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Zolldeal zwischen EU und USA auf Eis gelegt: Was jetzt droht

Wegen Grönland
US-Präsident Donald Trump will Grönland den USA angliedern. Deutschland und anderen Staaten hat er deswegen mit Zöllen gedroht. Der Handelskonflikt flammt damit wieder voll auf. Was das für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen bedeutet und wie es zu dieser Eskalation kam.
Das Wichtigste in Kürze:
  • US-Präsident Trump hat mit noch höheren Zöllen gedroht und erklärt, er fühle sich nicht länger dem Frieden verpflichtet.

  • Der im Sommer 2025 vereinbarte Zolldeal wird vom EU-Parlament daher voraussichtlich abgelehnt.

  • Die EU erwägt den Einsatz ihrer "Handels-Bazooka" – ein Instrument gegen wirtschaftliche Nötigung, das Vergeltungszölle ermöglicht.

  • Für deutsche Exporteure könnte die Lage noch deutlich schwieriger werden. Branchenverbände warnen vor massiven Schäden.

Vom Deal zur Drohung: Was ist passiert?

Noch im Sommer vergangenen Jahres schien eine Lösung gefunden: Die EU und die USA einigten sich auf einen Kompromiss, der einen drohenden Handelskrieg abwenden sollte. Doch dieser Deal kommt nun nicht zustande. Stattdessen stehen neue Zölle zur Debatte.

Der ursprüngliche Deal sah vor:

  • Die EU akzeptiert US-Zölle von 15 Prozent auf die meisten europäischen Waren
  • Im Gegenzug sollte die EU ihre eigenen Zölle auf US-Waren deutlich senken
  • Die EU versprach, bis zum Ende von Trumps Amtszeit US-Energie im Wert von 750 Milliarden US-Dollar zu kaufen
  • Europäische Unternehmen sollten rund 600 Milliarden US-Dollar in den USA investieren

Trump droht mit mehr Zöllen

Das Problem: Diese Zusagen mussten noch vom EU-Parlament und dem Rat der Europäischen Union genehmigt werden. Und genau dort formiert sich nun massiver Widerstand. Die größten Fraktionen im EU-Parlament – darunter die Europäische Volkspartei (EVP) – haben bereits erklärt, dem Abkommen vorerst nicht zustimmen zu wollen. Die Abstimmung ist für Ende Januar angesetzt.

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Preisaufschlag erheben die USA auf die meisten Waren aus der EU. Nun könnten es noch mehr werden.

Verschärft wurde die Situation durch neue Drohungen von US-Präsident Donald Trump. Er schrieb am 17. Januar, er werde gegen eine Reihe europäischer Länder zum 1. Februar zusätzliche Zölle in Höhe von 10 Prozent erlassen. Ab Juni würden sie auf 25 Prozent steigen, sollte Grönland bis dahin nicht den USA gehören. Die mit den Drohungen belegten Länder hatten auf Bitten Dänemarks, zu dem Grönland gehört, für wenige Tage eine kleine Gruppe Soldaten auf die Arktisinsel geschickt. Dazu gehört auch Deutschland.

Trump erklärte dem norwegischen Premierminister in einem Brief, er fühle sich nicht länger dem Frieden verpflichtet. Mit dieser Rhetorik und den angekündigten Maßnahmen will er erreichen, dass Grönland den USA angegliedert wird.

Europas "Handels-Bazooka": Was kann die EU tun?

Die europäischen Staaten wollen die neuen Drohungen nicht hinnehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine europäischen Kolleginnen und Kollegen kündigten am Sonntag, 18. Januar 2026, eine gemeinsame Reaktion an. Dafür gibt es verschiedene Optionen.

Im vergangenen Jahr, während eines früheren Zollkonflikts, hatte die EU bereits Vergeltungszölle auf US-Importe im Wert von rund 93 Milliarden Euro vorbereitet. Diese wurden Anfang August nach der Einigung mit den USA für sechs Monate ausgesetzt.

Wenn die EU-Kommission diese Aussetzung nun nicht verlängert, würden die bereits beschlossenen Maßnahmen Anfang Februar automatisch in Kraft treten, ohne dass es einer neuen Entscheidung bedarf.

