Nahaufnahme zwei brennender Gasherdplatten.

Inflation: Fast am Ziel

Energie günstiger als im Vorjahr
Es gibt gute Nachrichten: Die Preise sind langsamer gestiegen als erwartet. Voraussichtlich steigen die Löhne und Gehälter dieses Jahr damit sogar stärker als die Lebenshaltungskosten. Wir schauen uns die Zahlen näher an und zeigen, was insbesondere beim Gas passiert.

Das Wichtigste in Kürze:

Die große Inflation scheint Geschichte zu sein. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamts . So sind die Verbraucherpreise im Januar 2024 nur um 2,9 Prozent höher als im Januar 2023. Die Inflationsrate ist damit erheblich kleiner als zum Höhepunkt der Teuerungswelle. Zu Spitzenzeiten im Herbst 2022 und dem folgenden Winter betrug der Preisanstieg knapp 9 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Allerdings kommen die aktuell 2,9 Prozent auf die 8,7 Prozent, die im Januar 2023 verzeichnet wurden, „obendrauf“, sodass das Leben in Deutschland im Januar 2024 knapp 12 Prozent teurer war als noch vor zwei Jahren. Dennoch ist das die niedrigste Inflationsrate seit Juni 2021. Eine gewisse Teuerung – von etwa 2 Prozent – ist sogar von der Europäischen Zentralbank erwünscht. Dieses Ziel ist wieder in Reichweite.

Die Energiepreise sind zuletzt gesunken

Es gibt auch Sachen, die im Jahresverlauf günstiger geworden sind. Dazu zählt vor allem Energie. Für Strom, Heizung und Kraftstoffe mussten die Menschen in Deutschland durchschnittlich knapp 3 Prozent weniger ausgeben als noch im Januar 2023 – obwohl dieses Jahr der CO2-Preis deutlich erhöht wurde.

Nachdem Russland seine Gaslieferungen über Nord Stream 1 und 2 eingestellt hatte sowie durch Sanktionen ein Großteil der Energielieferungen weggefallen waren, haben sich die Marktpreise mittlerweile stabilisiert. Verglichen mit dem Jahr 2020 müssen die Menschen in Deutschland nun etwa 50 Prozent mehr für Gas, Strom und andere Brennstoffe ausgeben, wie das Statistische Bundesamt  aufschlüsselt. Immerhin: Zeitweilig lag der Anstieg sogar bei 57 Prozent.

Hoffnung macht der Blick auf den Erdgaspreis am Weltmarkt. Dieser ist im Januar nochmals gesunken und befindet sich wieder auf dem langjährigen Niveau der 2010er Jahre. 2022 war der Preis um mehr als das Vierfache gestiegen. Die Gastarife für Verbraucher fallen – wenn auch mit Verzögerung – entsprechend. Mit etwa 10 Cent/kWh hat sich laut Verivox  der durchschnittliche Gaspreis binnen anderthalb Jahren halbiert. In den 2010er Jahren lag der Preis jedoch meist bei 5,5 bis 7 Cent.

Die Kaufkraft steigt

Positiv entwickelt sich die Verdienstseite. Schon zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2023 stiegen die Löhne und Gehälter deutlich und sogar etwas stärker als die Verbraucherpreise. Die Zahlen für das Jahresende liegen noch nicht vor. Aber der Trend dürfte sich fortgesetzt haben. Und auch für 2024 rechnen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe damit, dass das Lohnplus über der Inflationsrate liegen wird. Die Kaufkraft würde damit steigen.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dr. Ulrich Reuter, gibt einen positiven Ausblick: „Noch drückt uns alle die Inflation. Sie ist aber bereits zurückgegangen und wird sich langsam normalisieren.“ Die höheren Leitzinsen würden Wirkung zeigen. Die EZB dämpft damit die Konjunktur, um die Preise durch eine geringere Nachfrage zu drücken. „Zinssenkungen können sicher erst dann erfolgen, wenn der Kampf gegen die Inflation verlässlich gewonnen ist.“ Für 2024 rechnen die Sparkassen-Chefvolkswirte mit einer Inflationsrate von 2,6 Prozent.

Warum die gefühlte Inflation höher ausfallen kann

Obwohl die Inflationsrate im Januar 2024 nur 2,9 Prozent betrug, erscheint die Teuerung vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern im Alltag deutlich höher. Der Schlüssel für dieses Phänomen liegt in der unterschiedlichen Wahrnehmung von Preiserhöhungen.

Lebensmittel, die wir täglich konsumieren, haben einen großen Einfluss auf unser Inflationsempfinden. Da wir regelmäßig Lebensmittel einkaufen, fallen uns Preiserhöhungen hier besonders auf. Im Gegensatz dazu werden Kosten wie Energie, die zwar einen großen Anteil am Haushaltsbudget haben, aber weniger häufig bezahlt werden, in der Wahrnehmung oft weniger stark gewichtet.

Zudem sind die Nahrungsmittelpreise im Januar 2024 um 3,8 Prozent gegenüber Januar 2023 gestiegen, was über der allgemeinen Inflationsrate lag. Diese überdurchschnittliche Preissteigerung bei alltäglichen Ausgaben führt dazu, dass viele Haushalte die Inflation als höher empfinden, als sie in der Gesamtstatistik erscheint.

