Corona: Impfen und warmes Wetter stoppen dritte Welle nicht

Lockdown bis 18. April verlängert – mit spürbaren Konsequenzen für die Wirtschaft

Die Corona-Pandemie hat Deutschland weiterhin fest im Griff. Forscher rechnen damit, dass die dritte Welle noch härter ausfallen wird. Hauptgrund dafür ist die Virus-Mutation B.1.1.7. Der von Bundes- und Landesregierungen verlängerte Lockdown soll die dritte Welle brechen – hat aber auch deutliche Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Menschen in der U-Bahn mit Maske

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Infektionslage in Deutschland verschlechtert sich rasant.
  • Forscher rechnen damit, dass die dritte Welle noch härter ausfallen wird als die zweite Ende 2020.
  • Hauptgrund ist die Coronavirus-Mutation B.1.1.7, die auch junge Menschen gefährdet.
  • Der nun von Bundes- und Landesregierungen verlängerte Lockdown soll die Auswirkungen der dritten Welle abmildern.
  • Er hat aber auch Konsequenzen für die Unternehmen – vor allem für Geschäfte, Restaurants, Theater und Kulturschaffende.

Hauptgrund Corona-Mutation B.1.1.7

Die Corona-Pandemie scheint in Deutschland nicht das ersehnte Ende zu finden. In der zweiten Märzhälfte steckten sich knapp 60 Prozent mehr Menschen mit dem Coronavirus an als noch zu Beginn des Monats. Das Robert Koch-Institut gab die Sieben-Tage-Inzidenz (die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche) am 22. März mit mehr als 107 an. Das ist der höchste Stand seit Ende Januar. 14 Tage zuvor betrug die Inzidenz noch 68.

Corona-Forscher von der Technischen Universität Berlin und wissenschaftliche Berater der Regierung bezeichnen die Lage in der Pandemie als dramatisch: In einer Studie, die sie am 22. März auf dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern vorstellten, heißt es: „Unsere Simulationen zeigen, dass selbst mit den Restriktionen vom Januar die dritte Welle höhere Inzidenzen aufweisen wird als die zweite.“

Hauptgrund für die zu erwartenden weiter ansteigenden Inzidenzwerte in der dritten Welle sei die Ausbreitung der Corona-Mutation B.1.1.7 in Deutschland. Laut den Forschern ist sie deutlich ansteckender als der bisherige Typ des Virus. Daher reichten die aktuellen Maßnahmen nicht aus, um sie effektiv zu bekämpfen. Epidemiologen zufolge sind auch noch nicht genügend Menschen in Deutschland geimpft, um die dritte Welle abzuwenden. Auch das wärmer werdende Wetter könne im Gegensatz zum Vorjahr die schnelle Verbreitung des Virus nicht verhindern oder zumindest eindämmen.

Infektionsumfeld noch immer nicht gesichert identifiziert

Dabei ist das Ansteckungsrisiko nicht überall gleich hoch. Aber noch immer ist nicht nachgewiesen, wo sich die Menschen am häufigsten infizieren. Das herauszufinden ist Aufgabe der Gesundheitsämter. Sie sind aber aufgrund der seit einem Jahr ohnehin deutlich gestiegenen Belastungen überfordert.

Einmal pro Woche veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI) die Ansteckungsorte, die Menschen angeben, die positiv auf Corona getestet wurden, das sogenannte Infektionsumfeld. In den vergangenen Monaten waren das hauptsächlich die privaten Haushalte, gefolgt von Alten- und Pflegeheimen sowie Arbeitsplätzen. Kindergärten und Schulen gehören nicht zu den meist genannten Orten.

