Hohe Preise: So bekämpfen andere Länder die Inflation

Was kann Deutschland von anderen lernen?


Nicht nur Deutschland hat aktuell mit einer ungewöhnlich hohen Inflation zu kämpfen. Auch andere Länder stehen vor der Herausforderung, extreme Preissteigerungen zu verhindern – oder müssen versuchen, damit umzugehen. Wie hoch die Inflationsraten in anderen Ländern sind und was dagegen unternommen wird.

Eine Frau ist beim Einkaufen und hält ihr Handy in der Hand

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die USA haben derzeit eine Inflationsrate von 8,2 Prozent. Und das, obwohl die US-Notenbank Fed den Leitzins bereits zweimal erhöht hat. Für viele US-Amerikanerinnen und -Amerikaner ist dies ungewohnt, da geringe Inflationsraten oder sogar sinkende Preise lange der Norm entsprachen.
  • Düstere Stimmung in der Türkei: Die aktuelle Inflationsrate liegt bei über 80 Prozent. Der Mittelstand droht, vollends in die Armut abzurutschen.
  • Während in Italien die Inflationsrate steigt, wurden die Löhne seit 30 Jahren nicht erhöht. Eine Schere, die auch in Zukunft weiter auseinanderzugehen droht.

Nicht nur in Deutschland steigen die Preise – weltweit ist die Stimmung angespannt. Werfen wir daher einen Blick auf andere Länder. Wie geht es unseren Handelspartnern, dem fernöstlichen China und dem aktuellen Sorgenkind, der Türkei? 

Deutschland

Aufgrund der Folgen der Coronakrise, Lieferschwierigkeiten, schlechten Ernten sowie des Ukraine-Krieges und den damit verbundenen steigenden Energie- und Rohstoffpreisen markiert die Inflation in Deutschland derzeit ein Rekordhoch von 10,4 Prozent (Stand: Oktober 2022). Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte die Leitzinsen ab 2011 kontinuierlich. Anfang September entschied die EZB jedoch den Leitzins nach der ersten Erhöhung im Juli abermals anzuheben. Er liegt nun bei 1,25 Prozent. So will die Notenbank dazu beitragen, dass die aktuelle Teuerungsrate nicht dauerhaft bestehen bleibt.

Inflation in anderen Ländern

USA

Zuletzt war die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten Anfang der 1980er-Jahre so hoch: Sie liegt aktuell bei über acht Prozent. Ein Gegentrend zeichnet sich nicht ab, auch wenn die US-Notenbank Fed den Leitzins bereits zweimal erhöht hat.

Laut Präsident Joe Biden sei der Kampf gegen die Inflation aktuell das wichtigste wirtschaftspolitische Anliegen. In einer Rede im Juni sagte Biden, dass eine „Putin-Steuer“ auf Lebensmittel- und Spritpreise erhoben werde. Seiner Ansicht nach liegen die Gründe für die Inflation daher außerhalb der Landesgrenzen.

Türkei

Die Inflationsrate in der Türkei steigt unentwegt. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhten sich die Lebenshaltungskosten im Oktober 2022 auf über 80 Prozent. Es ist die höchste Inflationsrate seit September 1998 mit damals 80,4 Prozent. Vor allem die Preise für Transport und Lebensmittel erhöhen sich kontinuierlich. Transport- und Spritpreise stiegen bereits im Sommer um über 123 Prozent, während die Preise für Lebensmittel um knapp 100 Prozent wuchsen.

Die Inflationsrate in der Türkei hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen sorgt die schwache Landeswährung Lira für einen starken Preisauftrieb, da in die Türkei importierte Güter teurer werden. Zum anderen steigen aufgrund des Kriegs in der Ukraine die Rohstoffpreise.

Präsident Erdogan meint, dass hohe Zinsen die Inflation zusätzlich befeuern würden. Die Notenbank verzichtet deswegen bislang auf weitere Zinserhöhungen und hält den Leitzins seit Januar bei 14 Prozent.

