Staatsfonds oder private Vorsorge – wie lässt sich die Rente retten?

Dr. Gabriele Widmann, Volkswirtin bei der DekaBank, über das künftige Zusammenspiel von gesetzlicher und privater Altersvorsorge

Das Rentensystem in Deutschland ist dringend reformbedürftig. Das wissen auch die Parteien der Ampelkoalition. Bereits das erste Sondierungspapier enthält deshalb Ideen zur Stärkung der Rente. Statt Rentenzahlungen zu kürzen oder das Rentenalter anzuheben, soll die private Altersvorsorge grundlegend überarbeitet werden. Auch ein Staatsfonds ist denkbar. Doch wie funktioniert so ein Fonds? Und was bedeutet das für die private Altersvorsorge? Antworten darauf kommen von Deka-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann.

Zwei ältere Menschen auf Fahrrädern
Staatsfonds
3 Fragen zu Geld an
Dr. Gabriele Widmann
Deka-Volkswirtin

Frau Dr. Widmann, angenommen, die neue Regierung setzt tatsächlich einen öffentlich verantworteten Fonds auf – wie würde das genau funktionieren?

Vorweg muss man wissen, dass diesbezüglich in Deutschland noch nichts entschieden ist. Letztlich muss man das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen abwarten. Bisher ist die gesetzliche Rentenversicherung rein nach dem Umlageprinzip konstruiert – das heißt die Zahlungen an die derzeitigen Rentnerinnen und Rentner werden über die zeitgleichen Einzahlungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer finanziert.

Dieses Prinzip stößt bei einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung wie der deutschen an seine Grenzen. Will man an den zentralen Stellschrauben – den Rentenbeiträgen, Rentenzahlungen und an der Lebensarbeitszeit – nichts ändern, dann muss mehr Geld beigesteuert werden.

Das kann über Steuerzuschüsse oder eben über einen Staatsfonds geschehen. Durch die Erträge aus dem Kapitalstock des Staatsfonds könnten laufende Renten über die Beitragszahlungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hinaus mitfinanziert werden. Der Staatsfonds wäre also Teil des gesetzlichen Rentenversicherungssystems.

Stattdessen könnte man einen Staatsfonds aber auch als ein Angebot an die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler für eine zusätzliche Altersvorsorge konstruieren. Die Privaten kaufen Anteile dieses Fonds, die mit den Jahren im Wert steigen. Der so entstehende private Kapitalstock kann für die Altersvorsorge verwendet werden.

Wäre die private Altersvorsorge damit nicht hinfällig?

Nein, das wäre sie nicht. Aber ihre Bedeutung hängt davon ab, ob der Staatsfonds als eine ergänzende Finanzierung der gesetzlichen Rente konstruiert wird oder ob er eine zusätzliche private Absicherung darstellt. Im ersten Fall wäre eine ergänzende private Altersvorsorge ohnehin unerlässlich. Im zweiten Fall wäre der Fonds ein Teil der privaten Altersvorsorge, aber eben nur ein Teil. Denn ein solcher Staatsfonds muss sich im Zweifelsfall immer zugunsten der Sicherheit und zulasten der Rendite positionieren, kann also nur begrenzte Zahlungen gewährleisten. Wer einen hinreichend hohen Lebensstandard im Alter anstrebt, wird auch in diesem Fall um eine diversifizierte, aber stärker aktienlastige Eigenvorsorge nicht umhinkommen. 

Wie kann man – unabhängig von politischen Überlegungen – heute schon fürs Alter vorsorgen?

Das ist in diesen Niedrigzinszeiten eine berechtigte Frage. Unbestritten ist: Es ist zunächst wichtig, Monat für Monat einen gewissen Betrag beiseite zu legen, um im Ruhestand überhaupt zusätzliches Geld zur Verfügung zu haben. Denn dann ist das monatliche Einkommen im Regelfall niedriger als während der Erwerbsphase.

Mindestziel wäre es, dass das beiseitegelegte Geld real, also nach Abzug der Inflation, seine Kaufkraft erhält. Mehr, das heißt einen realen Vermögensaufbau, kann man am besten über breit gestreute Geldanlagen erreichen, in denen mit Blick auf die Gesamtertragserwartungen renditeorientierte Anlagen wie Aktien entsprechend stark berücksichtigt werden. Was zu einem selbst am besten passt, erfährt man beispielsweise im Gespräch mit einer Beraterin oder einem Berater bei der Sparkasse vor Ort.

(Stand 22.10.2021)


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