Hohe Preise: So bekämpfen andere Länder die Inflation

Was kann Deutschland von anderen lernen?

Nicht nur Deutschland hat aktuell mit einer ungewöhnlich hohen Inflation zu kämpfen. Auch andere Länder stehen im Moment vor der Herausforderung, extreme Preissteigerungen zu verhindern – oder müssen versuchen, damit umzugehen. Wie hoch die Inflationsraten in anderen Ländern derzeit sind und was dagegen unternommen wird. 

Eine Frau ist beim Einkaufen und hält ihr Handy in der Hand

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die USA hat derzeit eine Inflationsrate von 7 Prozent. Viele US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner sind mit Bidens Geldpolitik unzufrieden und der Meinung, er habe der Situation zu wenig Beachtung geschenkt.  
  • Düstere Stimmung in der Türkei – auch wenn Präsident Erdogan mit verschiedenen Methoden versucht, die aktuelle Inflationsrate von fast 50 Prozent zu drücken, sieht die Notenbank so schnell keine Verbesserung der Lage.  
  • Endlich positive Nachrichten aus Venezuela? Laut Staatschef Maduro scheint sich die Wirtschaft zu erholen. Auch die Belastung durch die Hyperinflation sei seiner Meinung nach bald überwunden.  

Nicht nur in Deutschland geht die Inflationsrate nach oben – weltweit ist die Stimmung angespannt. Werfen wir daher einen Blick auf andere Länder. Wie geht es unseren Handelspartnern, dem Inflationsweltmeister Venezuela und dem aktuellen Sorgenkind, der Türkei?  

USA

Präsident Joe Biden hätte dem Problem zu wenig Beachtung geschenkt – so lautet der Vorwurf einiger US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner. Mit einer aktuellen Inflationsrate von sieben Prozent hat die USA den höchsten Wert seit 1982 erreicht. Dadurch wurde nicht nur das sonst gewohnt günstige Hamburgerfleisch deutlich teurer, sondern auch alles rund ums Auto, Hotelübernachtungen und Möbel.

Um die Situation zu entspannen, geht Biden das Problem auf mehreren Seiten an. Lieferketten sollen durch höheren Betrieb an zwei großen US-Häfen entlastet und Teile der strategischen Ölversorgung freigegeben werden. Außerdem können unabhängige Fleisch- und Geflügelproduzenten in der kommenden Zeit mit Hilfen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar rechnen.

Der Blick geht zusätzlich gespannt in Richtung der Notenbank Fed, die beginnt, von der sehr lockeren Geldpolitik abzuweichen und eine Zinswende einzuläuten. Wenn die Zinsen steigen, könnte der Preisauftrieb gebremst werden. 

Türkei

Mit einer Inflationsrate von fast 50 Prozent steht die Türkei derzeit vor großen Schwierigkeiten – besonders die Preise für Lebensmittel (55 Prozent), Verkehr (69 Prozent) und Strom (zwischen 50 Prozent und 125 Prozent) schossen in den vergangenen Monaten in die Höhe.

Ein verdoppelter Mindestlohn sowie angehobene Gehälter und Renten sollen die Bevölkerung entlasten. Außerdem plant Erdogan, die stark steigenden Kosten für Strom und Gas nicht auf die Haushalte abzuwälzen. Ob diese Pläne für Abhilfe schaffen, ist unklar. Die Notenbank rechnet eher mit einem weiteren Anstieg der Inflation und einer dadurch unverändert hohen Belastung für die Bevölkerung. 

Italien

Die Inflationsrate stieg in Italien im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent – die höchste Rate seit 13 Jahren. Wie auch in Deutschland bekamen Verbraucherinnen und Verbraucher das vor allem bei Lebensmitteln und Energie zu spüren. Zusätzlich wurden Alkohol und Dienstleistungen teurer.

Künftig will das Land daher neue Produkte in den imaginären Warenkorb bei der Berechnung der Inflationsrate miteinbeziehen. Darunter Coronatest, Büromöbel, Essen-to-go und Yogamatten. Schutzmasken und Handwaschgel gehören seit vergangenem Jahr bereits dazu. 

Venezuela

Venezuela steckte in den vergangenen Jahren in einer schweren Krise. 2020 erreichte das Land einen Preisanstieg von mehr als 3.000 Prozent. Doch nun kündigte Staatschef Maduro überraschend eine Wende an. Nach einer Reduktion der Inflationsrate auf 686 Prozent im vergangenen Jahr, sei die Wirtschaft um über vier Prozent gewachsen und „die Last der Hyperinflation überwunden“.

Die Schwierigkeit: Seit dem ersten Quartal 2019 wurden von der Zentralbank keine aktuellen Zahlen zur venezolanischen Wirtschaft mehr veröffentlicht. Die Aussagen Maduros lassen sich daher nur schwer überprüfen.

Sollte die Besserung wirklich voranschreiten, ist die Einführung des Dollars eine der wichtigsten Gründe. Dazu kommen die Streichungen der Subventionen bei Sprit sowie die Einsparungen bei Renten und den Gehältern von öffentlich beschäftigten Personen. 

Problematisch bleibt es weiterhin für die Einwohnerinnen und Einwohner, die wenige, bis keine Dollar besitzen und auf den Bolívar angewiesen sind. 

