Ein Jahr Covid-19: Droht nach der Coronakrise die Staatsschuldenkrise?

Seit einem Jahr agieren Regierungen und Notenbanken in Deutschland im Ausnahmezustand

Fazit nach einem Jahr Pandemie: Alles ist anders. Deutschland ist im März 2021  im Vergleich zum Vorjahresmonat kaum noch wiederzuerkennen. Im Frühjahr 2020 begann der erste Lockdown. Gegen die wirtschaftlichen Folgen haben sich die Staaten schwer ins Zeug gelegt – und einen gigantischen Schuldenberg aufgetürmt. 

Eine Frau mit Maske steht im Bus

Covid-19-Pandemie – eine der größten Herausforderungen seit dem zweiten Weltkrieg

Seit ziemlich genau einem Jahr hält das Coronavirus die Welt und Deutschland in Atem. Für seinen Durchmarsch durch die Weltwirtschaft hat es – vom ersten Lockdown im chinesischen Wuhan Mitte Januar 2020 bis zum ersten großen Ausbruch in New York Anfang April 2020 nur gut drei Monate gedauert. „Es ist ernst“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Fernsehzuschauerinnen und -zuschauern in Deutschland am 18. März 2020 in einer ihrer seltenen TV-Ansprachen: Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg habe es keine Herausforderung für unser Land mehr gegeben, „bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt“.

Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe ziehen nach einem Jahr Bilanz

Für die Maßnahmen und die Hilfsprogramme, die Regierungen und Notenbanken seither auf den Weg gebracht haben, vergeben die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe in ihrer Publikation „Corona im Rückspiegel: Herausforderungen für Geld-und Fiskalpolitik“ rückblickend gute Noten: „Die Maßnahmen waren erfolgreich.“ Trotz des massiven wirtschaftlichen Einbruchs mussten vergleichsweise wenige Menschen akut Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Ebenso bewahrten sich viele Entscheiderinnen und Entscheider in der Industrie ihren Optimismus. Und auch in den Banken und Sparkassen hatten die Verantwortlichen soviel Zutrauen in die Stabilität der Wirtschaft, dass sie die Konjunktur nicht mit überhohen Zinsen abwürgten.

Weltweit haben sich die Staaten für ihre Corona-Hilfen allerdings teilweise erheblich verschuldet: Die USA verbuchten ein Staatsdefizit von 17,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts, Großbritannien ein Minus von 14,5 Prozent, Japan von 13,8 Prozent. Deutschland und Frankreich folgten mit leichtem Abstand.

Die Schuldenberge beunruhigen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe allerdings akut noch nicht. Sie sehen gute Chancen, dass sich die Schulden von heute mit dem Wirtschaftswachstum der Zukunft werden abbezahlen lassen. Zudem müssten die Schulden ja nicht bis zu einem bestimmten Stichtag abgetragen sein, argumentieren die Ökonomen: „Staaten sind wie Unternehmen nicht auf einen Endzeitpunkt angelegt, zu dem Schuldenfreiheit erreicht sein muss“, heißt es in dem Standpunkt. 

Videointerview

Die Corona-Pandemie fordert Regierungen wie Notenbanken weiterhin weltweit. Über notwendige wirtschaftspolitische Weichenstellungen für die Zeit nach der Pandemie diskutieren Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank und Dr. Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband.

Sorgen Staatsanleihen der Europäischen Zentralbank bald für dauerhaft höhere Preise?

Mehr Sorgen macht den Volkswirten, dass die Europäische Zentralbank weiter in großem Stil Geld in den Markt pumpt: „Jeder Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbank erhöht die Geldmenge“, erklären die Ökonominnen und Ökonomen von Sparkassen, Landesbanken und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Es baue sich ein Inflationspotenzial auf, das nur sehr schwer einzufangen ist, sollte ein Inflationsprozess in Gang kommen.

Den aktuellen Anstieg der Preise in Deutschland sehen die Expertinnen und Experten allerdings noch nicht als Richtungswechsel hin zu dauerhaft steigenden Preisen. Vielmehr spürten die Verbraucherinnen und Verbraucher an den Ladenkassen, dass die Mehrwertsteuer nach der vorübergehenden Senkung auf 16 Prozent wieder bei 19 Prozent liegt. Außerdem sorge die zum Jahreswechsel neu eingeführte CO2-Steuer für Preissteigerungen. Die wirkten, weil der Ausgangspunkt durch die Mehrwertsteuersenkung besonders niedrig liegt, nun zudem außergewöhnlich stark. 

Insgesamt rät Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, zur Besonnenheit: „Die Europäische Zentralbank sollte den Ausstieg aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik mit ruhiger Hand planen und sich nicht von vorübergehenden Zahlen treiben lassen.“

(Stand 17.03.2021)


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