Es gibt darüber hinaus weitere Gründe, warum die gefühlte Inflation höher sein kann als die offiziell gemessene Inflationsrate:

  1. Selektive Wahrnehmung: Menschen neigen dazu, Preiserhöhungen stärker wahrzunehmen als Preisreduktionen oder stabile Preise. Dies führt dazu, dass die Wahrnehmung der Inflation oft höher ist als die tatsächliche.
  2. Alltägliche Ausgaben: Wie bereits erwähnt, haben häufig gekaufte Artikel wie Lebensmittel und Benzin einen überproportionalen Einfluss auf die Wahrnehmung der Inflation. Wenn die Preise für solche alltäglichen Güter steigen, wird die Inflation stärker gespürt. Werden Laptops beispielsweise günstiger oder haben eine höhere Leistung zum gleichen Preis, ist das schwerer greifbar, fließt in die offiziellen Daten aber mit ein.
  3. Medienberichterstattung: Die Art und Weise, wie über Inflation in den Medien berichtet wird, kann auch die Wahrnehmung beeinflussen. Häufige Berichte über steigende Preise können dazu führen, dass Menschen glauben, die Inflation liege höher, als sie tatsächlich ist.
  4. Persönliche Finanzlage: Die individuelle finanzielle Situation spielt ebenfalls eine Rolle. Personen mit geringerem Einkommen, die einen größeren Anteil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse ausgeben müssen, spüren Preiserhöhungen stärker.
  5. Regionale Unterschiede: Die Inflationsraten können regional variieren. In einigen Gebieten oder Städten könnten die Preise schneller steigen als im nationalen Durchschnitt, was die Wahrnehmung der dort lebenden Menschen beeinflusst.
  6. Psychologische Faktoren: Inflationserwartungen können auch psychologisch bedingt sein. Wenn Menschen erwarten, dass die Preise steigen werden, fallen ihnen Preisänderungen auch stärker auf.

Bauzinsen und Zinsen für Anleihen fallen bereits

Die hohen Inflationsraten waren der Hauptgrund, warum die Europäische Zentralbank (EZB) in den vergangenen anderthalb Jahren die Leitzinsen so stark erhöht hat. Dadurch gab es zwar mehr Zinsen auf das Ersparte. Wer aber einen Kredit brauchte, etwa um ein Haus zu bauen, musste mit entsprechend höheren Zinssätzen kalkulieren.

Da die Inflation in diesem Jahr mittelfristig deutlich zurückgehen soll, könnte die EZB die Leitzinsen wieder senken. Doch bisher teilte Ratsmitglied François Villeroy de Galhau mit, dass die Zentralbank dies erst tun würde, wenn die Inflationsaussichten fest bei 2 Prozent verankert seien.

Ein Blick an die Börse verrät aber, dass viele Anlegerinnen und Anleger schon seit Wochen mit fallenden Leitzinsen rechnen. So sind die Zinsen für viele Anleihen, mit denen sich Staaten und Unternehmen finanzieren, bereits gefallen. Lag die Rendite für deutsche Staatsanleihen im Oktober bei 3 Prozent, sind es im Februar 2024 noch 2,3 Prozent. Die Bauzinsen betragen wieder etwa 3,5 Prozent. Im Oktober 2023 lagen sie zum Teil noch bei rund 4,5 Prozent.

Von A wie Aktien bis Z wie Zentralbank
Der Newsletter Ihrer Sparkasse

Hier dreht sich alles ums Geld. Mit uns bleiben Sie auf dem Laufenden und erfahren alles über clevere Spartipps, lukrative Anlagemöglichkeiten, smarte Altersvorsorgen und News aus der Finanzwelt. Denn: Wissen zahlt sich aus!

Stand: 07.02.2024



Das könnte Sie auch interessieren


Drei Personen stehen mit gelben Helmen und Plänen auf Papier auf einer Baustelle eines Hauses. Im Vordergrund steht eine Metallleiter.
Wohnen
Baufinanzierung aktuell
Bauzinsen sinken derzeit
Gute Nachrichten für Kreditnehmer und -nehmerinnen: Seit einigen Wochen haben sich die Bauzinsen reduziert – und zugleich gehen die Immobilienpreise leicht bergab. Die wichtigsten Fakten im Überblick.
Nahaufnahme einer Hand die eine alte Birne an Deckenleuchte durch neue LED Leuchte ersetzt.
Die Zeit der enorm hohen Strompreise ist vorbei. Doch ein Grund, die Elektrogeräte nun hemmungslos laufen zu lassen, ist das nicht. Wir zeigen, welche Maßnahmen beim Energiesparen helfen und wie Sie am meisten Geld sparen können.
Close-up einer junge Frau mit roten Haaren, die auf ihr Mobiltelefon vor sich schaut.
Aktuelle Themen rund um Ihre Finanzen
Aktuelles
Wichtige Neuerungen, Trends und wirtschaftliche Entwicklungen: Wir halten Sie auf dem Laufenden und berichten über das, was Verbraucherinnen und Verbraucher wissen müssen.