Einschätzung
So reagieren die Aktienmärkte

"Die aktuelle Situation ist brisant, und eine etwaige Eskalation wäre gefährlich für die Kapitalmärkte. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr führen bereits jetzt zu Gewöhnungseffekten, verbunden mit Besonnenheit. Denn es besteht die berechtigte Annahme, dass am Ende eine Verhandlungslösung steht.

Bemerkenswert ist, dass die US-Aktienfutures in ähnlichem Ausmaß reagieren wie die europäischen Aktienmärkte. Denn bei einer Eskalation im Zollstreit würde sich die Zoll-Waffe zunehmend gegen die heimische Wirtschaft und deren Konsumenten richten.

Bis zum 1. Februar dürfte fiebrig verhandelt werden. Das Weltwirtschaftsforum in Davos bietet die passende Bühne, und die Kapitalmärkte müssen sich auf eine hohe Taktung an Schlagzeilen einstellen.

Anlegerinnen und Anleger sollten die aktuelle Phase nutzen, um ihre Aktienpositionen gut diversifiziert aufzustellen. Trotz der aktuellen Entwicklungen bleibt der US-Aktienmarkt zentral im Portfolio. Europa, Japan und Emerging Markets sollten aber eine deutlichere Berücksichtigung finden."

Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der DekaBank

Das Anti-Coercion Instrument (ACI)

Ein anderes Mittel ist das Anti-Coercion-Instrument, mit dem sich die EU gegen wirtschaftliche Erpressung wehren kann. Dieses Instrument, auch "Handels-Bazooka" genannt, kann eingesetzt werden, wenn ein Drittland versucht, die EU oder einen ihrer Mitgliedstaaten durch Handelsmaßnahmen wie Zölle zu einer bestimmten Entscheidung zu zwingen.

Frankreich hat bereits signalisiert, die Aktivierung dieses Instruments beantragen zu wollen.

Was die EU damit machen könnte

  • Vergeltungszölle: Die EU könnte Zölle auf den Import von US-Waren erheben
  • Ausschluss von öffentlichen Aufträgen: US-Unternehmen könnten von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden
  • Ein- und Ausfuhrbeschränkungen: Für bestimmte Produkte könnten Handelsbarrieren errichtet werden

Laut der entsprechenden EU-Verordnung sind solche Gegenmaßnahmen nur als letztes Mittel gedacht und müssen verhältnismäßig sein. Das vorrangige Ziel ist die Abschreckung.

Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft

Die Branchenverbände schlagen Alarm. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt vor spürbaren zusätzlichen Einschnitten. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier erklärte, der Einbruch der deutschen Exporte in die USA um fast 10 Prozent im Jahr 2025 wäre damit nur der Anfang.

Besonders betroffen:

  • Maschinen- und Anlagenbau: Dem deutschen Maschinenbauverband VDMA zufolge ist dieser Sektor bereits jetzt überdurchschnittlich stark betroffen, weil viele Produkte unter die Sonderzölle auf Stahl und Aluminium von 50 Prozent fallen.
  • Automobilindustrie: Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt vor enormen Kosten durch zusätzliche Zölle für die deutsche und europäische Industrie.

Was sind Zölle überhaupt?

Zölle sind im Grunde Steuern auf Waren, die über Ländergrenzen hinweg gehandelt werden. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel Waren aus Deutschland in die USA verkauft, muss es an der Grenze einen bestimmten Geldbetrag an den amerikanischen Staat zahlen – den Zoll. Dieser Zoll macht die importierten Waren teurer.

Warum gibt es Zölle?

Zölle erfüllen zwei Hauptfunktionen:

  1. Schutzfunktion: Sie sollen heimische Unternehmen vor ausländischer Konkurrenz schützen. Wenn ein Produkt aus dem Ausland durch Zölle teurer wird, kaufen die Menschen eher die inländische Alternative.
  2. Einnahmequelle: Zölle bringen dem Staat Geld. Früher waren sie sogar eine der wichtigsten Einnahmequellen von Regierungen. In den vergangenen Jahrzehnten sind sie durch Freihandelsabkommen und andere Vereinbarungen tendenziell gesunken.

Zölle sind dabei der Standard – zumindest, solange es keine Freihandelsabkommen zwischen dem Ein- und Ausfuhrland gibt. Auch die EU erhebt Zölle, insbesondere für landwirtschaftliche Produkte. Laut der Welthandelsorganisation beträgt der durchschnittliche Zoll, den die EU erhebt, 5 Prozent, auf Agrarprodukte knapp 11 Prozent.

