Brexit-Deal: „Chaos bleibt uns erspart“

Großbritannien hat wichtige Ziele erreicht – doch es droht jede Menge Bürokratie

Im Januar verlassen die Briten auf einem einigermaßen geregelten Weg die Zollunion. Großbritannien und die EU haben sich auf einen Brexit-Deal geeinigt, der "No Deal" wurde verhindert. Droht jetzt das geregelte Chaos? Womit müssen deutsche Verbraucher rechnen? Wie groß fällt der Schaden für die deutsche Wirtschaft aus? Antworten von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Die Tower Bridge in London im Nebel
Brexit-Deal
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Das Handelsabkommen steht. Allerdings sind wichtige Streitpunkte wie der Status von Nordirland oder die Zusammenarbeit im Finanzsektor noch offen. Droht ab 1. Januar jetzt das geregelte Chaos?

Kaum. Zwar können die knapp 1.300 Vertragsseiten die Komplexität aller Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Briten und der Europäischen Union nicht in jedem Detail regeln. Doch sie verhindern ein Brexit-Chaos.

Die Alternative bestand in den vergangenen Tagen nicht mehr aus dem ganz großen Wurf, also einem wohlfeilen Abkommen für Handel und Dienstleistungen, sondern in einem Brexit ohne Abkommen. Und dieses Chaos bleibt uns erspart.

Womit müssen deutsche Bürgerinnen und Bürger ab 1. Januar rechnen? Ab 2021 in London zu arbeiten und zu leben, geht dann nur noch mit einem Visum.

Den Brexit-Befürwortern war die berufliche Freizügigkeit innerhalb der EU ein Dorn im Auge. Die Briten werden nun die Kontrolle darüber nutzen. Sie werden selbst entscheiden, wer ab Januar in das Vereinigte Königreich kommen kann, um zu arbeiten oder zu studieren. Die Länder erkennen die Berufs- und Studienabschlüsse gegenseitig nicht mehr automatisch an.

Wie stark sich das konkret auswirkt, wie hoch die bürokratischen Hürden sein werden, zeigt sich erst in den kommenden Monaten. In jedem Fall wird der Austausch von Humankapital geringer ausfallen. Das bringt auf beiden Seiten des Ärmelkanals gesamtwirtschaftliche Nachteile. 

Der neue Handelsvertrag legt zwar fest, dass es keine Zölle gibt – trotzdem sind Zollformulare nötig. Auch Probleme in den Lieferketten werden prognostiziert. Wie groß fällt der Schaden für die deutsche Wirtschaft aus?

Die Abschätzung ist schwierig. Bei Zöllen wären Effekte wohl noch höher, der Handel würde belastet und umgelenkt. Allerdings sieht das neue Handelsabkommen Grenzkontrollen vor. Die Regelungen verursachen deutlich mehr Bürokratieaufwand.

Gemäß der sogenannten Ursprungsregel muss ein Unternehmen nachweisen, dass mindestens 60 Prozent des Gutes, das über die Grenze soll, im eigenen Land angefertigt wurde. Das bedeutet: Der Warentransfer wird künftig weniger effizient ablaufen. Unternehmen werden sich daran gewöhnen müssen – aber auch können.


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