Globale Mindeststeuer für Unternehmen – Schub oder Bremse für die deutschen Märkte?

Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater klärt auf

Um weltweit für mehr Fairness in der Steuerpolitik zu sorgen, schlug US-Finanzministerin Janet Yellen unlängst die Einführung einer globalen Mindeststeuer für Unternehmen vor. Deutsche Politikerinnen und Politiker zeigten sich begeistert – eine Mehrzahl begrüßt den Vorstoß. Doch: Wie würde sich eine solche Mindeststeuer auf die Kapitalmärkte auswirken? Und was würde das für den Wirtschaftsstandort Deutschland bedeuten? Antworten darauf kommen von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka.

Ein Industriegebiet in Deutschland
Dr. Kater
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Der Vorschlag von US-Finanzministerin Janet Yellen, eine globale Mindeststeuer für Unternehmen einzuführen, stieß vielerorts auf Begeisterung. Auch US-Präsident Joe Biden spricht sich für die Steuer aus. Was würde denn die Einführung einer solchen Steuer für die Kapitalmärkte bedeuten? Wäre das ein Schub oder eine Bremse für die USA?

Die wesentliche Botschaft, die sich mit den Steuerplänen der neuen US-Regierung verbindet, lautet: „Der durch die Vorgängerregierung Trump entfachte weltweite Steuerwettbewerb ist erst einmal wieder vorbei.“ Das ist eine gute Nachricht. Bei allen Vorteilen, die Wettbewerb auch auf staatlicher Ebene hat, liegt im Steuerwettbewerb auch eine Gefahr. Nämlich die, dass die Länder sich bei den Steuersätzen fortlaufend unterbieten. So steht irgendwann für staatliche Ausgaben womöglich kein Geld mehr zur Verfügung oder die Staaten werden in die Kreditfinanzierung gedrängt. Natürlich ist die Belastung für Einkommen und Unternehmensgewinne zu analysieren. Hier kommt es sehr stark auf die konkrete Ausgestaltung an. In der Vergangenheit waren die Effekte solcher steuerlichen Änderungen auf die Aktienmärkte allerdings von relativ kurzer Dauer.

Welchen Einfluss auf die deutschen Märkte hätte eine derartige Entwicklung?

Der deutsche Steuergesetzgeber wäre in der Steuersenkungsdiskussion ebenfalls entlastet. Auch in Deutschland wird die Konsolidierung der Staatsfinanzen nach den Corona-Belastungen eine große Herausforderung darstellen. Steuersenkungen sind da kontraproduktiv. Man sollte sich stattdessen darauf konzentrieren, Steuererhöhungen zu verhindern sowie die einzelnen Steuern besser auszutarieren.

Mit Blick auf die möglichen steuerlichen Veränderungen in den USA und in Anbetracht der Tatsache, dass China als einzige der größeren Volkswirtschaften im letzten Jahr ein positives Wachstum verzeichnen konnte: Sollten deutsche Anlegerinnen und Anleger nun ihr Portfolio eher Richtung Asien ausrichten?

Steuerliche Faktoren sind schlechte Anlagegründe. Das ist eine goldene Anlegerregel, die für alle Anlageklassen gilt. Aktienkurse werden durch den Unternehmenserfolg bestimmt. Der hängt in den allermeisten Volkswirtschaften – glücklicherweise – nicht vom Steuersystem ab. Aber aus dieser Perspektive werden Investitionen in Asien dann wieder interessant. Die Region wies in den vergangenen Jahren die höchsten Wachstumsraten auf und dabei wird es auch in den kommenden Jahren bleiben.


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