Deutschland nahm 2024 Zölle in Höhe von 5,5 Milliarden Euro ein. Auf den Internetseiten der EU sind die genauen Zollhöhen für jedes Produkt und jedes Zielland aufgeführt.

USA führten bereits im April 2025 Zölle ein

Die USA haben schon im April 2025 Zölle auf fast alle Importe aus der ganzen Welt erlassen. So galt seit dem 4. April 2025 für alle Länder ein Zoll von 10 Prozent, für viele auch deutlich höhere, die später in Verhandlungen teilweise gesenkt wurden.

Diese Zölle wurden verhängt:

  • mindestens 10 Prozent Zoll für alle Länder
  • 30 Prozent auf chinesische Einfuhren
  • 25 Prozent Zoll auf Autos, die nicht in den USA hergestellt wurden (sollte laut dem gescheiterten Deal auf 15 Prozent für europäische Autos gesenkt werden)
  • 50 Prozent Zoll auf alle Stahl-, Aluminium- und Kupferimporte weltweit
  • 30 Prozent Zoll auf in Mexiko hergestellte Produkte, die nicht unter das Freihandelsabkommen USMCA fallen
  • 35 Prozent Zoll auf in Kanada hergestellte Produkte, die nicht unter das Freihandelsabkommen USMCA fallen

Mit substanziellen Gegenzöllen hatte vor allem China geantwortet. Daraufhin überzogen sich beide Länder innerhalb weniger Tage mit immer höheren Zollsätzen, die die Einfuhrpreise zeitweise mehr als verdoppelten.

Beispiel China: Wenn ein chinesisches Unternehmen eine Ware im Wert von 100 US-Dollar in die USA einführen wollte, musste es zeitweilig 145 US-Dollar an die US-amerikanische Zollbehörde abführen. Der Verkauf lohnte sich also nur, wenn der US-Kunde bereit war, einen erheblichen Preisaufschlag zu zahlen. Gab das chinesische Unternehmen den Zoll komplett an den Kunden weiter, kostete das Produkt den Importeur 245 US-Dollar statt 100.

Entspannung brachten später Verhandlungen mit vorläufig niedrigeren Zollsätzen.

Zölle hoch wie selten zuvor

Die durchschnittlichen Zollsätze in den USA sind so hoch wie selten zuvor. Mit den Strafzöllen lagen die durchschnittlichen Zölle auf Importwaren bei mehr als 40 Prozent. Aber auch nachdem sich die USA unter anderem mit China, Großbritannien und teilweise mit der EU auf Handelserleichterungen geeinigt hatten, liegen die durchschnittlichen Zölle laut Daten der Universität Yale noch immer bei etwa 17 Prozent.

Zum Vergleich: Während der Großen Depression Anfang der 1930er Jahre lagen die Zölle bei etwa 20 Prozent. Bis in die 2010er Jahre waren sie auf 2 bis 3 Prozent gefallen.

Trumps Begründung: Die Handelsbilanz

Als Begründung für die Zölle führt Trump immer wieder die vermeintlich unausgeglichene Handelsbilanz an. Die USA importieren aus vielen Ländern mehr Waren, als sie dorthin verkaufen. Das trifft vor allem auf Deutschland zu.

Allerdings sind in dieser Rechnung Dienstleistungen nicht enthalten. Von denen wiederum kaufen deutsche Unternehmen und Verbraucher sehr viele in den USA ein, meist in Form digitaler Dienste wie Streaming und Social Media.

Zölle als politisches Druckmittel

Vor allem aber verknüpft US-Präsident Trump die Zölle mit verschiedenen politischen Forderungen:

  • Mexiko soll mehr gegen Drogenkriminalität und Zuwanderung in die USA tun
  • China soll gezwungen werden, Handelsbarrieren zu senken
  • Die EU-Staaten sollen mehr Rüstungsgüter aus den USA kaufen
  • Die Europäer sollen auf die Kontrolle von Datenströmen, auf kartellrechtliche Maßnahmen gegen große US-IT-Konzerne sowie auf eine globale Mindeststeuer für multinationale Unternehmen verzichten
  • Neuerdings soll die EU einer Annexion Grönlands durch die USA zustimmen

Diese Vorgehensweise ist ein deutlicher Bruch mit der Globalisierungspolitik der letzten Jahrzehnte und der Beginn einer neuen Weltwirtschaftsordnung.

