssen.

Besonders die Energie- und Lebensmittelkosten steigen aktuell und damit auch die Inflationsrate insgesamt. Wird sich dieser Trend im neuen Jahr fortsetzen?

Die hohen Inflationsraten des Jahres 2021 in Europa und in den USA sind nicht einseitig ein Nachfrage- oder ein Angebotsproblem. Eine trotz Gesundheitskrise hohe Konsumnachfrage trifft auf ein Angebot, das coronabedingt nicht „in Normalform“ ist. Energiepreise werden durch ein höheres Angebot und die bislang milden Temperaturen erst einmal wieder etwas entlastet. Das kann sich jedoch erfahrungsgemäß auch schnell wieder ändern.

Insgesamt rechnen wir aber damit, dass sich die ungewöhnlich hohe Konsumnachfrage der vergangenen Quartale mit auslaufenden Fiskalimpulsen langsam normalisieren wird. Die Inflation geht in den kommenden Monaten spürbar zurück, wird aber an den Finanzmärkten in den kommenden Jahren ständig für Störfeuer sorgen.

Gibt es etwas, dass Anlegerinnen und Anleger jetzt schon tun können, um ihre Finanzen bestmöglich auf das Jahr 2022 vorzubereiten?

Für das Kapitalmarktsparen ist vor allem wichtig, dass der Realzins negativ bleibt – die Zinsen also nicht über die Inflationsrate hinaussteigen. Mit mehr als 10 Jahren haben wir bereits die längste Phase negativer Realzinsen hinter uns. Mit einer Anlage zu Geldmarktkonditionen ist in dieser Zeit eine Kaufkraft von 15 Prozent des Vermögens verlorengegangen. Zählen wir unsere Erwartungen für die kommenden fünf Jahre hinzu, dann erhöht sich der Kaufkraftverlust bei Geldmarktanlagen und Sparbüchern auf über 25 Prozent – Verwahrentgelte nicht eingerechnet. Das begünstigt weiterhin die Anlage in Sachwerte, allen voran Aktien.

(Stand 14.12.2021)


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