Vorbild USA: Brauchen Familien in Deutschland mehr Corona-Geld von der Regierung?

Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater klärt auf

Seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr hat die US-Regierung bereits drei Finanzspritzen an die Bevölkerung verteilt. In Form von sogenannten „stimulus checks“ erhielten zum Beispiel Familien mit zwei Kindern und einem Bruttojahreslohn von weniger als umgerechnet 126.200 Euro mehrere Tausend Euro Soforthilfe. In Deutschland dagegen gab es bisher Corona-Kinderboni in Höhe von wenigen Hundert Euro. Wären die US-Maßnahmen nicht auch für Deutschland sinnvoll? Brauchen deutsche Familien überhaupt mehr Corona-Geld? Antworten darauf kommen von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka.

Zwei Schulkinder verlassen das Haus mit Maske
Dr. Kater
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

In den USA gab es jetzt die dritte Finanzspritze für die Bevölkerung seit Beginn der Corona-Krise. Eine Familie mit zwei Kindern bekam dort bisher umgerechnet an die 10.000 Euro Soforthilfe. In Deutschland gab es dagegen nur wenige Hundert Euro Corona-Kinderbonus. Gleichzeitig besitzen die Deutschen mehr gespartes Vermögen als je zuvor. Würden Finanzspritzen nach US-amerikanischem Vorbild in Deutschland überhaupt Sinn ergeben?

Man kann die Situation in den USA kaum mit der in Deutschland vergleichen. Die USA haben keine automatischen Sozialprogramme wie etwa die Kurzarbeit. Außerdem gibt es Arbeitslosenunterstützung in normalen Zeiten nur für einige Monate und danach fast gar nichts mehr. Zudem ist der Arbeitsmarkt sehr hart. Im letzten Jahr hatten vorübergehend 36 Millionen Amerikaner wegen Corona ihren Job verloren. Wenn die US-Regierung in der Pandemie gegen diese außergewöhnlichen Belastungen etwas tun will, bleibt ihr nichts anderes übrig, als jeweils befristete Notfallprogramme mit dem Parlament zu verhandeln und verabschieden zu lassen. Daher die permanenten Meldungen über immer neue Programme in den USA, die eigentlich eher Verlängerungen von bereits bestehenden Programmen sind. In Europa sind die Unterstützungen der privaten Haushalte in der Summe über die ganze Volkswirtschaft noch umfassender –­ allerdings auch wesentlich geräuschloser.

Ohnehin schon hohe Vermögen, dauerniedrige Zinsen und jetzt noch Inflation – ist es für die Deutschen eigentlich noch sinnvoll zu sparen, oder sollten sie ihr Geld lieber gleich ausgeben?

Zurzeit ist das schwer möglich – so viele Pakete könnten die Zustellerinnen und Zusteller gar nicht bewältigen. Aber auch ohne Corona ist Sparen nicht altmodisch. Zwar sind die Vermögen hoch, aber das hat ja einen Grund: Die meisten privaten Haushalte wissen, dass sie für einen gleichmäßigen Lebensstandard über das ganze Leben hinweg höhere eigene Vermögen brauchen als andere Generationen vor ihnen. Das gilt umso mehr, weil sich viele Menschen ein möglichst kurzes Arbeitsleben wünschen und gleichzeitig die offizielle Lebensarbeitszeit wegen der Alterung der Bevölkerung immer weiter ausgedehnt wird, also die Altersrente immer später beginnt.

Sie sagen, Aktiensparen sei eine gute Möglichkeit für die Deutschen, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Aber sind die Kurse nicht schon viel zu hoch, um gute Renditen erwirtschaften zu können? Nehmen wir zum Beispiel den DAX – hat der noch Luft nach oben?

Wer mit dem Argument, die Kurse seien ja schon hoch, vom Aktiensparen Abstand nimmt, wird niemals mit Aktien sparen. Als der Dax 1987, also vor mehr als 30 Jahren, gestartet ist, lag er bei 1.000 Punkten. Zehn Jahre später kletterte er zum ersten Mal über die Marke von 3.000 Punkten, Ende 1997 ging es auf über 4.200 Punkte. Wer dort durch das Argument, der Dax sei ja nun zu hoch, vom Aktienmarkt zurückgeschreckt wäre, hätte viel Rendite links liegen gelassen. Zurzeit sind die Bewertungen höher als in der Vergangenheit, aber nicht zu hoch. Die Zinsen bleiben niedrig und die Unternehmen erzeugen weiter steigende Gewinne. Der Aktienmarkt bietet weiterhin viele Chancen, aber es wird genauso sein wie in der Vergangenheit: diese Chancen gehen nach wie vor mit Kursschwankungen einher, was der Grund ist, warum Aktien nur den langfristigen Teil des Vermögens ausfüllen sollten – diesen allerdings vollständig.


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