Italien

Italien verzeichnet eine Teuerung von 9,3 Prozent im September 2022. Zudem haben sich die Strom- und Gasrechnungen in den letzten 12 Monaten verdoppelt, obwohl die Regierung bereits steuersenkende Maßnahmen ergriffen hat. Die Lebensmittelpreise überschreiten oftmals den Durchschnitt der Inflation. Pasta ist beispielsweise etwa 16 Prozent teurer geworden. Ein weiteres Problem: Seit 30 Jahren wurden in Italien die Löhne nicht erhöht, teils sogar reduziert. Das liegt unter anderem daran, dass Italien eines von sechs EU-Ländern ist, die noch keine Regelung für einen Mindestlohn gefunden haben.

China

Chinas Inflation bleibt derweil im Rahmen. Im September 2022 lag der CPI (chinesischer Konsumentenpreisindex) 2,8 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Im Vergleich zu europäischen Inflationsraten steigen die Preise nur leicht an. In den letzten Jahren hielt sich die Zentralbank in Peking zurück. Die Preise für Energie ziehen zwar ebenfalls an, aber da sich China nicht an einem Boykott gegen Moskau beteiligt, werden Gas und Öl weiterhin vergleichsweise günstig eingekauft.

Auch die wirtschaftliche Schwäche im Land trägt zur niedrigen Inflationsrate bei. Harte Corona-Maßnahmen schwächen den Binnenkonsum, Preisanstiege bleiben aus. Hinzu kommt, dass die Inflationsrate in China anders berechnet wird: Kleidung und Lebensmittel fließen dort stärker ein als Wohn- und Transportkosten.

Russland

In Russland liegt der Leitzins wieder auf Vorkriegsniveau, der Rubel ist gestärkt. Die Inflationsrate beträgt 13,7 Prozent (Stand: September 2022). Gas und Öl werden aktuell teuer exportiert. Aufgrund der Sanktionen lassen sich so gut wie keine Waren importieren. Es wird mehr eingenommen, als ausgegeben werden kann. Importe wären jedoch dringend notwendig, um die Wirtschaft und Produktionen langfristig am Laufen zu halten. Denn auch fehlende Komponenten und Ersatzteile können gerade nicht importiert werden.

Ungarn

In Ungarn liegt die Inflationsrate bei 20,6 (Stand: September 2022) Prozent – und damit auf dem höchsten Stand seit 1999. Besonders die Preise für Lebensmittel sind stark gestiegen. Ursachen sind die schwache Landeswährung Forint sowie die Lohn- und Einkommenspolitik. Würde die Politik nicht den Preis für einzelne Lebensmittel und Sprit vorschreiben und somit vergleichsweise geringhalten, läge die Inflationsrate Experten und Expertinnen nach noch höher. Ein weiterer Anstieg ist zu erwarten.


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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die durchschnittliche Inflationsrate der EU beträgt 10,7 Prozent (Stand: Oktober 2022). Das ist der höchste Wert seit Bestehen der Europäischen Union. Die höchste Inflationsrate verzeichnet Estland mit rund 24,09 Prozent.

Die niedrigsten Inflationsraten (Stand: Oktober 2022) im Euroraum haben aktuell Island (5,9 Prozent), Frankreich (7,1 Prozent) und Malta (7,4 Prozent).

Weltweit sind die Inflationsraten im Sudan (192 Prozent), in Venezuela (167 Prozent), in Syrien (139 Prozent) und in Simbabwe (132 Prozent) am höchsten. Hier kann man von einer Hyperinflation sprechen, da es sich um enorme Preissteigerungen von über 50 Prozent handelt.

Mit über acht Prozent stieg die Inflationsrate in den USA höher und schneller als von der amerikanischen Notenbank Fed erwartet – Gründe dafür dürften vor allem die von Präsident Joe Biden geplanten Veränderungen in der Infrastruktur und den Sozialsystemen sein. Aber auch der Angriffskrieg auf die Ukraine spielt eine erhebliche Rolle. Die USA leiden außerdem unter einer ausgeprägten Personalknappheit. Qualifizierte Arbeitskräfte sind rar – das treibt die Löhne nach oben.

(Stand: 31.10.2022)


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