Kein Sand im Getriebe

Vom Start-up zum Hidden Champion

Axel Wittig hat mitten in der Finanzkrise einen Spezialzulieferer für die Automobilindustrie gegründet. Dass er weltweit als Partner gefragt ist, verdankt er auch einer engen Kooperation mit der Sparkasse.

Als 2008 die Finanzkrise durch Europa tobte, nahm Axel Wittig sein Herz in beide Hände. Der Ingenieur aus dem oberschwäbischen Amtzell machte seine Vision wahr und gründete einen hochmodernen Werkzeugbau-Betrieb. Seine Vision: Die Entwicklung, Produktion und Montage von Bauteilen für die Automobilindustrie sollten schnell, flexibel und kostengünstig ineinandergreifen. 

Heute gibt es weltweit fast keinen Hersteller von Automatikgetrieben mehr, der nicht mit der WEBO Werkzeugbau Oberschwaben GmbH zusammenarbeitet. Das einstige Start-up darf sich als Technologieführer für die Fertigung von Getriebebauteilen fühlen. Ein Spezialzulieferer der Automobilindustrie, der für Aufsehen sorgt: weil er Werkzeuge entwickelt, die sich schon vor der Montage justieren und noch während des Umformens verändern lassen. 

Vom Businessplan zum Millionenumsatz

WEBO produziert Prototypen für den Antriebsstrang, das heißt für Automatik- und Hybridgetriebe oder Elektroantriebe. Wenn sich die Bauteile im Prototypenbereich bewähren, entstehen die Serienwerkzeuge und -betriebsmittel für die Produktion: So wird in Millionen-Stückzahl die gesamte Lebensdauer der Getriebe aller erdenklicher Hersteller garantiert. Für die Autobauer und Getriebehersteller bedeutet das: höhere Flexibilität, mehr Freiraum für Neuentwicklungen. Und natürlich sinkende Kosten. „Das ist quasi unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Wittig. Bereits das erste volle Geschäftsjahr war für die WEBO ein durchschlagender Erfolg: Die mehr als zwei Millionen Euro Umsatz übertrafen alle Erwartungen.

Dass aus dem kleinen Betrieb einmal selbst ein international agierendes Unternehmen werden würde, kann sogar der Chef manchmal kaum glauben. „Gerade in diesem schwierigen Marktumfeld des Automobilbereichs, da spürt man gar nicht, dass das passiert, und man kommt manchmal aus dem Grinsen den ganzen Tag nicht raus. Wenn man also plötzlich merkt: Mensch, die brauchen uns ja wirklich! Und Du bist nicht nur ’ne kleine Nummer, sondern hast Einfluss auf Entwicklungen und im Markt.“

Was so geerdet klingt, ist eigentlich sogar leicht untertrieben. Die Produkte der WEBO kommen weltweit zum Einsatz. Wittig und seine Entwickler haben sich in knapp zehn Jahren nahezu unentbehrlich gemacht: Der größte Kundenkreis der Oberschwaben kommt aus Europa, insbesondere aus Deutschland, aber auch aus Nordamerika – also von überall dort, wo Getriebe entwickelt und produziert werden. Aber auch in den asiatischen Kernmärkten Korea, Japan und China ist die WEBO inzwischen fest verankert.
 

Unersetzlich für Gründer: ein verlässlicher Finanzpartner

Für das Wachstum im Ausland ist Axel Wittig vor allem eines wichtig: ein verlässlicher Finanzpartner. „Das sind ja meistens Projekte, die wir durch Projektfinanzierung oder Vorfinanzierung realisieren müssen, und da ist die Sparkasse ein extrem guter Partner für unsere Betriebsmittelfinanzierung in allen Lagen und in allen Währungen.“

Schnell und unbürokratisch helfen, Dinge in die Tat umsetzen – das sind die wichtigen Punkte für den Unternehmer. „Sie wollen ja nicht ein Projekt haben, bei dem Sie sich intensiv um die Finanzierung Gedanken machen müssen, sondern das in gewissen Rahmenbedingungen einfach läuft.“ Das bedeutet auch schon mal: eine Betriebsmittellinie in Millionenhöhe für das internationale Geschäft bereitstellen.

Sich auf etwas verlassen können – gerade für einen Gründer ist das essenziell. „Hier ist eine enge Partnerschaft entstanden, ohne erdrückende Bürokratie“, erläutert Wittig. Besonders das Informationstool der Sparkasse hat Wittig in der Aufbauphase wertvolle Dienste geleistet: Dort konnte er beispielsweise erfahren, ob gewisse Kunden in finanziellen Schieflagen sind oder nicht.

Oder die Warenkreditversicherung, die ihm Projekte so abzuschließen hilft, wie sie finanziell vertraglich vorgesehen sind. Schließlich arbeitet man nicht nur mit den Toyotas dieser Welt zusammen, sondern manchmal auch mit einem No-Name. „Den muss man finanziell erst einmal analysieren, ob er überhaupt seinen Leistungen und der Bezahlung unserer Dienstleistung nachkommen kann.“

Der Plan: weiter international wachsen

In Amtzell arbeitet Wittigs Team derzeit mit Hochdruck an der Zukunft. „Wir wollen weiter diversifizieren und neue Produkte entwickeln“, sagt der WEBO-Chef. „Einfach um uns im einen oder anderen Bereich wieder unersetzlich zu machen.“ Das geht natürlich nur mit einer extrem motivierten Truppe, die fast ausschließlich aus dem Werkzeugbau kommt: „Das sind alles unheimliche Fachkönner, Wissensträger in ihrem Bereich, und daher bei unseren Kunden weltweit extrem geschätzt.“

