Neuer Dividenden-Rekord: Was bringt das den privaten Anlegerinnen und Anlegern?

DekaBank-Studie prognostiziert Ausschüttungen von 62,5 Milliarden Euro – und damit so viel wie nie

Die im Dax und M-Dax notierten Unternehmen werden 2023 ihren Dividendenrekord aus dem Vorjahr erneut brechen – und rund 3,6 Milliarden Euro mehr Dividende ausschütten. Wie ist das möglich, obwohl sich die deutsche Wirtschaft in einer Rezession befindet, die Lieferkettenprobleme nicht enden, und die Inflation ein Rekordhoch verzeichnet? Und welche Vorteile hat das für die Aktionärinnen und Aktionäre?

Gruppe fröhlicher Menschen

Die im deutschen Aktien-Leitindex Dax gelisteten Unternehmen werden 2023 einen neuen Dividendenrekord aufstellen – und insgesamt 55 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten. Auch die M-Dax-Unternehmen werden ihre Ausschüttungen gegenüber 2022 steigern, um 12,3 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Damit werden die Aktiengesellschaften insgesamt 62,5 Milliarden Euro an ihre Investorinnen und Investoren überweisen.

Das ist das Ergebnis einer Analyse der DekaBank auf Basis der Dividendenprognosen für die 90 im Dax und im M-Dax gelisteten Unternehmen. Dabei betrachtet das Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe die regulären Dividendenzahlungen ohne Sonderdividenden.

Warum die Unternehmen einen neuen Rekord aufstellen können, wer genau davon profitiert und welche Anlagestrategie sich nun für die Privatanlegerinnen und -anleger empfiehlt, erklärt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der DekaBank.


Joachim Schallmayer,  Leiter Kapitalmärkte und Strategie Deka
3 Fragen zu Geld an
Joachim Schallmayer
Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka

Herr Schallmayer, trotz der anhaltenden finanziell und wirtschaftlich schwierigen Situation stellen viele Dax-Unternehmen einen neuen Dividendenrekord auf. Wie ist das möglich – und kann das gutgehen?

Ja, das ist durchaus beachtlich, schließlich hat die Corona-Pandemie und ihre Nachwirkungen erhebliche Verzerrungen in den Produktionsketten der globalen Wirtschaft mit sich gebracht und der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat nicht nur zu einer allgemeinen Planungsunsicherheit geführt, sondern auch eine enorme Kostenbelastung ausgelöst. Allerdings führte eine stabile Nachfrage bei gleichzeitig begrenztem Angebot zu positiven Margeneffekten und die steigende Inflation hat sich ebenfalls positiv auf die Gewinnentwicklung ausgewirkt. Somit sind die Rekorddividenden von Rekordgewinnen getragen. Noch nie haben die DAX-Unternehmen in einem Jahr mehr verdient als im Jahr 2022. Daher ist es nur konsequent, die Aktionäre angemessen daran teilhaben zu lassen.

Profitieren alle Investorinnen und Investoren gleichermaßen von diesem Geldsegen?

Lediglich drei der vierzig DAX Unternehmen schütten in diesem Jahr keine Dividende aus. Bei allen anderen Unternehmen kommt es zu einer Dividendenzahlung. Allerdings fällt die Höhe der Zahlung sehr unterschiedlich aus. Dabei ist es wichtig nicht isoliert auf den Betrag der Ausschüttung zu achten, sondern diese in Relation zum Aktienkurs zu betrachten. Die Spitzenreiter im DAX erzielen Dividendenrenditen von bis zu acht Prozent. Das ist durchaus beachtlich, allerdings sollte die Dividendenrendite isoliert betrachtet nicht das einige Auswahlkriterium bei der Aktienanlage sein. Die Werte zeigen aber, dass nicht alle Investoren in gleichem Ausmaß von Dividendenausschüttung profitieren. Im Durchschnitt aller Titel im DAX liegt die Dividendenrendite aber bei beachtlichen 3,6 Prozent. Somit ist die Dividende grundsätzlich ein ganz zentraler Ertragsfaktor bei der Aktienanlage.

Sollten die Anlegerinnen und Anleger nun all ihr Kapital auf Aktien setzen?

Alles auf ein Pferd zu setzten ist keine gute Anlagestrategie. Dies gilt sowohl in der Auswahl der Anlageklassen als auch innerhalb einer Anlageklasse. Durch die im vergangenen Jahr stark gestiegenen Zinsen rückt zudem mit Anleihen eine Anlageklasse wieder stärker in den Fokus, die in den vergangenen Jahren wenig attraktiv war. Somit ist es in diesem Jahr umso wichtiger in eine gute Mischung aus aktiv selektierten Unternehmensanleihen und Aktien zu investieren und das Risiko zusätzlich über weitere Anlageklassen zu streuen. Am Aktienmarkt wird sich ein Portfolio aus ertragsstarken Dividendentiteln gegenüber nach wie vor hoch bewerteten Wachstumsaktien gut behaupten können.

(Stand: 23.01.2023)


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