Geht uns jetzt das Öl aus?

Warum der Kampf ums Öl aktueller ist denn je

Jeden Monat neu: Drei Fragen zu Geld, drei Antworten. Im September wurde die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien, dem bedeutendsten Exportland für Rohöl, mit Drohnen angegriffen. Danach stieg der Ölpreis so stark wie seit mehr als 28 Jahren nicht mehr. Geht uns jetzt das Öl aus? Kommt den USA der Preisauftrieb zupass? Hängt die Weltwirtschaft für immer am Öl-Tropf? Wir fragen Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka.

3 Fragen zu Geld
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka
3 Fragen zu Geld

Der Ölpreis schoss unmittelbar nach dem Angriff in die Höhe: Das Barrel der Sorte Brent Crude kostete plötzlich zwölf Prozent mehr. Gleichzeitig verbieten die Iran-Sanktionen, auch nur ein Fass Öl aus dem Iran zu importieren. Herr Dr. Kater: Geht uns jetzt das Öl aus?

Richtig ist: Derzeit fällt fast die Hälfte der täglichen Ölfördermenge Saudi-Arabiens aus. Das entspricht immerhin rund fünf Prozent des weltweiten Ölangebots.

Der Drohnenangriff trifft den globalen Ölmarkt aber zu einer Zeit, in der dieser eher zum Überangebot neigt. Es gibt also Rohöl im Überfluss. Die kommerziellen Lagerbestände sind recht hoch. Trotz der saudischen Produktionsausfälle wird daher kein Land gezwungen sein, die strategischen Ölreserven anzapfen. Ein Versorgungsengpass ist nicht absehbar.

Allerdings führt der Angriff den Märkten das geopolitische Risiko im für die Ölproduktion so wichtigen Nahen Osten vor Augen. Daher könnte der Ölpreis für längere Zeit durch eine spürbare Risikoprämie erhöht bleiben.

Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank
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Die USA haben es dank der Fracking-Technologie zu einem der größten Ölproduzenten der Welt gebracht. Mit rund 12,5 Millionen Barrel Fördermenge Öl pro Tag überholten sie sogar Saudi-Arabien. Kommt dem Land der ausgelöste Preisauftrieb zupass?

Da die USA ihr Öl trotz der rasant steigenden eigenen Förderung nur zu einem sehr geringen Anteil exportieren und weitgehend selbst verbrauchen, dürften starke Ölpreisanstiege nicht im vornehmlichen Interesse des Landes liegen – erst recht nicht, wenn das Präsidentschaftswahljahr 2020 näher rückt.

Die US-Bürger sind sehr sensibel, was steigende Öl-  oder Benzinpreise angeht. Die US-Fracking-Firmen brauchen inzwischen nur noch ein Ölpreisniveau im Bereich von 50 bis 55 US-Dollar, um wirtschaftlich Öl fördern zu können. Dieses kritische Preisniveau haben sie auch schon längere Zeit vor dem Drohnenanschlag in Saudi-Arabien erreicht.

3 Fragen zu Geld

Trotz Klimakrise: Der Ölverbrauch steigt weiter. Seit 1968 erhöhte sich der weltweite Erdölverbrauch um 160 Prozent. Bis 2050 wird der Bedarf laut einer Prognose der US-Energiebehörde EIA um weitere 22,3 Prozent zulegen. Hängt die Weltwirtschaft für immer am Öl-Tropf?

Der weltweite Verbrauch von Primärenergie, also Kohle, Öl und Erdgas, steigt weiterhin – und die Bedeutung von Erdöl als Energieträger nimmt kaum ab. Weltweit stammt noch immer rund ein Drittel der verbrauchten Primärenergie vom fossilen Brennstoff Erdöl.

Wie sich diese Abhängigkeit in Zukunft entwickelt, wird in erster Linie davon abhängen, wie schnell, in welchem Umfang und zu welchen Kosten wir nachhaltige Alternativen finden, fördern und verwenden.

Die Vergangenheit zeigt uns zwei Dinge: zum einen, dass die Rohölvorräte der Erde noch längst nicht erschöpft sind. Zum anderen, dass im Lauf der Zeit viel weniger Rohöl benötigt wird, um mehr zusätzlichen Wohlstand für die Weltbevölkerung zu schaffen. Mit dieser abnehmenden so genannten Energieintensität wird die Abhängigkeit vom Rohöl zwar geringer – aber das ist ein langsamer Prozess.

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