Genug Rückenwind ist jedenfalls vorhanden. Nicht nur der Markterfolg der Oberschwaben spricht für sich. Auch die Fachbranche hat die WEBO schon mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Nominierung für den Deutschen Gründerpreis. „Da fühlt sich die gesamte Mannschaft klasse und das motiviert natürlich noch mehr.“ Die Marschroute gibt der erfolgreiche Ingenieur gleich mit vor: „So ein Hidden Champion, der wir ja so ein bisschen sind, der bleibt ja nicht stehen, der muss ja immer weitermachen.“

 

Vom Start-up zum hidden Champion

„Starten Sie niemals ohne Beratung und die richtige Absicherung“

Warum es sinnvoll ist, bei Auslandsgeschäften einen erfahrenen Partner ins Boot zu holen, erklärt Andreas Middelberg, stellvertretendes Vorstandsmitglied bei der Kreissparkasse Ravensburg und Geschäftsführer der BGM Beteiligungsgesellschaft für den Mittelstand mbH.

 

Worauf achten Sie, wenn Sie Kunden im Außenhandel unterstützen?

Andreas Middelberg: Zunächst analysieren wir, welche Kenntnisse und Erfahrungen der Kunde im internationalen Geschäft bereits hat. Größere Unternehmen haben meist eine eigene Auslandsabteilung, kleine nicht. Dann besprechen wir mit ihm seine Ziele. Sucht er einen zusätzlichen Absatzmarkt? Oder will er eine Auslandsniederlassung eröffnen? Und vor allem: wo? Die Anforderungen unterscheiden sich von Land zu Land sehr.

In welchem Stadium der Planung sollte der Kunde mit der Sparkassen-Finanzgruppe Kontakt aufnehmen?

Middelberg: Je früher der Kunde uns mit ins Boot holt, desto besser. Auslandsgeschäfte vorzubereiten, kostet Zeit. Man muss viele Aspekte berücksichtigen, wenn man keine bösen Überraschungen erleben will. Das fängt bei der Beurteilung von Risiken an, geht über die Finanzierung der Geschäfte bis hin zur Vertragsgestaltung und der anschließenden Abwicklung.

Welche Dienste und Instrumente bieten Sie für den Außenhandel an?

Middelberg: Um den Auslandszahlungsverkehr abzusichern, kommen am häufigsten Dokumentengeschäfte zum Einsatz. Wir können Unternehmen aber auch Fremdwährungskonten, -geldanlagen und -kredite, Auslandsgarantien und Finanzierungen vor Ort, zum Beispiel für Baumaßnahmen, anbieten. Gemeinsam mit den Landesbanken und den German Centres betreuen wir die Kunden von der Planungsphase bis zur Abwicklung eines Geschäfts oder auch während des regulären Betriebs eines Auslandsstandorts.

Wie sieht die Betreuung genau aus?

Middelberg: Will ein Kunde zum ersten Mal in einem Land handeln, fängt unsere Unterstützung damit an, dass wir ihn über Gepflogenheiten, Regularien und die politischen sowie rechtlichen Verhältnisse im Zielland informieren. Das Handelsrecht beispielsweise ist in jedem Land unterschiedlich. Deutsche Mittelständler sind es auch gewohnt, innerhalb von 14 Tagen bezahlt zu werden. Aber handeln Sie mal mit einer Firma in Frankreich oder Italien. Da bekommen Sie Ihr Geld oftmals erst nach drei Monaten.

Und wenn er einen eigenen Standort im Ausland gründen will?

Middelberg: Dann helfen wir ihm zum Beispiel dabei, ein Konto zu eröffnen, Zahlungen in der fremden Währung abzuwickeln und Ansprechpartner vor Ort zu finden. Wir können ihm auch sagen, welche Fördermöglichkeiten es im Zielland gibt.

Was sind besonders kritische Punkte beim Start eines Außenhandelsgeschäftes?

Middelberg: Ohne Beratung und die richtige Absicherung zu starten! Einer unserer Kunden ist mal mit einer Lieferung nach Malaysia in Vorleistung gegangen. Erst als er gemerkt hatte, dass es problematisch wird, hat er uns hinzugezogen. Der Käufer wollte die Maschinen vom Hafen abholen, ohne sie zu bezahlen. Meine Kollegen haben dann die Leitungen glühen lassen, damit unser Kunde sein Geld doch noch bekommt. Bei der Zeitverschiebung, den Sprachbarrieren und der völlig anderen Rechtslage in Malaysia war das eine ganz schöne Herausforderung. Am Ende hat es aber geklappt.

Was kann man von einem Best-Practice-Beispiel wie der WEBO lernen?

Middelberg: Erstens: Wenn man einen Nischenmarkt bedient, sollte man von Anfang an international denken, um nicht von einigen wenigen Abnehmern in Deutschland abhängig zu sein. Zweitens: Man muss seine Kunden kennen und mit ihnen in Kontakt kommen. Das klappt besser über den persönlichen Kontakt als über E-Mails und Telefonate. Und drittens: Man muss sein Auslandsgeschäft optimal vorbereiten und sich zum Beispiel bei der Sparkassen-Finanzgruppe über die rechtlichen Bedingungen in den Zielländern informieren.