3 Fragen zu Geld: Aktienbesteuerung

Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater klärt auf

Immer mehr Menschen investieren in Wertpapiere. Allerdings ärgern sich auch viele Privatanlegerinnen und -anleger spätestens bei der Steuererklärung. Denn: Verluste aus Aktiengeschäften können in Deutschland nur mit Gewinnen aus anderen Aktienverkäufen verrechnet werden. Eine Verrechnung mit anderen Einkünften ist nicht möglich. Der Bundesfinanzhof hat diesbezüglich nun sogar eine Klage an das Bundesverfassungsgericht weitergegeben. Doch wie lassen sich Aktien sinnvoller besteuern? Muss in Zeiten von Niedrigzinsen und klaffenden Rentenlücken nicht ganzheitlicher gedacht werden? Antworten darauf kommen von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka.  

Stier und Bär
Dr. Kater
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Aktuell lassen sich verlustreiche Aktienverkäufe in der Steuererklärung nur mit Aktiengewinnen verrechnen. Die Verrechnung mit Gewinnen aus Fonds oder sonstigen Kapitalanlagen ist nicht möglich. Ist das sinnvoll?

Die Aktie hat es hierzulande steuerlich nicht leicht. Zunächst werden die Unternehmensgewinne auf der Unternehmensseite besteuert. Dann werden bei Anlegerinnen und Anleger die ausgeschütteten Gewinne wie auch Kurssteigerungen bei Veräußerung noch einmal besteuert. Auch die Regelungen zu den Verlustverrechnungen sind aktuell ungünstig für die Aktienanlage. Das alles sind Zeichen dafür, dass Aktien das ungeliebte Kind der Finanzpolitikerinnen und -politiker sind. Der tragenden Rolle, die die Aktie beim langfristigen Vermögensaufbau hat, wird dies nicht gerecht. Es behindert vor allem auch diejenigen, die eigentlich gefördert werden sollten – nämlich die Menschen mit mittleren und geringen Vermögen.

Kann Deutschland sich zum Beispiel bei den USA etwas abgucken? Dort lassen sich die Verluste auch mit anderen Kapitalanlagen verrechnen – und bis zu einer Summe von 3.000 Dollar im Jahr sogar mit gewöhnlichem Einkommen.

Die USA haben nicht nur eine positivere Grundeinstellung zur Aktie als Anlageinstrument, sondern auch gesetzliche Anreize geschaffen, Aktien in der Altersvorsorge zu verwenden. Diese staatliche Förderung ist übrigens in vielen Ländern die Grundlage einer „reiferen“ Aktienkultur. Es wäre also auch hierzulande sinnvoll, Anreize für ein regelmäßiges Sparmodell mit Aktien für die langfristige Altersvorsorge zu setzen.

Insbesondere vor dem Hintergrund von Niedrigzins und klaffender Rentenlücken – was wäre ein sinnvolles Modell für die Besteuerung von Geldanlagen?

Ein wichtiger Fortschritt wäre schon mal, eine steuerliche Schlechterstellung der Aktie gegenüber anderen langfristigen Anlageformen zu beseitigen. Eine Aufhebung der Besteuerung von Kursgewinnen bei einer Haltedauer von mehr als zehn Jahren würde die Anreize zum langfristigen Halten von Aktien enorm vergrößern – und damit die Stärken der Aktienanlage zur Geltung bringen. 

(Stand 18.06.2021)


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