Was die aktuellen Preissteigerungen für mich und mein Geld bedeuten

Inflation: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die Inflationsrate im Euroraum erreichte im Dezember 2021 mit fünf Prozent ein Rekordhoch seit Einführung des Euro. Besonders die steigenden Energiepreise haben ihren Teil dazu beigetragen. Eine Entwicklung, die die Europäische Zentralbank (EZB) nach Aussage ihrer Präsidentin Christine Lagarde unterschätzt hat. Ob die Inflation wieder nachlässt und wie Sie Ihr Geld schützen können, erfahren Sie hier.

Ein kleines Mädchen betrachtet eine Lampe

Wie lässt sich die hohe Inflation 2021 erklären?

Verschiedene Faktoren haben die Inflationsrate nach oben getrieben: Dazu zählen ganz besonders die gestiegenen Energiepreise und die weltweite Konjunkturerholung. Viele Volkswirtschaften sind durch die Corona-Pandemie anfänglich in eine Krise gestürzt. Nun stabilisieren sie sich wieder.

Außerdem bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland die Rücknahme der temporären Mehrwertsteuersenkung zu spüren. Die Einführung der CO2-Abgabe sowie Materialmangel und Lieferprobleme bei bestimmten Waren und Gütern tragen ihren Teil zu der stark angestiegenen Teuerungsrate bei. 

Werden die Preise irgendwann wieder günstiger?

Vor allem Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Ein Beispiel: Vor Schulferien steigen in der Regel die Benzinpreise, weil viele Menschen in den Urlaub fahren und dementsprechend ihre Autos volltanken wollen.

Auch aktuell liegt die Preiserhöhung unter anderem an Sprit und Energie. Die Nachfrage hat deutlich zugenommen – in diesen beiden Fällen kommen aber noch Steuern und Abgaben hinzu. Zurzeit ist es schwer vorherzusagen, wie die Preise sich entwickeln werden.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde geht davon aus, dass sich beispielsweise die Energiepreise im Laufe des Jahres 2022 wieder stabilisieren und die Inflationsrate dadurch nach und nach zurückgehen wird.

Sollte ich jetzt in Aktien investieren?

Wer stark nachgefragte Aktien besitzt, kann bei einem erfolgreich wirtschaftenden Unternehmen zusätzlich Geld verdienen. Denn bei diesen Papieren steigt der Kurs spürbar – und wer sie zum richtigen Zeitpunkt verkauft, sichert sich Kursgewinne. Viele Unternehmen schütten zudem einen Teil ihrer Gewinne als Dividende an Aktionäre aus.

Aber aufgepasst: Dividenden sind nicht immer ein Zeichen für ein gut wirtschaftendes Unternehmen. In manchen Fällen werden sie auch bei schlecht laufendem Kurs ausgezahlt – finanziert aus der Substanz des Unternehmens. Das soll verhindern, dass Aktionäre abspringen, und der Aktienkurs weiter sinkt.

Auch wenn die Zugewinne vieler Aktienkurse im vergangenen Jahr verlockend klingen, bleibt ein Restrisiko: Die Inflation kann sich negativ auf jedes Unternehmen auswirken, was dann dessen Aktienkurs drückt.

Jedoch: Mit der Investition in einen breit gestreuten Aktienfonds verringert sich dieses Risiko. 

Sollte ich jetzt einen Kredit aufnehmen?

Wer Schulden hat, profitiert möglicherweise von der Inflation. Bei einem Kredit über beispielsweise 10.000 Euro müssen Sie – abgesehen von den Zinsen – 10.000 Euro zurückzahlen. Steigen während der Kreditlaufzeit die Preise, setzen Gewerkschaften unter Umständen höhere Löhne durch. Dadurch erhalten Sie mehr Einkommen und brauchen nur noch einen entsprechend geringeren Teil Ihres Jahreseinkommens zurückzuzahlen. Die anziehende Inflation sollte aber nicht der Grund dafür sein, einen Kredit aufzunehmen.

Schützen Immobilien vor Inflation?

Der nominelle, also der in Geld gemessene Wert von Dingen nimmt während einer Inflation zu. Das ist auch bei Immobilien der Fall. Sie gelten meist als sehr krisensicher – oft sogar krisensicherer als Gold. Und: Derzeit droht Volkswirtschaftlern und Immobilienexperten zufolge in Deutschland keine Immobilienblase zu platzen.

Wer also genug Geld zur Verfügung hat, kann sich auf dem Immobilienmarkt umsehen. Allerdings sind die Preise vielerorts bereits stark angestiegen. Da Ballungsgebiete und Großstädte sehr beliebt und dementsprechend teurer sind, könnte der Blick in die aufstrebende Kleinstadt daneben sinnvoll sein.

Für Kleinanlegerinnen und -anleger empfiehlt sich möglicherweise ein Immobilienfonds: Mit Ihrer anteiligen Investition finanzieren Sie den Bau eines Gebäudes. Wichtig ist nur, Ihr Geld wie bei den Aktien zu streuen und auf die Mindestanlagedauer zu achten. In der Regel gibt es eine Mindesthaltefrist, die verhindert, dass Sie Ihr Geld schnell abziehen können.

Wohin mit dem Ersparten in der Inflation?

In der aktuellen Situation historisch niedriger Zinsen und hoher Inflation sind Sachwerte eine Möglichkeit, am gesamtwirtschaftlichen Wachstum Teil zu haben. Sachwerte sind unter anderem Immobilien, Edelmetalle sowie Grund und Boden. Auch Antiquitäten, Kunst und Oldtimer sowie zum Teil Aktien zählen dazu.

Viele Menschen greifen bei einer hohen Inflation erst einmal zu Sachwerten. Doch auch bei ihnen können Preisprognosen schwierig sein und sie können Risiken mit sich bringen.

Wichtig: Bleiben Sie trotz einer Inflation flüssig und halten Sie eine bestimmte Menge an Geld flexibel verfügbar. 

Befeuert die Inflation jetzt die Gold-Superrallye?

Nicht unbedingt: Der Goldpreis schwankt und richtet sich vor allem nach Angebot und Nachfrage. Gold ist auch nicht „produktiv“ – besonders im Vergleich zu Aktien: Das Edelmetall bringt weder Zinsen noch Dividenden. Es erarbeitet auch keine Gewinne, wie es ein Unternehmen tut, in das Aktionärinnen und Aktionäre investieren. Außerdem ist der Goldpreis bereits seit 2019 stark angestiegen. Wer sein Geld kurzfristig sichern möchte, kann in Gold investieren. Allerdings ist es sinnvoller, sich langfristig Alternativen zu suchen.

(Stand: 26.01.2022)


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