Lässt sich mit Bundesanleihen bald wieder Geld verdienen?

Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater klärt auf

Die meisten Wirtschaftsexpertinnen und -experten sind sich einig: Die Renditen deutscher Staatsanleihen werden weiter anziehen. Der Nullpunkt ist bereits in Sicht. Bedeutet das ein Ende der Minus- und Niedrigzinsen am Anleihemarkt? Könnten sich Anleihen in Zukunft womöglich wieder richtig lohnen? Antworten darauf kommen von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka. 

Ein 2 Euro Geldstück
Dr. Kater
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Bundesanleihen bewegen sich zum ersten Mal seit langer Zeit auf den Nullpunkt zu. Kommt jetzt das lang ersehnte Ende der Minus- und Niedrigzinsen?

Ja und nein. Die massiven Maßnahmen der EZB, insbesondere die immensen Wertpapierkäufe, haben das gesamte Zinsniveau extrem nach unten gedrückt. Damit haben sie auch sämtliche Bundesanleihen (bis hin zu den ganz langen 30-jährigen Laufzeiten) in den negativen Renditebereich geführt. Seit dem Jahreswechsel zeichnet sich jedoch ab, dass sich die globale Konjunktur kräftig erholen kann und somit auch die Verbraucherpreisentwicklung nach oben dreht. An den Kapitalmärkten werden daher wieder Lockerungen in der Geldpolitik und – wenn auch in weiter Zukunft – sogar steigende Leitzinsen in die Kurse eingepreist.

Es steht zu erwarten, dass die EZB zunächst ihr Wertpapierkaufprogramm etwas zurückführt, aber noch eine Weile weiterfährt. Womöglich fängt sie erst in fünf Jahren mit Leitzinsanhebungen an. Dementsprechend reagieren Anleihen mit besonders langen Laufzeiten zuerst und am stärksten.

Die Renditen von 10-jährigen Bundesanleihen haben in den letzten Monaten um etwa einen halben Prozentpunkt auf minus 0,10 Prozent zugelegt und werden wohl in den kommenden Wochen die Marke von null Prozent testen. Danach ist allerdings von einem nur sehr langsamen weiteren Anstieg auszugehen. Bundesanleihen mit kürzeren Laufzeiten werden dagegen noch für sehr lange Zeit im negativen Renditeniveau verbleiben. 

Die EZB kauft als Teil ihres Pandemie-Anleihekaufprogramms vor allem Staatsanleihen. Wie beeinflusst das die Entwicklung der Bundesanleihen?

Der Eingriff der Notenbanken in die Rentenmärkte ist massiv. Im Zuge ihrer beiden großen Kaufprogramme hat die EZB bisher etwa 3.400 Milliarden Euro an europäischen staatlichen und staatsnahen Anleihen aufgekauft. Bundesanleihen machen aufgrund des hohen wirtschaftlichen Gewichts Deutschlands mit etwa 800 Milliarden Euro einen hohen Anteil davon aus. Somit hat die Notenbank fast ein Drittel aller umlaufenden Bundesanleihen aus dem Verkehr gezogen.

Da diese aufgrund ihrer hohen Sicherheit auch bei internationalen Investoren besonders beliebt sind, müssen am Markt Knappheitspreise bezahlt werden. Dies ist der Hauptgrund, warum Bundrenditen zeitweise so tief in negative Regionen abgetaucht sind, dass für den Bundeshaushalt in den vergangenen Jahren über 400 Milliarden Euro an Zinsersparnissen angefallen sind.

Mit der Aussicht auf nachlassende Käufe der EZB sind die Renditen wieder ein gutes Stück angestiegen. Doch selbst nach dem Ende der Ankäufe in mehreren Jahren wird die EZB fällige Anleihen noch für geraume Zeit mit Neukäufen ersetzen. Auch nach dem Ende dieser Phase werden die Bestände weiter bis zur Fälligkeit gehalten und nicht vorzeitig auf den Markt zurückgegeben. Bundesanleihen werden also auf Jahre hinaus ein knappes, teures Gut bleiben.

Traditionell holen sich Anlegerinnen und Anleger ja besonders gern europäische Staatsanleihen ins Boot, um ihrem Depot mehr Stabilität zu geben. Lässt sich damit in Zukunft vielleicht sogar wieder Geld verdienen?

Bundesanleihen haben in einem auf Werterhalt oder -steigerung angelegten Vermögen nichts mehr zu suchen. Mit einer Streuung in andere europäische Staatsanleihen erhöhen sich die Chancen auf Anlagerfolge da schon etwas. In vielen Euroländern sind die Renditen etwas höher. Mit 10-jährigen spanischen oder portugiesischen Staatsanleihen lässt sich inzwischen gut ein halbes Prozent, in Italien sogar gut ein Prozent verdienen. Die höheren Einstiegsrenditen können mögliche Kursverluste aufgrund demnächst steigender Renditen abfedern.

Zusätzlich ergibt sich die Chance, dass sich die zuletzt spürbar gestiegenen Risikoprämien beispielsweise für italienische Anleihen wieder zurückbilden. Das eröffnet Chancen auf Kursgewinne. Ausreichende Renditen bieten sich dagegen eher bei Anleihen aus dem Unternehmenssektor. Diese gewähren den Investoren aufgrund der im Vergleich zu Staatsanleihen höheren Unsicherheit sowie einer geringeren Liquidität Aufschläge. Dafür schwanken die Kurse stärker und die Ausfallwahrscheinlichkeit ist leicht höher – daher ist eine Streuung hier ganz besonders wichtig.

(Stand 25.05.2021)


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