Zweistellige Zuwächse: Die Rolle von Bitcoin und Co. im Ukraine-Krieg

Kryptowährungen werden zur Umgehung von Sanktionen ebenso genutzt wie zur Unterstützung der Ukraine

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland haben Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether zeitweise deutlich zugelegt. Dahinter steckt einerseits der Versuch russischer Anlegerinnen und Anleger, ihr Vermögen gegen den Wertverfall des Rubels zu schützen. Andererseits nutzen Menschen weltweit digitale Währungen, um der Ukraine beizustehen.

Digitale Geldstücke und -scheine

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit dem Wertverfall des Rubels und russischer Aktien ist die Nachfrage nach Kryptowährungen rasant angestiegen.
  • Sowohl russische als auch ukrainische Handelsplattformen verbuchen deutliche Umsatzsteigerungen.
  • Kryptobörsen kommen den Aufforderungen der Politik nach und sperren Konten russischer Anleger.

Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs und der Verhängung westlicher Sanktionen gegen Russland ist deutlich mehr Geld in den Kryptosektor geflossen als in den Wochen zuvor. Die Sanktionen des Westens und der Ausschluss zahlreicher russischer Kreditinstitute von dem weltweiten Bankennetzwerk Swift  haben die russische Währung Rubel stark unter Druck gesetzt. Der Handel an der Moskauer Börse ist Kriegsausbruch ausgesetzt. Seitdem ist die Nachfrage nach Kryptowährungen zeitweise deutlich gestiegen.

Aber nicht nur in Russland, auch in der Ukraine hat vor allem der Bitcoin-Handel massiv zugelegt. Die Transaktionen mit Kryptovermögenswerten haben sich seitdem zeitweise verdoppelt. In der Ukraine verdreifachte sich das tägliche Handelsvolumen sogar.

Seit dem Beginn der Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 gewann der Bitcoin zeitweise mehr als zwanzig Prozent an Wert. Am 9. März notierte er noch mit einem Plus von gut zehn Prozent. Der Ether stieg sogar zwischenzeitlich um 30 Prozent, gab aber bis zum 9. März auf ein Plus von knapp sieben Prozent nach.

35 Millionen US-Dollar Kryptospenden an die Ukraine

Vitalik Buterin, der Mitgründer des Blockchain-Netzwerks Ethereum, twitterte kurz nach Beginn der Invasion: „Erinnerung: Ethereum ist neutral. Ich bin es nicht“. Er rief seine 3,4 Millionen Twitter-Follower dazu auf, die Ukraine zu unterstützen – etwa mit Kryptospenden im Rahmen der #Unchain_Ukraine-Kampagne. Der Software-Entwickler wurde in Russland geboren, wuchs aber in Kanada auf. Bis Anfang März kamen rund eineinhalb Millionen Euro über #Unchain_Ukraine zusammen.

Auch die ukrainische Regierung bat die Menschen weltweit, ihr Kryptogeld zukommen zu lassen. Nach Angaben des Nachrichtenportals CNBC belief sich die Höhe der eingegangenen Spenden eine Woche später auf 35 Millionen US-Dollar

Politik fordert Kryptobörsen zu Sperrungen auf

Zugleich haben der ukrainische Vize-Premierminister Mykhailo Fedorov und das US-Finanzministerium die Kryptohandelsplattformen gebeten, sanktionierte russische Organisationen und Personen zu sperren. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno le Maire sagte, die Europäische Union ergreife Maßnahmen, „insbesondere in Bezug auf Kryptowährungen oder Kryptovermögenswerte, die nicht zur Umgehung der von den 27 EU-Ländern beschlossenen Finanzsanktionen verwendet werden dürfen“.

Große Kryptobörsen wie Binance und Coinbase teilten mit, notwendige Schritte zu unternehmen, um gegen diejenigen vorzugehen, gegen die Sanktionen verhängt wurden. In seinem firmeneigenen Blog schreibt Coinbase, mehr als 25.000 Adressen russischer Personen oder Körperschaften blockiert zu haben. Das US-Unternehmen begründet den Schritt damit, dass die betroffenen Adressen offenbar an illegalen Aktivitäten beteiligt seien.

Einstieg in Kryptowährungen weiterhin stark umstritten

Auch wenn der Handel mit digitalen Währungen in den vergangenen Jahren deutlich mehr Fahrt aufgenommen hat, ist gerade für Privatanlegerinnen und -anleger weiterhin Vorsicht geboten. Gilbert Fridgen, der an der Universität Bayreuth zur Blockchain-Technologie und Bitcoin forscht, empfiehlt, nur mit kleinen Beträgen einzusteigen.

Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler wie einer der ehemaligen fünf Wirtschaftsweisen aus dem Sachverständigenrat der Bundesregierung, Professor Peter Bofinger, stellen noch in Frage, ob ein System mit Privatwährungen tatsächlich ein stabiles Geldwesen schaffen kann. Bei einem Einstieg in Bitcoin müsse man immer mit einem Totalverlust rechnen, betont der Professor.

Auch die deutschen Sparkassen verweisen auf das spekulative Risiko der Kryptowährungen. Für den Einsatz in der breiten Kundschaft seien sie wegen der damit verbundenen Risiken noch nicht geeignet.

(Stand: 10.03.2022)


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