Steuereinnahmen steigen rasant

Die USA steigerten Ihre Zolleinnahmen allein im Jahr 2025 auf 264 Milliarden US-Dollar, wie aus Daten des US-Finanzministeriums hervorgeht. Das entspricht etwa 750 Euro pro Einwohner.

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nahmen die USA 2025 an Zöllen ein. 

Zum Vergleich: 2024 hatten die USA für alle staatlichen Aufgaben etwa 6.750 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Die Zölle spielen damit bislang weiter nur eine geringe Rolle für die Finanzierung des US-Haushalts.

Wie wirken sich Zölle aus?

Auf den ersten Blick scheinen Zölle einfach: Ein Land erhebt eine Abgabe auf Importe, und schon läuft die Wirtschaft besser, weil heimische Produkte attraktiver werden. Doch so simpel ist es nicht. Zölle haben oft ungewollte Nebenwirkungen.

·       Höhere Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher: Unternehmen, die Zölle zahlen müssen, geben diese Kosten meist an die Kunden weiter. Das heißt: Produkte aus dem Ausland werden im Laden teurer – von Autos über Bücher bis zu Lebensmitteln. Es gibt nicht viele Waren, die vollständig in Deutschland oder einem einzigen anderen Land produziert werden.

·       Risiko von Handelskriegen: Wenn ein Land Zölle erhebt, reagiert das betroffene Land oft mit eigenen Zöllen. So entsteht ein wirtschaftlicher Schlagabtausch, ein sogenannter Handelskrieg. Das kann für beide Seiten schädlich sein.

Wer zahlt die Zeche?

Zwar erhebt der Staat den Zoll von Unternehmen, aber am Ende zahlen die Bürgerinnen und Bürger. Importierende Firmen schlagen die Zollkosten auf den Preis auf, sodass Produkte im Supermarkt, im Möbelhaus oder beim Autohändler teurer werden. Besonders betroffen sind Branchen, die stark auf internationale Lieferketten angewiesen sind – von Elektronik über Maschinenbau bis hin zu Lebensmitteln.

Zölle sorgen dafür, dass nicht mehr dort produziert wird, wo es am kosteneffizientesten wäre. Diese Ineffizienz senkt letztlich die Kaufkraft aller betroffenen Bürgerinnen und Bürger.

Auch für die Importeure sowie alle angebundenen Unternehmen (zum Beispiel Spediteure, Marketing und Endkundenhändler) im Inland fällt mit den Zöllen häufig ein Teil des Geschäfts weg.

Eine Studie des Kiel Institut für Weltwirtschaft zeigt, dass dies auch der Fall mit den US-Zöllen ist. Ihren Daten zufolge, wurden 96 Prozent der Zollkosten von die US-amerikanischen Konsumenten getragen: teils in Form höherer Preise, teils in Form gesunkener Importmengen. Die exportierenden Unternehmen senkten die Exportpreise nur in den wenigsten Fällen.

Zoll-Beispiel: Ein deutscher SUV für den US-Markt

Ein Beispiel hilft zu verstehen, wann die Zölle anfallen und wie sie sich auf den Endkundenpreis auswirken. Ein deutscher Automobilhersteller – etwa BMW, Mercedes-Benz oder Audi – produziert einen SUV in Deutschland, der für den amerikanischen Markt bestimmt ist. Der Nettopreis für den Händler in den USA liegt bei 40.000 Euro.

Ohne Zoll:

  • Der US-Importeur zahlt dem deutschen Hersteller 40.000 Euro
  • Transport, Versicherung, Homologierung (Zulassungskosten) und Logistik kosten weitere 3.000 Euro
  • Mit einer Vertriebsmarge von 7.000 Euro ergibt sich:
  • Verkaufspreis in den USA: 50.000 Euro

Mit 25 Prozent US-Zoll (aktuelle Lage, da der Deal gescheitert ist):

  • Die USA erheben 25 % Zoll auf den Fahrzeugwert: 25 % von 40.000 Euro = 10.000 Euro
  • Neue Importkosten: 40.000 + 10.000 (Zoll) + 3.000 (Logistik) = 53.000 Euro
  • Mit gleicher Vertriebsmarge von 7.000 Euro ergibt sich:
  • Verkaufspreis in den USA: 60.000 Euro

Fazit:

  • Der SUV verteuert sich in den USA um 10.000 Euro, also um 20 %
  • US-Kundinnen und -Kunden müssen dadurch entweder deutlich mehr bezahlen oder der Hersteller beziehungsweise Importeur senkt freiwillig die Marge, um den Preis wettbewerbsfähig zu halten

Für den Hersteller bedeutet das oft: weniger Gewinn oder weniger verkaufte Autos.

