Wie Emily Casey im Schlafzimmer einen Trend erfand, der um die ganze Welt geht

Über die Erfinderin des Bier-Yogas

Emily Casey wollte nur kurz Berlin besuchen. Dann hatte sie dort zusammen mit ihrer Freundin eine Idee, die ihr Leben veränderte: Bier-Yoga. Die Australierin weigert sich jedoch, mit diesem Welterfolg reich zu werden. Ihr Herz hängt an einer anderen Sache.

Emily Casey wusste sofort, dass es ein bisschen schräg war, was sie da gerade erfunden hatten. Bier-Yoga. So etwas Unerhörtes.

 

Mit einer Freundin saß sie im Schlafzimmer. Die beiden Yoga-Lehrerinnen alberten herum. Ein paar Biere hatten sie schon getrunken und irgendwann probierten sie aus, welche Yogaposen bei gleichzeitigem Halten der Flasche noch möglich sind. Dieser kurzweilige Moment, den zwei gute Freundinnen teilten, war die Geburtsstunde der weltweit vielleicht angesagtesten Yoga-Variante. Überall bieten Studios mittlerweile Kurse an, bei denen Bier im Spiel ist. Zwei Flaschen reichen, wenn man trinkfest ist. Niemand hat je einen Kurs unglücklich verlassen, sagt Casey und lacht.

 

Die Australierin mit Wohnsitz in Berlin und ihre Freundin können sich als Erfinderinnen des Bier-Yogas bezeichnen. Warum diese Sache seit zwei Jahren so steil geht? „Es ist einfach eine so ungeheuerliche Idee“, sagt die 29-Jährige. Das sakrale Konzept des Yogas mit so einer lustvollen Sache wie Bier zu verbinden - Menschen werden geradezu dazu gezwungen, es gut oder schlecht zu finden. Nahezu jedes großes Medium hat schon darüber berichtet, darunter BBC, vice magazine und Vogue. Die Idee war einfach zu krass, um sie zu ignorieren.

Mit Bier-Yoga will sie nicht reich werden

Als Bier-Yoga-Dozentin wird Casey an Orte in der ganzen Welt eingeladen. Sie könnte viel Geld mit dieser Idee verdienen. „Aber das ist keine Priorität für mich“, sagt sie.

Zu ihrem  Hauptberuf hat sie Bier-Yoga nie gemacht. Ihr Ein und Alles ist  ihr erstes eigenes Start-up namens Femna, das sie vor einem Jahr  gegründet hat. Dort verkauft sie pflanzliche Produkte für Frauen mit Beschwerden in verschiedenen Lebensphasen und –situationen. Sie helfen ihnen etwa während der Schwangerschaft, der Wechseljahre aber auch bei Regelbeschwerden.

Die Erfinderin des Bier-Yogas
Als Bier-Yoga-Dozentin wird Casey an Orte in der ganzen Welt eingeladen. Sie könnte viel Geld mit dieser Idee verdienen. „Aber das ist keine Priorität für mich“, sagt sie.

 

Bier-Yoga, das war eher so etwas wie ein Nebenprodukt ihrer Biographie. Denn von allen Menschen bringt sie vielleicht auch die besten Voraussetzungen für eine Idee wie diese mit. „Mein Lebenslauf verläuft so querbeet. Wenn sich das ein Personaler ansieht, denkt er sicherlich: ‚Was ist in ihrem Leben falsch gelaufen‘“, sagt Casey. Sie besitzt einen Uni-Abschluss in Internationalem Handel. Sie hat ein Start-up für DJ-Vermittlungen geführt, in Paris studiert,  im Oman gelebt, im Iran für ein weiteres Start-up gearbeitet und in Indien eine Yoga-Ausbildung gemacht.

 

„Ich hatte so viele unterschiedliche Erfahrungen, die nicht aufeinander aufbauen. Aber zusammengenommen ergeben sie mega-viel Sinn“, sagt Casey. Das DJ-Start-up in Melbourne, zum Beispiel, hatte zu Beginn vier Angestellte. Kurz bevor sie es verließ, waren es 19. „Dort habe ich ein Team zusammengestellt und gemanaged. Und jetzt weiß ich, wie man Mitarbeiter einstellt.“ In Australien lernte sie auch, Menschen davon zu überzeugen, Casey Geld für die Umsetzung ihrer Ideen zu geben. Nun weiß sie, wie sie Investoren für ihre Firmen ansprechen muss.

An diesem Tag dachte Casey über ihre Zukunft nach

Casey hatte nie eine Vorstellung davon, wie ihr Leben einmal aussehen müsste. „Ich vertraue einfach auf mich. Ich mache, was sich richtig anfühlt.“ Vor zwei Jahren besuchte sie ihre Freundin in Berlin, die sie aus Indien kannte. „Ich wollte nur kurz vorbeischauen und dann wurde im Haus plötzlich ein Zimmer frei“, sagt sie. Aus dem Kurztrip sind schon mehr als zwei Jahre geworden.

 

Casey kann sich noch gut daran erinnern, als sie zum ersten Mal überhaupt etwas weiter in die Zukunft blickte. „Als ich den Vertrag meines jetzigen Start-ups mit meiner Geschäftspartnerin unterschrieben habe, dachte ich: Jetzt bin ich erwachsen.“ Wenn sie überlegt, wie ihr Leben in 25 Jahren aussehen könnte, kommt sie auf diese Antwort: „Mein Geschäft wird größer sein. Das ist eine Konstante. Es fühlt sich wie eine Beziehung an, oder wie eine Ehe. Viel Emotionen und Geld sind involviert“, sagt Casey, die von der Berliner Sparkasse beraten wird.

 

Emily Casey wohnt mit 25 Menschen in einem Haus im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Diese Situation findet sie toll. Etwas Besseres als in einer Gemeinschaft eingebettet zu sein, kann sie sich nicht vorstellen. „Ich könnte diesen Gedanken später – im Alter – beibehalten, vielleicht auch in einem anderen Land, vielleicht auch als Mehrgenerationen-Gemeinschaft.“ Dazu kann sie sich eine Immobilie als Altersvorsorge vorstellen. Das könnte ein Apartment sein, vielleicht auch ein Haus. „Ich will nichts ausschließen“, sagt sie. Nur bei der Entscheidungsfindung wird sie so vorgehen wie immer: „Ich folge meiner Intuition.“