Investieren in der Krise: Weil die Märkte wieder steigen

Wie Sie trotz Inflation Geld anlegen können

Anfang der 2000er ging es an den Aktienmärkten mehrere Jahre bergab. Wer aber vor genau 20 Jahren, als nicht mal der Tiefpunkt erreicht war, investiert hat, hat bis heute auf dieses Investment jedes Jahr 7,5 Prozent im Dax bekommen. Im MDax sogar 10 Prozent. Investieren in der Krise lohnt sich. Wie das trotz Inflation gelingt, erfahren Sie vom Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater.

Mensch hebt Deckel von einer Teekanne, die überraschend mit Geldmünzen gefüllt ist

Oft braucht es gar keine neue Ersparnis, sondern lediglich ein Umschichten, um die gegenwärtigen Chancen an den Aktienmärkten zu nutzen.
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3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Herr Dr. Kater, warum lohnt sich sparen und investieren trotz oder gerade in der Krise?

Sparen ist eigentlich ein Bedürfnis, das unabhängig von den wirtschaftlichen Umständen fortbesteht, wie Wohnen oder Mobilität. Wir sparen zu bestimmten Zwecken – häufig für die Altersvorsorge –, die sich ja nicht in Luft auflösen, weil es gerade eine Rezession gibt. Ein Vorteil der Geldanlage in der Krise kann sein, dass Sparende damit eine gute Grundlage für hohe Renditen in der Zukunft legen können. Denn Aktien etwa sind in der Krise meistens deutlich geringer bewertet als zu normalen Zeiten. Das zahlt sich dann wieder aus, wenn die Rezession vorbei ist.

Für viele wächst in der Krise der Liquiditätsbedarf, weil beispielsweise die Abschlagszahlungen für Gas steigen und ein größeres Sicherheitspolster angemessen scheint. Was können Anlegerinnen und Anleger tun, um günstige Zukäufe am Aktienmarkt dennoch nicht zu verpassen?

Was sich verändert in der Rezession ist die Sparfähigkeit. Die ist bei einigen Haushalten stark eingeschränkt – allerdings nicht bei der Mehrzahl. Gesamtwirtschaftlich bleibt die Ersparnis weiterhin auf hohem Niveau: Jedes Quartal bilden die Menschen in Deutschland etwa 60 Milliarden Euro an neuem Geldvermögen, auch im laufenden Jahr.

Manchmal ist es gar nicht nötig, neue Ersparnisse aufzubringen, um sein Vermögen zu stärken. Wir registrieren aus den Zahlen, dass immer noch riesige Teile der Vermögen auf unverzinsten Konten herumliegen. Viele haben noch nicht mitbekommen, dass es wieder Zinsperspektiven gibt, etwa bei Anleihen, aber eben auch günstige Möglichkeiten zum Einstieg in Aktien. Selbst mit Blick auf ein Sicherheitspolster für schlechte Zeiten sind die Liquiditätsbestände in vielen Vermögen zu hoch. Oft braucht es gar keine neue Ersparnis, sondern lediglich ein Umschichten, um die gegenwärtigen Chancen an den Aktienmärkten zu nutzen.



Anfang der 2000er platzte die Dotcom-Blase. Bis der Tiefpunkt beim Dax erreicht war, dauerte es drei Jahre. Die US-Immobilienmarktkrise von 2007 verursachte anderthalb schlechte Börsenjahre. Nur einen Monat lang fielen die Kurse wegen der Corona-Pandemie. Die Inflation und der Krieg gegen die Ukraine scheinen ebenfalls bereits an der Börse überwunden. Woran liegt es, dass die Krisen anscheinend kürzer werden?

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die breite Schwankungen an den Finanzmärkten hervorrufen können. Das geopolitische Umfeld ist unsicherer geworden. Die Geldpolitik hat in der Vergangenheit viel Liquidität erzeugt, die durch die Märkte schwappt. Und nicht zuletzt sind die Vermögensmärkte immer bedeutender geworden. Wesentlich ist aus unserer Sicht jedoch die lange Frist, in der sich nach jeder Schwankung der Aufwärtstrend bei Vermögenswerten durchgesetzt hat. Das wird auch nach der jetzigen Krise wieder geschehen.

(Stand: 28.11.2022)


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