Wann fällt der Zoll an?

Der Zoll wird beim Grenzübertritt in die USA fällig, also zum Beispiel im Hafen von Baltimore oder am Terminal in Los Angeles. Zuständig ist in der Regel der US-Importeur oder die US-Niederlassung des deutschen Autobauers. Bezahlt wird der Zoll, bevor das Fahrzeug im Land verkauft werden darf.

Enormer Preisaufschlag und mehr Bürokratie

In den vergangenen Jahrzehnten wurden Handelsbarrieren immer weiter abgebaut. In Freihandelsabkommen wurden die Zölle oft auf Null gesetzt. So wird jeweils dort produziert, wo es am effizientesten ist. Das führt dazu, dass komplexe Produkte wie Autos aus Teilen bestehen, die aus vielen Ländern stammen. Manche Bauteile überschreiten mehrere Male Ländergrenzen, ehe das Endprodukt verkauft wird.

Wie sich die Zölle und der damit verbundene bürokratische Aufwand daher auf den Endpreis auswirken, lässt sich nur schwer abschätzen. Vermutlich liegt der nötige Preisaufschlag durch die Bürokratie höher als die reinen Zollsätze. Deutschen Unternehmen, die in die USA exportieren, geht dadurch in aller Regel mindestens ein Teil des Geschäfts verloren – jedenfalls, solange sie die Zölle nicht durch niedrigere Gewinnmargen auffangen können.

Euro wird schwächer

Andererseits gibt es einen Ausgleichsmechanismus: Zölle können Wechselkurse beeinflussen. Oft wird der US-Dollar dadurch stärker, was Importe für die USA günstiger macht. Es wird also für US-Amerikanerinnen und -Amerikaner günstiger, im Ausland einzukaufen. Ein Stück weit wird der Effekt der Zölle dadurch aufgehoben.

Dafür wird es aber für die Menschen in den mit Zoll belegten Staaten teurer, US-Waren zu kaufen – beispielsweise Öl.

Da aber noch andere Faktoren den Wechselkurs beeinflussen, ist nicht ausgemacht, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar sinkt. So kann beispielsweise die Erwartung, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession rutscht, den gegenteiligen Effekt haben und den US-Dollar schwächen. Und tatsächlich ist bislang das Gegenteil zu beobachten: Der US-Dollar hat stark abgewertet. Dadurch verschärft sich der Zolleffekt für deutsche Exporteure zusätzlich.

Mehr günstige Waren für Europa?

Wenn die Menschen in den USA beispielsweise weniger Waren aus China und der EU kaufen, zwingt das die europäischen und chinesischen Unternehmen unter Umständen, ihre Waren mit einem Rabatt in anderen Ländern, also auch in Deutschland, anzubieten, um sie überhaupt noch verkaufen zu können. Das könnte hierzulande zu sinkenden Preisen führen.

Schlecht für alle

Durch die Zölle können vor allem viele Nachteile für alle entstehen. Für die US-Bürgerinnen und -Bürger werden die Waren teurer. Das betrifft die importierten, aber vermutlich auch die heimischen Waren. Zum einen steigen die Kosten auch für US-Unternehmen, wenn sie Vorprodukte aus dem Ausland benötigen, zum anderen können sie leichter ihre Preise erhöhen, wenn die ausländische Konkurrenz plötzlich teilweise wegfällt.

Die deutsche Wirtschaft wird leiden, wenn die USA weniger Produkte aus Deutschland kaufen. Die USA sind unser wichtigster Handelspartner – in kein anderes Land exportieren deutsche Unternehmen so viel.

Das einbrechende US-Geschäft für chinesische Unternehmen wiederum belastet die dortige Wirtschaft, weshalb sie auch weniger Geld haben werden, deutsche Waren zu kaufen.

Kurzum: Je schneller das Geld umlaufen kann, desto besser für die Wirtschaft. Die Zölle verlangsamen den Geldfluss und Handel jedoch und verursachen damit wirtschaftliche Einbußen.

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Stand: 20. Januar 2026

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