Aber die Definition der kritischsten Infektionsumfelder ist auch deswegen schwierig, weil laut RKI nur bei etwa 20 Prozent der gemeldeten Fälle überhaupt ein (wahrscheinlicher) Infektionsort ermittelt werden kann. Das heißt: In 80 Prozent aller Fälle ist das unbekannt. Um einen belastbaren Überblick zu bekommen, braucht es wissenschaftliche Studien. Das RKI hat zwar eine solche Untersuchung in Auftrag gegeben. Aber mit den Ergebnissen ist erst in den kommenden Monaten zu rechnen.

Auswirkung der Lockdown-Verlängerung auf die Wirtschaft

Angesichts der anhaltenden Krise hat der Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seine Konjunkturprognose für 2021 nach unten korrigiert: Die dritte Infektionswelle und die damit verbundenen Einschränkungen im öffentlichen Leben verzögerten die wirtschaftliche Erholung, teilte er Mitte März mit.

Der Rat, der auch „die Wirtschaftsweisen“ genannt wird, rechnet für 2021 nunmehr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,1 Prozent. Im vergangenen Herbst waren die Wirtschaftsweisen noch von 3,7 Prozent ausgegangen. Für das erste Vierteljahr 2021 erwarten sie angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen und den damit verbundenen Einschränkungen sogar einen Rückgang um 2,0 Prozent.


Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute für 2021

Infografik: Grafik mit BIP-Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute

„Wir brauchen Vorwärtssignale“

Der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Uwe Burkert sieht die aktuelle Lage ebenfalls kritisch. Er macht für die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft aber vor allem die Politik verantwortlich – und fordert mehr Gestaltungswillen.

Dr. Kater
3 Fragen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Dritten Welle an
Uwe Burkert
Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Herr Burkert, welche Folgen haben die dritte Welle und die damit verbundene Verlängerung des Lockdowns für die Wirtschaft?

Wir können eine deutliche, beziehungsweise nochmalige Stimmungsverschlechterung in der Bevölkerung ausmachen. Sie verstärkt sowohl die Konsum- als auch die Investitionsrückhaltung. Da eine konkrete Öffnungsperspektive fehlt, halten sich sowohl die Menschen als auch die Unternehmen mit ihren Ausgaben weiter zurück. Das heißt, die Aufholjagd in der Wirtschaft, um die Minusrekorde des vergangenen Jahres aufzuholen, verschiebt sich noch weiter nach hinten. Gleichzeitig nimmt die Staatsverschuldung weiter zu.

Welche Alternativen würden Sie sich zu den aktuellen Maßnahmen der Bundes- und Landesregierungen wünschen?

Wir brauchen dringend Vorwärtssignale: Alle Impfdosen, auch die von AstraZeneca, sollten schleunigst an eine möglichst breite Masse in der Bevölkerung verimpft werden. Das Gesundheitssystem, vor allem die Intensivstationen, müssen deutlich mehr gestärkt werden. Wo sind die Behelfskliniken für Corona-Infizierte, die im vergangenen Jahr etwa in Messehallen aufgemacht worden waren? Die benötigen wir jetzt! Weitaus mehr als eine Verlängerung des Lockdowns. Die Ankündigung, Geschäfte, Restaurants und Theater noch später zu öffnen, ist in meinen Augen nicht die politische Gestaltung, die wir jetzt so dringend brauchen.

Wie sieht zurzeit Ihre Prognose für die deutsche Wirtschaft bis zum Jahresende aus?

Es war richtig von den Wirtschaftsweisen, ihre Konjunkturprognose nach unten zu korrigieren. Doch ich halte die 3,1 Prozent, die sie nun voraussagen, noch für zu optimistisch. Wir Volkswirte der Landesbank Baden-Württemberg gehen nunmehr von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes im Gesamtjahr 2021 von 2,5 Prozent aus. Deutschlands Vorteil ist, dass wir als Exportnation von der deutlich zunehmenden Nachfrage nach unseren Produkten in China und den USA profitieren. Aber unsere Binnennachfrage liegt brach, solange die Situation bei uns so ausweglos ist.

(Stand 25.03.2021)


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