China

China scheint die aktuelle Lage gut zu meistern. Mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent steht das Land im weltweiten Vergleich gut. Der Handel boomt.

Dennoch ist China nicht vor Problemen gefeit. Der Wirtschaftsaufschwung verlangsamt sich und die Folgen der harten Coronapolitik erschweren die Rückkehr zur Normalität – das öffentliche Leben und damit auch die Wirtschaft kommen bei Quarantäne zum Erliegen. Darauf deutet die Senkung des Leitzinses für einjährige Kredite von 2,95 Prozent auf 2,85 Prozent hin. 

Außerdem spielt der Kollaps des Immobiliengiganten Evergrande eine Rolle. Viele Konzerne sind hochverschuldet, die stark gestiegenen Preise für Häuser erschweren die Lage. Die Regierung will daher die Preissteigerungen bremsen und kontrolliert der Immobilienblase Luft entlassen. Das ist zwar für viele Chinesinnen und Chinesen, die Häuser bauen möchten, eine erfreuliche Nachricht. Für die Wirtschaft allerdings ein weiteres Hindernis. 

Russland

Statt den angestrebten rund 4,2 Prozent, jagt in Russland derzeit eine Inflationsrate von 8,4 Prozent durchs Land. Das macht sich vor allem bei Waren des täglichen Bedarfs bemerkbar. Darunter bei einer klassischen Delikatesse, dem Kaviar. Der kostete zuletzt im Vergleich zum Vorjahr fast ein Drittel mehr und erreicht einen Preis von umgerechnet 60 Euro pro Kilo. Diese Entwicklung trifft – wie überall – besonders die ärmeren Bevölkerungsschichten. 

Zur Bekämpfung der Inflation hat die Notenbank im vergangenen Jahr den Leitzins bereits siebenmal angehoben und es stehen weitere Anhebungen zur Debatte. Zuletzt hatte der Leitzins 8,5 Prozent erreicht.

Die anhaltenden Spannungen zwischen Russland und dem Westen verschlimmern das Ganze noch. Gerade die schwierige Situation an der ukrainischen Grenze sowie die Diskussionen um Nord Stream 2 könnten für weiter steigende Energiepreise sorgen. 

Ungarn

Die USA und Ungarn schenken sich bei der aktuellen Inflation wenig. Ungarn erreichte im Dezember 2021 eine Rate von rund 7,4 Prozent.

Um eine weitere Erhöhung zu verhindern, verhängte Regierungschef Viktor Orban besonders bei Sprit und Nahrungsmitteln Preisobergrenzen. So dürfen seit dem 15. November Diesel und Benzin nicht mehr als 1,33 Euro pro Liter kosten. Die Preise für sechs Lebensmittel sind auf den Stand vom 15. Oktober 2021 eingefroren – darunter Fleischprodukte wie Schweinekeulen und Hühnerbrüste, Zucker, Milch, Weizenmehl und Sonnenblumenöl. Kritische Stimmen aus der Opposition sind der Meinung, dass die Maßnahmen nicht weit genug reichen und es sich nur um eine Wahlkampfmasche handle. 

Und wie geht es bei uns weiter mit der Inflation?

Hierzulande wird derzeit noch abgewartet. Die Europäische Zentralbank belässt den geldpolitischen Schlüsselsatz vorerst auf 0,0 Prozent und wird im März eine neue geldpolitische Prognose abgeben.  

Unterstützung für die Bevölkerung soll es allerdings geben. Die derzeit extrem gestiegenen Preise für Öl und Gas belasten insbesondere Bezieher sehr kleiner Einkommen – immerhin mehr als 2,1 Millionen Menschen in der Bevölkerung – ganz besonders. Um diese zu entlasten, gibt es von der Bundesregierung nun einen einmaligen Heizkostenzuschuss von mindestens 115 Euro. Das Geld soll bis spätestens Juni 2022 ausgezahlt werden. 


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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Grundsätzlich ist eine leichte Inflation nichts Schlechtes. Sie treibt das Wirtschaftswachstum an und sorgt für Zinsen bei Sparerinnen und Sparern. Daher gibt es auf der ganzen Welt Inflationsraten – diese sind jedoch unterschiedlich hoch. In manchen Fällen kommt es auch zu Hyper- oder Deflationen. So etwa in Venezuela mit 686 Prozent oder Samoa mit minus 3 Prozent. 

Von allen EU-Ländern hat Estland mit einer Rate von 12 Prozent die höchste Inflation (Stand: Dezember 2021). Danach folgen Litauen (10,7 Prozent), Polen (8 Prozent) und Lettland (7,9 Prozent). Deutschland (5,3 Prozent) befindet sich auf dem zwölften Platz. 

Die niedrigsten Inflationsraten (Stand Dezember 2021) im Euroraum haben aktuell die Schweiz (1,3 Prozent), Malta (2,6 Prozent), Portugal (2,8 Prozent) und Finnland (3,2 Prozent). 

Mit 7 Prozent stieg die Inflationsrate in den USA höher und schneller als von der amerikanischen Notenbank Fed angenommen – Gründe dafür dürften vor allem die von Präsident Joe Biden geplanten Veränderungen in der Infrastruktur und den Sozialsystemen sein. Die USA leidet unter einer ausgeprägten Personalknappheit. Qualifizierte Arbeitskräfte sind gefragt – das treibt die Löhne nach oben. 

(Stand: 10.02.2022)


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